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Formulierung gesucht!

Seti 29.05.2009, 15:49#26
AW: Formulierung gesucht!
Zitat von HHelmutS
Warum ?

Weil es Eltern gibt die für ihr Kind "noch ungesunder" sind, als es das Leben in einer billig betriebenen Einrichtung ist.

Es kommt immer mal wieder vor, das ich in einer Zwickmühle stecke : Eltern und Kindern helfen miteinander klar zu kommen, oder dabei zu helfen, sie zum Vorteil für das Kind, - und der Eltern - mit Hilfe solcher Einrichtungen, zur Not auch gegen den Willen der Eltern zu trennen.

Ich kenne behinderte Jugendliche, die in 1 Jahr wohnen in einer betreuten Wohngruppe mehr gelernt haben, als in 20 Jahren bei ihren Eltern. Das ist so, weil eben nicht alle Eltern gleich sind, und mache halt mehr Hilfe brauchen. Manchmal hilft Kindern dann so eine Einrichtung besser als ihre Eltern.
Je eher das festgestellt und angeleiert wird, um so härter... aber auch um so besser k a n n so eine Entscheidung für alle Beteiligten sein.

:-) Helmut

Hallo Helmut,

was verstehst Du bitte unter ,,noch ungesunder '' sind. ???
HHelmutS 29.05.2009, 16:17#27
AW: Formulierung gesucht!

Was soll ich darunter verstehen ? Halt genau das wonach es sich anhört.

Da die meisten hier gegen eine Unterbringung in einer stationären Einrichtung sind, schien mir das die Formulierung zu sein, die am deutlichsten macht worum es geht. Selbst wenn es Kindern in solchen Einrichtungen "nicht so richt gut gehen könnte", geht es ihnen da oft besser als bei ihren Eltern... oder es werden ihre Zukunfstsaussichten da besser, als wenn sie bei ihren Eltern bleiben.

Ich hab vor einigen Jahren mehrfach zuerst Eltern geholfen, ihr Kind "gegen den Wunsch des Jugendamtes" zu behalten... und später selbst dafür gesorgt das die Kinder von den Eltern weg kamen. Das war damals hart für alle Beteiligten. Die Eltern haben mich verflucht.. heute bin ich allerdings der einzige, mit dem sie aus der damaligen Zeit noch regen guten Kontakt haben, weil sie eingesehen haben, das mein handeln damals richtig war.

Pflegeeltern die mehre Kinder pflegen, gelten mitunter auch als "stationäre Einrichtung...."

:-) Helmut
**Claudia** 29.05.2009, 16:32#28
AW: Formulierung gesucht!

Hallo Helmut,

als Pflegemutter sage ich: leider stimmt das - bei unserer Kleinen bestand zum Zeitpunkt der Herausnahme akute Lebensgefahr.

als Mutter ohne "Pflege" davor sage ich: man sollte sich gut hüten, Probleme in Familien zu projezieren, die gar nicht vorhanden sind.

Meine Position ist eine spannende:
werde ich als Pflegemutter wahrgenommen, dann redet man mit mir auf gleicher Augenhöhe,
werde ich als "Mutter" ohne "Pflege" davor wahrgenommen, projeziert man schnell etwas hinein, das nicht vorhanden ist.

Insofern kann ich mich in beide Seiten gut einfühlen.

Mir passiert es aber seit mein Pflegekind eine "andere" Schule besucht, dass mich wiederum erfahrene Pädagogen um Rat fragen, weil ich für gewisse Dinge ein Gespür entwickelt habe, das den Fachkräften wiederum dienlich ist.

Und das ist auch etwas, was ich unter Wertschätzung verstehe:
eine wirklich kompetente Fachkraft fragt auch mal um Rat ;-), um sich weiterzuentwickeln und es zeugt von noch viel mehr Kompetenz, wenn eine Fachkraft eigene Ansichten überarbeiten und revidieren kann.
Inge 29.05.2009, 19:53#29
AW: Formulierung gesucht!
Zitat von **Claudia**
Und das ist auch etwas, was ich unter Wertschätzung verstehe:
eine wirklich kompetente Fachkraft fragt auch mal um Rat ;-), um sich weiterzuentwickeln und es zeugt von noch viel mehr Kompetenz, wenn eine Fachkraft eigene Ansichten überarbeiten und revidieren kann.

