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UN-Behindertenrechtskonvention

Löwenkind 12.04.2011, 18:42#76
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Zum Thema passend gefunden:

Zwischenzeitlich hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales einen Vorentwurf für den Nationalen Aktionsplan mit dem Titel "Mit Dir zum Wir" sowie einen Vorentwurf für den sogenannten Staatenbericht vorgelegt.
rosifi 12.04.2011, 19:19#77
AW: UN-Behindertenrechtskonvention
Wäre es vielleicht nicht besser, nach positiven Lösungsmöglichkeiten zu suchen? Oder darüber zu diskutieren?

Hallo Löwenkind,

ich sehe das auch so. Wir haben immerhin eine Menschenrechtskonvention,auf die wir uns stützen können und der unser Staat auch verpflichtet ist.
Wenn wir hier bremsen und selbst ständig als Bedenkenträger auftreten, wird es nichts mit der Umsetzung. Da müssen wir Eltern schon dahinterstehen.
Wir sollten nicht für jeden das gleiche fordern, sondern das, was jeder von unseren Kinder benötigt, um ein gutes, möglich selbstbestimmtes Leben zu führen.
Liebe Grüße
Rosmarie
rosifi 13.04.2011, 11:24#78
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Hallo miteinander,

hat von Euch schon jemand überlegt, ob er für sein erwachsenes Kind selbst eine Wohngemeinschaft gründen könnte?

Herzliche Grüße
Rosmarie
Gisela M. 13.04.2011, 11:58#79
AW: UN-Behindertenrechtskonvention
Zitat von rosifi
Hallo miteinander,

hat von Euch schon jemand überlegt, ob er für sein erwachsenes Kind selbst eine Wohngemeinschaft gründen könnte?

Herzliche Grüße
Rosmarie


Für mich scheidet eine fremdbestimmte Heimunterbringung sowieso aus, aber der Gedanke an eine WG hat noch keinerlei Taten folgen lassen.

Vielleicht interessiert dieser Beitrag:

http://www.kobinet-nachrichten.org/cipp/kobinet/custom/pub/content,lang,1/oid,20335/ticket,g_a_s_t

Ich kenne auch andere Eltern hier im Rheinland, die sich für ihre schwerstbehinderten Kinder eine Wohnform wünschen, bei der man auch eine gewisse Lebensqualität erreichen kann.

In meiner Prioritätenliste steht dieses Thema allerdings noch nicht ganz oben, denn momentan geht's meinem Sohnemann einfach zu gut zu Hause ;-)
rosifi 13.04.2011, 12:11#80
AW: UN-Behindertenrechtskonvention
In meiner Prioritätenliste steht dieses Thema allerdings noch nicht ganz oben, denn momentan geht's meinem Sohnemann einfach zu gut zu Hause

Hallo Gisela,

so ist es bei uns auch. Leider habe ich aber auch schon erleben müssen, dass Eltern ganz plötzlich verstorben sind und die Kinder dann - ganz sicher nicht in deren und im Sinne der Eltern - im Pflegeheim gelandet sind.
Ich schieb den Gedanken aber auch immer wieder weg.

Herzliche Grüße
Rosmarie
Gisela M. 13.04.2011, 12:54#81
AW: UN-Behindertenrechtskonvention
Zitat von rosifi
Leider habe ich aber auch schon erleben müssen, dass Eltern ganz plötzlich verstorben sind und die Kinder dann - ganz sicher nicht in deren und im Sinne der Eltern - im Pflegeheim gelandet sind.
Ich schieb den Gedanken aber auch immer wieder weg.

