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Fahrtkosten

Marti 20.09.2010, 09:54#1
Hallo Leute,

komme gerade von der KK mit mehr fragen im Kopf als vorher. Ich fragte, ob ich die Kosten für die ambulanten Fahrten irgendwie erstatet bekomme. Trage es bei 2 Schwerbehinderten seid 10 Jahren selbst und letzte Zeit war es echt viel.
Erst hieß es gar nicht. Dann doch, aber nicht innerhalb der Stadt, da die Zuzahlung von 5 Euro ansteht und es würde sich sowieso nicht lohnen. Ich gefragt, wie die Grenzen der Zuzahlungen überhaupt sind. 48 euro im Jahr bei uns. Also ehrlich, das habe ich einmal nach zur Zahnklinik und zurück. Auf das Jahr gerechnet würde sich es lohnen. Und nachdem die Zuzahlung bezahlt ist, müssten doch die Fahrten innerhalb der Stadt doch erstatet werden oder? Auch werden die Therapien nicht bezahlt, weil die Therapeuten Hausbesuche abrechnen können. Das ist für uns auch besser, dagegen habe ich nichts.
Aber trotzdem haben wir noch Arztbesuche, SPZ, Untersuchungen, Rentgen...
Oft geht es vom SPZ aus 20 km zum Schwimmen, bei uns gibt es kein Therapiebecken mit verstellbarem Boden.
Dann müssen die Kliniken auch die nächstgelegene sein. Wenn ich aber nicht möchte, das mein Kind dort operiert wird, muss ich die Fahrtkosten selbst tragen. Ich denke, in dem Fall müssten doch zumindest die Kosten zur nächsten Klinik erstatet werden oder? Die notwendigkeit der OP ist doch unstritig.
Dann muß jede Fahrt vom Arzt verordnet werden, wird vom mdk geprüft und die KK bewilligt es für das ganze Jahr. Vielleicht bin ich doof, aber ich verstehe es nicht. Soll es heißen, wenn mein Kind mit 40 Fieber aufwacht, ab zum Arzt, verordnung für die Fahr zum Arzt holen, dan zur AOK, bewilligen lassen, und wieder zum Arzt behandeln lassen? Das kann es doch nicht sein oder?
Ich habe im Netz viele beiträge zum Thema gefunden, die wiedersprechen sich aber oft.
Kann mich bitte einer aufklären?
Können die Fahrten innerhalb der Stadt gezahlt werden?
Was bedeutet es genau, der Arzt muss Verordnung für jede Fahrt ausstellen? Bei 100 Verordnungen wird er mir herzlich danken, ausserdem werden meine Fahrtkosten ins Unermessliche steigen, also das gegenteil dessen, was ich erreichen wollte.
:kopfkratz:
Vielen Dank schonmal Martina
amai 20.09.2010, 14:04#2
AW: Fahrtkosten

Hallo Martina,
das mit den Fahrtkosten unterliegt bestimmten Voraussetzungen. Die finden sich in den "Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Verordnung von Krankenfahrten Krankentransportleistungen und Rettungsfahrten nach § 92 Abs. 1 Satz 2 Nr. 12 SGB V (Krankentransport -Richtlinien)", schau dir besonders § 8 an:
http://www.g-ba.de/downloads/62-492-74/RL-Khtransport-2004-12-21.pdf
und der Artikel aus unserer Infoseite:
http://www.intakt.info/104-0-fahrtkosten-bei-med--notwendigen-leistungen.html

Die Eigenanteile für die Krankenfahrten zählen für die Ermittlung der Zuzahlungen hinzu (alle Quittungen für Praxisgebühren, Rezepte, Eigenanteile bei Heilmittelrezepten usw. gut aufheben), sobald ihr die individuelle jährliche Höchstgrenze erreicht habt (ihr zahlt mit den 2 Schwerbehinderten in der Familie sicher nur die 1 % durch die Chronikerregelung) sind ALLE Kosten für die notwendigen und verordneten Fahrten ohne weitere Eigenanteile von der Kasse zu erstatten.

Wenn die Voraussetzungen für Hausbesuche von Logopäden und Physiotherapeuten nicht vorliegen bzw. die Therapien nicht zu Hause durchführbar sind (nötige Geräte) müssen auch die Kosten hierfür erstattet werden.

