Archiv des früheren intakt-Forums (schreibgeschützt, Beiträge bis 2020) · Zum aktuellen Forum: community.intakt.info · www.intakt.info

Integration behinderter Kinder durch Eltern

miau 26.07.2009, 10:22#26
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern

Hallo Helmut,

Firmung ist ein Ritual, das zu meinem Glauben dazu gehört. Dass Jungendliche erst gefragt werden, halte ich für überflüssig und unangebracht. Das war auch bei meiner jüngsten Tochter so. Es war ganz selbstverständlich, dass sie zur Firmung ging, ohne große Fragen oder Debatten. Weißt du, welche Jugendlichen bei uns die Firmung verweigert haben? Genau die Kinder, deren Eltern aktiv in der Kirche tätig waren und es noch heute sind. Das gab mir zu denken.

Meine Tochter kann nicht sprechen. Und deshalb wird sie bei Betreuern leicht zu deren Spielball. Es sit möglich zu erkennen, was meine Tochter möchte oder nicht, nur gehört da auch ein bisschen Interesse an ihr dazu. Die habe ich bei so manchen Betreuer vermisst. Darum ist sie auch daheim.
Wenn man versucht selber bewußt nicht so handelt, fällt es wohlmöglich leichter gegen andere vorzugehen, die so handeln, und einem das Leben schwer machen.

Schreib mir bitte mal den Satz so auf, dass er verständlich wird. Ich kann ihm nicht folgen. Mir sind durch Beobachtung gesunder und kranker Menschen viele Dinge aufgefallen. Nicht nur bei anderen, auch bei mir.


@ Claudia,
Unsere hatte auch schon die Idee, Autos mit weit ausgestreckten Armen aufhalten zu wollen - das bringt "Fun and Action".

:wuerg:

Micha
HHelmutS 26.07.2009, 11:31#27
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern
Zitat von miau
Hallo Helmut,

Firmung ist ein Ritual, das zu meinem Glauben dazu gehört. Dass Jungendliche erst gefragt werden, halte ich für überflüssig und unangebracht. Das war auch bei meiner jüngsten Tochter so. Es war ganz selbstverständlich, dass sie zur Firmung ging, ohne große Fragen oder Debatten. Weißt du, welche Jugendlichen bei uns die Firmung verweigert haben? Genau die Kinder, deren Eltern aktiv in der Kirche tätig waren und es noch heute sind. Das gab mir zu denken.

Meine Tochter kann nicht sprechen. Und deshalb wird sie bei Betreuern leicht zu deren Spielball. Es sit möglich zu erkennen, was meine Tochter möchte oder nicht, nur gehört da auch ein bisschen Interesse an ihr dazu. Die habe ich bei so manchen Betreuer vermisst. Darum ist sie auch daheim.



Schreib mir bitte mal den Satz so auf, dass er verständlich wird. Ich kann ihm nicht folgen. Mir sind durch Beobachtung gesunder und kranker Menschen viele Dinge aufgefallen. Nicht nur bei anderen, auch bei mir.


Hi Micha,

soweit ich weis geht es "beim Glauben an Gott"... also das worum es der Kirche gehen sollte, darum, das weiter zu leben, was "er" vorgelebt hat... was in der Bibel steht. Da aber nirgendwo geschrieben steht, das man seine Kinder, nach Taufe u. Kommunion, einige Jahre später noch mal gegen ihren willen in die Kirche schleifen soll, kann da was nicht stimmen. Der Umstand, das Leute die von sich sagen das sie "daran" glauben aber so handeln, gab mir so viel zu denken, das ich mich "davon" verabschiedet habe. So kann allenfalls ein Verein handeln, dem es um die Förderung von Diktatur geht, aber nicht einer, dem es um Glauben an sich geht.

"So" ist das mitunter auch mit dem MDK. Er "soll" den tatsächlichen Pflegebedarf ermitteln, schreibt in seine Gutachten, zum Nachteil der Betroffenen mitunter aber was völlig anderes, als tatsächlich vorliegt.

Wie soll ich dir den Satz übersetzen.... ? Versuch mal den willen deiner Tochter mehr anzuerkennen... = nichts mit ihr zu tun, was nicht "tatsächlich" sein muß.... dann gibt es vielleicht auch weniger Grund, sich über den MDK aufzuregen, oder man hat mehr Energie dagegen vor zu gehen ;-)

:-) Helmut
miau 26.07.2009, 14:56#28
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern
Zitat von HHelmutS
Wie soll ich dir den Satz übersetzen.... ? Versuch mal den willen deiner Tochter mehr anzuerkennen... = nichts mit ihr zu tun, was nicht "tatsächlich" sein muß.... dann gibt es vielleicht auch weniger Grund, sich über den MDK aufzuregen, oder man hat mehr Energie dagegen vor zu gehen ;-)
:-) Helmut

Hallo Helmut, aus diesen Zeilen lese ich, dass du mir unterstellst, ich würde gegen den Willen meiner Tochter handeln.

Vielen Dank für die Unterstützung! :wink:
HHelmutS 26.07.2009, 20:42#29
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern

Hi Micha,

ich fürchte, ... so dreist sich das nun auch anhören mag... zu "unterstellen" gibt es da nix. Du hast selbst, was "Glaubensfragen betrifft" geschrieben, das da du/ihr nicht nachfragt was der Betroffene will, da wird einfach gemacht was halt üblich ist, Punkt. Genauso, wie es nix mit "dem Glauben" zu hat, wenn man nicht zustimmungsfähige Menschen zu kirchlichen Ritualen "schleift", hat es nix mit Integration zu tun, wenn man sie in "(integrative) Einrichtuingen" gibt.... oder auch nicht.

So wie mit Behinderten in solchen Glaubensangelegenheiten umgegangen wird, ist das oft auch mit der Integration. Genauso wie es Behinderte gibt, die gern bei kirchlichen Ritualen mitmachen, .. können oder auch nicht wollen, gibt es Behinderte, die können in integerativen Einrichtungen gut gefördert werden, und kommen da gut zurecht... oder auch nicht....oder können nicht gut gefördert werden, finden es selbst aber dennoch Toll in solchen Einrichtungen... ob die aber wirklich gut für sie sind ?

