mein Sohn ist neun mit Down-Syndrom und hat seit 2002 Pflegestufe 1 - wurde 2004 nachgeprüft - weiterhin Stufe 1.
Jetzt steht eine neue Prüfung durch den MDK an. Dieser verlangt nun laut unser Krankenkasse die Vorlage eines Schulzeugnisses..??? sowie aktueller ärztlicher Unterlagen.
Das mit dem Schulzeugnis widerstrebt mir total, es ist ja auch in dem Sinne kein Zeugnis sondern nur eine Beschreibung, wie er sich verhält etc. Allerdings sehr positiv und für den MDK sicher ein "gefundenes Fressen". Vielleicht wollen die es sich einfach machen, ich weiß nicht. Bin jedenfalls sehr besorgt, daß ich die Pflegestufe verliere.
Nun meine Frage:
Muß ich das Zeugnis vorlegen? Es kommt ja schließlich auf die häusliche Pflege an und nicht, was in der Schule passiert.
Reicht nicht ein kurzer Bericht der Kinderärztin oder des Pflegedienstes?
Ich habe auch mit meinem Pflegedienst einen Termin gemacht und hoffe, daß die Dame mir helfen kann.
Für Tipps und Erfahrungen in dieser Hinsicht wäre ich sehr dankbar.
ein Schulzeugnis vorzulegen ist wohl einfacher, als wenn du den ganzen Tagesablauf der Pflegeleistungen dokumentieren musst und dann vorlegen kannst.
Meine Tochter wurde vor kurzem auch wiederholt überprüft. Dazu machte ich mir die Mühe den Tagesablauf mehrerer Tage aufzuschreiben und dem MDK mitzugeben. Alles schriftliche kann nur von Vorteil sein.
Das Schulzeugnis ist sehr sehr positiv, was natürlich super ist - aber ich sehe die Gefahr, daß der MDK daraus ableitet, daß mein Sohn ja total fit und selbstständig ist.... Da stehen Sätze drin wie "kann sich alleine an- und ausziehen, essen, trinken, bewegt sich sicher im Schwimmbecken, kann kleine Botengänge alleine durchführen, kann lesen, schreiben, versteht Arbeitsanweisungen"....um mal eine kleine Auswahl zu geben.
Dies ist natürlich alles super und wir freuen uns, aber dennoch ist er eben kein "normales" Kind. Ich kann ihn nicht alleine zum Spielen nach draußen lassen, wenn wir unterwegs sind muß ich ständig aufpassen, daß er nicht wegläuft, auf die Straße oder im Kaufhaus irgendwo verschwindet. Er ist auch nicht 100% trocken - obwohl wir auf Windeln seit Schulbeginn verzichten. Klappt gut aber nicht immer. Ich kann ihn auch nicht unbeaufsichtigt in der Wohnung lassen (für kurze Zeit), er kommt überall dran, klettert zur Not auf Schränke etc. Also ist ständige Aufsicht von Nöten. Zudem hat er große Probleme mit der Mundmotorik (er "seibert" sehr viel) so daß ich ständig die Oberteile waschen muß. Ich will hier nicht alles aufzählen, aber im Vergleich zu anderen 9-jährigen ist der Unterschied schon riesig.
Das alles sieht der MDK nicht, wenn er nur das Schulzeugnis liest. Deshalb bin ich mir unsicher, ob ich es rausgeben soll? Außerdem kenne ich auch keinen solchen Fall und weiß nicht, inwieweit das Zeugnis dann in die Begutachtung einfließt.
wenn du Bedenken hast, dann lasse es weg. Möchte der MKD es sehen, dann kannst du es nicht verweigern. Das wirkt noch schlechter, als es ihm zugeben. Mit einer aufstellung verschiedener Tage kannst du alles berichten, was du mir gerade geschildert hast. Der MKD weiß, dass die Beurteilung nur eine Momentaufnahme ist.
Die Zeugnisse meine Sohnes waren auch immer top , beim lesen musste ich immer schmunzeln und dachte mir so ,,ich muss jeden Morgen ein anderes Kind in die Schule schicken''
Ich hab zu jedem Besuch des MDK ein Pflegetagebuch vorgelgt.
Sicher wurde mein Kind damals wie heute gefragt was kann er und was nicht, Zahlen ,Buchstaben , lesen ,schreiben ,Uhrzeit aber Zeugniss nööööö
Soweit ich informiert bin, fallen Schulzeugnisse unter Schweigepflicht!
