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1. MDK-Besuch

Gast 08.06.2004, 08:57#1
Hallo,
ich habe für meinen 4 1/4-jährigen Sohn auf Anraten eines Kinderarztes Pflegeversicherung beantragt. Da ich mich immer noch nicht so recht damit abfinden kann, dass mein kleiner behindert sein soll, habe ich recht wenig Ahnung von der ganzen Materie. Gestern rief mich nun ein Herr vom MDK an, dass er morgen zu uns nach hause kommt.

Kann mir jemand von Euch sagen, wie so ein Besuch stattfindet? Das würde mich schon sehr beruhigen.

Vielen Dank und liebe Grüße

Susa
Wolfgang 08.06.2004, 09:29#2
Hallo Susa,
leider ist es nun schon ein bisschen spät. Es ist nämlich ratsam, bereits einige Zeit vor dem Besuch mit einem Pflegetagebuch zu beginnen, in dem alle Pflegezeiten und -handlungen genau notiert werden (siehe z.B. das Pflegetagebuch unter http://www.intakt.info/99-0-welche-pflegestufe.html ). Dieses Tagebuch hilft dann dabei, eine realistische Einschätzung des Aufwands vorzunehmen. Der MDK zieht je nach Alter des Kindes noch bestimmte Beträge von den Zeiten ab, da ja auch bei nicht-behinderten Kindern Pflege- und Betreuungsaufwand notwendig ist. Gehe am besten noch vor dem Besuch ein solches Pflegetagebuch durch und mache Dir über den Pflegeaufwand Gedanken. Wenn Du völlig unvorbereitet in so eine Begutachtung gehst, dann ist die Gefahr groß, dass Du ins Messer läufst. Ließ Dir am besten auch die entsprechenden Seiten bei http://www.intakt.info oder http://www.behinderte-kinder.de durch.

Zur Behinderung: Wenn Du Dir unschlüssig darüber bisst, ob Dein Kind behindert ist (es handelt sich um eine unspezifische Entwicklungsverzögerung, oder?), können Dir sogenannte Sozialpädiatrische Zentren weiterhelfen, die i. d. R. an jeder Universitätsklinik vorhanden sind.

Ciao,
Wolfgang
Gast 08.06.2004, 09:57#3
Zitat von [b
Zitat ( @ --)]
Hallo Wolfgang,

vielen Dank für Deine rasche Antwort.

Für mich kam es auch überraschend, dass gestern der Herr anrief und er übermorgen schon hier sein will. Den Antrag habe ich auch erst letzte Woche an die KK geschickt und war der Meinung, dass das Ganze, ähnlich wie beim Schwerbehindertenausweis, Monate dauern würde, bis man eine Reaktion erfährt.

Das Pflegetagebuch habe ich mir hier auf den Seiten bereits angeschaut. Demnach gehören auch Zeiten für die Fahrten zur Durchführung von Therapien dazu? Und Fördermaßnahmen, die man zu hause durchführt? Z.B. übe ich mit meinem Sohn mit einem Nasenballon, da er immer wieder unter Schallleiterschwerhörigkeit leidet. Dann Übungen aus der Ergo, Logo und Frühförderung.

Der Kinderarzt, der mir zur Pflegeversicherung geraten hat, sagte auch, dass es nicht einfach ist, das durchzusetzen.

Zur Behinderung: bei meinem Sohn wurde eine geistige Behinderung im Bereich einer Lernbehinderung diagnostiziert. Sehr auffällig an ihm ist, dass seine Sprachentwicklung deutlich verzögert ist und er ein ganz eigenes Sprechmuster hat. Außerdem hat er zeitweise Gleichgewichtsstörungen und ein sehr eigenes Verhalten. Er ist mein 4. Kind, meine Älteste ist knapp 18, und ich sehe schon, dass er ganz anders ist, als die älteren Geschwister. Auch anders als Gleichaltrige. Aber ich tu mich einfach sehr schwer damit, dies als Behinderung anzusehen. Mein Sohn war recht lange schwerhörig - da liegt es doch auf der Hand, dass die Sprachentwicklung verzögert ist.

Die Ärzte sind jedoch der Meinung, dass sich der Abstand zwischen ihm und anderen gleichaltrigen Kindern immer mehr vergrößern würde.

Viele Grüße


Susa
Wolfgang 08.06.2004, 13:38#4
Hallo Susa,
notiere Dir am besten alle Zeiten, auch wenn diese zum Teil nicht anerkannt werden. Eventuell wird ja das eine oder andere doch anerkannt.
Wenn Du hier im Forum stöberst, wirst Du die Berichte von vielen Eltern finden, bei denen es erhebliche Probleme bei der Einstufung gab, wobei es natürlich genausogut auch gut gehen kann. Falls der Antrag abgelehnt wird, kann man Widerspruch einlegen. Oftmals wird daraufhin der Antrag doch gewährt.