Ich hab "solche Bürger" kennen gelernt... was natürlich nicht heißen soll, das es bei euch auch so ist ! Da kommt der volljährige Sohn mit DS aus der Tagesbetreuung nach hause, und klagt darüber das er nur Sachen machen mußte, die er nicht wollte. Dann stehen die Eltern am nächsten Tag beim Personal auf der Matte und beschweren sich... Samstag abends oder spätestens Sonntags morgens ändert sich das Verhalten der Eltern jedoch regelmäßig. Dann interessiert sie nicht was der Sohn gern möchte. Dann ist der Weg in die Kirche angesagt, und da muß er mit, ob er will oder nicht, sonst gibt es Sanktionen die er noch weniger mag als die Kirche. Die sind auch am überlegen, ob sie ihren Sohn aus der Tagesbetreuung nehmen, weil er da so unzufrieden ist.... Ob er die Tagesbetreuung besser ertragen könnte, wenn er nicht jedes Wochenden zuhause genau so genervt würde ? Wenn Eltern mit nicht behinderten Kindern so umgehen, ziehen die aus wenn sie 18 sind, und die Eltern sich nicht ändern.

Ich habe Sonja, weil ich das Verhalten der Schule nicht mehr ertragen konnte, völlig überraschend 3 oder 4 Jahre vor dem eigentlichen Termin von der GBSchule genommen. Da sie dann nicht sofort in eine andere Einrichtung aufgenommen werden konnte, war sie ein Jahr komplett zuhause. Das war einerseits, weil sie sowieso nur immer halbtags in der Schule, und oft krank war, keine große Umstellung. Dennoch würde ich sowas andererseits nicht als dauerhaften Ersatz für "eine vernünftige" Tagesbetreuung machen. Einerseits... Je länger man sich gegen "nicht so tolle Tagesbetreuung streubt", und sein Kind nicht da hin gibt, um so schwerer wird der unumgängliche Wechsel eines Tages ausfallen. Andererseits... je eher man "mit solchen Einrichtungen zusammen arbeitet", und über Probleme spricht, um so eher können sich alle Beteiligten aneinander anpassen, und versuchen eine Mittelweg zu finden. Ich habe mit Sonjas WfB. vorriges Jahr auch eine sehr merkwürdeige Erfahrung gemacht. Gäbe es eine andere Einrichtung in der Nähe, würde ich sie wechseln lassen... Da es keine andere in der Nähe gibt, bleibt sie mit der Hoffnung auf Besserung halt als Notlösung da, weil das besser für sie ist, als nur zuhause zu sein.

Da fällt mir ein.... "das hier".. ist wie mit dem "Behindert oder Krank"...... Krank zu sagen ist zwar einfacher... birgt aber große Gefahren. Sein Kind zuhause zu halten, weil einem nicht gefällt wie andere damit umgehen, ist auch bequemer, als sich mit den anderen auseinander zu setzten... und birgt für einen Später unausweichlich anstehenden Wechsel der Lebenssituation auch große Gefahren.


:-) Helmut
Kirsten 26.07.2009, 23:36#30
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern
Zitat von HHelmutS
Die Lebenshilfe ist ein Dienstleistungsunternehmen. Da geht man hin, sagt was man möchte, verhandelt ggf. und ist mit dem Ergebnis zufrieden oder auch nicht. Das ist wie beim Frisör. Da geht man u. frau hin, sagt was frau möchte, bekommt es so... ist zufrieden .. oder nicht, und geht wieder hin.. oder nicht. Genau so wie es viele verschiedene Frisöre gibt, gibt es viele verschiedene Ortsgruppen der Lebenshilfe. Jede geht ihren Erfahrungen entspr. mit den Kunden um.

:-) Helmut

Hallo miteinander,

die Lebenshilfe ist kein Dienstleistungsunternehmen, sondern ein Elternverband. Die Lebenshilfe Vorort ist so gut, wie es die Mitarbeit der Eltern im Vorstand zulässt.
Die Lebenshilfe ist nach wie vor noch eine Selbsthilfegruppe, die im November 1958 gegründet wurde.
Vor knapp einem halben Jahrhundert haben sich Eltern von Kindern mit Behinderung zusammen getan, um für ihre Kinder und auch ihre eigene Situation Lösungen zu finden, die vorher keiner für möglich gehalten hat. Heute ist für uns vieles erreicht und selbstverständlich geworden. Geschafft und größtenteils zu verdanken haben wir es den „alten Haseneltern“ die mit großer privater Initiative und ehrenamtlichen Engagement die positive Entwicklung im Bereich Schulen und Betreuungsmöglichkeiten, menschenwürdige Wohnheime und Arbeitsstätten mit angepassten Anforderungen sowie nicht zuletzt klare rechtliche Unterstützungsansprüche für Familien mit behinderten Kindern vorangetrieben haben.
Am 23.11.1958 waren auf Einladung Tom Mutters hin, 15 Frauen und Männer in Marburg zusammen gekommen um die Möglichkeiten einer Gründung eines deutschen nationalen Vereins von Eltern und Freunden geistig Behinderter zu erörtern. In anderen Ländern war man dieser Entwicklung schon weit voraus. Den Eltern erschien damals die anschließende Gründung der Lebenshilfe als „Lichtstrahl im Schattendasein ihrer behinderten Kinder“. (Tom Mutters)

Wer sich für die Lebenshilfe als Elternverband interessiert kann die Anfänge der Lebenshilfe in der Dokumentation
"50 Jahre Lebenshilfe" nachlesen.


Viele Grüße
kirsty
**Claudia** 27.07.2009, 06:59#31
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern

Hallo Kirsty,

das stimmt natürlich, der Dachverband als solcher ist eine Elterninitiative.
Trotzdem sehe ich Frühfördertherapeuten, Erzieher und Lehrer als Dienstleister an, die Geld an der Behinderung unserer Kinder verdienen und ich auch ordentliche Arbeit an den Kindern und MIT uns Eltern erwarte und keinen jahrelangen Terror mit Fehldiagnosen/-diagnostiken, "merkwürdigen" Gutachten usw. usw......

Selbstverständlich sind das Engagement und die Pionierarbeit in den Anfängen der "Lebenshilfe" zu würdigen und auch die gute Arbeit, die sie in anderen Fällen verrichtet bzw. freue ich mich auch darüber, dass es bei uns mit dem FeD richtig gut klappt. In dem Fall bin ich insofern dankbar, als dass ich mit diesen Betreuern keinen Stress habe und sie ihren Auftrag gut und angemessen, auch engagiert, freundlich und flexibel erfüllen :-).
HHelmutS 27.07.2009, 08:12#32
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern
Zitat von kirsty
Hallo miteinander,

die Lebenshilfe ist kein Dienstleistungsunternehmen, sondern ein Elternverband. Die Lebenshilfe Vorort ist so gut, wie es die Mitarbeit der Eltern im Vorstand zulässt.


