Archiv des früheren intakt-Forums (schreibgeschützt, Beiträge bis 2020) · Zum aktuellen Forum: community.intakt.info · www.intakt.info

UN-Behindertenrechtskonvention

Kirsten 02.04.2011, 12:35#26
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Hallo miteinander,

zum Thema z.B. Wohnen habe ich eine Seite aus Österreich gefunden. Von der Betriebsgesellschaft:

Lebensarten, alphanova wurde folgender Vortrag ins Netz gestellt:Von der Betreuung zur Begleitung – von der Heilpädagogik zur Inklusiven
Pädagogik.
Veränderte bildungswissenschaftliche Zugänge zum Lebensbereich Wohnen.Vortrag am 22.10.2009 in Graz von Gottfried Biewer

Die Betriebsgesellschaft " Lebensarten " befasst sich hier mit dem Thema : Inklusive Entfaltungsmöglichkeit
.....leben wie ich will....Das war ein workshop im Jahr 2009. Ansonsten handelt es sich bei alphanova um einen wirtschaftlich geführten Betrieb in Österreich.Hier kommt man zu homepage zum Thema Wohnen.

Werde mich da mal ausführlich reinlesen, wie unser Nachbarland Österreich mit dem Thema umgeht.
Kirsten 02.04.2011, 12:51#27
AW: UN-Behindertenrechtskonvention
Zitat von rosifi

Ich werde wehmütig, wenn ich in Schweden sehe, dass Menschen mit schwersten Behinderung in der Abendsonne mit ihrer Assistenz einen Spaziergang am Meer machen und ich weiss, dass eine von mir gesetzl. Betreute junge Frau zwar in einer wunderschönen Pflegeeinrichtung an einem bayerischen Voralpensee zur gleichen Zeit mit ihren 33 Jahren schon bettfertig gemacht wird . Und mit 2 Betreuern für 10 behinderte Menschen, die an allen Ecken und Enden Hilfe benötigen kann das auch gar nicht anders gehandhabt werden.

Ja Rosmarie da verstehe ich dich voll und ganz. Ich habe letzthin davon "taggeträumt", dass ich auf einen Sonntagskaffee zu meinem Sohn in seine kleine WG gehe und alles völlig normal ist. Wir dürfen träumen,ohne dass man uns für überspannt hält. Das bedeutet ja auch Inklusion. Teilhabe und Recht für alle gleich. Also darf ich mir für mein behindertes Kind das gleiche wünschen, wie für meinen anderen Sohn. Freiheit, Gesundheit , Liebe und Glück.

LG
Kirsten
rosifi 02.04.2011, 13:25#28
AW: UN-Behindertenrechtskonvention
Wir dürfen träumen,ohne dass man uns für überspannt hält.

Und wir dürfen versuchen, diese Träume zum Wohle unserer Kinder zu verwirklichen. Wir dürfen neue Wege für unsere Kinder suchen, wir dürfen auch Fehler dabei machen und uns irren. Wir dürfen auch wieder Umkehren, wenn es für unser Kind doch nicht gut sein sollte.
Und wir sollten dabei aber auch nie vergessen, dass wir unseren Kindern behilflich sein wollen, ein "gutes" Leben führen zu können und es dabei nicht in erster Linie um uns geht. So wie bei nichtbehinderten Kindern halt auch.
Mit Mainstreaming hat meine Einstellung zur Inklusion übrigens gar nichts zu tun. Dass Menschen mit Behinderung mitten in der Gesellschaft leben sollen, darüber habe ich mir schon während meiner ehrenamtlichen Tätigkeiten in den 70iger Jahren Gedanken gemacht. Damals zählte es noch nicht einmal zu den Selbstverständlichkeiten, dass behinderte Menschen in ein Restaurant mitgenommen werden und man war als Betreuer öfter mal Anfeindungen ausgesetzt. Es geschah nicht selten, dass die Leute gar nicht bedient wurden. Ich habe aus diesen Erfahrungen sehr viel gelernt und als ich dann selbst eine behinderte Tochter hatte, war für mich von Anfang an klar, dass ich alles tun werde, um zu verhindern, dass die Gesellschaft sie ausschließt. Bisher ist mir das gut gelungen, ich befürchte eben nur, dass ihr dies nicht mehr vergönnt ist, wenn wir Eltern nicht mehr sind.

Liebe Grüße
Rosmarie
**Claudia** 02.04.2011, 21:44#29
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Hallo Ihr's,

ich habe mir heute auch noch einige Gedanken gemacht, was das Integrieren in die Gesellschaft betrifft.

Ich habe mir heute meine Kleine geschnappt und bin mit ihr mit der Regionalbahn nach Frankfurt gefahren, mein Mann musste arbeiten und meine Grosse war bei der Oma, weil sie etwas sehr Schweres zu verarbeiten hatte und eine Ruheinsel dafür gebraucht hat - also hatte ich mal alle Zeit der Welt für meine Kleine.


Der Zug war voll, Frankfurt war voll....überall Menschen, Menschen, Menschen.

Ich habe versucht, bewusst darauf zu achten, wo ich andere Eltern (oder eben andere Erwachsene) mit einem offensichtlich behinderten Kind sehe.

Das traurige Ergebnis:
ich habe einen Rollstuhlfahrer in der "Zeil" gesehen, vermutlich mit Angehörigen.