Liebe Rosemarie,

der Gedanke wird ja nicht "weg"geschoben. Wenn ich der Meinung bin, dass für meinen Sohn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, dann werde ich sicherlich die notwendigen Aktivitäten entfalten.
Wenn man allerdings eine WG anstrebt, bei der man ja mit anderen Eltern kooperieren muss, kann man dieses WG-Zimmer nicht jahrelang "reservieren", weil ja immer die Gefahr besteht, dass die Eltern ganz plötzlich versterben.
Für jeden Betreuer gibt es ja einen Ersatzbetreuer.
In unserem Fall ist dies meine gesunde Tochter, und wenn mir tatsächlich mal was zustoßen sollte, wird sie ihren Bruder ganz sicher nicht in ein Heim einweisen lassen.
Auch per Testament lassen sich individuelle Vorkehrungen treffen.

Das Argument, dass Eltern versterben können, habe ich mir schon im Kindergarten und in der Schule angehört.
Nun ist mein Sohn gerade 24 Jahre alt geworden - und ich lebe immer noch ="=

Scherz beiseite - ich denke, dass jede/r individuell für sich selbst entscheiden muss, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist.
Vielleicht kann der verlinkte Beitrag ja bei der Entscheidungsfindung in Richtung WG ein paar Informationen liefern.

Viele Grüße
Gisela
Löwenkind 13.04.2011, 14:22#82
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Hallo miteinander,

mir geht es auch so. Auf der einen Seite möchte man Vorsorge treffen und tut es auch auf die Art und Weise, wie Gisela es beschrieben hat. Das ist der vorausschauende und verantwortungsbewußte Blick in die Zukunft.

Dann hat man aber wieder das Gefühl, nirgendwo anders als bei uns zu Hause in der Familie geht es meinem Kind so gut.......................................................................

Man wird immer beraten und es wird empfohlen, auch auf den jungen Erwachsenen Rücksicht zu nehmen, der ja schließlich auch - genau wie andere Jugendliche - ohne Mama im Rücken in sein eigenes Leben starten darf. Es wird nahe gelegt, man solle doch lieber zu Zeiten, wo es einem noch gut geht, das Loslassen starten, als dann auf einmal ex und hopp.
Ich glaube, da geht es uns allen ziemlich gleich und es ist ein ganz schwerer Schritt, den man auch ganz bewußt vor sich her schiebt, vor lauter Angst vor der Frage: Was kommt dann?

Vielleicht ist es minimal einfacher, wenn man nicht "nur" gepflegt hat und noch rege Ansprüche an einen außerhalb der Familie gestellt werden. Aber viele von uns und je schwerer die Behinderung des Kindes ist, bzw. die Kommunikation eingeschränkt ist, haben sich 100% mit dem ganzen Ablauf des Alltags in der Familie seit zig Jahren völlig auf das "Kind" eingerichtet. Dann kommt halt dieses große Loch - Leere - Stille - nicht mehr gebraucht sein und dann?

Es ist ein ganz gewaltig großer Schritt, der je nach Wohnverhältnissen und Entfernung von Zuhause, spürbare Veränderung in unser "geplantes, ausgerichtetes" Leben bringt.

Das verbindet uns hier alle mehr oder weniger im Forum und das hilft vielleicht auch ein wenig trösten. Vielleicht schaffen Politiker, Träger und auch Betroffene selbst, künftig Wohnangebote zu stellen, wo betroffene Menschen wie alle anderen Menschen auch, gleichberechtigt in Gemeinschaft mitten in der Gesellschaft leben können. Dann sollte der Prozeß des Lösens vielleicht künftig ein wenig leichter fallen.

Menschen mit Behinderung müssen nicht nur "da sitzen" und weite und ausgewaschene Pullover anhaben. Sie wollen genauso schick aussehen und angelacht werden und mit ins Gespräch einbezogen werden, wie andere in ihrem Alter auch.

Sie fahren meist gerne Auto - so individuell wie alle anderen Erwachsenen in ihrem Alter auch. Sie werden rot, träumen, lieben und entwickeln Gefühle, die auch trotz ihrer Behinderung selbstverständlich da sind.