Hi kristy,

es ist weitgehend egal, wie ein Verein oder ein Unternehmen das Dienstleistungen anbietet entstanden ist. Es ist und bleibt für Kunden ein Dienstleistungsunternehmen. Das bei der Lebenshilfe "Eltern" das sagen haben, erklärt zudem recht gut die Unterschiede, die man von Filiale zu Filiale, bzw. Ortsgruppe zu Ortsgruppe vorfindet. Sind überwiegend "sehr selbstständige" Eltern im Vorstand, hängt es mit den Hilfsangeboten... sind viele drin die Hilfe brauchen, ist das Hilfsangebot hoffentlich besser.

Ich bin vor 20 J. mal zu einer Feier der LH eingeladen worden, und kam mir da eher vor, wie auf einem Klassentreffen meiner Eltern.... wo die ihre Eltern mitbringen durften, als das ich den Eindruck hatte, das es da um "Familien mit behinderten Angehörigen" ging. Heute ist der Altersdurchschnitt da etwas anders, aber das ist dann ein anderes Thema.

:-) Helmut
**Claudia** 27.07.2009, 09:20#33
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern

Ich denke, der wirtschaftliche Aspekt der "Lebenshilfe" darf nicht "weg-idealisiert" werden.
Durch die Erfahrungen, die ich gemacht habe, habe ich zu spüren bekommen, wie wichtig dieser Organisation das Geld ist (siehe "Zwangsspenden" im Kindergarten) -> subjektiv zu betrachten.
Meine Überlegung ist und bleibt: warum wohl wurde des Weiteren bei meiner gesunden Adoptivtochter eine geistige Behinderung "diagnostiziert", verbunden mit dem Angebot 4 lebenshilfe-interne Therapien in einer Woche zu machen
Mein Kind ist quietschfidel, besucht die Hauptschule und statt in die 4 vorgeschlagenen Therapien habe ich sie drei Jahre lang in einen Kletterkurs gesteckt. Das war effektiver.

Ich denke, dass gerade in den Zeiten der PND (verbunden mit den Spätabtreibungen) jede Behindertenorganisation, die bezahlte Angestellte hat um jeden Cent kämpfen muss, da das Klientel auf besonders grausame Art "ausstirbt" (was natürlich meine Meinung ist und ich da nur für mich sprechen kann, wie ich Spätabtreibungen für mich bewerte).



Natürlich ist es furchtbar, wenn man Angst um seinen Arbeitsplatz haben muss. Wir selbst waren als Familie schon von Arbeitslosigkeit betroffen und natürlich kann ich nachvollziehen, dass man alles tut, um seinen Arbeitsplatz zu sichern.
miau 27.07.2009, 09:54#34
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern

@ Helmut,

mit dir zu diskutieren ist sinnlos. Über ein Glaubensritual auf eine allgemeine Haltung zu schließen ist schon mehr als denkwürdig. Du hast keine Ahnung um was es damals ging, als meine Tochter enorme Entwicklungs-rückschritte machte: genau darum. Und nun kommst du daher und willst mir sagen, dass ich über mein behindertes Kind bestimme, ohne sie zu fragen. Vielleicht erwartest du zuviel von draußen und bist selbst unfähig zu dem, was du mir vorhältst?

Es ist leichter zu sagen: mein Kind ist behindert als zu sagen: mein Kind ist krank, nämlich geistig krank. Nämlich das Gehirn ist krank. Nur möchte das keiner gerne zugeben, denn Krankheiten können vererbt sein. Dann könnte etwa eine geistige Behinderung auch mit einer geringeren Intelligenz in Beziehung gesetzt werden. Aber das ist ja wieder verboten drüber zu reden. Lieber schön schweigen und das Kind als behindert ausgeben. Behindert heißt für mich: ich kann da nix dazu.

LG Micha
miau 27.07.2009, 09:59#35
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern
Zitat von kirsty
Hallo miteinander,

die Lebenshilfe ist kein Dienstleistungsunternehmen, sondern ein Elternverband. Die Lebenshilfe Vorort ist so gut, wie es die Mitarbeit der Eltern im Vorstand zulässt.
Die Lebenshilfe ist nach wie vor noch eine Selbsthilfegruppe, die im November 1958 gegründet wurde.
Vor knapp einem halben Jahrhundert haben sich Eltern von Kindern mit Behinderung zusammen getan, um für ihre Kinder und auch ihre eigene Situation Lösungen zu finden, die vorher keiner für möglich gehalten hat. Heute ist für uns vieles erreicht und selbstverständlich geworden. Geschafft und größtenteils zu verdanken haben wir es den „alten Haseneltern“ die mit großer privater Initiative und ehrenamtlichen Engagement die positive Entwicklung im Bereich Schulen und Betreuungsmöglichkeiten, menschenwürdige Wohnheime und Arbeitsstätten mit angepassten Anforderungen sowie nicht zuletzt klare rechtliche Unterstützungsansprüche für Familien mit behinderten Kindern vorangetrieben haben.
Am 23.11.1958 waren auf Einladung Tom Mutters hin, 15 Frauen und Männer in Marburg zusammen gekommen um die Möglichkeiten einer Gründung eines deutschen nationalen Vereins von Eltern und Freunden geistig Behinderter zu erörtern. In anderen Ländern war man dieser Entwicklung schon weit voraus. Den Eltern erschien damals die anschließende Gründung der Lebenshilfe als „Lichtstrahl im Schattendasein ihrer behinderten Kinder“. (Tom Mutters)

Wer sich für die Lebenshilfe als Elternverband interessiert kann die Anfänge der Lebenshilfe in der Dokumentation
"50 Jahre Lebenshilfe" nachlesen.


Viele Grüße
kirsty

Hallo kirsty,

nach deinen Beschreibungen müsste sich die LH hier vor Ort auch für meine Tochter interessieren, selbst wenn sie daheim von mir betreut wird. Tut sie aber nicht, außer ich melde mich als Mitglied an. Aber dann geht es auch mehr um Organisatorisches und vor allem um´s Geld. So wie ich die LH hier vor Ort kennengelernt habe, geht es den beteiligten Eltern einzig um einen Vorteil für ihre Kinder, und nicht für andere. Sie denken nur an sich und nicht, dass es auch andere Familien mit Behinderten gibt, auf man man mal zugehen könnte. Da wird erwartet, dass die Familien auf die LH zugehen. Und wenn so ein Kind erst ein paar Monate oder Jahre alt ist, fällt das sehr sehr schwer.

Wenn ich die Internetseite der LH von Marburg ansehe, dann stehen da Dinge, die auf unsere LH nicht zutreffen. Dort gibt es auch Seminarangebote, die es bei uns nicht gibt. Bzw. mir wurde gesagt, dass das Interesse daran in unserer Gegend sehr gering ist. Warum ist das so gering? Vielleicht sollten in jedem Ort mal Selbsthilfegruppen gegründet werden? Zu jeder sonstigen Krankheit gibt es welche, nur nicht für Angehörige für geistig Behinderte. Ist die Schamgrenze bei den Betroffenen zu hoch?