Bekommt Dein Sohn bereits Logopädie? Schwerhörigkeit kann tatsächlich sehr leicht zu Sprachproblemen führen, und je früher etwas dagegen unternommen wird, desto besser.

Prognosen in diesem Bereich sind tatsächlich sehr schwer vorzunehmen und haben immer eine enorme Unschärfe. Schließlich ist Dein Kind erst vier Jahre alt.
Allerdings ist es auch schwer, bei einem bereits eingetretenen Entwicklungsrückstand nicht nur mit den anderen Kindern Schritt zu halten, sondern auch noch den Rückstand aufzuholen. Ich würde aber trotzdem die Hoffnung niemals aufgeben. Schließlich gibt es heute zahlreiche Möglichkeiten der Förderung.

Viele Grüße,
Wolfgang
Gast 08.06.2004, 14:55#5
Hallo Wolfgang,

jepp, ich bin schon die ganze Zeit am Notieren und Überlegen. Es scheint ja wirklich eine Wissenschaft für sich zu sein, damit sein Kind das bekommt, was ihm zusteht.

Beim Schwerbehindertenausweis scheint es auch nicht anders zu sein, da muss auch zig mal debattieren und erklären. Erst waren es 50%, dann 70% - und sowohl Ärzte als auch Therapeuten können nicht glauben, dass mein Sohn nicht wenigstens den Kennbuchstaben H bekommen soll.

Logopädie wird jetzt wieder eingesetzt. Wir hatten einige Sitzungen im Oktober, als die Therapeutin nicht mehr weiterkam. Sie empfahl stattdessen Ergotherapie. Das Frühförderzentrum sieht das ganz anders und meint, dass Ergo und Logo parallel laufen soll. Dazu kommt jetzt aber nächster Woche noch Frühförderung.

Das Schlimmste finde ich, dass einem quasi irgendwelche Diagnosen hingeknallt werden und man dann zusehen muss, was man daraus macht. Bisher habe ich noch keine Stelle gefunden (ausser Seiten wie dieser) bei der man genau erfährt, welche Möglichkeiten es gibt. Erst wenn man die Ärzte darauf anspricht (z.B. Integrationshilfe für den Kindergarten) dann finden sie es super-klasse und man solle unbedingt beantragen .....

Die Hoffnung gebe ich sicher nie auf - auch wenn mir nicht verborgen bleibt, dass sich mein Sohn doch viel langsamer als andere Kinder entwickeln, er alles viel, viel mühevoller erlernt ... Aber er ist so ein lieber Kerl, strengt sich unheimlich an, will alles gut und richtig machen und übt geduldig das Sprechen Wort für Wort. Schade nur, dass ihm zunehmend bewusst wird, dass er "anders" ist und dass er sich deshalb anfängt Sorgen zu machen.

Viele Grüße


Susa
Wolfgang 08.06.2004, 16:40#6
Hallo Susa,
jepp, ich bin schon die ganze Zeit am Notieren und Überlegen. Es scheint ja wirklich eine Wissenschaft für sich zu sein, damit sein Kind das bekommt, was ihm zusteht.
Ja leider müssen Eltern sich stets gut informieren. Von alleine gewähren Ämter zuweilen nicht die zustehenden Mittel.
Das Schlimmste finde ich, dass einem quasi irgendwelche Diagnosen hingeknallt werden und man dann zusehen muss, was man daraus macht. Bisher habe ich noch keine Stelle gefunden (ausser Seiten wie dieser) bei der man genau erfährt, welche Möglichkeiten es gibt. Erst wenn man die Ärzte darauf anspricht (z.B. Integrationshilfe für den Kindergarten) dann finden sie es super-klasse und man solle unbedingt beantragen .....
Es ist schön, dass ich Dir helfen konnte und die Informationen Dir weiterhelfen. Falls Du unverständliche Diagnosen hast, kannst Du natürlich auch gerne nachfragen. Vielleicht kann ich ein wenig Licht in den Fachbegriff-Dschungel bringen.

Darüber hinaus ist es auch sehr hilfreich, wenn man sich direkt mit anderen betroffenen Eltern austauschen kann, z. B. in einer Selbsthilfegruppe direkt an Deinem Wohnort oder in der näheren Umgebung. Es gibt einfach so viele wertvolle Tipps, die man von anderen Eltern erfährt, Sachen, die einem ein Arzt gar nicht beantworten kann, da er selbst nicht in dieser Situation ist. Hast Du bereits Kontakt mit Selbsthilfegruppen aufgenommen?

Ciao,
Wolfgang