Hallo Claudia,
hallo zusammen,

es ist generell eine Art von Wertschätzung, einen anderen - geschätzten! - Menschen um Rat zu fragen. Das gilt meines Erachtens für beide Seiten, denn echte Wertschätzung kann sich kaum einseitig entwickeln.
Gegenseitiger Austausch und die Zusammenarbeit mit den Professionellen (nicht nur mit den ausgebildeten Fachkräften "meiner" Lebenshilfe, sondern z.B. auch mit den Praktikant/innen....) ist für mich das Wichtigste. Sie sehen meine Tochter zu anderen Zeiten an einem anderen Ort und zusammen mit anderen Menschen. Sie haben also einen ganz anderen Blickwinkel als ich. Durch die Schilderung dieses anderen Blickwinkels merke ich, dass meine Tochter auch als Persönlichkeit wertgeschätzt wird.
Wenn wir es schaffen, uns den jeweils anderen Blickwinkel zugänglich zu machen, dann können wir zusammen in der Mitte einen "anderen" Menschen mit ganz "anderen" Fähigkeiten entdecken.
Luka 29.05.2009, 20:21#30
AW: Formulierung gesucht!

Hallo Inge,

das kann ich so unterschreiben. Und diesen anderen Blickwinkel habe ich schon oft als sehr hilfreich erlebt und auch spannend. Es hat mir geholfen Dinge anders zu sehen, lockerer und entspannter. Ich muss aber sagen, dass ich dies gerade am Anfang, als die Behinderung oder damals Entwicklungsstörung klar wurde, sehr empfindlich war und erst mal geschluckt habe bis ich die Chance dahinter erkannte.

Viele Grüße

Anja
**Claudia** 29.05.2009, 20:37#31
AW: Formulierung gesucht!

Hallo Inge,

glücklicherweise klappt das von Dir beschriebene wunderbar mit dem jetzigen Träger der Schule, die mein Pflegekind besucht.

Allerdings interessiert mich in keinster Weise der Blickwinkel der LH-"Fachkräfte", die meinem gesunden Kind eine geistige Behinderung angedichtet haben (ich habe die kompletten Unterlagen dazu hier), mich interessiert auch nicht der Blickwinkel der LH-"Fachkraft", die mir gesagt hat, ich soll den Husten meines Adoptivkindes als "Erpressung" ignorieren (ein Lungenfacharzt stellte dann Asthma fest - gut, dass ich auf diese "Fachkraft" nie gehört habe), mich interessiert auch nicht der Blickwinkel der LH-"Pädagogen", die kleine Kinder splitternackt durch den Hof laufen lassen und genau wissen, dass meines geistig behindert und völlig bindungsgestört ist.

Mich interessiert auch nicht der Blickwinkel, der LH-"Pädagogin", die mir suggerieren wollte, mein Kind nachmittags bei mir zu haben sei eine "Zumutung".

Genausowenig interessiert mich der Blickwinkel der Frühfördertherapeutin der "LH", die meint laut fragen zu müssen, was unser Pflegekind "eigentlich bei uns tut", in einer Einrichtung sei es besser aufgehoben.


Ich bin allerdings positiv überrascht, dass den FeD der LH diese Geschichten brennend interessiert haben und der dann auch weitere Schritte unterstützt hat.
Die Koordinatorin (die hier dann auch mal auf Hausbesuch war und meine Kinder kennengelernt hat) war schlichtweg völlig entsetzt. Als sie bei uns war, hatte ich auch sämtliche Unterlagen hier.
Sie ist sagenhaft bemüht, die ganzen Schäden wieder einigermassen wett zu machen, die sie nicht mal verursacht hat - sondern Mitarbeiter, die nicht über ihren Brillenrand hinaus sehen konnten.
Auch das schätze ich sehr und das werde ich wohl auch mal beim Vorstand erwähnen.

Auf eine offizielle Entschuldigung warte ich allerdings heute noch, auch wenn der Vorsitzende bei einem sehr harten Gespräch (zu dem ich dann vorsichtshalber noch einen Zeugen mitgenommen habe - bei vorangehenden Gesprächen im KiGA hatte ich auch schon vorsorglich einen SozPäd des Jugendamtes mit dabei) im vorigen Jahr dann sich doch mal bequemt hat, der ganzen Sache etwas energischer auf den Grund zu gehen.

