AW: Gemeinsamer Unterricht (GU) in NRW
Hallo liebe alle,
nun melde ich mich auch mal wieder zu Elfriedes Fragen nach den Kosten des Sonderschulsystems. In Bayern hat das Kultusministerium die Kosten von Inklusion und Förderschule bezüglich des Personals verglichen und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass im Durchschnitt nicht mit Mehrkosten zu rechnen ist. Allerdings gibt es im Sonderschulsystem viele versteckte Kosten. Z.B. die Schulwegkosten, in Bayern besonders teuer, wenn aus bis zu 50 km Entfernung einfach einzelne Schüler zusammengefahren werden müssen, Schulwege bis eineinhalb Stunden einfach sind keine Seltenheit und meiner Meinung nach rechtlich unzulässig. Aber diese Kosten kommen v.a. aus dem Topf des Innenministeriums und daher interessiert sich kein Bildungspolitiker dafür. In Bayern haben die privaten Förderschulen darüberhinaus die Bezirke "angezapft" für die Finanzierung von fiktiven Schulgeldern (müssten die die Eltern zahlen, würden viele wohl schnell ihr Kind aus den Sonderschulen nehmen) - aus dem Topf der Eingliederungshilfe. Also die EIngliederungshilfe für den Zweck eines Aussonderungssystems zu missbrauchen missfiel wohl auch dem Bundessozialgerichtshof. Jedenfalls dürfen seit einigen Monaten aufgrund eines GErichtsurteils die Bezirke diese Kosten nicht mehr übernehmen, daher ist übergangsweise der Freistaat Bayern eingesprungen. Man kann nur hoffen, dass die Politiker langsam merken, wieviel Geld sie eigentlich in die Logistik dieses Sondersysystems stecken, von dem bei der Förderung der Kinder erstmal überhaupt nichts ankommt. Daher müssen wir Eltern unbedingt pädagogische Zweitkräfte für jede Regelschulklasse fordern, das Geld ist da!
Die nächsten Jahre werden in Bayern sukzessive Sonderschulen schließen. In den letzten 5 Jahren haben die bayerischen Sonderschulen für Lernen und geistige Entwicklung 10% ihrer Schülerschaft an die Regelschule bzw. Außen/Partnerklassen von Regelschulen verloren. Diese Entwicklung wird sich eher noch verstärkt fortsetzen. 85 Schulen in Bayern haben schon das Profil Inklusion erhalten, weitere folgen.
Als nächstes müssen wir in Bayern eine Änderung der Lehrerausbildung fordern. In Baden Württemberg hat eine Expertenkomission im Auftrag des Kultusministeriums dazu ein Gutachten erstellt, siehe unten. Außerdem bitte ich um Beachtung des Kommentars der Inklusionseltern aus Baden Württemberg! Auch in Bayern ist der MSD meist sehr ineffektiv, auch hier müssen wir von der Politik ein Umlenken der Gelder fordern! Statt den MSD bei den Sonderschulen aufzustocken, muss das Geld direkt den Regelschulen zur VErfügung gestellt werden für ein eigenes Budget für Fachkräfte!
http://mwk.baden-wuerttemberg.de/service/pressemitteilungen/presse-detailseite/expertenkommission-zur-lehrerbildung-legt-empfehlungen-vor/
Die LAG BW Gemeinsam leben - gemeinsam lernen e.V. begrüßt die
vorgestellten Empfehlungen der Expertenkommision Lehrerbildung, in denen
der eigenständige Studiengang "Sonderpädagogik" abgeschafft und durch
die Einrichtung eines Studienschwerpunktes „Sonderpädagogik“ in den
Studiengängen Lehramt an Grundschulen und Sekundarschulen sowie im
beruflichen Lehramt ersetzt werden soll.
"Wenn wir wirklich ein inklusives Schul- und Bildungssystem schaffen
wollen, dann kann es nur in diese Richtung gehen!" kommentiert Kirsten
Ehrhardt, Projektleiterin "Unabhängige Beratung" der LAG.
Sie begrüßt auch, dass im neuen "Profilbereich" die Förderschwerpunkte
"Lernen, emotionale Entwicklung und Sprache" zusammengefasst werden:
"Wir müssen das Kästchendenken überwinden und uns ganzheitlich auf
besondere Kinder einstellen".
WAS WIR SEHR BEDAUERN:
Dass die Pädagogischen Hochschulen Ludwigsburg und Heidelberg mit ihren
sonderpädagogischen Fakultäten bzw. Instituten noch während der
laufenden Kommissionsarbeit versuchten, Einfluss zu nehmen, um einen
eigenständigen Studiengang Sonderpädagogik zu erhalten und auch bei den
Fächern den "Status quo" zu wahren.
Für uns ist es in der Tat ein wichtiger Unterschied, ob die Studierenden
in ihrem Master rein sonderpädagogisch geprägt werden oder nur ihre sonder-
pädagogischen Grundkenntnisse in EINEM sonderpädagogischen "Spezialfach"
vertiefen (und nebenbei auch noch im Master ein "normales" Fach haben, wie es
die Expertenkommission vorgeschlagen hat.
Lehrer, die einen rein sonderpädagogischen Master haben, werden in den Schulen
weiter als "die Sonderpädagogen" gesehen und nicht als Fachkollegen, die sich
besonders auch sonderpädagogisch weitergebildet haben...
Und es geht auch um Eigenwahrnehmung der Kollegen, die aus unserer Sicht
zur Zeit noch ein Problem ist und das Zusammenwachsen von Kollegien
verhindert (von der Verortung der Sonderpädagogen mal ganz abgesehen):
Vielerorts reklamieren die Sonderpädagogen das Fachwissen und die
Fachlichkeit für sich und haben das Verständnis, dass sie für bestimmte
Kinder "zuständig" sind. Das führt dann natürlich auch dazu, dass sich
die Lehrer der allgemeinen Schulen oft darauf ausruhen, dass es da ja
die "Spezialisten" gibt...
Christine Primbs