AW: Hilfe erbeten: GdB 100, wie gehts nun weiter?
Hallo Alex!
Zitat von Rednaxela
Die Behinderung wurde erst ab Antragstellung 09/2007 anerkannt. Da haben wir wohl gepennt. Unser Sohn ist nun 1 Jahr und 3 Monate alt.
Na und, und wenn Du gepennt hast

, dann lege einfach Widerspruch ein, Du hast dafür eine Monat nach Zugang des Bescheides Zeit.
Das muss im Bescheid auch mit drinstehen, dass Du Widerspruch einlegen kannst (Rechtsbehelfsbelehrung), fehlt sie, hättest Du sogar 1 Jahr Zeit für einen Widerspruch.
(ich nehme mal an, dass die Behinderung angeboren ist)
Sehr geehrte.....,
gegen Ihren Bescheid vom.... lege ich Widerspruch ein.
Begründung:
Die Behinderung meines Sohnes wurde erst ab dem Tag der Antragstellung anerkannt, sie besteht jedoch bereits ab Geburt.
Mir war bei der Antragsstellung nicht bekannt, das man eine Behinderung laut § 6 der Schwerbehindertenausweisverordnung auch rückwirkend anerkennen lassen kann und ich wurde auch nicht von Ihnen darüber aufgeklärt, dass das möglich ist.
Bereits ab dem Zeitpunkt der Geburt hatten wir erheblich mehr Arzt- und Therapietermine, als es bei gesunden gleichaltrigen Kindern üblich ist, wodurch wir behinderungsbedingte Nachteile hatten, die es laut Artikel 3 des Grundgesetzes nicht geben darf.
Um die steuerlichen Nachteilsausgleiche auch für das Geburtsjahr unseres Sohnes geltend machen zu können, beantragen wir die rückwirkende Anerkennung der Behinderung ab Geburt.
Mit freundlichen Grüßen
.....
So ungefähr. Evtl. noch Nachweise beilegen, dass die Behinderung nicht im September entstanden ist (neulich habe ich gelesen, dass ein Amt einen Nachweis vom Arzt wollte, dass der Gendefekt des betreffenden Kindes angeboren ist....

).
Solltet Ihr im Geburtsjahr Steuern gezahlt haben, würde ich es auf jeden Fall versuchen. Die Steuerfreibeträge sind immer Jahresbeträge, sie werden auch dann voll gewährt, wenn die Voraussetzungen nur einen Teil des Jahres vorgelegen haben, Extremfall wäre die Anerkennung der Behinderung ab 31.12.
Alles Wichtige zu Steuervorteilen (Lohnsteuer) habe und was sonst noch zu beachten ist, habe ich hier im 2. Teil zusammengefasst, da stehen auch die Rechtsgrundlagen für die rückwirkende Anerkennung und die die Änderung der Steuerbescheide:
http://www.rehakids.de/phpBB2/viewtopic.php?p=274330&highlight=grundlegendes#274330
Für das H gibt es z.B. einen Freibetrag zur Berechnung von Erziehungsgeld, wenn man es nicht voll bekommen hat, auch, wenn man Wohngeld bekommt.
Behörden, Krankenkassen, die Rentenversicherung, Unfallversicherung..... sind laut SGB 1, § 13-15 gesetzlich zur Aufklärung, Beratung und Auskunft verpflichtet, viel zu viele kommen dieser Pflicht jedoch nicht nach.
Ich kann nur jedem empfehlen, sich gründlichst mit den Sozialgesetzbüchern zu beschäftigen, wenn man irgendwelche Anträge stellt, denn nur wer seine Rechte kennt, kann sie auch durchsetzen. Diejenigen, die nach den Sozialgesetzbüchern arbeiten müssen, kennen sie oft selber nicht richtig und Eltern bzw. Kinder bekommen ihnen zustehende Leistungen nicht gewährt, (zum Teil geschieht das meiner Ansicht nach auch bewusst, um Kosten zu sparen

). Nur wenn man weiß, das Dinge mit falschen Begründungen nicht gewährt werden, kann man dagegen angehen, indem man Widerspuch einlegt.
Es passiert z.B. sehr oft, dass Kinder zwar ein H bekommen, aber kein B, mit der Begründung, sie seien noch zu jung dazu. Das spielt aber laut der Begutachtungsrichtlinien bei der Beurteilkung definitiv keine Rolle.
Natürlich erscheint der ganze Gesetzeskram auf den ersten Blick ziemlich kompliziert, aber wenn man sich gründlicher damit beschäftigt, geht es eigentlich und man findet sich ganz gut durch.
http://www.rehakids.de/phpBB2/ftopic33042.html
Habt Ihr schon Pflegegeld beantragt? Das wäre der nächste Punkt, wo seitens der Krankenkasse gleich erstmal abgeblockt wird, so ein kleines Kind würde sowieso kein Pflegegeld bekommen, weil ja auch gleichaltrige gesunde Kinder noch viel Pflege bräuchten, und die meisten Eltenr beantragen dann eben nicht.
Aber es ist durchaus möglich, schon jetzt Pflegegeld zu bekommen, je nachdem, wie hoch der behinderungsbedingte Mehraufwand ist. Versuchen würde ich auf jeden Fall, Ihr habt nichts zu verlieren.
Liebe Grüße
Annette