Mittlerweile weiss ich auch, dass ich nicht die Einzige bin, der so übel mitgespielt wurde.
Das Tragische ist nur, dass sich viele Eltern von behinderten Kindern Institutionen gegenüber so abhängig fühlen, dass sie keine Kritik wagen.
Auch das ist ein Fakt, der sehr viel Macht geben kann.
Inge 30.05.2009, 10:47#32
AW: Formulierung gesucht!
Zitat von **Claudia**
Auf eine offizielle Entschuldigung warte ich allerdings heute noch, auch wenn der Vorsitzende bei einem sehr harten Gespräch (zu dem ich dann vorsichtshalber noch einen Zeugen mitgenommen habe - bei vorangehenden Gesprächen im KiGA hatte ich auch schon vorsorglich einen SozPäd des Jugendamtes mit dabei) im vorigen Jahr dann sich doch mal bequemt hat, der ganzen Sache etwas energischer auf den Grund zu gehen.

Mittlerweile weiss ich auch, dass ich nicht die Einzige bin, der so übel mitgespielt wurde.


Hallo Claudia,

wenn dem dortigen Vorstand bekannt ist, dass da einige Dinge völlig falsch gelaufen sind, dann würde ich dort ein weiteres Gespräch suchen und mit den dortigen "Oberen" zusammen beraten, wie so etwas in Zukunft nicht mehr passieren kann.
Was Euch und anderen Familien passiert ist, kann damit nicht mehr rückgängig gemacht werden, aber alle Beteiligten sollten bereit sein, daraus etwas Konstruktives für die Zukunft entstehen zu lassen.
Schließlich kann man viel erreichen, wenn man bereit ist, aus Fehlern zu lernen...
**Claudia** 30.05.2009, 11:03#33
AW: Formulierung gesucht!

Hallo Inge,
dann würde ich dort ein weiteres Gespräch suchen und mit den dortigen "Oberen" zusammen beraten, wie so etwas in Zukunft nicht mehr passieren kann.

das liegt mir sehr am Herzen und bin auch schon aktiv dran.

Zumal ich hier auch ein einer lokalpolitischen Interessensgemeinschaft aktiv bin und möglicherweise jemand von der LH mit dazu stossen wird (auch da geht es um die Förderung der Erziehungskompetenzen).
Studentin 31.05.2009, 12:30#34
AW: Formulierung gesucht!

Hallo, ich hab eine interessante Arbeit zum Thema Mitarbeiter und Eltern gefunden:
http://www.familien-besonderer-kinder.de/downloads/Diplomarbeit_Kost.pdf

Ich finde, sehr lohnenswert, sie zu lesen, Gruß Christiane
HHelmutS 31.05.2009, 13:09#35
AW: Formulierung gesucht!

Hi Christiane,

interessante Literatur zu dem Thema gibt es einige. Nur so einen "EierlegendenWollmilchsatz
", mit dem Personal von Einrichtungen ihre arbeit Eltern gegenüber wertschätzend "besser stellen" können.... wirds wohl nie geben. ;-)

:-) Helmut
**Claudia** 31.05.2009, 13:17#36
AW: Formulierung gesucht!

Ich habe das jetzt mal überflogen und stosse genau auf das "Schubladendenken" der Fachkräfte, das mir die Hölle auf Erden bereitet hat und bestätigt meine Erfahrungen, dass einige nicht über ihren Brillenrand hinaussehen können oder wollen:

ich hatte keine Krise, weil ich ein behindertes Kind habe.
Weder hatte ich eine Krise, noch hatte/habe ich Schuldgefühle - ich überbehüte mein behindertes Kind auch nicht.

Das war auch so ein Streitpunkt zwischen der Schulkonrektorin der LH und mir:
wir waren die dritte Familie für dieses Kind innerhalb von 14 Monaten.
Will diese Frau mir erzählen, ich musste doch mal "loslassen" (sie wüsse ja, wie schwer das für Eltern von behinderten Kindern ist, dabei war die Frau nicht mal in der Lage einen anständigen deutschen Satz zu formulieren, sie redete immer vom unserem "Kindchen" :glubsch: und ich habe mich gefragt, ob sie uns selbst für ein wenig "minderbemittelt" hält) - auch wenn sie sich "Pädagogin" schreibt....viel Ahnung von bindungsgestörten Kindern hatte die Frau wahrlich nicht.