Sie schwitzen in der Sonne, sie frieren im Kalten, sie trauern und sie fühlen Verletzung, sowie Ausgrenzungen. Sie ärgern sich und können wütend werden. Sie suchen Träume und sanfte Berührungen auf der Haut lassen sie zu und bekommen auch bei Schreck mal eine Gänsehaut. Sie bekommen einen Sonnenbrand, haben Kopfschmerzen und ekeln sich vor unbekannten Dingen. Sie können genauso unheilbare Krankheiten entwicklen und leiden unter Heuschnupfen. Und wenn sie Schnitzel essen, dann haben sie auch mal ein wenig Fleisch in den Zähnen stecken und es tut ihnen weh.
Manchmal muss man den Anderen einfach nur immer mal wieder stecken, was wir alle für einmalige, wunderbare und liebenswerte Kinder haben, die wir so sehr lieben, dass wir so sehr leiden, wenn wir uns mit ihrem Auszug aus dem Elternhaus befassen müssen.

L.G.
Löwenkind
Gisela M. 13.04.2011, 16:07#83
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Diejenigen Beratungseinrichtungen, die den Eltern immer unterstellen, dass sie nicht loslassen könnten, sollten sich zunächst mal dafür stark machen, dass Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass man guten Gewissens loslassen könnte.
Kürzlich habe ich eine Veranstaltung des LVR in Köln besucht, die den schönen Titel "Den Sozialraum gemeinsam gestalten" hatte.
Zukünftig sollen demnach stadtteilorientierte Wohnprojekte entstehen, in welchen sich die Bewohner möglichst gegenseitig unterstützen sollen.
Es wurde auch kein Geheimnis daraus gemacht, dass man mit diesen Sozialräumen auch Sozialhilfegelder einsparen möchte.
Die notwendige Betreuung will man überwiegend nach § 45c SGB XI durchführen lassen - also mit niedrigschwelligen Betreuungsangeboten durch gering qualifizierte Betreuungspersonen.
Eben gerade kommt mein Sohn aus der WfbM nach Hause, und da erklärt mir der Busfahrer, dass ab kommenden Monat ein anderes Unternehmen fährt, weil auf Druck des Landschaftsverbandes auch hier weitere Kosteneinsparungen vorgenommen werden mussten.

Was wir bei diesen Spar-Orgien zukünftig für unsere Kinder erwarten dürfen, können wir uns jetzt wahrscheinlich noch gar nicht vorstellen, aber die Sprüche vom "Nicht-loslassen-können" höre ich mir von niemandem mehr an.
Ich war gerade 10 Tage ohne Sohnemann in Urlaub, und da ich die Betreuung selbst organisiert hatte, konnte ich wunderbar loslassen, denn ich wusste, dass er gut versorgt wurde.
Ich würde auch keineswegs in ein tiefes Loch fallen, wenn er ausziehen würde, weil ich davon ausgehe, dass ich bis 2023 berufstätig sein werde. Außerdem sind da noch Haushalt, Garten, Sport, Fotografie usw usw.

Entscheidend für die Wahl seines Lebensmittelpunktes ist einzig und allein das Wohl meines Sohnes, und da ihn niemand so gut kennt wie ich, kann mich auch kein Außenstehender beraten.
Woher will ein Berater wissen, wie problematisch EEG-Ableitungen sind, die wegen der epileptischen Anfälle nötig sind?
Woher will ein Berater wissen, wie eine Zahnarzt-Untersuchung ohne Vollnarkose stattfinden kann, wenn der Patient den Mund nicht freiwillig aufmacht?
Die Auflistung der Probleme ließe sich beliebig fortsetzen, aber ich selbst habe es mir auch abgewöhnt, mich dafür zu rechtfertigen, dass ich im Sinne meines Sohnes handele.

Eine WG wird seine zukünftige Wohnform sein, aber über den richtigen Zeitpunkt entscheide ich ganz allein, denn das Vertrauen in unsere Politik hat dieselbige schon lange verspielt :-(
rosifi 13.04.2011, 16:17#84
AW: UN-Behindertenrechtskonvention
aber die Sprüche vom "Nicht-loslassen-können" höre ich mir von niemandem mehr an.
Ich war gerade 10 Tage ohne Sohnemann in Urlaub, und da ich die Betreuung selbst organisiert hatte, konnte ich wunderbar loslassen, denn ich wusste, dass er gut versorgt wurde.