Das mit der Erstattung nur zur nächsten erreichbaren Klinik stimmt auch nicht ganz, es ist immer die nächstgelegene geeignete Klinik zu erstatten. Für bestimmte Krankheitsbilder haben ja nicht alle Kliniken Erfahrung und eine entsprechende personelle und apparatemäßige Austattung. Wenn z. B. eine Operation im Kopfbereich anliegen würde und die nächstgelegene Klinik hätte keine neurochirurgische Abteilung so wäre sie zwar die nächste, aber keine geeignete Klinik.

Ich hoffe, das hilft dir weiter.

LG, amai
Marti 20.09.2010, 15:50#3
AW: Fahrtkosten

Erstmal vielen dank amai, ich werde es mir in ruhe durchlesen.
Seid ein paar Tagen schiebe ich richtig hass aus die KK und auf die Sozialverwaltung. Wir haben schon vor 7 monaten einen Kraftknoten beantragt für das Auto und die schieben sich es seid Monaten hin und her weil angeblich der andere zuständig ist. Eigentlich hätte es zum anfang des Schuljahres da sein sollen, damit das Kind mit dem Rollstuhltransport zur Schule kommen kann, aber pustekuchen. Vor ein paar Tagen bekam ich dann endlich die Ablehnung von der Sozialverwaltung. Die sind so unverschämmt, da könnte man kot...
Die Mutter hat ja einen Kindersitz und soll das Kind weiterhin hochheben, und was mich echt auf die Palme bringt " für eine darüberhinaus gehende Erleichterung zur Vermeidung des Umsetzens beim Schultransport wird keine Notwendigkeit gesehen. - weil der Transport sitzend im Rollstuhl ausschließlich von der Schule gewünscht wird."
Also ist das Personal in der Schule nichts wert und muss nicht entlastet werden! Die pflegen das Kind seid 6 jahren und wenn die sagen, er muss mit dem Rollstuhl kommen, weil er zu schwer ist, muss mann es doch respektieren.
Und das beste, wir brauchen keinen PKW, er kann doch mit dem Behinderten transport gefahren werden. Also um 400 euro zu sparen, werden tausende rausgeworfen.
Sollte der Widerspruch nicht fruchten, werde ich ein Jahr lang mir ALLES erstatten lassen, worauf wir Anspruch haben. Dan werde ich eine Auflistung machen und die "gesparten" 400 euro dagegenrechnen. Und dann Leiter der Behörde anschreiben und öffentlich machen. Mir reichts echt.
amai 20.09.2010, 16:56#4
AW: Fahrtkosten

Hallo Martina,
etwas in Zeitnot, deshalb nur kurz: kennst du diese Urteile zum Kraftknoten schon?
http://www.bvkm.de/recht/argumentationshilfen/kraftknoten/Bundessozialgericht_entscheidet_ueber_Kraftknoten.pdf

Wie alt ist das Kind, das transportiert werden soll? Wer hat den Kindersitz bezahlt? Passt der Kindersitz noch gut?