Da gab es keine Eltern mit behindertem Kind im Zug (ich bin durch einige Waggons gelaufen und habe mich umgesehen), keine in der Fußgängerzone, keine am oben Maintower, den wir besucht haben, keine auf der Sightseeingtour, die ich mit meiner Kleinen in einem Bus gemacht habe.

Ich frage mich:
wo - um alles in dieser Welt- wo sind die Eltern mit ihren behinderten Kindern "da draussen", die Eltern, die "Inklusion" wollen, aber mit ihrem Kind nicht mal auf die Strasse gehen? :kopfkratz:

Ich konnte es wirklich nicht glauben, was ich da nicht (!) gesehen habe - und ich habe die Augen wirklich offen gehalten (was mir richtig, richtig schwer fällt, weil ich von Natur aus kein Mensch bin, der schaut, was andere Menschen tun).


Mein Kind scheint an diesem herrlichen Bilderbuchsamstag, das einzige und unverkennbar behinderte Kind gewesen zu sein, das praktisch "in die Öffentlichkeit" durfte.:unsicher:

Nach wie vor denke ich:
Integration kann nicht Aufgabe der Gesellschaft sein --- ich sehe Integration als unsere Elternaufgabe.

Nicht die Gesellschaft schliesst die Kinder aus: nein, sie werden von vielen Eltern erst gar nicht in die Gesellschaft eingeführt und das macht mich traurig.



Und dafür, dass viele Eltern behinderter Kinder behaupten, die Gesellschaft würde ihre Kinder ausgrenzen:
da habe ich -auch heute (aber auch an vielen anderen Tagen) - genau das Gegenteil erfahren. Auch da habe ich auch heute bewusst mal drauf geachtet, wie man mir mit meiner Kleinen gegenübertritt.

"Ausgerechnet" heute habe ich soviele Menschen erlebt, die mir die Hände gereicht haben und Ausnahmen gemacht haben, die ich im Leben niemals von dieser "Gesellschaft" erwartet hätte, weil ich meine Kleine mit dabei hatte....da kann ich absolut kein bisschen von Behindertenfeindlichkeit sprechen.
Ganz im Gegenteil war es für mich heute sogar schon fast ein bisschen beschämend, welche "Extras" ich bekommen habe, die andere nicht "mal eben so bekommen" und auf die ich auch mit "Nachteilsausgleich" keinen Anspruch gehabt hätte.


Manchmal frage ich mich, wer wirklich behindertenfeindlich ist?
Eltern, die die Behinderung ihres Kindes nicht akzeptieren wollen oder die Gesellschaft, die ich bisher fast immer mit offenen Armen und einem offenen Herzen erlebt habe.




Das hier ist für mich "Integration" ;-).
Und ich hoffe, dass ich irgendwann "da oben am Maintower" auch mal andere Eltern (und keine Betreuer, die im Auftrag der Eltern den Kindern so etwas im Rahmen einer Behindertenfreizeit anbieten) finden werde, die auch ihrem schwerbehinderten Kind die tolle Skyline von Frankfurt zeigen.
Anhang
11-04-02 014.JPG
Inge 03.04.2011, 17:12#30
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Hallo Claudia,
Zitat von **Claudia**
Nach wie vor denke ich:
Integration kann nicht Aufgabe der Gesellschaft sein --- ich sehe Integration als unsere Elternaufgabe.

wir Eltern sind ein kleiner Teil der Gesellschaft und können Inklusion nur dann glaubhaft einfordern, wenn wir sie auch positiv vorleben. Insofern ist Inklusion Aufgabe der Eltern.
Bedenken habe ich allerdings bei Eltern, die die Behinderung ihrer Kinder (noch) nicht bewältigt haben. Was geschieht mit diesen Familien?
Inklusion ist deshalb meiner Ansicht nach schon eine gesellschaftspolitische Aufgabe. Es haben grundsätzlich alle Menschen dazu beizutragen: Entscheidungsträger in Politik und Sozialarbeit können und müssen gute Bedingungen für Menschen mit Behinderung schaffen. Derzeit kann ich da wenig Hilfe, wenig Respekt und viel bürokratische Hindernisse entdecken. Vielleicht liegt das aber auch am Alter der Kinder? Denn vor 25 und auch vor 15 Jahren hatte ich da noch keine Probleme.
Und was können wir Eltern tun, damit unsere Kinder auch nach der Pubertät noch mittendrin leben können?
rosifi 03.04.2011, 19:16#31
AW: UN-Behindertenrechtskonvention
Ich frage mich:
wo - um alles in dieser Welt- wo sind die Eltern mit ihren behinderten Kindern "da draussen", die Eltern, die "Inklusion" wollen, aber mit ihrem Kind nicht mal auf die Strasse gehen?

Claudia, das fällt mir auch auf. Ich weiss nicht, ob die Eltern heute noch immer ihre Kinder verstecken oder sich die Minderheit von behinderten Kindern irgendwie verläuft.
"Ausgerechnet" heute habe ich soviele Menschen erlebt, die mir die Hände gereicht haben und Ausnahmen gemacht haben, die ich im Leben niemals von dieser "Gesellschaft" erwartet hätte, weil ich meine Kleine mit dabei hatte....da kann ich absolut kein bisschen von Behindertenfeindlichkeit sprechen.
Ganz im Gegenteil war es für mich heute sogar schon fast ein bisschen beschämend, welche "Extras" ich bekommen habe, die andere nicht "mal eben so bekommen" und auf die ich auch mit "Nachteilsausgleich" keinen Anspruch gehabt hätte.

