AW: Down-Kind soll auf das Gymnasium
Zitat von Myriam
Normalität für alle Schüler z.B. die gemeinsame Beschulung gemäß ihrer Anforderung an ihre individuelle Förderung.
Hallo Myriam,
Deine Argument verstehe ich nicht!
Wo willst Du denn z.B. meinen Sohn gemeinsam beschulen (!natürlich gemäß seiner Anforderung an individuelle Förderung, deswegen ja doch zieldifferent) das passiert doch - jedenfalls nach den ersten 4 Grundschuljahren -
immer auf den weiterführenden Schulen! Wo denn auch sonst?
Möchtest du denn alle Kinder mit kognitiven Behinderung von der Teilhabe am allgemeinen Regelschulsystem ausschließen? Oder möchtest Du sie nur von der Teilhabe an den
weiterführenden Regelschulen ausschließen? Oder möchtest Du sie von der Teilhabe an bestimmten Schularten ausschließen? Wenn ja von welchen? nur von Gymnasien? Von Realschulen?Von Werkrealschulen? Von Gemeinschaftsschulen?
Und wie begründest du das inhaltlich? Welche weiterführende Schule dürfte mein Kind deiner Ansicht nach besuchen dürfen? Welche nicht?
Und wo soll der prinzipielle Unterschied sein , ob mein Kind auf einem Gymnasium zieldifferent unterrichtet wird oder auf einer (Werk)Realschule? Die eine weiterführende Schule strebt das Abitur an, die andere die mittlere Reife und die dritte den Mittleren Bildungsabschluss? Für mein Kind ist JEDER Schulabschluss gleich unmöglich zu erreichen. Daher der zieldifferente Unterricht!
Das macht keinen prinzipiellen Unterschied, ob er die eine oder andere weiterführende Schule besucht, also schicke ich doch mein Kind doch SELBSTVERSTÄNDLICH weiter in der Gruppe von Kindern zur Schule, in der er schon seit 4 Jahren integriert ist.
Und was meinst du denn nur mit
"einzelne Sonderfälle kostenintensiv" ?
Durch was sollte denn die eine inklusive Beschulung denn teurer sein als die andere? Mein Kind erhielte genauso viele Unterstützung durch Sonderpädagoge und Schulbegleiter wie jetzt auf der Werkrealschule oder in Walldorf auf der Grundschule....und keiner von denen bekommt mehr Lohn, wenn das Kind auf dem Gymnasium inklusiv beschult wird!
Zitat von Myriam
Was nützt es deinem Kind, wenn es irgendwann ganz alleine da da steht, weil sich seine Mitschüler gemäß ihrer Entwicklung schnell Dingen zuwenden werden, wo dein Kind niemals hinkommt? Was erlebt es dann? Willst du es ihm wirklich antun?
Tja Myriam, das ist das "Schicksal" (um ein großes Wort zu benützen) meines Kindes:
seine kognitive Beeinträchtigung verhindert nun mal, dass er an den gleichen Punkt kommt, wie seine Mitmenschen. Er wird niemals mit den anderen mithalten können! Das verursachen nicht seine Mutter (oder andere Menschen) , sondern ein 47. Chromosom. Das führt dazu, dass er seinen Mitmenschen immer kognitiv unterlegen sein wird, dass er seinen Lebensunterhalt nie alleine verdienen kann und dass er immer Hilfe brauchen wird.
Aber an nichts von alldem wird sich irgendwas ändern, wenn ich mein Kind auf eine Sonderschule oder statt auf weiterführende Schule A auf weiterführende Schule B schicke!
Überlege mal genau. Was würdest DU MEINEM Kind antun, wenn Du uns zwingst, dass er die Sonderschule besucht! Warum soll denn z.B. mein Kind nicht die weiterführende Schule besuchen dürfen, die fast alle seine bisherigen Klassenkameraden besuchen? Warum soll er denn da nicht erfahren dürfen, dass er zwar weniger messbare Leistung bringt und anders ist als alle anderen, aber trotzdem gemocht und akzeptiert wird, so wie er ist? Wie soll mein Sohn denn seinen Platz in dieser Gesellschaft finden können, wenn er nicht mitten in ihr mitten im ganz normalen Regelschulsystem aufwachsen darf?
Jeder hat das Recht auf ein lebenswertes Leben und zwar selbstbestimmt. Sehr richtig formuliert: auch Henri und auch mein Sohn haben das! Wie immer wenn Kinder noch nicht einsichtig genug sind in unserem Staat, dann entscheiden die Eltern für sie. Das ist gut und richtig so. Das darf auch von Rechts wegen nur dann anders geregelt werden, wenn ein Richter ausreichend Anhaltspunkte dafür sieht, dass ich dieses Recht missbrauche. Keine andere Behandlung fordere ich für mich als Elternteil eines Kindes mit Behinderung!
Henri und mein Sohn können gemeinsam mit ihren Mitschülern herausfinden, dass Menschen einfach allein aufgrund ihrer Persönlichkeit Achtung, Akzeptanz und Wohlwollen verdienen und erhalten ohne dass dafür die Erfüllung einer Mindestleistung erforderlich ist. Mein Kind kann so feststellen, dass es für Eigenschaften geschätzt und gemocht wird, ohne dass jemand auf sein Äußeres oder auf seine fehlenden Rechenkünste herabschaut. Er wird feststellen, dass er zwar anders ist und immer sein wird, aber deswegen kein Außenstehender sein muss.
Das ist Inklusion. Das ist Teilhabe und die erhält man dadurch, dass man teilnimmt, an allen Lebenswelten auch am allgemeinen Schulsystem, auch an den weiterführenden Schulen und auch am Gymnasium teil-hat...... und nicht dadurch dass man auf der gleichen Strasse läuft.
Nur konkrete Schritte in neue Richtungen machen diesen Weg der Inklusion dann auch gangbar!
Die Mitschüler meines Sohnes werden die Schule mit einem mittleren Schulabschluss verlassen. Aber wäre ich in der gleichen Situation wir Henris Eltern gewesen, dann hätte ich mich aber vielleicht auch für eine Fortführung dr inklusiven Klasse auf dem Gymnasium vor Ort entschlossen. Der Unterschied zwischen den verschiedenen Leistungsniveaus der weiterführenden Schulen wärenfür meinen Sohn niemals spürbar gewesen.