LG Micha
**Claudia** 27.07.2009, 10:25#36
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern

Vielleicht ist ja in dem Zusammenhang und/oder als Ergänzung dieser Thread über wertschätzende Zusammenarbeit noch interessant?

http://www.intakt.info/forum/showthread.php?t=7626
miau 27.07.2009, 10:48#37
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern

Hallo Claudia,

ja der wäre interessant, wird aber bei den betroffenen Menschen, die keine Ahnung von Wertschätzung haben, wenig bewirken.

:-( Micha
HHelmutS 27.07.2009, 17:03#38
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern
Zitat von miau
@ Helmut,

mit dir zu diskutieren ist sinnlos. Über ein Glaubensritual auf eine allgemeine Haltung zu schließen ist schon mehr als denkwürdig. Du hast keine Ahnung um was es damals ging, als meine Tochter enorme Entwicklungs-rückschritte machte: genau darum. Und nun kommst du daher und willst mir sagen, dass ich über mein behindertes Kind bestimme, ohne sie zu fragen. Vielleicht erwartest du zuviel von draußen und bist selbst unfähig zu dem, was du mir vorhältst?

Es ist leichter zu sagen: mein Kind ist behindert als zu sagen: mein Kind ist krank, nämlich geistig krank. Nämlich das Gehirn ist krank. Nur möchte das keiner gerne zugeben, denn Krankheiten können vererbt sein. Dann könnte etwa eine geistige Behinderung auch mit einer geringeren Intelligenz in Beziehung gesetzt werden. Aber das ist ja wieder verboten drüber zu reden. Lieber schön schweigen und das Kind als behindert ausgeben. Behindert heißt für mich: ich kann da nix dazu.

LG Micha


Hi Micha,

ich bin auf dein Verhalten bei kirchlichen Ritualen eingegangen, weil ich die Erfahrung gemacht habe, das mit Integration oft "genau so" umgegangen wird, wie mit solchen Ritualen. Wenn du dich deswegen angegriffen fühlst....

Jetzt schreibst du...." Es ist leichter zu sagen: mein Kind ist behindert als zu sagen: mein Kind ist krank" .... kurz vorher war dein Text noch genau anders rum. Behinderungen kann man genau so vererben wie Krankheiten. Wie Fragesteller auf die Antwort Krank... oder Behindert reagieren hängt von deren Einstellung dazu ab.... und wie der Antwortende damit umgeht. Mal wird das eine als "besser" empfunden, mal das andere.

Jetzt am Wochenende lief hier die Aktion "Borken ala Cart". Da bauen Restaurants aus der Umgebung ihre Küche, Tische u. Bänke auf dem Marktplatz auf, so das man ganz öffentlich in die Küche kucken.... und lecker essen kann. Ich hab an drei Tagen mit Sonja zusammen, bei wild fremden Leuten am Tisch gesessen und gegessen. Fast schon wie ein Uhrwerk kommt bei solchen Gelegenheiten mit dem 3 - 5 Satz immer die Frage : Was hat denn ihre Tochter/Frau/oder auch Schwester. Weil die Fragen meist in der gleiche Reihenfolge kommen, kommt dann genau so wie ein Uhrwerk die Antwort... das "meine Tochter, durch eine schwere Erkrankung im Alter von 2 Wochen, heute mit 24. J. schwerst mehrfach behindert, und so zirka auf dem Stand eines 9 - 15 Monate alten Kindes ist.

Ich hab mal einen älteren Herren mit DS betreut. Mit dem bin ich, wenn sich die Gelegenheit bot und er wollte, "genau so" Essen gegangen, und hab auf solche Fragen genau so Ausführlich geantwortet, ohne das ich mir dabei Gedanken darüber machen, was der Fragesteller darüber Denken könnte. Wenn jemand ein Problem mit Kranken oder/und Behinderten hat, ist sein, aber nicht mein Problem. Was soll ich von anderen Erwarten ?

Nachtrag

Wenn unsere Gesellschaft.. Eltern von heute... nichtmal bereit sind, Menschen zu integrieren, die "nur" kirchliche Rituale nicht wollen, nicht behinderte Jugendliche nicht mal fragt ob sie solche Rituale wollen, und die Antwort respektiert,... scheint es mit beinahe völlig überzogen, wenn so eine Gesellschaft versucht, behinderte Menschen, also Menschen die noch "viel viel anderer" sind, als solche die nur kirchliche Rituale nicht wollen, in sich zu integrieren. Was ich erwarte ist wohlmöglich das sich das mal ändert.

:-) Helmut
Kirsten 28.07.2009, 00:16#39
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern
Zitat von miau
Hallo kirsty,

Wenn ich die Internetseite der LH von Marburg ansehe, dann stehen da Dinge, die auf unsere LH nicht zutreffen. Dort gibt es auch Seminarangebote, die es bei uns nicht gibt. Bzw. mir wurde gesagt, dass das Interesse daran in unserer Gegend sehr gering ist. Warum ist das so gering? Vielleicht sollten in jedem Ort mal Selbsthilfegruppen gegründet werden? Zu jeder sonstigen Krankheit gibt es welche, nur nicht für Angehörige für geistig Behinderte. Ist die Schamgrenze bei den Betroffenen zu hoch?

LG Micha

Hallo Micha,

es ist nicht immer unbedingt Lebenshilfe drin, wo es drauf steht. Fehler werden überall gemacht. Je weniger Elternarbeit Vorort läuft, umso weniger wird man aufgefangen. Es gibt super aufgestellte Lebenshilfen mit einem großflächigen Angebot. Das fängt schon bei der Betreuung von Eltern an, die wissen, dass sie ein behindertes Kind bekommen.
Die Lebenshilfe ist eine Elternselbsthilfegruppe für Menschen mit geistiger Behinderung und ihren Angehörigen. Gerade weil das Wort "geistig behindert" das letzte in der Gesellschaft ist, ist die Lebenshilfe als Elternverband auch nach wie vor so wichtig. Seminare werden eigentlich vom Landes- und Bundesverband angeboten. Wir hatten jetzt beim Landesverband Erlangen einen Eltern Fokustag, worum es genau darum ging, wie junge Eltern heute die Lebenshilfe sehen. Die "alten" Haseneltern von damals, die "ihre" Lebenshilfe gegründet haben und mit mehr Willenskraft an die Sache gegangen sind, die sind heute aufgebraucht. Junge Leute kommen wenig nach, weil jeder nur nach sich selbst schaut. Aber dies ist nicht immer so. Manche stellen sich gerne selbst dar und andere arbeiten und helfen mit und werden dann noch von denen die alles haben, milde belächelt. Da möchte man gerne mal sagen, weißt du eigentlich, wem du das zu verdanken hast, dass dein Kind überhaupt eine Schule besuchen kann, dass es den FED gibt usw.?
Damit hält man nicht an alten Normen fest, sondern man braucht diese Stütze immer wieder. Gerade jetzt im Rahmen der Inklusion brauchen wir von außen und einem Elternverband mit wachsamen Blick Hilfe und Unnterstützung, sonst gehen nämlich unsere geistig behinderten und schwer- bis schwerstbehinderten Angehörigen ins Abseits. Auch der Lebenshilfe muss man als Betroffener immer wieder Impulse geben, damit sie weiß, was unsere Wünsche, Ziele und Forderungen an sie selbst sind.
Nicht jeder weiß immer um des anderen Leid, Sorge, Behinderung und/oder das Ausmaß in der Umsetzung im Alltag.