Genauso kenne ich das auch. Lasse ich mal die Gaffer - das sind auch nicht wenige - beiseite, sind die Leute meist unheimlich nett, wenn ich mit meiner Christina ankomme. Man schenkt mir Heiligenbildchen und Kettchen, bewundert mich, lobt mich, ist hilfsbereit, streichelt mich, küsst mich sogar. Ich finde das auch sehr nett und bin weit davon entfernt, diese Gesten nicht erfreut anzunehmen. Aber die gelten halt vor allem mir als "mutige" Mutter, die sich mit ihrem so schwer behinderten Kind unter die Leute wagt. Von Normalität kann man da eigentlich nicht sprechen. Das hat nichts mit der Wertschätzung meiner behinderten Tochter zu tun.

(
und keine Betreuer, die im Auftrag der Eltern den Kindern so etwas im Rahmen einer Behindertenfreizeit anbieten)

Ich denke, dass diese Behindertenfreizeiten für viele Eltern doch eine große Entlastung sind. Ich persönlich ziehe es auch vor, die Unternehmungen meiner Tochter privat zu machen.

Herzliche Grüße
Rosmarie
rosifi 03.04.2011, 19:27#32
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Hallo Inge,
Inklusion ist deshalb meiner Ansicht nach schon eine gesellschaftspolitische Aufgabe.

Da fällt mir das afrikanische Sprichwort "Um ein Kind zu erziehen, braucht man ein ganzes Dorf". Und um ein behindertes Kind zu erziehen, braucht man das auch.
Bedenken habe ich allerdings bei Eltern, die die Behinderung ihrer Kinder (noch) nicht bewältigt haben. Was geschieht mit diesen Familien?

Ich lese da in der Konvention "Zur Verwirklichung dieser Rechte und mit dem Ziel, das Verbergen, Aussetzen, die Vernachlässigung und die Absonderung von Kindern mit Behinderungen zu verhindern, verpflichten sich die Vertragsstaaten, Kindern mit Behinderung und ihren Familien frühzeitig umfassende Informationen, Dienste und Unterstützung zur Verfügung zu stellen".
Bis heute haben wir im Grunde nur die Wahl "entweder in eine Behinderteneinrichtung" oder "alles selbermachen". Für den Kampf mit den Behörden, ein persönlichen Budget zu erhalten, haben nur wenige die Nerven.
Kirsten 03.04.2011, 21:22#33
AW: UN-Behindertenrechtskonvention
Zitat von rosifi
Ich denke, dass diese Behindertenfreizeiten für viele Eltern doch eine große Entlastung sind. Ich persönlich ziehe es auch vor, die Unternehmungen meiner Tochter privat zu machen.

Herzliche Grüße
Rosmarie

Hallo Rosmarie,

meines Erachtens ist das Freizeitangebot und sind die Angebote der Offenen Hilfen mehr als nur eine Entlastung.
Zum einen können gerade junge Eltern lernen, auch wieder an sich zu denken. Die ersten Stunden, Tage, Monate und oft Jahre nach der Diagnosestellung, funktionieren wir einfach. Wir wurden nicht auf diese neue Situation vorbereitet, Eltern, Vater, Mutter, Geschwister, Großeltern eines behinderten Kindes zu werden.
Am Anfang sucht man diese "professionelle" Entlastung natürlich noch nicht, oder auch nur vereinzelt, bzw. bei Alleinerziehenden ist es ein unverzichtbares Angebot, welches im täglichen Existenzkampf wertvolle Unterstützung bietet.
Viele von uns waren seit Jahren nicht im Urlaub, weil die betroffenen Kindern gar keinen Umgebungswechsel kompensieren können. Das macht aus Urlaub Stress und so ist es nicht verwunderlich, dass gerade Mütter schwerstbehinderter Kinder einmal im Leben zur Kur fahren und dann mit der Aussage, dass es zuhause 1000 mal einfacher sei, wieder völlig entnervt zurückkehren.
Wir dürfen auch die Eltern nicht vergessen, die die schmerzvolle Erfahrung machen mussten, dass sie mit ihrem Kind alleine nicht mehr die gewohnten Freizeitmaßnahmen durchführen können. Dann heißt es zuhause bleiben, oder Freizeitangebote der Träger von solchen Maßnahmen zu nutzen. Dann muss man aber erst mal Träger finden, die das Kind unter der Voraussetzung der Schwere der Behinderung mitnehmen. Dann muss man loslassen lernen und Vertrauen aufbauen und das eigene schlechte Gewissen tolerieren, dass einen dann bei eigenen Freizeitmaßnahmen begleitet. Dann muss man erst einmal lernen wie es ist, wieder alleine mit dem Partner gemeinsam etwas zu unternehmen.
Es war ein langer Weg diese Hilfeangebote auszubauen und ich finde auch ein sinnvoller. Braucht man diese angeboten Hilfen nicht, dann ist es um so besser. Für viele sind sie aber unverzichtbar und sollten niemals in Frage gestellt werden.