Sie versicherte uns, unsere Kleine sei in keinster Weise bindungsgestört - immerhin wäre sie sofort mit ihr vertrauensvoll mitgegangen. :glubsch:

Was waren wir froh, dass wir einen "richtigen" Fachmann unseres Jugendamtes mit dabei hatten, der sich dann entsprechend eingebracht hat.

Unser Pflegekind fing erst mal nach 2 Jahren an, zarte Bande der Bindung an uns zu knüpfen, die zu dem Zeitpunkt (als es um Einschulung und Tagesstätte ging) sich gerade stabilisierte.

Eigentlich sollte jeder, der sich "Pädagoge" nennt, soweit den Durchblick haben, dass man dann diese zarten Bande wieder zerstören kann, wenn sich das Kind gerade an Familie Nummer 3 bindet und diese Familie es dann in eine Massen-Abfertigungs-Tagesstätte abschieben soll.

Ich bin auch nicht psychisch durch die "Unaufhebbarkeit" der Behinderung meines Kindes belastet - die einzigen, die mir psychisch zugesetzt haben, waren die "Experten" der LH, weil mir ständig irgendetwas angedichtet wurde, das in keinster Weise vorhanden ist.

Vermutlich gibt es noch keine empirischen Studien über Pflegeeltern mit behinderten Kindern - wäre doch mal eine Anregung ;-).


Ich folge auch keinem unerreichbaren Mutter-Ideal - ich kann mich sehr gut abgrenzen und folge auch noch meinen eigenen Interessen.

Beispielsweise gehe ich pro Jahr bis zu zwei Wochen ohne meine Familie in einen "Mama-Urlaub" (letztes Jahr bin ich nach Florida gereist, dieses Jahr werde ich mir einen anderen Traum erfüllen) - ich kann sehr gut "abgeben".
Darüber hinaus habe ich einen netten Bekanntenkreis, treffe mich regelmässig (ohne Mann und Kinder) mit anderen Frauen, aber auch die Partnerschaft zwischen meinem Mann und mir kommt nicht zu kurz (wenn er frei hat und die Kiddies in der Schule sind machen wir "einen drauf" ;-) ).
Ich nehme mir aber auch viel Zeit für mich alleine, wenn Mann und Kiddies nicht zuhause sind.
Gelegentlich jobbe ich aushilfsmässig.
Die "Konsequenzen" für Mütter behinderter Kinder in dieser Studie treffen auf mich jedenfalls absolut nicht zu - und bestimmt gibt es mehrere Mütter, auf die sie ebenfalls nicht zutreffen.





Am Schrecklichsten finde ich jedoch die Vorstellung, dass mögliche Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle von Eltern behinderter Kinder insofern ausgenutzt werden können, als dass sie von Institutionen am Ende in ein Abhängigkeitsverhältnis gedrängt werden.
Stattdessen sollte man meiner Meinung nach den Eltern, die sich schuldig fühlen, den Rücken stärken, dass sie voll Selbstvertrauen selbständig ihre Kinder erziehen können.


Ich habe meinen Ohren nicht getraut, als diese benannte Konrektorin mir sagte:
"Sie wissen schon, dass Ihrem Kindchen ein Behindertenausweis zusteht?
Wenn Sie zu uns kommen, dann machen wir das für Sie!"


Mein "Kindchen" hatte zu dieser Zeit schon längst einen Behindertenausweis und ich bin nicht zu doof, ein Formular ausfüllen zu können.

Ich kann also leider so einer pauschalen Studien nicht viel dienen und erst Recht in keinster Weise etwas abgewinnen:

ich fühle mich nicht schuldig,
ich lebe trotzdem ein unabhägiges Leben,
ich überbehüte mein Kind nicht und
ich bin nicht lebens-inkompetent.


Ich bin aber gerne bereit, Fachleuten ein bisschen unter die Arme zu greifen, um ihnen auch mal andere Perspektiven zu ermöglichen.

Übrigens habe ich in den letzten Jahren gemerkt:
je weniger "schuldig" sich Eltern von behinderten Kindern fühlen, je selbständiger und selbstsicherer sie ihr Kind erziehen und je gefestigter ihr gesellschaftlicher Status ist: umso heftigere Konflikte gab es zwischen ihnen und den Einrichtungen.

Die Eltern, die sich aber abhängig gemacht haben oder machen haben lassen.... und Eingriffe bis zur gefühlten Bevormundung hingenommen haben, hatten die besten Beziehungen zu den Einrichtungen.