Es gibt eine Dokumentation zum Elternfokustag mit einem sehr treffenden Vorwort der Bay. Landtagspräsidentin Frau Barbara Stamm, die ja auch die 1. Vorsitzende vom Landesverband in Bayern ist.
Ganz gezielt geht sie auf die heutige Problematik und der neuen Herausforderung von jungen Eltern an die Lebenshilfe ein.

(http://www.lebenshilfe-bayern.de/uploads/media/lhlvbayern_elternimfokus1_dokumentation.pdf)

Die Lebenshilfe mag als Dienstanbieter gesehen werden, finanziell unterstützt werden die Angebote aber auch über die Bezirke und andere öffentliche Kassen. Dass es so ist verlangt immer wieder zähes Verhandeln. Egal ob der "Dienstanbieter dann die Lebenshilfe oder andere Einrichtungen sind. Wenn die Lobby für unsere behinderten Angehörigen - und ich bin überzeugt, dass der Mensch von Generation zu Generation immer wieder neu lernen muss, wie man mit seinen "benachteiligten" Mitmenschen umgeht, ins wanken gerät, dann hilft auch kein Dienstanbieter weiter. Der schaut auch nur aufs Geld und geht dann in die Insolvens, egal was aus seinem Klientel wird. Haben wir aber auch künftig eine starke Lebenshilfe, wird es immer eine Anlaufstelle geben, die sich schützend hinter unsere Angehörigen stellen kann. Dass es so ist , dass die Qualität der Lebenshilfe erhalten bleibt, bedarf unserer Mitarbeit und unseres einbringens.

Liebe Micha, ich verstehe deine Enttäuschung und ich hatte es auch nicht immer leicht mit "meiner" Lebenshilfe. Mitglied braucht man übrigens nicht in der Lebenshilfe zu sein, wenn es um die Nutzung von Hilfen aus dem Angebot der Lebenshilfe geht, die mit öffentlichen Mitteln gefördert sind.
Bei uns in Aschaffenburg ist die Lebenshilfe sehr gut organisiert. Wir haben ein Haus "Treffpunkt Mensch" in dem z.B. der ambulante Dienst der Lebenshilfe seine Dienste anbietet.
Wenn du Lust hast, schau mal auf unserer Seite vorbei.

www.lebenshilfe-aschaffenburg.de

Im September wird ein Seminar in Marburg vom Bundesverband angeboten mit dem Thema !Eltern InForm!.
Damit werden auch ganz gezielt junge Eltern, die sich in der Lebenshilfe orientieren wollen, angesprochen. Wir haben auch in Aschaffenburg einen Gesprächskreis für Eltern, Betroffene und Angehörige in den letzten Jahren aufgebaut. Wir sind ein sehr aktiver Vorstand (ich gehöre auch dazu) und wir gehen nicht nur Themen nach, die uns persönlich betreffen. Dann wären wir im Vorstand vielleicht auch verkehrt. Eine gesunde Mischung aus Betroffenheit, Erfahrung, Weitsicht und auch mal von der anderen Seite aus versuchen das Geschehen um uns herum zu betrachten und objektiv Entscheidungen zu treffen, zeichnet einen guten durchmischten Vorstand in einem Lebenshilfeverband aus. Dann ist auch der Weg frei, für eine gute Qualität des Angebotes .

L.G.
Kirsten


***************
Kirsten 28.07.2009, 00:28#40
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern

Hallo Claudia,

wegen der guten Arbeit, die man auch für den guten Preis erwartet hast du sicherlich recht. Das Verhältnis sollte stimmen und zu beiderseitiger Zufriedenheit sein.

Es geht mir eigentlich auch wirklich in 1. Linie um den Geist der Lebenshilfe und ich finde sie sehr wichtig als Elternverband.

Die Lebenshilfe ist wie alles auf den Weg in eine neue Zeit. Hoffen wir, dass auch küftig gute Angebote und Zufriedenheit dabei sein werden.

L.G.
Kirsty
**Claudia** 28.07.2009, 07:59#41
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern

Hallo Kirsty,
Das Verhältnis sollte stimmen und zu beiderseitiger Zufriedenheit sein.

...das halte ich für elementar wichtig, gerade weil die LH eine fast einzigartige Monopolstellung hat, die ordentlich Macht micht sich bringt.
Diese Monopolstellung der LH ist etwas, das mir mit meinen Erfahrungen schon arge Bauchschmerzen bereitet, denn Eltern wie ich haben kaum einen Hauch von Chance, sich an eine andere Organisation zu wenden. Sie sind der LH ausgeliefert.

Wir haben zum Glück hier noch unser Jugendamt, das uns zur Seite steht und mit dem wir wirklich zusammenarbeiten.
Aber was ist mit den Eltern, die das nicht haben?

Die "alternative" Schule für geistig behinderte Kinder, ist schon eine Stadt weiter.
Glücklicherweise kann unsere Kleine dorthin gehen, sonst wären wir gnadenlos dieser LH-Schule hier ausgeliefet gewesen.

Schon da merkten wir im Erstgespräch mit der Konrektorin, dass dort zwischen Eltern und Lehrkräften niemals ein ausgewogenes Verhältnis bestehen kann - schon beim Erstgespräch brauchten wir unseren Mann vom Pflegekinderdienst mit dabei, weil diese Dame augenscheinlich Eltern von geistig behinderten Kindern für nicht ganz voll nimmt.


Jetzt hat nicht jeder den Biss und die Hartnäckigkeit, die wir haben...
von daher stelle ich mir wirklich die Frage: was tun die Eltern, wenn man derart mit ihnen umgeht?


