AW: Formulierung gesucht!
Ich habe das jetzt mal überflogen und stosse genau auf das "Schubladendenken" der Fachkräfte, das mir die Hölle auf Erden bereitet hat und bestätigt meine Erfahrungen, dass einige nicht über ihren Brillenrand hinaussehen können oder wollen:
ich hatte keine Krise, weil ich ein behindertes Kind habe.
Weder hatte ich eine Krise, noch hatte/habe ich Schuldgefühle - ich überbehüte mein behindertes Kind auch nicht.
Das war auch so ein Streitpunkt zwischen der Schulkonrektorin der LH und mir:
wir waren die dritte Familie für dieses Kind innerhalb von 14 Monaten.
Will diese Frau mir erzählen, ich musste doch mal "loslassen" (sie wüsse ja, wie schwer das für Eltern von behinderten Kindern ist, dabei war die Frau nicht mal in der Lage einen anständigen deutschen Satz zu formulieren, sie redete immer vom unserem "Kindchen"

und ich habe mich gefragt, ob sie uns selbst für ein wenig "minderbemittelt" hält) - auch wenn sie sich "Pädagogin" schreibt....viel Ahnung von bindungsgestörten Kindern hatte die Frau wahrlich nicht.
Sie versicherte uns, unsere Kleine sei in keinster Weise bindungsgestört - immerhin wäre sie sofort mit ihr vertrauensvoll mitgegangen.
Was waren wir froh, dass wir einen "richtigen" Fachmann unseres Jugendamtes mit dabei hatten, der sich dann entsprechend eingebracht hat.
Unser Pflegekind fing erst mal nach 2 Jahren an, zarte Bande der Bindung an uns zu knüpfen, die zu dem Zeitpunkt (als es um Einschulung und Tagesstätte ging) sich gerade stabilisierte.
Eigentlich sollte jeder, der sich "Pädagoge" nennt, soweit den Durchblick haben, dass man dann diese zarten Bande wieder zerstören kann, wenn sich das Kind gerade an Familie Nummer 3 bindet und diese Familie es dann in eine Massen-Abfertigungs-Tagesstätte abschieben soll.
Ich bin auch nicht psychisch durch die "Unaufhebbarkeit" der Behinderung meines Kindes belastet - die einzigen, die mir psychisch zugesetzt haben, waren die "Experten" der LH, weil mir ständig irgendetwas angedichtet wurde, das in keinster Weise vorhanden ist.
Vermutlich gibt es noch keine empirischen Studien über Pflegeeltern mit behinderten Kindern - wäre doch mal eine Anregung

.
Ich folge auch keinem unerreichbaren Mutter-Ideal - ich kann mich sehr gut abgrenzen und folge auch noch meinen eigenen Interessen.
Beispielsweise gehe ich pro Jahr bis zu zwei Wochen ohne meine Familie in einen "Mama-Urlaub" (letztes Jahr bin ich nach Florida gereist, dieses Jahr werde ich mir einen anderen Traum erfüllen) - ich kann sehr gut "abgeben".
Darüber hinaus habe ich einen netten Bekanntenkreis, treffe mich regelmässig (ohne Mann und Kinder) mit anderen Frauen, aber auch die Partnerschaft zwischen meinem Mann und mir kommt nicht zu kurz (wenn er frei hat und die Kiddies in der Schule sind machen wir "einen drauf"
).
Ich nehme mir aber auch viel Zeit für mich alleine, wenn Mann und Kiddies nicht zuhause sind.
Gelegentlich jobbe ich aushilfsmässig.
Die "Konsequenzen" für Mütter behinderter Kinder in dieser Studie treffen auf mich jedenfalls absolut nicht zu - und bestimmt gibt es mehrere Mütter, auf die sie ebenfalls nicht zutreffen.
Am Schrecklichsten finde ich jedoch die Vorstellung, dass mögliche Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle von Eltern behinderter Kinder insofern ausgenutzt werden können, als dass sie von Institutionen am Ende in ein Abhängigkeitsverhältnis gedrängt werden.
Stattdessen sollte man meiner Meinung nach den Eltern, die sich schuldig fühlen, den Rücken stärken, dass sie voll Selbstvertrauen selbständig ihre Kinder erziehen können.
Ich habe meinen Ohren nicht getraut, als diese benannte Konrektorin mir sagte:
"Sie wissen schon, dass Ihrem Kindchen ein Behindertenausweis zusteht?
Wenn Sie zu uns kommen, dann machen wir das für Sie!"
Mein "Kindchen" hatte zu dieser Zeit schon längst einen Behindertenausweis und ich bin nicht zu doof, ein Formular ausfüllen zu können.
Ich kann also leider so einer pauschalen Studien nicht viel dienen und erst Recht in keinster Weise etwas abgewinnen:
ich fühle mich nicht schuldig,
ich lebe trotzdem ein unabhägiges Leben,
ich überbehüte mein Kind nicht und
ich bin nicht lebens-inkompetent.
Ich bin aber gerne bereit, Fachleuten ein bisschen unter die Arme zu greifen, um ihnen auch mal andere Perspektiven zu ermöglichen.
Übrigens habe ich in den letzten Jahren gemerkt:
je weniger "schuldig" sich Eltern von behinderten Kindern fühlen, je selbständiger und selbstsicherer sie ihr Kind erziehen und je gefestigter ihr gesellschaftlicher Status ist: umso heftigere Konflikte gab es zwischen ihnen und den Einrichtungen.
Die Eltern, die sich aber abhängig gemacht haben oder machen haben lassen.... und Eingriffe bis zur gefühlten Bevormundung hingenommen haben, hatten die besten Beziehungen zu den Einrichtungen.
Das fände ich auch mal ein spannendes Studienobjekt....