Das fände ich auch mal ein spannendes Studienobjekt....
Carmen62 31.05.2009, 13:43#37
AW: Formulierung gesucht!
Zitat von **Claudia**
Am Schrecklichsten finde ich jedoch die Vorstellung, dass mögliche Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle von Eltern behinderter Kinder insofern ausgenutzt werden können, als dass sie von Institutionen am Ende in ein Abhängigkeitsverhältnis gedrängt werden.
Stattdessen sollte man meiner Meinung nach den Eltern, die sich schuldig fühlen, den Rücken stärken, dass sie voll Selbstvertrauen selbständig ihre Kinder erziehen können.
Übrigens habe ich in den letzten Jahren gemerkt:
je weniger "schuldig" sich Eltern von behinderten Kindern fühlen, je selbständiger und selbstsicherer sie ihr Kind erziehen und je gefestigter ihr gesellschaftlicher Status ist: umso heftigere Konflikte gab es zwischen ihnen und den Einrichtungen.

Die Eltern, die sich aber abhängig gemacht haben oder machen haben lassen.... und hingenommen haben, hatten die besten Beziehungen zu den Einrichtungen.


Das fände ich auch mal ein spannendes Studienobjekt....

Liebe Claudia,ich kann Dir nur zustimmen.[Bild: www.smilies.4-user.de]
**Claudia** 31.05.2009, 14:20#38
AW: Formulierung gesucht!

...ich denke, man darf niemals den wirtschaftlichen Faktor der Abhängigkeit ausser Acht lassen.

Je abhängiger ich mir Eltern/Ratsuchende mache, umso höher ist mein wirschaftlicher Profit.


Wir leben im Zeitalter der PND, der Spätabtreibungen, offenen Betreuungsplätze und der leeren Kassen.
Wäre unsere Pflegetochter in eine spezielle Einrichtung gekommen statt zu uns, hätte diese Einrichtung bis zu einem 10fachen mehr "verdient" als wir Pflegeeltern.
Inge 31.05.2009, 14:33#39
AW: Formulierung gesucht!

Hallo Claudia,
Zitat von **Claudia**
ich hatte keine Krise, weil ich ein behindertes Kind habe.
Du hast Dir "dieses Schicksal" ja auch freiwillig ausgesucht ;-)
Ich denke, dass jeder Mutter bzw. jeder Familie diese Krise zusteht. Eine so gravierende Veränderung des eigenen Lebens ist ohne Vorbereitung einfach ein gewaltiger Schock. Manche bewältigen ihn recht schnell, andere brauchen länger, wieder andere schaffen das nicht ohne professionelle Hilfe - und manche schaffen es einfach nie...
Sie versicherte uns, unsere Kleine sei in keinster Weise bindungsgestört - immerhin wäre sie sofort mit ihr vertrauensvoll mitgegangen. :glubsch:
nun ja, diese Äußerung würde auch bei mir einige Zweifel an der fachlichen Ausbildung dieser Dame bewirken :unsicher:
die einzigen, die mir psychisch zugesetzt haben, waren die "Experten" der LH, weil mir ständig irgendetwas angedichtet wurde, das in keinster Weise vorhanden ist.
bei mir waren die "Experten" damals - beim "Ausbruch" des Rett-Syndroms (Entwicklungsstillstand, Entwicklungsrückschritt) - einige Kinderärzte mit ihren unqualifizierten Bemerkungen, die mich psychisch über alle Maßen belasteten. Zum Glück konnte ich danach genügend positive Erfahrungen mit anderen Ärzten machen.
Am Schrecklichsten finde ich jedoch die Vorstellung, dass mögliche Schuld- und Minderwertigkeitsgefühle von Eltern behinderter Kinder insofern ausgenutzt werden können, als dass sie von Institutionen am Ende in ein Abhängigkeitsverhältnis gedrängt werden.
Wenn Institutionen nicht hilfreich oder sogar übergriffig sind, hilft am besten die Selbsthilfe von Eltern für Eltern. Gute und schlechte Erfahrungen an andere Eltern weitergeben und gute Institutionen und Ansprechpartner empfehlen.
Übrigens habe ich in den letzten Jahren gemerkt:
je weniger "schuldig" sich Eltern von behinderten Kindern fühlen, je selbständiger und selbstsicherer sie ihr Kind erziehen und je gefestigter ihr gesellschaftlicher Status ist: umso heftigere Konflikte gab es zwischen ihnen und den Einrichtungen.
diese Erfahrung muss ich zum Glück nicht mit Dir teilen. "Meine" LH kann ich nur loben. Und wenn - was sehr selten vorkommt - etwas nicht richtig läuft, dann kann ich mit den entsprechenden Leuten "auf Augenhöhe" reden. Etwas anderes kann ich mir da auch überhaupt nicht mehr vorstellen.
**Claudia** 31.05.2009, 14:38#40
AW: Formulierung gesucht!