Die Angebote der LH finde ich übrigens auch vielfältig, etliche Ideen der LH unterschreibe ich und auch einen Grossteil der Philosophie, die sie mutig nach Aussen hin vertritt.
Aber im zwischenmenschlichen Umgang meine ich, ist ihnen der Ruhm und die Monopolstelltung möglicherweise etwas zu Kopf gestiegen. So zumindest bei den Mitarbeitern (5 Mitarbeiter in 7 Jahren, Erzieherinnen mal aussen vor gelassen), die ich hier erlebt habe.

Und ich bin ganz sicher kein Mensch, der das Haar in der Suppe sucht oder ständig unzufrieden ist.
Sonst würde ich nicht seit 12 Jahren als Adoptiv- und Pflegemama mit dem JA so gut zusammenarbeiten (in diesen Jahren hatte ich schon mit drei JA's zu tun und bestimmt mit etwa einem Dutzend Mitarbeiter, die alle völlig unterschiedlich sind).

Ich finde es schon auch ein Stück weit bedenklich, dass die LH ganz ausser Konkurrenz ist, nicht weil ich die LH in "Grund und Boden" sehen möchte, sondern weil das viel Macht über die Eltern bedeutet, die sich auf sie angewiesen fühlen.
miau 28.07.2009, 10:13#42
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern

Hallo Kirsten,
Wir sind ein sehr aktiver Vorstand (ich gehöre auch dazu) und wir gehen nicht nur Themen nach, die uns persönlich betreffen.

Wäre das nur bei uns auch so. :-(

Als ich damals in Not war, habe ich mich an die hiesige LH gewandt, an den Elternsprecher, an Erlangen, aber das hat alles nichts gebracht, weil ich es telefonisch getan habe und nicht schriftlich. Damals gab es in Würzburg vom Bayerischen Rundfunk eine extra Veranstaltung auf dem unteren Markt. Dorthin bin ich mit meiner Tochter gefahren. Meine Beschwerde beim Landesverband war denen nicht recht, sie wollten für ihre "großartige" Arbeit bewundert werden. sie haben mit angesehen, wie meine Tochter ausgeflippt ist.

Dann hätte ich gerne gehabt, dass meine Tochter die Einrichtung wechselt. Ging nicht, da wir an die von unserem Landkreis gebunden seien. Erst zu spät habe ich eine andere Mutter getroffen, die es geschafft hatte ihren Sohn in die Einrichtung vom benachbarten Landkreis unterzubringen. Auch eine Einzelkämpferin. Ich hatte ihr gesagt, wir könnten uns zusammen schließen. Das war ihr egal. Sie wollte für ihren Sohn etwas durchbringen und was mit uns war, war ihr doch egal. Ja, so funktioniert es bei den behinderten Eltern: alle wollen, dass es ihrem Kind gut geht, dass nur dieses gefördert wird, und der Rest kann sehen wo er bleibt. :-(

lg Micha
**Claudia** 28.07.2009, 13:22#43
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern

Hallo Micha,

was Du beschreibst, untermauert meine Bedenken im Hinblick auf die Monopolstellung, die die LH (von meiner Sicht aus "leider") hat.
Im Prinzip ist man hier der LH gnadenlos ausgeliefert, weil sie hier der einzige Anbieter in der Frühförderung, den Schulen, den Tagesstätten, dem FeD usw. usw. ist.


Hätte damals nicht eine Jugendamtsmitarbeiterin erwähnt, dass es eine Stadt weiter die Waldorfschule gibt, wären wir gezwungen gewesen, unsere Kleine hier in die LH-Schule zu geben.
Hätte ich vielleicht ohne JA von der Waldorfschule gehört: wahrscheinlich hätten mich meine Vorurteile gegen Waldorf dann in die Arme der LH getrieben - da diese Schule dem JA aber "positiv" bekannt war, hatte ich wenigstens eine vetrauenswürdige Person, die entsprechende Feedbacks schon von anderen Eltern hatte und der die Schule entsprechend bekannt war.
Dorthin bin ich mit meiner Tochter gefahren. Meine Beschwerde beim Landesverband war denen nicht recht, sie wollten für ihre "großartige" Arbeit bewundert werden.

So ähnlich habe ich das auch empfunden.
Ich habe vor zwei Jahren das Gespräch mit dem Geschäftsführer gesucht. Sobald ich Kritik an der Vorgehensweise "seiner" Mitarbeiter äusserte, kam als einzige Antwort: "Diesen Mitarbeiter habe ICH persönlich eingestellt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er das und das geäussert hat..."

Noch niemals hatte ich das Gefühl, mit so einer übermächtigen Arroganz konfrontiert gewesen zu sein.

Das Gespräch gipfelte darin, dass dieser Geschäftsführer noch eine JA-Mitarbeiterin diffamierte und ich dann auf direktem Weg der entsprechenden Person mitgeteilt habe, was der Geschäftsführer sich herausnimmt, seinem Klientel gegenüber zu äussern.

Ein Jahr später habe ich dann nochmal das Gespräch gesucht, als es eben um den FeD ging und ich (zu meinem Entsetzen) erfahren habe, dass eben auch nur die LH den FeD hier anbietet.
Ich schreibe es flapsig: ich hätte kotzen können!

Und unser Glück war, dass die Koordinatorin des FeD hier wirklich "auf Zack" ist. Die zeigte sich betroffen und bestürzt über das, was wir 7 Jahre lang erlitten haben durch die Mitarbeiter, mit denen wir zu tun hatte.
Und die gab mir wiederum den Tip, mich an den Bürgermeister zu wenden.

Der liess erst auch nichts auf "seine LH" kommen (Götter müssen unfehlbar sein...???), unterstütze meinen Wunsch nach einem klärenden Gespräch dann doch, indem er sich auch nochmal mit dem Geschäftsführer in Verbindung setzte.
Mit dem hatte ich dann letztes Jahr einen Termin, zu dem ich meine Co-Gruppenleiterin meiner Gruppe mitnahm, als Zeugin und zu meiner Unterstützung.

Der gab dann zumindest zu, dass seine Äusserung über den benannten JA-Mitarbeiter nicht gerade "klug" war und wir einigten uns auf einen Neubeginn.

Dem FeD habe ich gesagt, dass ich mich bemühen werde, meine Erfahrungen nicht auf dessen Mitarbeiter zu übertragen.
Ich sagte aber auch klipp und klar, dass ich keine Möchtegern-Supernanny wünsche, keinen Erziehungscoach und schon gar keine Ersatzmutter, die mir "helfen" will.
Was ich erwarte, sei ein Babysitter zu unserer Entlastung - mehr nicht.

Es klappt :-)!