Auch ich fühle mich am wohlsten, wenn mein Kind mit mir zusammen ist. Ich kenne aber auch die Stunden, wo ich knallhart an meine Grenzen gebracht werde. Und dann denke ich immer daran, dass auch wir Eltern behinderter Kinder Recht auf Leben haben.;-))

LG
Kirsten
rosifi 03.04.2011, 21:56#34
AW: UN-Behindertenrechtskonvention
meines Erachtens ist das Freizeitangebot und sind die Angebote der Offenen Hilfen mehr als nur eine Entlastung.

Hallo Kirsten,

ich habe da jetzt eigentlich nur an die Freizeit für unsere Kinder gedacht, nicht an die familienentlastenden Dienste oder an die Kurzzeitpflege.
Wenn man weiss, dass die Kinder eine Woche Freizeitangebote bekommen, muss man sich mal nicht selbst überlegen, was man mit ihnen unternehmen kann. :winke:

Liebe Grüße
Rosmarie
Kirsten 03.04.2011, 22:03#35
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Hallo miteinander,

um einmal die Vertretung der Menschen mit einer geistigen Behinderung in unserer Bevölkerung aufzuzeigen, kommen hier ein paar Zahlen und Fakten.

In Deutschland leben ca. 81 879 976 Menschen. Ca. 420 000 Menschen davon mit einer geistigen Behinderung. Rund 6 von 1000 Kindern die geboren werden haben eine geistige Behinderung. Alle 90 Minuten kommt ein Kind das mit einer geistigen Behinderung leben wird zur Welt.
Allen 420.000 Menschen mit einer geistigen Behinderung kommt direkt oder indirekt die Arbeit der Lebenshilfe zugute. Davon werden rund 160.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer geistigen Behinderung durch die Lebenshilfe betreut und gefördert.
In ganz Deutschland hält die Lebenshilfe ca 3000 Einrichtungen und mobile und ambulante Dienste vor.

Es gibt ca 15 000 ehrenamtlich Engagierte in der Lebenshilfe.

Na ja, im Vergleich zu über 80 000 000 kann sich da schon mal was verlieren. :winke:

Quellenangabe: http://www.lebenshilfe-bruehl.de/lebenshilfe.html
sowie Jubiläumsausgabe 50 Jahre Lebenshilfe

LG
Kirsten
Kirsten 03.04.2011, 22:09#36
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

:knuddel:Liebe Rosmarie,

das habe ich mir so auch gedacht und wollte einfach nur rüberbringen, wie wichtig diese Dienste für uns sind.

LG Kirsten
**Claudia** 03.04.2011, 22:18#37
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Hallo zusammen,
Dann muss man erst einmal lernen wie es ist, wieder alleine mit dem Partner gemeinsam etwas zu unternehmen.


genau da nehmen wir beispielsweise den FED in Anspruch und sind auch hochzufrieden mit der Arbeit der zuständigen Betreuerinnen, die wir momentan für unsere Kleine haben.

Meinem Mann und mir ist es sehr, sehr wichtig, unsere mittlerweile fast 20jährige Ehe zu pflegen.
Wir sind gegenseitige Kraftquellen und es tut uns unbeschreiblich gut, wenn wir mal nur Zeit für uns haben.
Genau da setzen wir z.B. den FED ein - und da kann ich sagen, dass es zwischen dem FED und uns eine partnerschaftliche, wertschätzende Geschäftsbeziehung ist.


Als mein Mann im Krankenhaus war, habe ich den FED auch für ein Ferienprogramm genutzt (in den Faschingsferien) und das hat mir auch als "vorübergehend alleinerziehende Mutter" sehr gut geholfen.

Ich war tagsüber die meiste Zeit im Krankenhaus, konnte meinen Kindern nichts "Vernünftiges" in den Ferien anbieten (zumal ich natürlich auch in Sorge um meinen Mann war) und da fand ich es grossartig, dass ich in diesem schwierigen Zeitrum unsere Kleine in ein ordentlichens Freizeitangebot geben konnte.
**Claudia** 03.04.2011, 22:28#38
AW: UN-Behindertenrechtskonvention
Zitat von rosifi
Claudia, das fällt mir auch auf. Ich weiss nicht, ob die Eltern heute noch immer ihre Kinder verstecken oder sich die Minderheit von behinderten Kindern irgendwie verläuft.



Genauso kenne ich das auch. Lasse ich mal die Gaffer - das sind auch nicht wenige - beiseite, sind die Leute meist unheimlich nett, wenn ich mit meiner Christina ankomme. Man schenkt mir Heiligenbildchen und Kettchen, bewundert mich, lobt mich, ist hilfsbereit, streichelt mich, küsst mich sogar. Ich finde das auch sehr nett und bin weit davon entfernt, diese Gesten nicht erfreut anzunehmen. Aber die gelten halt vor allem mir als "mutige" Mutter, die sich mit ihrem so schwer behinderten Kind unter die Leute wagt. Von Normalität kann man da eigentlich nicht sprechen. Das hat nichts mit der Wertschätzung meiner behinderten Tochter zu tun.

(

Ich denke, dass diese Behindertenfreizeiten für viele Eltern doch eine große Entlastung sind. Ich persönlich ziehe es auch vor, die Unternehmungen meiner Tochter privat zu machen.

Herzliche Grüße
Rosmarie


Hallo Rosmarie,

ich habe den Eindruck, dass wir in vielen Dingen ähnlich gelagerte Erfahrungen/Beobachtungen machen.

