AW: UN-Behindertenrechtskonvention
Hallo Ihr's,
ich habe mir heute auch noch einige Gedanken gemacht, was das Integrieren in die Gesellschaft betrifft.
Ich habe mir heute meine Kleine geschnappt und bin mit ihr mit der Regionalbahn nach Frankfurt gefahren, mein Mann musste arbeiten und meine Grosse war bei der Oma, weil sie etwas sehr Schweres zu verarbeiten hatte und eine Ruheinsel dafür gebraucht hat - also hatte ich mal alle Zeit der Welt für meine Kleine.
Der Zug war voll, Frankfurt war voll....überall Menschen, Menschen, Menschen.
Ich habe versucht, bewusst darauf zu achten, wo ich andere Eltern (oder eben andere Erwachsene) mit einem offensichtlich behinderten Kind sehe.
Das traurige Ergebnis:
ich habe
einen Rollstuhlfahrer in der "Zeil" gesehen, vermutlich mit Angehörigen.
Da gab es keine Eltern mit behindertem Kind im Zug (ich bin durch einige Waggons gelaufen und habe mich umgesehen), keine in der Fußgängerzone, keine am oben Maintower, den wir besucht haben, keine auf der Sightseeingtour, die ich mit meiner Kleinen in einem Bus gemacht habe.
Ich frage mich:
wo - um alles in dieser Welt-
wo sind die Eltern mit ihren behinderten Kindern "da draussen", die Eltern, die "Inklusion" wollen, aber mit ihrem Kind nicht mal auf die Strasse gehen?
Ich konnte es wirklich nicht glauben, was ich da nicht (!) gesehen habe - und ich habe die Augen wirklich offen gehalten (was mir richtig, richtig schwer fällt, weil ich von Natur aus kein Mensch bin, der schaut, was andere Menschen tun).
Mein Kind scheint an diesem herrlichen Bilderbuchsamstag, das einzige und unverkennbar behinderte Kind gewesen zu sein, das praktisch "in die Öffentlichkeit" durfte.
Nach wie vor denke ich:
Integration kann nicht Aufgabe der Gesellschaft sein --- ich sehe Integration als
unsere Elternaufgabe.
Nicht die Gesellschaft schliesst die Kinder aus: nein, sie werden von vielen Eltern erst gar nicht in die Gesellschaft eingeführt und das macht mich traurig.
Und dafür, dass viele Eltern behinderter Kinder behaupten, die Gesellschaft würde ihre Kinder ausgrenzen:
da habe ich -auch heute (aber auch an vielen anderen Tagen) - genau das Gegenteil erfahren. Auch da habe ich auch heute bewusst mal drauf geachtet, wie man mir mit meiner Kleinen gegenübertritt.
"Ausgerechnet" heute habe ich soviele Menschen erlebt, die mir die Hände gereicht haben und Ausnahmen gemacht haben, die ich im Leben niemals von dieser "Gesellschaft" erwartet hätte, weil ich meine Kleine mit dabei hatte....da kann ich absolut kein bisschen von Behindertenfeindlichkeit sprechen.
Ganz im Gegenteil war es für mich heute sogar schon fast ein bisschen beschämend, welche "Extras" ich bekommen habe, die andere nicht "mal eben so bekommen" und auf die ich auch mit "Nachteilsausgleich" keinen Anspruch gehabt hätte.
Manchmal frage ich mich, wer wirklich behindertenfeindlich ist?
Eltern, die die Behinderung ihres Kindes nicht akzeptieren wollen oder die Gesellschaft, die ich bisher fast immer mit offenen Armen und einem offenen Herzen erlebt habe.
Das hier ist für mich "Integration"

.
Und ich hoffe, dass ich irgendwann "da oben am Maintower" auch mal andere Eltern (und keine Betreuer, die im Auftrag der Eltern den Kindern so etwas im Rahmen einer Behindertenfreizeit anbieten) finden werde, die auch ihrem schwerbehinderten Kind die tolle Skyline von Frankfurt zeigen.