Ich habe mittlerweile auch der Koordinatorin gesagt, dass wir hochzufrieden mit der Arbeit des FeD sind und was ich am tollsten finde ist die Flexibilität der Mitarbeiter :-).

Trotzdem vertrete ich die Ansicht, dass noch mehr Alternativen zur LH zwingend geschaffen werden müssen, dass einfach Konkurrenz vorhanden ist und die LH ihre Monopolstellung verliert.

Das wäre für mich wünschenswert.

Wo Konkurrenz ist, ist auch eine Vergleichsmöglichkeit und wo man vergleichen kann, kann man entscheiden.
Denn ich bin der Ansicht, dass uns Eltern von behinderten Kindern die Entscheidung nicht aus der Hand genommen werden darf.
Carmen62 28.07.2009, 13:35#44
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern
Zitat von **Claudia**
Hallo Micha,

***************************************
Wo Konkurrenz ist, ist auch eine Vergleichsmöglichkeit und wo man vergleichen kann, kann man entscheiden.
Denn ich bin der Ansicht, dass uns Eltern von behinderten Kindern die Entscheidung nicht aus der Hand genommen werden darf.

[Bild: www.smilies.4-user.de]absolut richtig.
In dem gesamten System wie Lebenshilfe und co steckt mehr Methode,als uns bewusst ist
**Claudia** 28.07.2009, 13:38#45
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern

So denke ich auch, Carmen und genau das finde ich beängstigend.
Kirsten 28.07.2009, 16:25#46
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern
Zitat von miau
Auch eine Einzelkämpferin. Ich hatte ihr gesagt, wir könnten uns zusammen schließen. Das war ihr egal. Sie wollte für ihren Sohn etwas durchbringen und was mit uns war, war ihr doch egal. Ja, so funktioniert es bei den behinderten Eltern: alle wollen, dass es ihrem Kind gut geht, dass nur dieses gefördert wird, und der Rest kann sehen wo er bleibt. :-(

lg Micha

Liebe Micha,

So etwas erlebt man immer wieder und es muss noch nicht einmal der Vorteil für die Allgemeinheit sein.
Ich weiß auch, dass in den letzten Jahren an der Lebenshilfe viel vorbei gegangen ist. Ich habe ja auch einiges erlebt, dass mich verletzt hat, dass mich stutzig gemacht hat usw.
Fakt ist, die Lebenshilfe muss wie ein "Wirtschaftsbetrieb" wirtschaftlich arbeiten. Der Vorstand trägt auch die Verantwortung, dass sich sein Ortsverband nicht kaputt wirtschaftet.

Fakt ist in meinen Augen, dass sich die Lebenshilfe in den vergangenen Jahren nicht unbedingt den schwerbehinderten Menschen geöffnet hatte und auch heute viele Lebenshilfe keine Pflegerischen Dienste übernehmen dürfen, weil sie es einfach verpennt haben, sich im Zuge der Pflegereform neu zu organisieren. Vielleicht wollten es auch viele nicht. Auch ich habe lange Zeit als Einzelkämpfer für andere gekämpft. Da mein Sohn Epilepsie hat, war das für unsere Lebenshilfe ein Ausschlusskriterium, ihn durch den FED zu betreuen. Ich wurde an eine Pflegestation verwiesen. Mein Sohn hat aber nicht nur Anspruch auf Pflege im eigentlichen Sinn, sondern ist ein vollwertiger Mensch mit einem gesunden Grundbedürfnis für eine Teilnahme am öffentlichen Leben und der Gemeinschaft.
Heute ist das Thema Epilepsie als Hinderungsgrund vom Tisch. Unterstützt hat mich von den anderen Eltern eigentlich keiner. Sie haben zur "Konkurrenz" (Medizinische Pflegedienste mit Krankenschwestern) gewechselt. Ich habe sturr weitergebohrt, bis es durch war.

Was die Konkurrenz betrifft, die wird in den nächsten Jahren schon kommen. Es wird Billiganbieter geben, Ausschreibungen und der billigste bekommt den Zuschlag. Wie im richtigen Leben.

Ich habe ja schon erwähnt, dass ich mich für den Geist der Lebenshilfe einsetze. Ich sitze auch mit dem Vorstand vom Landesverband und dem Geschäftsführer an einem Tisch und erzähle, was mich bedrückt. Es ist erwünscht und gewünscht, dass wir Eltern unsere Vorstellungen einbringen. Vielleicht noch nicht so lange, und so offen, aber auch die oberen in der Lebenshilfe werden weitsichtiger. Die jungen Eltern fordern und wollen ihr gutes Recht. Sie wollen nicht mehr bitten, weil es ihnen auch ganz klar zusteht.
Jahrelang hat die Lebenshilfe den Eltern die Verantwortung und die Arbeit in fast allen Bereichen, die das behinderte Kind betraf, abgenommen. Die Eltern vor uns waren dankbar dafür. Es gab kein Internet und Gesetzbücher, die man öffentlich einsehen konnte. Darum haben es die Eltern auch zugelassen. Heute hat die Lebenshilfe (wie man es an ihren Aktionen sehen kann) eingesehen, dass man den Eltern die Verantwortung lieber in die Hände zurück gibt. Eltern haben heute das Selbstbewusstsein Forderungen an den Staat zu stellen, dem dann meist aber leider als Einzelfallentscheidung Rechenschaft getragen wird. Die anderen, deren Eltern manchmal einfach etwas mehr Hilfe brauchen, die es nicht so einfach haben, sich durch den Gesetzesdschungel durchzukämpfen, würden auf der Strecke bleiben, gäbe es "ihre" Lebenshilfe nicht. . Kinder von diesen Eltern landen aber genauso wenig in einer Waldorfschule, wie es mein Sohn aufgrund seiner Behinderungen auch nicht schaffen würde.

Ich fand früher "die von der Lebenshilfe" auch alle sehr unnahbar und vielleicht sogar zum Teil überheblich. Ändern kann man aber nur etwas, wenn man etwas tut. Heute sitze ich mit ihnen an einem Tisch und frage freundlich, höflich und sachlich, warum etwas so und so ist. Dann lasse ich es mir erklären und im Gegenzug diskutiere ich dann wieder mit anderen Eltern in einem angemessen Rahmen darüber. Die Ergebnis melde ich wieder zurück. Manchmal solange, bis endlich darauf eingegangen wird. Klappt es nicht Vorort, sollte man sich mit anderen Eltern aus den anderen Lebenshilfen vernetzen. Das ist eine neue Herausforderung für die Lebenshilfe, die sie auch unterstützt.

Liebe Grüße
Kirsten

@Carmen und Claudia,

ihr müsst mal das DDR- Kultbuch lesen:

Kinder die anders sind.