Ich wertschätze diese Gesten auch mit Anerkennung und Freude - und ich freue mich daran, dass genau diese Menschen ebendiese Anerkennung ausdrücken können (Anerkennung ausdrücken zu können, empfinde ich als grosse Gabe...und wer das kann, der hat m.E. auch eine innere Größe).

Aber -so wie Du auch schreibst- denke ich, dass die Anerkennung praktisch der "mutigen Mutter" gehört.

Für wünschenswert halte ich aber auch, dass unsere Kinder diese Anerkennung bekommen, wobei ich oft viele positive Äusserungen zu hören bekomme über unsere Kleine, die ich auch ein Stück weit als Anerkennung empfinde.:-)

Wenn ich erzähle, was sie schon in ihrem jugen Leben bewältigen musste (drei Familien in einem Jahr, Traumata, Bindungsprobleme usw. usw), dann merke ich schon auch, dass das meine Mitmenschen berührt - und das zeugt auch von dem Potenzial, das in ihr steckt (und mir macht es wiederum viel Freude, das gemeinsam mit ihr zu entdecken und "aus dem Schlaf" zu holen).
Kirsten 05.04.2011, 09:40#39
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Die Lebenshilfe Schleswig-Holstein hat zum Thema:

Was ist Politik?

eine Broschüre in leichter Sprache zum download bereit gestellt.

LG
Kirsten
Kirsten 05.04.2011, 09:56#40
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Inklusion ist für mich der Ausdruck der Wertschätzung der Individualität des Menschen.

Dieses Zitat von
Dr. Heiner Garg, Minister für Arbeit, Soziales und Gesundheit des Landes Schleswig-Holstein

kann man auf der homepage der Seite alle inklusie u.a. finden.

Barrieren und Trennwände „in unseren Köpfen” zu überwinden – so lautet das Ziel der bundesweit einzigartigen Initiative „Alle inklusive”.

Unter diesem Leitsatz knüpfen das Sozialministerium Schleswig-Holstein und der Lebenshilfe Landesverband e.v. soziale Netze für ein gleichberechtigtes Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung. Landesregierung und Lebenshilfe laden die Bürgerinnen und Bürger Schleswig-Holsteins ein, sich an der Initiative zu beteiligen und „inklusiv” zu werden.

Ein Ausspruch von Hubert Hüppe, auch auf der Seite zu finden:

Wer Inklusion will, sucht Wege – wer sie verhindern will, sucht Begründungen.(Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen)
Regt zum Nachdenken und Mitarbeiten an.

Auf der Seite alle inklusive findet man viele gute Beispiele, Hinweise, Links und mehr zum Thema Wohnen, Bildung, Arbeiten

LG Kirsten
rosifi 05.04.2011, 11:04#41
AW: UN-Behindertenrechtskonvention
Zitat von Kirsten
:knuddel:Liebe Rosmarie,

das habe ich mir so auch gedacht und wollte einfach nur rüberbringen, wie wichtig diese Dienste für uns sind.

LG Kirsten
Hallo Kirsten,

das hab ich auch so verstanden. :knuddel:.

Ich finde diese Dienste in unserer derzeit bestehenden Struktur der Unterstützung für behinderte Kinder und auch Erwachsene auch sehr wichtig. Ich habe diese Dienste bisher sehr, sehr selten in Anspruch genommen, weil ich die Betreuung von Christina immer über Nachbarn, Bekannte und Verwandte organisieren konnte. Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht und vor allem können wir auch oft spontan etwas unternehmen - ohne lange Anmeldezeiten. Der Vorteil ist auch , dass Christina dann in der ihr gewohnten Umgebung bleiben kann und beispielsweise nicht in einem Kurzzeitpflegeheim untergebracht werden muss. Aber mir ist klar, dass das eben auch aufgrund der Art der Behinderung nicht bei allen möglich und dann auch professionelle Dienste erforderlich sind.
Ich wünsche mir, dass -wie es in Schweden üblich zu sein scheint- behinderte Menschen durchgehend die erforderlichen Assistenzen in ihrer gewohnten Umgebung zur Verfügung gestellt bekämen, die dann auch in den Ausfall- und Urlaubszeiten der Angehörigen einspringen könnten. Aber davon sind wir noch weit entfernt, und gerade hier hoffe ich, dass die UN-Konvention für ein möglichst "selbstbestimmtes Leben" unserer Kinder greifen wird. So unternehmungslustig und neugierig meine Tochter auch ist, es ist ihr sehr wichtig, nach einem "aufregendem" Tag wieder in ihrer vertrauten Umgebung zu sein, wählen zu können, ob sie sich jetzt in das Wohnzimmer, vor den Fernseher oder in die Küche setzt, wann sie etwas Essen oder Trinken will und zu welcher Zeit sie schlafen möchte. Und aufgrund ihrer stark eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten benötigt sie auch Personen, die sie kennen und die ihre Bedürfnisse deuten können.

Herzliche Grüße
Rosmarie
**Claudia** 05.04.2011, 12:09#42
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Hallo zusammen,

was ich wichtig finde ist, dass keine Bewertung der betroffenen Eltern untereinander stattfindet:

"Gute Eltern": diejenigen, die Inklusion an den Schulen wollen,

"Schlechte Eltern": diejenigen, die Inklusion an den Schulen mit Skepsis sehen und für sich ablehnen (also "so jemand wie ich" ;-) ).