Meine Rede!

Grüße
Rosmarie
Löwenkind 13.04.2011, 16:58#85
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Liebe Gisela,

du hast es (mal wieder) auf den Punkt gebracht.

LG
Löwenkind
Kirsten 13.04.2011, 17:45#86
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Passt zu barrierefrei - die leichte Sprache

und das gibt es schon alles in leichter Sprache!

und die Kriterien der leichten Sprache und worauf man beim Schreiben achten sollte.
Inge 13.04.2011, 19:47#87
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Hallo zusammen,
Gisela, danke für den kobinet-Link. Ich habe schon öfters an eine WG-Gründung gedacht und werde es in den nächsten Jahren auch angehen (müssen). Deshalb habe ich mich auch schon seit längerer Zeit mit Alternativen Wohnformen befasst.
zippe 16.05.2011, 13:57#88
AW: UN-Behindertenrechtskonvention
Behindertenrechtskonvention: Referentenentwurf der Bundesregierung kritisiert

Berlin (kobinet) Der Allgemeine Behindertenverband in Deutschland (ABiD) hat den Referentenentwurf für einen Nationalen Aktionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen prinzipiell kritisiert. In seiner Stellungnahme zum Entwurf, zu dem die Verbände am 17. Mai im Bundesministerium für Arbeit und Soziales angehört werden sollen, sind deutliche Veränderungen gefordert.

Seit dem Inkrafttreten der Konvention, so der Verband, gab es dazu mehrere Veranstaltungen und auch Publikationen, aber keine praktischen, für Menschen mit Behinderungen positiv spürbare Veränderungen in der Gesetzgebung oder bei der Handhabung bestehender Gesetze und Verordnungen. In zahlreichen Bereichen sei es im Gegenteil zu Verschlechterungen (z.B. „Kindergeldabzweigung“ oder „Regelbedarfsstufe 3“) gekommen.

Zu Recht weise die Bundesregierung darauf hin, dass Deutschland auf behindertenpolitischem Gebiet am 26. März 2009 nicht bei Null anfing. Um so mehr verwundert es den ABiD, dass die Bundesregierung mehrfach konstatiert, dass sie keine Kenntnis über die wirkliche Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen habe und nur über äußerst unzureichende Daten und Statistiken verfüge. [...]
Quelle und kompletter Text: kobinet
zippe 18.05.2011, 19:11#89
AW: UN-Behindertenrechtskonvention
Einhellige Kritik am Aktionsplan der Bundesregierung

Berlin (kobinet) Der Referentenentwurf der Bundesregierung zu einem Aktionsplan, der die UN-Behindertenrechtskonvention umsetzen soll, ist im Rahmen einer Verbändeanhörung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) am Dienstag auf deutliche und einhellige Kritik gestoßen. Mit Einschätzungen wie “enttäuschend – dünn – mutlos - Bemühen erkennbar - wir waren schon einmal weiter – noch einmal von vorn” ist dieses Papier versehen worden. [...]
Quelle und kompletter Text: kobinet

irgendwie werde ich manchmal ziemlich mutlos, wenn ich sehe, wie viel Überzeugungsarbeit noch zu leisten ist.
rosifi 18.05.2011, 23:08#90
AW: UN-Behindertenrechtskonvention
irgendwie werde ich manchmal ziemlich mutlos, wenn ich sehe, wie viel Überzeugungsarbeit noch zu leisten ist.