LG, amai
Marti 20.09.2010, 20:18#5
AW: Fahrtkosten

Hallo Amai,
danke für die Hilfe. Interessant und irgendwie auch entmutigend. Die KK hat den Kindersitz gezahlt. Vor circa 2 dreiviertel jahren. Ehrlich? Der hat noch nie gepasst. Ist oben am Boden. Das Kind ist immer rausgefallen, obwohl das Ding eine Weste hatte. An den Seiten war es aber flach. Mitten auf der Autoban in den Rückspiegel geschaut, sehe ich, das Kind ist seitlich rausgefallen, liegt am Autositzt und erstickt fast, weil die Weste um seinen Hals hängt. Und bleib mal an der Autobahn stehen. Nach einem Jahr ärger habe ich für 80 euro einen Storchenmühle gekauft, schön gepolstert an den Seiten und habe die Sitzweste drauf montiert. War viel besser. Wenn ich den KK Kindersitz los bin, bin ich froh. Aber das wissen die nicht. Laut denen haben wir einen funkzionsfähigen und passgenauen Kindersitz.
Das die Größe Passt, stimmt ja auch, aber ich habe eine Renault Kangoo. Ich muß die Kids ziemlich hoch heben. Und ich bin die einzige, die es noch schafft. Meine Mutter oder die andere Oma, die schaffen es gar nicht mehr.
Ich wurde damals gefragt, wie das Kind jetzt transportiert wird. Ich sagte im Kindersitz. Und darauf haben sie sich aufgehängt. Sogar die VDK hat mir geraten den Widerspruch zurück zu nehmen.
Das traurige ist nicht, das ich es halt wieder bezahlen muss. Das traurige ist, das ein Amt, das im Bezeichnung das Wort sozial hat, wie ein Geier auf einen formulierungs fehler wartet um die Antrege abzulehnen. Es geht um behinderte Menschen, die vielleicht gar nicht mehr kommunizieren können oder nur bruchtstichhaft. Und die müssen bei jedem Antrag überlegen, welche formulierung von welcher Seite angreifbar ist und welcher §§ wohl da betroffen ist. Meine Kids haben mich noch, aber später?
Die Entwicklung ist erschreckend.
Schönen Abend euch allen:winke:
Marti 20.09.2010, 20:21#6
AW: Fahrtkosten

Ah ja, er wird im Januar 11 jahre Alt.
Yvonne 20.09.2010, 20:58#7
AW: Fahrtkosten

Hallo Marti,

ja es ist echt zum k.... wie mit uns Eltern von behinderten KIndern bezüglich der Mobilität umgegangen wird.
Es gibt seid letztem jahr die UN Konvention die eigentlich schon umgesetzt werden soll, doch leider hält sich kein Amt daran oder sie drehen es sich hin wie sie es haben wollen.
Ich füge es mal als Anlage bei und lese mal Artikel 20
Wenn du eine große Lobby braust bezüglich Mobilität und viele suchst die dagegen kämpfen, dann wende dich mal an den Verein http://www.mobil-mit-behinderung.de
Die helfen dir dabei dein recht durchzukämpfen. Ich finde es ein hammer vom VDK dass sie dir raten den Widerspruch zurück zu nehmen....

Liebe Grüße

Yvonne
Marti 21.09.2010, 03:52#8
AW: Fahrtkosten

Hallo Yvone,

danke, das hatte ich noch nicht. Werde es speichern. Bisher hatte ich immer im Netz gesucht wenn ich mal etwas gebraucht habe, aber in letzter Zeitmuss man als Angehöre eines behinderten Menschen einiges am Wissen anhäufen.

Ja, die Bundesregierung hat es unterschrieben, aber Papier ist doch geduldig. Wobei bei uns sogar das vom erschwinglichen Kosten stimmt. Das Auto wurde von mir angeschafft, Rolli von der AOK und an das Amt fallen die geringsten kosten an.

Ja, den Verrein kenne ich dank dem Forum hier schon länger. Seid letzter Woche bin ich am suchen. Die suchen nämlich Ablehnungsbescheide von Anträgen auf ein behindertengerechtes Fahrzeug von Familien mit behinderten Kindern. Klar habe ich auch einen bekommen, vor 3 Jahren, als ich das Auto finanziert habe. Aber damals war ich wirklich so dum keinen Widerspruch zu schreiben. Diesmal ist es anderes, ich habe den Widerspruch heute früh abgeschickt.

Und als ich zu Post kam, ist bei mir um die Ecke, sagt die nette Dame am Schalter." Einschreiben mit Rückschein? Schon wieder ein Widerspruch?" Tja, in elf jahren fällt so einiges an.
Ich also erzählt, worum es geht. Sie erzählt mir daraufhin von Ihrer Mutter, die in einem Alterheim lebt. 50 meter vom Heim ist ihr Hausarzt, der sie weiterhin regelmässig sehen will. Und da er keine Hausbesuche macht, wird jedesmal für die 50 meter ein behindertentransport für 600 euro von der KK bezahlt. Als sie sich daraufhin an die KK gewendet habe, sagte man dort, da kann man nichts machen. Also will sie jetzt ihre Mutter jedesmal selbst zum Arzt fahren, um dieser verschwendung ein Ende zu setzen.