Bitte differenziert lesen ;-): ich schreibe ausschließlich von der Inklusion an den Schulen!

Meine Befürchtung:
die Skeptiker wollen auch "gute Eltern" sein und trauen sich ihre Skepsis oder sogar ihre Ablehung dem Inklusionsgedanken gegenüber irgendwann nicht mehr aussprechen.


Was z.B. Jobs usw. betrifft:
da sind die USA z.B. in einer tollen Vorreiterrolle und ich würde mich auch hier freuen, wenn ich im Supermarkt mal einen Mitarbeiter mit Down Syndrom begegnen würde.

Allerdings fände ich es weniger erfreulich, wenn ich meine Kleine mal berufsmäßig in einem Arbeitsfeld mit Feuerwerkskörpern vorfinden würde (na, ich hoffe, Ihr wisst, wie ich es meine :grins:).


Bei Eigen- und Fremdgefährdung stehe ich ganz offen dazu, dass nicht nur der Schutz des behinderten Mitmenschen Vorrang haben sollte, sondern auch der Schutz der Mitmenschen.

Falls irgendetwas missverständlich ankommt: bitte am besten nachfragen.
Das Medium "Internet" ist zwar ein geniales, hat aber so seine Tücken.
rosifi 05.04.2011, 12:29#43
AW: UN-Behindertenrechtskonvention
Wer Inklusion will, sucht Wege – wer sie verhindern will, sucht Begründungen.(Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen)

Wo er recht hat, hat er recht. :pfeif:.

Bei einer großen Veranstaltung einer Behindertenorganisation zum Thema "Umsetzung der UN-Konvention" (die inhaltlich sehr, sehr gut war) spielte sich bei der Abendveranstaltung folgendes ab:
Christina war als Betroffene natürlich auch anwesend und zu uns gesellte sich eine Mutter mit einer ebenfalls schon erwachsenen behinderten Tochter an einen freien Tisch. Nun hatte man vergessen, für die "Funktionäre" des Vereins einen Tisch zu reservieren und der einzige, der noch frei war, war genau neben uns. Man trug uns an, doch unsere Plätze zu wechseln, was nicht mehr möglich war, weil alles besetzt war.
Ein Gruppe mit schwer körperbehinderten Leuten wurde ebenfalls aufgefordert, ihren Platz zu räumen und sie fanden noch in einem Eckchen noch eine "Bleibe" (die bnötigten nicht so viele Stühle, weil sie mit Rolli unterwegs waren). Der Tisch wurde nicht benutzt, man wollte wohl nur einen "Freiraum".
Also mußten die Herrschaften eine gewisse Unruhe der beiden jungen Damen aushalten (die haben weder laut rumgeschrien noch um sich geschlagen). Den Unmut der Leute konnte ich regelrecht spüren. Jedesmal, wenn der 1. Vorstand aufstand, schob er seinen Stuhl möglichst weit nach hinten, dass er an Christinas Stuhl stiess, die dann "Gegenmaßnahmen" ergriff und sich Platz verschaffte, indem sie mit sich mit den Füssen abstemmte und mit ihren Stuhl den "Vorstandsstuhl" wieder zurückschob. :pfeif:
Auch Herr Hüppe sass am Funktionärstisch und ich glaube, der hat dasselbe gedacht wie ich: "Wie kann es sein, dass man den ganzen Tag große Reden zum Thema Inklusion und Umsetzung der BRK schwingt und am Abend sich gegenteilig verhält". Der Herr Hüppe setzte sich dann im Laufe des Abends an unseren Tisch und nahm auch zu den beiden Damen Kontakt auf. Er hat damit wohl ein Zeichen gesetzt, denn von da hatten wir Ruhe.

Ja, wenn jetzt die Menschen mit Behinderten nicht wären, könnte Inklusion wirklich klappen!;-)
rosifi 05.04.2011, 12:42#44
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Hallo Claudia,

ich gehe mal davon aus, dass wir uns hier nicht gegenseitig verletzen wollen und wir sollten und wirklich davor hüten in "gut und schlecht" einzuteilen. Sollte das bei mir mal so rüberkommen, entschuldige ich mich schon im voraus. ;-)

Liebe Grüße
Rosmarie
Lazarus 05.04.2011, 13:07#45
AW: UN-Behindertenrechtskonvention
Zitat von **Claudia**
Hallo zusammen,

was ich wichtig finde ist, dass keine Bewertung der betroffenen Eltern untereinander stattfindet:

"Gute Eltern": diejenigen, die Inklusion an den Schulen wollen,

"Schlechte Eltern": diejenigen, die Inklusion an den Schulen mit Skepsis sehen und für sich ablehnen (also "so jemand wie ich" ;-) ).


Hallo Claudia, wurde hier schon von der Bewertung der Eltern untereinander geschrieben? Inklusion leben heißt, leben ohne Bewertung, sondern mit gegenseitiger Achtung!;-)


Bitte differenziert lesen ;-): ich schreibe ausschließlich von der Inklusion an den Schulen!

Wenn nicht in den Kindergärten, Schulen, Arbeitsleben, wann denn dann? Wie könntest du es dir vorstellen? Was wäre deine Reaktion, wenn in der Klasse deiner Tochter ein hochintelligentes Kind mit pädagogischer Unterstützung Aufnahme finden würde. Weil sie es möchte, wohlgemerkt? Würdest du dich dagegen wehren und dann warum? Mich würde interessieren, was du unter Inklusion verstehst.:unsicher:


Meine Befürchtung:
die Skeptiker wollen auch "gute Eltern" sein und trauen sich ihre Skepsis oder sogar ihre Ablehung dem Inklusionsgedanken gegenüber irgendwann nicht mehr aussprechen.