Hallo Zippe,

vor allem, dass man in einem sog. zivilisierten Land überhaupt noch Überzeugungsarbeit leisten bzw, die Rechte von Menschen mit Behinderung einfordern muss. Warum müssen wir überhaupt auf unsere Rechte pochen? Es sollte doch uns Menschen ausmachen, unserem Nächsten da zu helfen, wo er diese Hilfe benötigt. Selbstverständlich sollte es sein, auf Augenhöhe zu den Bedürftigen. Egal, ob es sich hier um Einzelpersonen oder um Behörden, Krankenkassen u.ä. handelt. Nächstenliebe heisst hier das -vielleicht veraltet klingende - Zauberwort. Genau die ist uns aber bei unserer leistungs- und wirtschaftsbezogenen Gesellschaft irgendwie verloren gegangen.
Seti 19.05.2011, 11:57#91
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Ich sehe das so , Die UN-Behindertenrechtskonvention steht auf dem Papier , Deutschland hat mit unterschrieben und das wars.

Es wird in Deutschland immer alles zerredet ,auseinandergenommen und Statistiken angelegt.
Wie die Realität aussieht interesiert unsere Reg. schon lange nicht mehr.

Hauptsache es wurde unterschrieben man will ja immer mit leuchtenden Fackeln voran gehen nach dem Motto hier seht der Otto steht drunter aber wenn es ans eingemachte gehen soll kommt nix. Wenn es um die Banken geht ja dann am liebsten schon vorgestern.

Also bleibt uns nur der Kampf
Myriam 19.05.2011, 22:06#92
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

..........................und am Ende der Umsetzung werden sich die Einrichtungsträger selbst weggekürzt haben müssen - worden sein. Hinter den Einrichtungsträgern und "Dienst"-Anbietern stehen (immer noch) starke Verbände, die auch Schutz bieten. Wer bitte, wird dann für die Menschen da sein, die eben ihre Rechte auf dem Papier, aber noch lange nicht für die Öffentlichkeit, d.h. in der, oder mit der Gemeinschaft haben?:unsicher:

L.G.
Myriam
rosifi 20.05.2011, 11:10#93
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Hallo Myriam,

bei der Umsetzung der UN-Konvention geht es doch in erster Linie um das Wohl der Menschen mit Behinderung. Da sind auch die "Dienst-Anbieter" gefordert, indem sie neue Wege suchen. Wege, in denen sie Menschen mit Behinderung darin unterstützen, inmitten der Gesellschaft zu leben. Diese Anbieter wird es weiterhin geben, aber eben mit anderen Aufgaben wie bisher. Ich hoffe, Du stimmst mit mir überein, dass auch Menschen mit Behinderung ein Recht darauf haben, ihr Leben möglichst selbstbestimmt zu führen. Das heißt nicht, dieses ohne Unterstützung und notwendige Hilfe zu bewältigen, sondern mit Hilfe zur Selbstbestimmung zu kommen.

Stark vereinfacht sehe ich die UN-Konvention so: Die Starken haben für die Schwachen Sorge zu tragen, dass sie ein gutes Leben führen können. Sie dort zu unterstützen, wo sie Unterstützung benötigen und ihnen die Freiheiten zu lassen (und sie nach Bedarf zu begleiten), die allen Menschen zustehen.
rosifi 20.05.2011, 11:48#94
AW: UN-Behindertenrechtskonvention
Es wird in Deutschland immer alles zerredet ,auseinandergenommen und Statistiken angelegt.

Hallo Uta,

und am Ende kommt man dann noch zu dem Schluss, dass Menschenrechte für alle vollkommen unnötig oder sogar gefährlich für die Menschen sind. :grantel:
Myriam 20.05.2011, 18:51#95
AW: UN-Behindertenrechtskonvention
Zitat von rosifi
Hallo Myriam,

bei der Umsetzung der UN-Konvention geht es doch in erster Linie um das Wohl der Menschen mit Behinderung. Da sind auch die "Dienst-Anbieter" gefordert, indem sie neue Wege suchen. Wege, in denen sie Menschen mit Behinderung darin unterstützen, inmitten der Gesellschaft zu leben. Diese Anbieter wird es weiterhin geben, aber eben mit anderen Aufgaben wie bisher. Ich hoffe, Du stimmst mit mir überein, dass auch Menschen mit Behinderung ein Recht darauf haben, ihr Leben möglichst selbstbestimmt zu führen. Das heißt nicht, dieses ohne Unterstützung und notwendige Hilfe zu bewältigen, sondern mit Hilfe zur Selbstbestimmung zu kommen.

