AW: Gemeinsamer Unterricht in Schulen bundesweit
Hallo Barbara,
naja, ganz sachlich sind Deine Argumente nicht mehr. Außerdem bin ich so realistisch, dass ich weiß, dass ich das Böse in der Welt nicht abschaffen kann. Aber wir Eltern können das Böse in den Gesetzen und in der Verwaltungspraxis der Behörden abschaffen. Dass es dann noch Leute geben wird, die sich nicht an Gesetze, Verordnungen usw. halten, ist auch klar, aber wieviel leichter können Eltern dann gegen diese vorgehen, wenn sie wenigstens das Recht auf ihrer Seite haben!
Außerdem betone ich jetzt nochmal: Ich stehe hinter dem Konzept von Prof. Hans Wocken, das in der deutschen Inklusionsbewegung von allen wichtigen Leuten mitgetragen wird und in etlichen Bundesländern in der Umsetzungsphase ist: Die Sonderschulen Lernen, Sprache, emotional-soziale Entwicklung werde vollständig abgeschafft, wobei der Bereich emotional-sozial umstritten ist. Die
Sonderschulen Hören, Sehen, körperl. und geistige Entwicklung werden nicht abgeschafft, aber müssen sich der Inklusion öffnen, was bei etlichen Schulen auch in Bayern schon angelaufen ist. Das Ziel dieser Schulen muss sein, zu Profil-Regelschulen zu werden, mit max. 20% Behinderten zu 80% Nichtbehinderten (so die Forderung von Prof. Hans Wocken). Was macht Euch daran Angst? Das verstehe ich nicht! Das ist doch eine Verbesserung auch für Euere Kinder, wenn sie mehr Kontakt zu nichtbehinderten Kindern bekommen!
Du hast Recht, ich kann mich mit SIcherheit nicht in die Situation aller ELtern reinversetzen, deren Kinder sehr große Sorgen bereiten. Allerdings hab auch ich ein Kind, das schon mehrfach dem Tod nur knapp entsprungen ist, es muss also niemand denken, dass ich es soviel besser habe. Außerdem sprech ich nicht nur für mich allein. Wir führen vom Netzwerk Inklusion gerade eine Elternbefragung bei Eltern durch, die ihr geistig, autistisch oder stark lernebehindertes Kind an der Regelschule haben. Die Umfrage läuft noch und wird bald auf unserer website veröffentlicht:
www.inklusion-bayern.de
Erste Ergebnisse sind: Drei Viertel der Eltern berichten, dass sich die Klassenlehrer an der Regelschule für ihr Kind sehr engagieren. Das andere Viertel der Eltern kritisiert die Haltung des Klassenlehrers. Keiner der Eltern will aber sein Kind in eine Sonderschule geben! Die Hälfte der Eltern haben aber Probleme mit dem mobilen sonderpädagogen Dienst, der die Inklusion des Kindes oft versucht, zu konterkarieren durch eine defizitorientierte Haltung, die auf Ausgrenzung innerhalb der Regelschule ausgerichtet ist, statt auf Verbesserung der Teilhabe. Einige Sonderpädagogen arbeiten sogar offen
auf einen Ausschluss aus der Regelschule hin, um den Sonderschulen mehr Kinder zuzuführen. Da schalte ich dann immer wieder mal das Kultusministerium ein, wenn die Beteiligten vor Ort meinen, für sie gelte kein Recht und kein Gesetz...
Zippe hat kritisiert, dass ich keine fertigen Konzepte für die Inklusin Schwerbehinderter habe. Es gibt nie ein fertiges Konzept, weil jedes Konzept erst auf den jeweiligen behinderten Menschen individuell zugeschnitten werden muss. Aber es gibt ein Buch über die Inklusion Mehrfachbehinderter, bitte recherchiert doch mal im Internet! Ich schaff das grad nicht, ich mach grad sehr viele Elternbera-tungen...
Christine