Eine umsichtige Betrachtung von Neuerungen ist jedem selbst überlassen und wichtig. Aber allein eine Verbreitung negativer Gedanken in ein Objekt der Zukunft, welchses äußerst sensibel angegangen wird, kann für manche ausschlaggebend im Hinblick der Erfüllung sein. Inklusion heißt auch, dass niemand ausgegrenzt oder ausgeschlossen sein sollte. Wir sind momentan auf dem Weg und versuchen Steine, die "Nicht-nur-Gegner der Inklusion in den Weg legen, aufzusammeln. Auch mit Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man sicher etwas sinnvolles bauen. Vieles gilt zu beachten und gerade weil die Gefahr besteht, es könnte ein Sparmodell werden, sollte man sehr sorgsam mit verfolgen, welcher Weg im Rahmen der Umsetzung eingeschlagen wird. Die Inklusion steht für alle - ausnahmslos. Es sind über 82 000 000 Menschen allein in Deutschland, die mit der Inklusion in den nächsten Jahrzehnten lernen werden, (nicht müssen - es wird ein Prozeß sein) damit umzugehen.[/I]


Was z.B. Jobs usw. betrifft:
da sind die USA z.B. in einer tollen Vorreiterrolle und ich würde mich auch hier freuen, wenn ich im Supermarkt mal einen Mitarbeiter mit Down Syndrom begegnen würde.

Auch da gibt es schon Kontakte zu unserer Regierung. Siehe Kobinet

Vielleicht findest du ausgerechnet in deinem Umfeld keinen Mitarbeiter mit einer sofort sichtbaren Behinderung hinter einer Theke, oder zwischen den Regalen, aber es gibt sie. Nicht immer ist eine gesundheitliche oder Behinderung Einschränkung sofort erkennbar. In der Rhön würdest du auf jemanden mit einer Trisomie 21 (Down-Syndrom) in einem Supermarkt teffen. In Unterfranken könntest du jemanden kennenlernen, der nach dem Besuch einer Schule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung, erfolgreich eine Lehre im Bereich Landschaft und Garten abgeschlossen hat und übernommen wurde. Desgleichen von der gleichen Schule einige Schüler mehr, die auf dem 1. Arbeitsmarkt Arbeit gefunden haben. Schon mal was von Cap-Markt gehört? Je älter deine Tochter wird, umso mehr wirst du in diesem Bereich sicher auch Erfahrungen sammeln. Automatisch bekommt man über andere Schüler aus den Berufsschulkassen dann die Info`s.



Allerdings fände ich es weniger erfreulich, wenn ich meine Kleine mal berufsmäßig in einem Arbeitsfeld mit Feuerwerkskörpern vorfinden würde (na, ich hoffe, Ihr wisst, wie ich es meine :grins:).

[I]Für mich bedeutet Inklusion auch sicher nicht, dass Menschen zu irgendetwas gezwungen werden, nur weil sie das Recht haben, gleichberechtigt in der Gesellschaft leben zu "dürfen" Gerade auch Menschen mit Behinderung sollen das Recht haben und bekommen, ihren Neigungen und Wünschen entsprechend, ihren Lebensweg zu gestalten. Dazu gehört sicher auch die Berufswahl und Arbeit. Klar, dass mit Inklusion keine Lieblingsarbeitsplätze geschaffen werden. Denn Inklusion steht für mich für Gleichheit. Also keine Bevorzugung untereinander, aber auch keine Ausgrenzung, in Bezug auf Fähigkeiten.


Bei Eigen- und Fremdgefährdung stehe ich ganz offen dazu, dass nicht nur der Schutz des behinderten Mitmenschen Vorrang haben sollte, sondern auch der Schutz der Mitmenschen.

Inklusion bedeutet für mich, Wahlrecht zu haben, wie andere Menschen auch. Das würde bedeuten, dass auch für deine Tochter Wahlrecht besteht, aber niemals sie zu irgendetwas gezwungen werden dürfte, was vielleicht ihr oder anderen Mitmenschen zum Schaden wäre.

Falls irgendetwas missverständlich ankommt: bitte am besten nachfragen.
Das Medium "Internet" ist zwar ein geniales, hat aber so seine Tücken.

[I]Nicht nur genial, sondern auch mit einem riesen Gedächtnis. Das Internet vergisst nichts. ......:winke:
**Claudia** 05.04.2011, 13:20#46
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Hallo Lazarus,

was mir wichtig ist, ist nicht nur die Sichtweise der behinderten Mitmenschen und/oder deren Angehörigen, sondern auch das, was wir als Betroffene von der Gesellschaft erwarten.

Und meiner (subjektiven) Ansicht kann ich nicht erwarten, dass z.B. ein stark verhaltensauffälliges Kind aufgrund seines eigenen Willens und den Willen der Eltern in eine Regelschule geht und seine Mitschüler beispielsweise massiv gefährdet.