Da kann man erkennen, was für ein System dahintersteckt. Bezeichnungen wie bildbar und nichtbildbar werden wieder zum Thema werden. Genau deswegen ist die Lebenshilfe wichtig. Mit ihr und als Verband im Rücken werden wir die nächsten Jahre genug zu kämpfen haben, um den heute erreichten Stand wenigstens zu erhalten. Nicht der Staat sollte entscheiden, wer ein Recht auf Teilhabe und Gemeinschaft und überhaupt das Leben hat.

L.G.
kirsty
**Claudia** 28.07.2009, 16:46#47
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern

Hallo Kirsty,
Es ist erwünscht und gewünscht, dass wir Eltern unsere Vorstellungen einbringen

unsere LH würde das auch nach aussen hin behaupten, aber was dann intern mit "LK-kritischen" Eltern abläuft, steht leider auf einem anderen Blatt :-(.

Ich habe bis zum vorigen Jahr bei kritischen Bemerkungen nur Floskeln gehört, wie:

"....dann müssen Sie sich halt was anderes suchen."
"Wir können nicht jeden zufrieden stellen..."
"Für Sie haben wir schon mehr Zeit investiert, als für andere Eltern..."
"....Sie sind ja nicht gezwungen, mit uns zu arbeiten..."

Und das mit einem süffisatem Lächeln, denn: welche Alternative hätte ich denn gehabt, wenn es keine Konkurrenz gibt?
Jahrelang hat die Lebenshilfe den Eltern die Verantwortung und die Arbeit in fast allen Bereichen, die das behinderte Kind betraf, abgenommen. Die Eltern vor uns waren dankbar dafür. Es gab kein Internet und Gesetzbücher, die man öffentlich einsehen konnte. Darum haben es die Eltern auch zugelassen.

Ja, das habe ich hier zu spüren bekommen.
Es wurde ganz selbstverständlich von Schweigepflichtsentbindungen ausgegangen und dass sich die LH mit "Hinz und Kunz" in Verbindung setzen darf - wer immer mit uns ärztlich zu tun hat.
Wenn ich etwas in Frage gestellt hatte oder etwas nicht wollte (dass man "für mich" handelt), kam nur der Satz: "Tja, wenn das so ist, erschweren Sie uns nur die Arbeit zum Wohle des Kindes."
Kinder von diesen Eltern landen aber genauso wenig in einer Waldorfschule, wie es mein Sohn aufgrund seiner Behinderungen auch nicht schaffen würde.

Möglicherweise liegt ein Missverständnis vor:
die Schule, die unsere Kleine besucht ist eine Waldorfschule für schwer- bis schwerstbehinderte Kinder, in denen ich auch Kinder und Jugendliche wie Euren Stefan gesehen habe.


Kirsty, ich will Dich wissen lassen, dass es mir sehr gut tut, mit Dir über das Thema zu schreiben.
Ich lese Deine Beiträge sagenhaft gerne, ich bin ein heimlicher Fan ;-) von Deiner Homepage und ich bin angetan von Deiner Art wie Du schreibst.
Von daher hoffe ich sehr, dass es bei mir nicht so ankommt, als wolle ich die LH hier im Dialog mit Dir in "Bausch und Bogen" verdammen.

Es geht hier einfach um die Benennung der Verzweiflung, die ich durch die LH erlebt habe.

Wie gesagt, ich komme seit 12 Jahren mit "dem Jugendamt" zurecht, ich komme wunderbar mit der Hauptschule zurecht, die meine Grosse besucht, ich komme wunderbar mit der Waldorf-Schule zurecht, die meine Kleine besucht.

Ich habe keine grossen Ansprüche - aber die Anspruchshaltung die ich der zwischenmenschlichen Beziehung von Verantwortungsträgern gegenüber habe, diese Anspruchshaltung ist bei mir zugegebenermassen sehr hoch.
miau 28.07.2009, 16:48#48
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern
Die anderen, deren Eltern manchmal einfach etwas mehr Hilfe brauchen, die es nicht so einfach haben, sich durch den Gesetzesdschungel durchzukämpfen, würden auf der Strecke bleiben, gäbe es "ihre" Lebenshilfe nicht. .

Hallo Kirsten,

mir hat die LH bisher nicht weitergeholfen, wenn ich mich doch mal an sie gewandt habe. Der Zufall spielte mir Dinge zu, die mir dann weiter halfen. Ich denke als letztes zum Beispiel an die Grundsicherung, auf die mich eine Userin hier freundlicherweise aufmerksam gemacht hat. Zu dem Zeitpunkt gab es diese schon 3 - 4 Jahre! Weder die Frau von der Begutachtung der Pflegestufe, noch die LH haben uns etwas gesagt. Auch nicht zu meiner anderen Tochter, die in dieser Zeit ein Praktikum in der Wohngruppe der LH machte. Manche Eltern behalten viel zu viel für sich und wollen scheinbar nicht teilen. So ist mein Eindruck.

LG Micha
miau 28.07.2009, 16:51#49
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern
unsere LH würde das auch nach aussen hin behaupten, aber was dann intern mit "LK-kritischen" Eltern abläuft, steht leider auf einem anderen Blatt .

Ich habe bis zum vorigen Jahr bei kritischen Bemerkungen nur Floskeln gehört, wie:

"....dann müssen Sie sich halt was anderes suchen."
"Wir können nicht jeden zufrieden stellen..."
"Für Sie haben wir schon mehr Zeit investiert, als für andere Eltern..."
"....Sie sind ja nicht gezwungen, mit uns zu arbeiten..."

Hallo Claudia,

diese Sätze und noch viele andere habe ich auch zu sagen bekommen. Ich habe mich 2002 mit dem Austritt meiner Tochter aus der Schule, von der LH abgewandt. Selbst mit den Angeboten von Marburg wollte ich nichts mehr zu tun haben. (Aber vielleicht gibt es ja noch Hoffnung, und ich kann heute, nach vielen Jahren, meine Meinung wieder ändern.)

LG Micha
**Claudia** 28.07.2009, 16:53#50
AW: Integration behinderter Kinder durch Eltern
Manche Eltern behalten viel zu viel für sich

Ich beobachte dieses Phänomen sehr häufig, wenn Eltern sich abhängig fühlen - das hat viel mit Angst zu tun.


Wenn ich z.B. bei etwas unserem zuständigen JA kritisiere und offen Kritik ausspreche, kann ich sicher sein, dass sich das nicht negativ auf mich auswirkt - sondern dass man mir ehrlich zuhört und dann gemeinsam nach einer konstruktiven Lösung gesucht wird.
Hätte ich Angst, würde ich mich nichts sagen trauen.