Stark vereinfacht sehe ich die UN-Konvention so: Die Starken haben für die Schwachen Sorge zu tragen, dass sie ein gutes Leben führen können. Sie dort zu unterstützen, wo sie Unterstützung benötigen und ihnen die Freiheiten zu lassen (und sie nach Bedarf zu begleiten), die allen Menschen zustehen.

Liebe Rosmarie,

ich würde trotzdem gerne auch darauf hinweisen, dass es ein aufeinander Zugehen von beiden Seiten ist. Da die Umsetzung der UN-Konvention auch ein Sparmodell werden kann, nicht alle Eltern aktiv sein können, oder auch wollen, wie Eltern z.B. hier auf der Plattform, brauchen auch diese Menschen Hilfe. Ich sehe es auch gerade hier auf der Plattform, dass es immer wieder einzelne "starke" Eltern gibt, die mit eisernem Willen und perfektem Wissen alles, aber auch alles durchgesetzt bekommen. Man kann vieles erzwingen. Eines aber nicht und dass ist einfach die Bereitschaft, offen für andere und ihre Bedürfnisse zu sein. Das sieht man doch auch an dem Beitrag von -ich glaube Ikka-, der einem glasklar vor Augen führt, dass es Grenzen gibt. Wenn wir weiterhin auch auf das Wahlrecht und eine Inklusion ohne Verlierer -auf beiden Seiten- bestehen wollen, dann brauchen wir auch weiterhin starke Verbände. Schauen wir auf die politische Lobby, bzw. die Vorgänge die da abgehen was Kürzungen und Einsparungen betrifft, sehe ich aber eine große Gefahr. Ich behaupte auch mal ganz krass, wenn 10 Eltern mit fitten Kindern die Chance auf ein includieren in die Klassenverbände hätten, würden sie den einen Schüler, der nicht unbedingt ins Bild dazu paßt, auch gerne außen vor lassen. Begründungen gebe es bestimmt genug. Und genau für diesen Einen, der für viele steht, braucht es auch eine starke Lobby, damit es eben keine Verlierer gibt.

Sicher werden die Verbände gewaltig an sich arbeiten müssen. Auch hier stelle ich mal eben eine weitere Behauptung auf:

Ein Verband, bzw. Anbieter bleibt solange stark, wie er sich finanzieren kann. Wenn er im Zuge der Umsetzung der UN-Konvention und unter politischen Zwängen rote Zahlen schreiben würde, was täte passieren?

Er würde sich -wirtschaftlich gedacht- dem ins Minus gerutschten Dienst entledigen. Billigere Anbieter werden in den nächsten Jahren genug auf dem Markt geworfen werden. Wo bleibt dann die Qualität, wenn die Wirtschaft entscheidet? Es wird Auschreibungen geben und wir werden keine Einflüße darauf haben.

Ich finde sogar, man sollte anfangen, vermehrt in die Verbände einzutreten und sie zu stärken und auch diesen auf die Finger schauen. Das kann man mit einem Einbringen in den Verein, bei der Mitgliederversammung und/oder auch durch Vorstandsarbeit schaffen.

Ich denke auch nicht, dass die Menschen ohne Behinderung nur abgeben und wir nur einfordern dürfen. Dann wird es Verlierer geben. Wir müssen uns öffen und die Menschen ohne Behinderung müssen auf uns zukommen können und lernen, wie man miteinander umgeht.

Das lernen unsere Kinder in den Einrichtungen. In den "normalen" Schulen scheint man das schon lange nicht mehr praktizieren zu können.

Also zusammen gefasst liebe Rosmarie, sicher bin ich mit dir auf einer Linie, nur sehe ich manches in einem anderen Licht. Vielleicht empfinde ich es aber auch nur so?