Es geht mir nicht nur um "mein" Wahlrecht oder das Wahlrecht meiner Kleinen - es geht mir auch darum, dass möglicherweise andere Eltern von gesunden Schülern oder gesunde Schüler dann "keine Wahl" mehr haben.

Hatte ich ja schon mal ausführlich geschrieben ;-).

Erfahrungsgemäß gibt es leider auch sehr viele Eltern von auffälligen Schülern, die nicht so einsichtig sind und auch an das Wohl der Mitschüler denken, d.h. die nur im Blick haben, dass es ihrem eigenen Kind gut geht, denn die werden zum "Aushalten" gezwungen...und nicht alle Eltern lassen mit sich reden, wenn es Fremdgefährdung durch ihr Kind gibt.
rosifi 05.04.2011, 13:31#47
AW: UN-Behindertenrechtskonvention
Und meiner (subjektiven) Ansicht kann ich nicht erwarten, dass z.B. ein stark verhaltensauffälliges Kind aufgrund seines eigenen Willens und den Willen der Eltern in eine Regelschule geht und seine Mitschüler beispielsweise massiv gefährdet.

Hallo Claudia,

nur ganz kurz:
die stark verhaltensauffälligen Kinder finden sich dann aber in den Förderschulen. Und auch wenn die Klassen dort kleiner sind und vielleicht auch Fachpersonal vorhanden ist: Ich finde das für diese Mitschüler nicht weniger problematisch. In den Förderschulen sind Kinder, die sich im Gegensatz zu nichtbehinderten Kindern oft nicht mal zur Wehr setzen können. Und nicht mal sagen können, wenn ihnen Gefahr droht oder wenn sie geschlagen wurden (auch meine Tochter kam öfter mit blauen Flecken nach Hause, die sich offenbar niemand erklären konnte).
Diese verhaltensauffälligen Kinder benötigen auch in der Förderschule eine Einzelbetreuung. Also kann man das doch auch in Regelschulen so handhaben. Und wenn die Unruhe oder die Aggression zu groß wird, muss man eben machen wie es geht: Nämlich einfach mit dem Schüler rausgehen.

Liebe Grüße
Rosmarie
**Claudia** 05.04.2011, 13:38#48
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Hallo Rosmarie,

mir ist es wirklich wichtig zu signalisieren, dass ich diesen Wunsch schon nachvollziehen kann.
Aber ich "muss" zwangsläufig an der Stelle "passen", weil ich einfach auch in einem entsprechenden Job arbeite und nicht mal "so eben aus dem Nähkästchen" plaudern kann, wenn ich mit weiteren Argumenten meine Sichtweise untermauern möchte....

Ich bin da so richtig in der Zwickmühle und belasse es hier bei meiner Sichtweise als Mutter eines verhaltensauffälligen Kindes.
Oder als "Pflege"mutter, denn als "Mutter" dürfte ich auch mehr schreiben, als Pflegemutter geht das auch nur begrenzt.
Lazarus 05.04.2011, 14:04#49
AW: UN-Behindertenrechtskonvention

Hallo Claudia,

gibt es heute nicht schon viel mehr Gewalt an Schulen, wo man "nur" normale Schüler erwartet?

Wer schützt bitte die Kinder an den Grund- und Hauptschulen, die nur zum Unterricht und nicht um zu zeigen wie stark sie sind, zur Schule gehen?

Und schreibe doch mal, wo du mit diesen "verhaltensauffälligen" Kindern bleiben möchtest?
Alle zusammen weggesperrt, damit sie niemanden Schaden können? Vielleicht mit schwerstmehrfachbehinderten Kindern, die auch keiner haben will zusammen. Welche dann Freiwild wären, weil ja die Pädagogen immer knapper werden und von Hilfskräften,die in solchen Situationen meist schon überfordert sind, betreut werden?

Dürfen sich dann diese Eltern auch gegen eine Beschulung der Verhaltensauffälligen wehren?

Ja, das tun sie auch. Und darum gibt es auch viele verzweifelte Eltern die mit diesen Kindern zuhause sitzen. Weil keiner sie haben will. Das sind meist auch die Kinder, die nicht mal schnell im Zug nach Frankfurt mitgenommen werden können, um den Main Tower zu besteigen. Sie könnten nämlich im Fahrstuhl sich und anderen zur Gefahr werden. Das sind die Kinder, deren Mütter und Väter resigniert haben, dass sie keine gemeinsamen Unternehmungen machen können. Weil sie lieber zuhause bleiben, in ihren eigenen vier Wänden und ausgegrenzt von der Gesellschaft versuchen den Tag ohne Ausraster herumzubringen.
Wenn wir Inklusion leben, dann haben wir die Chance nicht nur zu bewerten, sondern überhaupt Einblicke in den Alltag zu bekommen, von dem wir hier am Reden und Schreiben sind.

Gruss
Lazarus
Lazarus 05.04.2011, 14:17#50
AW: UN-Behindertenrechtskonvention
Zitat von **Claudia**
Ich bin da so richtig in der Zwickmühle und belasse es hier bei meiner Sichtweise als Mutter eines verhaltensauffälligen Kindes.
Oder als "Pflege"mutter, denn als "Mutter" dürfte ich auch mehr schreiben, als Pflegemutter geht das auch nur begrenzt.

Was wäre denn der Unterschied zwischen Sichtweise Pflegemutter und sichweise natürliche Mutter, hinsichtlich des Gedankens zur Inklusion?

Gruss
Lazarus