AW: Grundsicherung - Infos zum Urteil des BSG
Hallo,
ich habe gestern einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung ans SG geschickt. Bei uns ist der Fall zwar ein bisschen anders, da mein Sohn inzwischen allein wohnt und trotsdem die Regelbedarfsstufe 3 erhält. Aber ich denke, dass auch andere durch den Nichtanwendungserlass in finanzielle Notlagen geraten könnten, so dass dies zwar ein vorläufiger, aber doch schnellerer Weg für ein Verfahren ist.
Folgenden Auszug habe ich aus
http://www.fluechtlingsinfo-berlin.de/fr/pdf/Antragstellung.pdf
8.6 Der Eilantrag bei Gericht
Wird eine Sozialleistung nicht erbracht oder ein Antrag mündlich oder schriftlich ganz oder teilweise
abgelehnt, obwohl ein dringender, existenziell notwendiger und unaufschiebbarer gegenwärtiger
Bedarf besteht, kann der Antragsteller mit Hilfe eines Eilantrags beim Verwaltungs- oder
Sozialgericht die Behörde zur Leistung verpflichten.
Das gilt auch, wenn ein Antrag unzumutbar lange geprüft wird und ohne Bescheid eine gegenwärtig
dringend benötigte, existenziell wichtige Leistung nicht erbracht wird. Unzumutbar kann - wenn der
Antragsteller z. B. obdachlos ist oder gar nichts hat - bereits die Nichtgewährung der Leistung am
Tag des Antrags sein, vorausgesetzt der Antragsteller hat alle ihm möglichen Bemühungen zur
Glaubhaftmachung seines Bedarfs unternommen (Vorlage von Unterlagen, soweit vorhanden, etc.).
Der Eilantrag bei Gericht heißt "Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung", § 123 VwGO
bzw. § 86b II SGG.
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Dem Eilantrag sollte, soweit vorliegend, eine Kopie des Antrages an die Sozialbehörde beigefügt
werden. Der Antragsteller sollte erläutern, wann und wo er den Antrag mündlich gestellt hat und
wann und wo er gegebenenfalls einen schriftlichen Antrag abgegeben hat. Er sollte ggf. erläutern,
was er noch unternommen hat, um die begehrte Leistung zu erhalten, z. B. an welchen
Tagen/Terminen er wo (und beim wem) vorgesprochen oder angerufen hat, und was die Reaktion
des Amtes war.
Falls der Antrag bereits mit schriftlichem Bescheid abgelehnt wurde, muss immer auch
Widerspruch und ggf. Klage einlegt werden, vgl. unten Kapitel 8.7. Der Eilantrag kann bei
dringendem Bedarf jederzeit, ggf. auch zugleich mit dem Widerspruch bzw. der Klage gestellt
werden. Zur Begründung kann der Antragsteller dann auf die beigefügte Kopie des Widerspruchs
bzw. der Klage verweisen.
Das Gericht entscheidet im Eilverfahren, was von der Sozialbehörde bis zur Entscheidung im
"Hauptsacheverfahren" (= Antrags-, Widerspruchs- und Klageverfahren) geleistet werden muss. Ein
Eilantrag ist immer dann möglich, wenn ein weiteres Abwarten nicht zumutbar ist, da die
Entscheidung im Hauptsacheverfahren Monate oder auch Jahre dauern kann.
Voraussetzung für den die Sache nur vorläufig regelnden Eilantrag ist, dass die gewünschte
Leistung bei der Sozialbehörde beantragt wurde, aber tatsächlich nicht erbracht wird. Ein
förmlicher Ablehnungs- oder Widerspruchsbescheid ist nicht erforderlich. Der Antragsteller
muss die Leistung für einen aktuellen, existenziellen Bedarf "dringend" benötigen, ein weiteres
Abwarten darf für ihn nicht zumutbar sein.