Liebe Grüße
Myriam
rosifi 20.05.2011, 21:00#96
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Hallo Miryam,

ich danke Dir für Deine Antwort.
Natürlich ist das gegenseitige aufeinander zugehen wichtig. Aber ich bin überzeugt, dass vor allem die sog. Starken die Schwächeren stützen müssen.
Wir leben ja schließlich nicht mehr auf den Bäumen, wo das Recht des Stärkeren herrscht.
Ich glaube auch, dass die starken Eltern, die Du ansprichst, die scheinbar alles durchsetzten,sich durchaus bewußt sind, dass sie denen, die nicht diese Kraft aufbringen, mit ihren Aktionen auch zu ihren Rechten verhelfen. Bei den meisten geschieht ihr Einsatz nicht aus purem Eigennutz, sondern auch für andere.
Starke Verbände benötigen wir auf jeden Fall - aber die müssen auch im Sinne der Menschen mit Behinderung und ihren Angehörigen agieren, nämlich im Sinne der BRK. Und es ist diesen Verbänden durch die BRK eine Gesetzesgrundlage an die Hand gegeben worden, dies gegenüber den Kostenträgern durchzusetzen. Klar wird das Kämpfe geben, aber es ist dasRecht eines jedes einzelnen behinderten Menschen, nach seiner Fasson leben zu können. Und die Verbände müssen im Auftrag der behinderten Menschen kämpfen, dass die Umsetzung der Konvention nicht zum Sparmodell wird. Dass dieses Umdenken funktioniert, sehe ich z.B. auch an der Reaktion von einigen Einrichtungsträgern. Während man mir vor einem Jahr auf Anfragen zur Umsetzung der Konvention noch geschrieben hat, das sei Zukunftsmusik, ist man heute bereits an einer Umsetzung bemüht. Und die Eltern, die die Kraft haben, sich für die Belange ihrer Kinder einzusetzen, sollten das auch weiterhin tun - auch gegenüber den Behindertenverbänden.
Die Starken müssen sich für die Rechte unserer Kinder einsetzen, ohne die, die eben aus verschiedensten Gründen nicht die Kraft haben von oben herab zu betrachten. Und wir sind geradezu verpflichtet, die Gesellschaft für unsere Probleme zu sensiblisieren. Und zwar nicht, um unsere eigene Eitelkeit zu befriedigen, sondern um unserer Kinder Willen. Sie haben das Recht an gesellschaftlicher Teilhabe, sie haben das Recht nicht ausgegrenzt und in Sondereinrichtungen gesteckt zu werden, sie haben das Recht ihren Bedürfnissen entsprechend in der Gesellschaft leben zu können. Und wir Eltern haben das Recht auf alle Unterstützung der Welt.

Auch ich hatte nicht immer ein behindertes Kind, sondern zwei gesunde Söhne. So wie mir als Kind beigebracht wurde, dass man Schwächere nicht ausgrenzen darf, habe ich das auch an meine Kinder weitergegeben, die ihre Grundschuljahre in einer Schule verbrachten, wo behinderte und nichtbehinderte Kinder wenigstens die Pausen miteinander verbrachten.
Obwohl sie damals unser Mädchen noch nicht auf der Welt bzw. noch nicht behindert war, haben sie behinderte Kinder immer als gleichwertig angenommen. Das ist eine Sache der "Kinderstube". Leider ist das heute durch die Leistungsorientierung nahezu in Vergessenheit geraten, auch die in der bayerischen Verfassung eingeforderte "Herzensbildung".
Ich bin auch fest davon überzeugt, dass die richtige Umsetzung der Konvention nicht zu Mehrkosten führen muss. Sowohl die Politik als auch die Medien haben es mit der Unterstüzung der Behindertenverbände in der Hand, auf die Gesellschaft positiv einzuwirken und möglichst vielen Menschen den Mut zu geben, auch ehrenamtlich(unf sei es nur durch kleinste Hilfen innerhalb der Nachbarschaft) im Behindertenbereich tätig zu werden.
Es gibt für mich keinen Grund die BRK schlecht zu reden. Sie ist die Grundlage, unseren Kindern ein halbwegs selbstbestimmtes Leben zu gewährleisten.Alle die Kraft haben, die stark sind, sollten stolz darauf sein und ihre Energien auch für andere einsetzen.
Die kleinsten Dinge tragen bereits zu einer Entlastung der pflegenden und betreuenden Angehörigen sowie dem Wohlbefinden des Menschen mit Behinderung bei.
Ich glaube auch das ist der Auftrag der BRK.