Hallo Inge,

danke für Deine ausführliche und absolut nachvollziehbare Antwort.

Ich greife hier nochmal auf (es ist ein so sagenhaft komplexes Thema, das mir einfach am Herzen liegt):
Du hast Dir "dieses Schicksal" ja auch freiwillig ausgesucht

Habe ich / haben wir......aaaaaaaaaber:
selbst da haben die "Fachkräfte" etwas gefunden ----
Laut dieser Fachkräfte habe ich das getan, weil ich am Helfersyndrom leide und Bestätigung brauche.

Sagenhaft, oder?

Und welches Syndrom habe ich, wenn ich in die Behindertenpädagogik gehe?:kopfkratz:
Carmen62 31.05.2009, 14:44#41
AW: Formulierung gesucht!
Zitat von Inge
Hallo Claudia,
Und wenn - was sehr selten vorkommt - etwas nicht richtig läuft, dann kann ich mit den entsprechenden Leuten "auf Augenhöhe" reden. Etwas anderes kann ich mir da auch überhaupt nicht mehr vorstellen.
Hallo Inge
das kann ich inzwischen auch,;-)
es ist aber so ,dass viele Eltern nicht an der Herrausforderung
wachsen können,wenn ihnen jedes Verantwortungsbewusstsein
abgesprochen wird,und jede Initiative der Eltern in Frage gestellt wird.
Wären alle Eltern so taff,wäre das wohl ein wirtschaftliches Disaster.:-)
Ich nehme auch gerne Hilfe in Anspruch,man weiss aber........dass ich mich nicht
gerne führen lassen möchte:pfeif:
LG Carmen
Inge 31.05.2009, 14:45#42
AW: Formulierung gesucht!
Zitat von **Claudia**
Laut dieser Fachkräfte habe ich das getan, weil ich am Helfersyndrom leide und Bestätigung brauche.

:glubsch: au weia, da fällt mir auch nix mehr ein. Soll man da vor Lachen oder vor Verzweiflung in die Tischkante beißen?
**Claudia** 31.05.2009, 14:54#43
AW: Formulierung gesucht!

Carmen, so ist das bei mir auch:

ich arbeite sagenhaft gerne mit unserem Jugendamt und der jetzigen Schule unserer Kleinen zusammen.
Es macht mir Spaß und Freude und manchmal habe ich das Gefühl, dass wir Beteiligten alle gemeinsam an dieser Zusammenarbeit wachsen.
Jeder lernt von jedem :-), ich möchte diese Zusammenarbeit nicht missen.

Als wir unseren neuen JA-PKD kennengelernt haben, haben wir gemeinsam (mit dem "alten" PKD) auf den Punkt bringen können, worauf es uns ankommt:
wir arbeiten am liebsten selbständig,
holen uns gerne Rat bei ihm und werden ihn mit Sicherheit auch in einem angemessenen Rahmen um Unterstützung bitten, weil auch wir unsere Grenzen und Unsicherheiten kennen.
Ich wünsche mir einen guten, lebendigen Kontakt zu ihm - dafür kann er sich ganz sicher darauf verlassen, dass wir um Unterstützung bitten, wenn wir mal nicht weiter wissen.


Ähnlich läuft es auch mit der Schule.


"Mein" JA und die Pädagogen der Schule wissen, dass ich sie gerne um Rat bitte, wenn ich mal keinen Durchblick habe ;-) und dann sind sie auch bedingungslos für uns als Familie da.

Wir gehen unseren Weg und wenn wir Wegweiser brauchen, dann wissen wir wo wir sie sicher finden.

Es ist übrigens unbeschreiblich, welche Fortschritte unsere Kleine macht, seitdem sie aus der LH draussen ist.


Inge, ich könnte wirklich ein Buch schreiben....