Und deshalb habe ich mich in meinem Eingangspost so aufgerägt. Die sind bereit für Schwachsin Unsummen auszugeben. Aber für Sinvolles gibts nichts. Der Wahnsinn ist allgegenwärtig.

Nicht wundern, mein Sohnemann ist Nachts öfter mal Wach, also bin ich es auch.
Ich hoffe euch gehts besser und wünsche
Gute Nacht
amai 21.09.2010, 08:22#9
AW: Fahrtkosten

Hallo Martina,
wenn euer Kind so schlecht im Kindersitz sitzen konnte, wären da aber noch einige Veränderungen fällig gewesen, stand auf der Verordnung nichts von individueller Anpassung? So war es ja keine Hilfe , sondern ein zusätzliches Risiko für euer Kind, mit Pelotten und zusätzlichen Stützen wäre da sicher einiges vom Sanitätshaus machbar, auch jetzt noch mit einer neuen Verordnung der Anpassung durch den Arzt. Euer Kind kann ja durchs wachsen nun nicht mehr optimal sitzen oder durch die Verschlechterung seiner Behinderung/Krankheit, so das man nicht angeben muss, dass es schon immer nicht gepasst hat. In diesem Fall unbedingt darauf bestehen das alles angepasst wird bis es wirklich optimal sitzt, sonst ist der Sitz eben nicht mehr nutzbar.

Mir fällt aber auch noch etwas anderes ein: Kindersitze gibt es ja in verschiedenen Klassen, die u.a. auch nach Gewicht zugelassen sind.

Im Alter von eurem heute 11-jährigen könnte es durchaus sein, das das mit dem Gewicht nicht mehr hinkommt und ihr allein schon deshalb ihn nicht mehr damit transportieren dürftet.
Ich nenne jetzt nur mal die beiden größten Klassen von den insgesamt
5 Klassen:
Gruppe 2: Kindersitze von 15 Kilo bis 25 Kilo und
Gruppe 3: Kindersitze von 22 Kilo – 36 Kilo

Schau doch noch einmal welchen Sitz und welche Sitzklasse ihr habt und wie schwer euer Kind nun ist, vielleicht ergibt sich ja dann schon daraus die Notwendigkeit des Transports im Rolli.

LG, amai
Marti 21.09.2010, 12:20#10
AW: Fahrtkosten

Doch, es wurde angepasst. Es hat kopfpelotten und brustpelotten, angeblich höhenverstellbar. Und einen Keil zwischen den Beinen. Es ist Größe 3. Auch hate es eine Fixierweste. Trotzdem ist er ständig rausgefallen.

Und der Keil war mein absolutes Lieblingstück. Er ist mit Klettverschluß fixiert worden. Mein Süßer hat aber eine sehr starke Spastik, macht immer Xbeine. Also hat der den Keil regelmässig mitgenommen als ich ihn aus dem Auto gehoben habe. Dann ist der Keil natürlich auf den Boden gefallen und ist unter das Auto gerutscht. Da musste ich dann schön in die Knie, mit dem Kind am Arm, und mit dem anderem Arm unter dem Auto im dreck getastet. Lustig echt. Das Kind zurück in den Sitz sitzen konnte ich nicht, weil er dann nämlich auf dem Boden gelandet ist und sich fast das Genick gebrochen hat. Durch die Spastik kann er eben nicht sitzen. und rutscht blitzschnell vom Sitz runter. Wir sagen "Springer" zu ihm, weil er so schnell dabei ist. :hop:
Marti 03.02.2011, 11:27#11
AW: Fahrtkosten

Hallo, wollte mich nochmal melden. Nach fast einem Jahr bekommen wir den Kraftknoten jetzt doch von der AOK. Die haben zwei Gutachter geschickt, es wurde festgestellt, das ich doch nicht spinne, der Kindersitz ist eindeutig zu groß und unsicher. Wir dürfen ihn nun abgeben und bekommen stadtdessen den Kraftknoten.
Zukünftig werde ich bei unpassenden Hilfsmitteln keine Ruhe geben, bis es passt. Das habe ich jetzt jedenfalls gelernt.