Der Satz von Uta (Seti)" Es wird in Deutschland immer alles zerredet ,auseinandergenommen und Statistiken angelegt." trifft eigentlich den Nagel auf den Kopf.
Wir "zerdenken" positive Entwicklungen. Bis nichts mehr davon übrigbleibt.
zippe 22.05.2011, 11:32#97
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Hallo zusammen,

ganz viele Informationen zur Inklusion und deren Umsetzung gibt es auch bei Der Paritätische Bayern
rosifi 22.05.2011, 14:51#98
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Hallo Zippe,

vielen Dank!

Ehrlich gesagt, bin ich immer wieder bestürzt darüber, wieviel man über das Thema Inklusion reden und schreiben kann, ohne dass es beispielsweise die Kostenträger zur Kenntnis nehmen.
In diesen ganzen Papieren ist immer, direkt und indirekt, die Rede davon, dass jeder Mensch etwas leisten kann. Die Konvention ist aber auch für die, die gar nichts mehr leisten können und nach dem Maßstab der heutigen Gesellschaft auch überhaupt keine Fähigkeiten haben.
Man geht also immer von einer gewissen "Leistungsfähigkeit" aus und das läßt in mir alle Alarmglocken läuten. Wo bleiben die, die nicht "leistungsfähig" sind? Ich habe regelmäßig an den "runden Tischen" der Bayerischen Grünen zur Umsetzung der BRK teilgenommen und auch einige andere Veranstaltungen zu diesem Thema besucht. Und ich bin das Gefühl nicht losgeworden, dass man die, die nicht mehr im Verständnis unserer Gesellschaft "leisten" und "Fähigkeiten haben" nicht unbedingt als "inklusionsberechtigt" ansieht. Und es sind nicht unbedingt immer die Politiker, die diese Einstellung haben.
Ich will ganz einfach nicht verstehen, warum man hier so einen Firlefanz um etwas macht, was eigentlich schon immer Normalität sein sollte.
zippe 22.05.2011, 16:35#99
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Hallo Rosmarie,
Zitat von rosifi
Ich will ganz einfach nicht verstehen, warum man hier so einen Firlefanz um etwas macht, was eigentlich schon immer Normalität sein sollte.

vielleicht, weil vielen Menschen (Entscheidungsträgern, Einrichtungsträgern, Leistungsträgern und auch Betroffenen) nicht klar ist, dass es "ganz einfach" um Normalität geht?
Nicht darum, Menschen mit Behinderung "normal" zu machen, sondern um die Normalisierung (Angleichung) der Lebensbedingungen für behinderte Menschen an die Lebensbedingungen von "normalen" Menschen!
rosifi 22.05.2011, 16:58#100
AW: UN-Behindertenrechtskonvention
vielleicht, weil vielen Menschen (Entscheidungsträgern, Einrichtungsträgern, Leistungsträgern und auch Betroffenen) nicht klar ist, dass es "ganz einfach" um Normalität geht?

Hallo Zippe,
genau, und das hat viel damit zu tun, dass man Menschen mit Behinderung trotz vieler Lippenbekenntnisse nicht als "gleichwertige Menschen" betrachtet, die eben nur mehr Hilfe und Unterstützung benötigen.

Das ist ungefähr so, als würde man jemand mit einem Magengeschwür nur noch auf diese Erkrankung reduzieren und deshalb anzweifeln, ob dieser Mensch jetzt überhaupt noch das Bedürfnis nach einem selbstbestimmten Leben hat. ;-):grins: