AW: Autismus ist kein Untergang sondern....
Im Nationalsozialismus wurden Hilfsschulen, Pflege- und Heilanstalten für behinderte Menschen instrumentalisiert. Alle Hilfsschüler wurden auf vermeintliche Erbkrankheiten untersucht und ca. die Hälfte wurde zwangssterilisiert, insgesamt über 400.000 Menschen. Das Leben von 200.000 körper- und geistigbehinderten Menschen wurde als "lebensunwertes Lebens" deklariert. Die institutionelle Erfassung half bei der Organisation der Vernichtung, hier wurden sie abgeholt, in die Tötungsanstalten überführt und ermordet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das dreigliedrige Schulsystem zementiert, die Hilfsschulpädagogik knüpfte an die Tradition vor 1933 an. Um das Leistungsniveau in den Volksschulen zu halten, wurde der Ausbau des Hilfsschulsystems als nötig erachtet. In den 1960er und 1970er Jahren blühten Sonderschulen in Deutschland auf, die Zahl der Sonderschüler verdreifachte sich von 1960 bis 1973. Zehn verschiedene Sonderschulformen wurden eingerichtet. Lange Zeit bestand eine schulrechtlich verankerte Pflicht für behinderte Schüler, eine ihrer Eigenart entsprechende Sonderschule zu besuchen.
Heute ist die schulische Realität eine gänzlich andere als vor über 100 Jahren, aber das Sonderschulsystem stabilisiert weiterhin die Entsorgungsmentalität des selektiven Schulsystems und verschafft sich damit seine Existenzberechtigung. Kinder, die in der Regelschule "nicht passen", körperlich oder kognitiv beeinträchtigt sind, sozial benachteiligt sind, langsam lernen und im Lernen behindert sind, werden ausgesondert.
Quelle
http://bidok.uibk.ac.at/library/demmer-bildungsarmut.html
Die Salamanca Erklärung wurde von Deutschland ignoriert, bis heute gibt es noch Menschen mit Behinderungen, die ohne eigenes Wissen darüber, von ihren Eltern Zwangsterilisiert worden sind. Es gab noch viele Erklärungen, da die UN-BRK nur etwas bekräftigt, was es bereits gab - nur Behördensturheit stand über Menschenrechte, selbst heute, die Einhaltung der Menschenrechte nicht immer selbstverständlich.
Nein, es ist nicht ein Angriff auf einzelne Eltern sondern auf ein System, dass in den letzten Jahrzehnten eine Gesellschaft geformt und manipuliert hat, welches überhaupt kein Ungerechtigkeitsgefühl gegenüber dem Individuum besitzt.
Hierzu gibt es ausführliche Literatur, es ist leider eine traurige Tatsache, dass diese Geschichte, bis heute uns prägt. Denn sonst würden wir diese Diskussion nicht führen. Es ist so, Italien ist Inklusionsspitzenreiter und Deutschland ist der Inklusionsflop.
Es ist gefestigt in den Köpfen, wir maßen uns an, Menschen zu sortieren, wir maßen uns an, zu entscheiden, welcher Mensch das Menschenrecht Inklusion in Anspruch nehmen darf, wobei die Eltern in der UN-BRK garnicht erwähnt werden, sie sollen vielmehr im Sinne der Einhaltung der Menschenrechte, welche nun einmal die Inklusion einbezieht, im Sinne deren Einhaltung das Beste für das Kind entscheiden.
Dieses Recht wird allerdings aktuell noch gebeugt, bzw. in manchen Bundesländern vielleicht auch absichtlich ignoriert. Die Studie von Klemm ist eindeutig, wenn man auch einige Arbeiten von Hüther liest, bekommt man einen deutlichen Einblick was schief läuft.
Leider gibt es daran nichts zu rütteln, das selektive Schulsystem, das Hilfsschulsystem - egal wie man das bezeichnet - ist einfach ein Relikt aus der Nazizeit und unter der Tatsache.
So wie bis heute die Gesellschaft mit anderen Menschen umgeht, zeigt, dass wir anscheinend bis heute noch unter dem Trauma der damaligen Geschichte leiden. Wie soll es auch anders sein, die Inklusion wird aktuell noch nicht zufriedendstellend durchgeführt, d.h., die nächste Generation wird auch im Schatten dieses braunen Gedankengutes unterscheiden, was normal = gut und nicht normal = schlecht ist.
Das Nazidenken hat erst aufghört, wenn wir nur noch von Kindern und Erwachsenen sprechen, solange wir selektieren, sind wir nicht mehr als eine Generation vom Baum runter. Denn man kann noch nicht einmal behaupten, dass keine Form der Euthanasie betrieben wird, streng genommen ist es für mich ein Völkermord, das ganz legitim 95% der Menschen mit Trisometrie 21 umgebracht werden, bevor sie geboren werden. Soviel zu dem Denken in unserer Gesellschaft.
Studien haben belegt, das in anderen Ländern, in deren Gesellschaft eine höhere Akzeptanz vorliegt auch diese Kinder zu akzeptieren, mehr Eltern diesen Kindern auch das Leben schenken.
Auch um den Streit ob Gymnasium oder nicht, wieviel Napola steckt doch drin? Es wird selektiert, zu früh und falsch. Falsch, da man garnicht diese Vielfalt begreifen kann und wer meint, dass wir frei von allem sind, der hat einfach keine Ahnung.
Es dürfte gar kein selektives Schulsystem mehr geben, das ist nicht inklusionskonform und selbstverständlich ist Deutschland nun einmal wegen diesem beschränktem Denken ein Entwicklungsland. Zu stark sind die Unterschiede wenn man selbstverständlich sein Kind im Ausland laufen lassen kann ohne das ein Kind angeglotzt wird. Im Ausland gibt es viel mehr Toleranz - hier muss man noch um selbstverständliches kämpfen.
Von daher, selbstverständlich ist es eine Form des Rasissmus, mit der man täglich konfrontiert wird. Wenn es kein Rassismus wär, könnte man ja davon ausgehen, es wäre normal verschieden zu sein, doch davon sind wir noch Jahrzehnte entfernt, wenn man bedenkt das Homosexualität bis 1992 die WHO als eigene Krankheit aufführte, muss doch wohl klar sein, wie beschränkt die Gesellschaft ist.