Den MdK gehen die überhaupt nichts an.
Das Schulzeugnis ist sehr sehr positiv, was natürlich super ist - aber ich sehe die Gefahr, daß der MDK daraus ableitet, daß mein Sohn ja total fit und selbstständig ist....
Ich bin ziemlich sicher, dass die MdK-Mitarbeiter ganz genau wissen, wie beschönigt oft die Schulzeugnisse dargestellt werden können und diese als Grundlage für eine Ablehnung benutzen wollen.
Gibt es eine kompetente Vertrauensperson, die Du bei einem Gespräch mit dem MdK hinzuziehen kannst, die mit Deinem Sohn aktiv zu tun hat?
kannst Du mir bitte die Info-Quelle mal zuschicken? Wäre super: info@bunterunde.de
@Claudia: Ich überlege, die Dame vom Pflegedienst zu bitten, dabei zu sein. Sie kennt ihn ja schon seit Jahren. Hoffe, daß das geht.
Mach' das!
Ich habe mir auch schon den Pflegekinderdienst und den Vormund meiner Pflegetochter mit ins Boot geholt.
Die kennen nämlich sämtliche Unterlagen unserer Kleinen von Anfang an, waren teilweise mit bei ärztlichen Untersuchungen dabei bzw. kennen sämtliche Diagnostiken und Diagnosen.
Von daher halte ich es für äusserst sinnvoll, dass Ihr den Pflegedienst um Unterstützung bittet!
Lt. der Info, die ich habe, gibt es keine Rechtsgrundlage, dem MdK die Zeugnisse zeigen zu müssen.
Die Zeugnisse werden bewusst positiv formuliert, um Eltern zu ermutigen und ihnen aufzuzeigen, was ihr Kind kann - von daher werden kaum Defizite aufgeführt.
Möglicherweise bekomme ich im Laufe des Monats noch vertiefendere Infos, ich muss jetzt aber selbst erst mal warten.
Astrid, wenn Du eine "Lebenshilfe" hast, mit der Du gut zusammenarbeitest und der Du vertraust, dann informier' Dich mal dort.
Die Zeugnisse sagen ja auch überhaupt nichts über die Intensität der Pflege aus, die man zuhause leisten muss.
Selbst wenn meine z.B. Kleine mittlerweile (sie besucht die dritte Klasse) in der Lage ist, grosse Buchstaben zu erkennen, ist das in keinster Weise relevant.
Deswegen kann sie trotzdem keine Sekunde unbeaufsichtigt sein, schon gar nicht im Bad (gerne wird mal ein Persil-Coctail gemischt oder wenn man das grosse Geschäft auf der Toilette erfolgreich absolviert hat, könnte man ja auch davon naschen - sieht ja aus wie leckere Schoki...).
Hier ist der link, ist doch schon älter von 2006.....direkt auf Seite 1 steht das mit den Zeugnissen........ob das deswegen rechtens ist, keine Ahnung.
Nelson ist von Anfang an von der Lebenshilfe betreut worden, über Frühförderung, Kita usw. Ich frage erstmal die Frau vom Pflegedienst, ob ich das Zeugnis rausgeben soll und dann evt. die Lebenshilfe.
Wenn Du eine gute Beziehung und ein gutes Vertrauensverhältnis zu den für Euch zuständigen LH-Mitarbeitern hast, würde ich vielleicht auch einen der Mitarbeiter zu dem Gespräch hinzuziehen.
Auch wenn ich mich selbst gut vertreten kann: wenn es um solche Dinge geht, hole ich mir immer einen Profi mit ins Boot.
mein Sohn ist neun mit Down-Syndrom und hat seit 2002 Pflegestufe 1 - wurde 2004 nachgeprüft - weiterhin Stufe 1.
Jetzt steht eine neue Prüfung durch den MDK an. Dieser verlangt nun laut unser Krankenkasse die Vorlage eines Schulzeugnisses..??? sowie aktueller ärztlicher Unterlagen.
Das mit dem Schulzeugnis widerstrebt mir total, es ist ja auch in dem Sinne kein Zeugnis sondern nur eine Beschreibung, wie er sich verhält etc. Allerdings sehr positiv und für den MDK sicher ein "gefundenes Fressen". Vielleicht wollen die es sich einfach machen, ich weiß nicht. Bin jedenfalls sehr besorgt, daß ich die Pflegestufe verliere.
Nun meine Frage:
Muß ich das Zeugnis vorlegen? Es kommt ja schließlich auf die häusliche Pflege an und nicht, was in der Schule passiert.
Reicht nicht ein kurzer Bericht der Kinderärztin oder des Pflegedienstes?
Ich habe auch mit meinem Pflegedienst einen Termin gemacht und hoffe, daß die Dame mir helfen kann.
Für Tipps und Erfahrungen in dieser Hinsicht wäre ich sehr dankbar.
Viele Grüße
Astrid
Hallo Astrid,
einerseits zählt für die Einstufung "nur" der Pflegeaufwand zuhause. Andererseits sind Zeugnisse von Sonderschulen oft ausführliche Berichte darüber, was ein Kind kann, und was nicht. Daher kann so ein Zeugnis durchaus dabei helfen, die richtige Pflegestufe "leichter" zu finden... wenn das Zeugnis dem tatsächlichen können des Kindes entspricht.
Wenn im Zeugnis steht, das das Kind was nicht tut oder kann, es das bei der Begutachtung aber doch tut, glaubt der Gutachter der Mutter eher, das das Kind sonst nicht so ist, als wenn sie es nur sagt, aber nicht belegen kann, oder will.
Wenn im Zeugnis "wichtige" dinge stehen, die man von seinem Kind zuhause nicht kennt, würde ich sofort nach Erhalt des Zeugnisses einen Termin mit der Schule machen, an dem man sich sein Kind in der Schule möglichst unauffällig ansehen kann. Wenn die Schule das nicht will, würde ich das Zeugnis als Falsch betrachten, und schriftlich auf eine Änderung bestehen.
die relevante Rechtsnorm ist § 18 SGB XI (Verfahren zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit)
Im Absatz 4 ist dort geregelt:
"Der Medizinische Dienst soll, soweit der Versicherte einwilligt, die behandelnden Ärzte des Versicherten, insbesondere die Hausärzte, in die Begutachtung einbeziehen und ärztliche Auskünfte und Unterlagen über die für die Begutachtung der Pflegebedürftigkeit wichtigen Vorerkrankungen sowie Art, Umfang und Dauer der Hilfebedürftigkeit einholen. Mit Einverständnis des Versicherten sollen auch pflegende Angehörige oder sonstige Personen oder Dienste, die an der Pflege des Versicherten beteiligt sind, befragt werden."
Heißt also, es gibt keine Pflicht zur Vorlage irgendwelcher Dokumente oder zur Freigabe einer Auskunftserteilung an Ärzte usw. Es liegt in deinem Ermessen. Wenn du Bedenken hast, das Schulzeugnis vorzulegen, dann mach es einfach nicht. Begründen mußt du das auch nicht. Nachteile darfst du deshalb nicht haben. Gilt natürlich genauso für Arztberichte etc.
Du hast die Wahl, welchen Arzt du mit der Auskunftserteilung an den MDK beauftragst und du hast die Wahl, welche Berichte und sonstige Dokumente du dem MDK vorlegst.
Im Prinzip könnte man die Diskussion noch auf einen Nebenschauplatz umleiten im Bezug auf "beschönigte Schulzeugnisse".
Wieviel Sinn macht es wirklich, die Schulzeugnisse bei geistig behinderten Kindern ausschliesslich positiv und beschönigt darzustellen und was passiert, wenn Eltern gegen die beschönigte Darstellung Widerspruch einlegen?
Als wir damals den Abschlussbericht des KiGa über unsere Pflegetochter bekommen habe, wäre ich glatt davon ausgegangen, dass sie im Alter von 6 Jahren nach Cambridge geht, statt auf eine Schule für geistig behinderte Kinder.
Ich habe dann eine Psychologin des JA gebeten, sich selbst ein objektives Bild um den Zustand unserer Kleinen zu verschaffen um den beschönigten Bericht quasi "ausser Gefecht zu setzen".
Ich habe damals gedacht, mich trifft der Schlag, als ich diesen "rosa Schwachsinn" gelesen habe.
wenn man über "beschönigte Zeugnisse" spricht, gehören da "getunte Pflegetagebücher" auch zu. Es gibt Eltern die schreiben schlicht das Pflegetagebuch einer bekannten Mutter ab, und merken dabei nicht mal, das da Dinge drin stehen, die auf ihr Kind in keiner Weise zutreffen. SOWAS ist genau so Betrug wie es das geschönte Abfassen von Schulzeugnissen ist... wobei man das letzter teils schwerer Beweisen kann, weil sich Kinder in der Schule oft sehr anders verhalten in der Schule. Da hilt im Zweifelsfall nur, hin gehen uns sehen wie sich das Kind dort verhält.
Wenn das Zeugnis der Schule tatsächlich überrtrieben ist, sollte man das dem Gutachter sagen, wenn er danach fragt. Wenn man einfach nur sagt, das man es ihm nicht zeigen will, kann das das Mißtrauen wecken, und für Probleme sorgen. Ich würde dem Gutachter Sonjas Zeugnisse ungelesen geben, und deutlich sagen das da ihr Verhalten "in weltfremder Umgebung", und nicht zuhause geschildert wird, und daher für den Hilfebedarf zuhause in keiner Weise Maßstäbe setzen kann. Dafür gibt es das Pflegetagebuch.
bei uns war das Pflegetagebuch z.B. gar nicht gefordert - der MdK hat unsere Kleine live erlebt und mir dann noch von sich aus ans Herz gelegt, den FeD auf jeden Fall in Anspruch zu nehmen.
Aber klar:
so wie es beschönigte Zeugnisse gibt, gibt es mit Sicherheit auch entsprechend gestaltete Tagebücher.
Von daher ist meine aufrichtige Empfehlung, sich bei den Überprüfungen entsprechende Fachleute nach Hause zu holen, die das Kind kennen.
Von daher ist meine aufrichtige Empfehlung, sich bei den Überprüfungen entsprechende Fachleute nach Hause zu holen, die das Kind kennen.
Hallo Claudia,
auch an dich eine Frage:
Wo soll ich diese Fachleute hernehmen? Die können von mir doch extra so ausgesucht worden sein, um dem MDK ein möglichst schlimmes Bild vorzuspielen. Da finde ich das Pflegetagebuch schon realistischer. Die Eltern nehmen sich die Zeit die ganzen Pflegeleistungen aufzuschreiben. Was dort beschönigt ist oder der Wahrheit entspricht, kann der MKD schon selbst einschätzen. Das sind alles Menschen, die ihre Arbeit verrichten. (und keine Monster, vor denen man sich fürchten muss! An anderer Stelle fiel das Wort "Anzugsträger". Begegnet man ihnen wie zu einem Menschen, dann reagieren sie auch entsprechend.)
ich hatte unseren Mann vom Pflegekinderdienst dabei (Jugendamt).
Vielleicht gäbe es für Dich ja die Möglichkeit, den behandelnden Arzt Deines Kindes z.B. mit hinzuzuziehen?
Die können von mir doch extra so ausgesucht worden sein, um dem MDK ein möglichst schlimmes Bild vorzuspielen.
Wenn sich jemand leisten kann, eine kriminelle Richtung einzuschlagen....möglicherweise?
fordern tun einige ganz bewußt nicht nach einem Pflegetagebuch, denn wenn sie eines haben, "müssen" sie es auswerten, und "sollten" nicht einfach Zahlen aus den Vorgaben einsetzen. Deswegen ist wichtig, das man ein Pflegetagebuch möglichst genau führt, und es dem Gutachter am besten mit einem Zeugen gibt, denn nur dann kann man ihn hinterher, wenn er auf wesentlich andere Zeiten kommt fragen, woher er sie hat. Es geht um "mein Kind", und nicht um sein Oma
Bei unserer ersten Nachprüfung 2004 war der gute MDK gerade mal knappe 30 Minuten da und hat sich Nelson nur angesehen. Sie wollte weder Pflegetagebuch noch sonst was sehen, obwohl ich ein Tagebuch erstellt hatte. Kurz und knapp war das. Jedenfalls blieb es bei Stufe 1.
Zu dem Zeugnis, es ist durchaus richtig was da drinsteht, allerdings sehr positiv - nicht übertrieben und es werden auch Dinge dargestellt, die mein Sohn halt noch nicht kann oder wo er sich zurückzieht oder Hilfe braucht. Aber übermäßg beschönigend ist es nicht.
Ich werde es nächste Woche meinem Pflegedienst vorlegen und dann entscheiden, ob ich es dem MDK gebe oder nicht. Mir machen nur die Formulierungen bzgl. seiner Selbstständigkeit darin etwas Probleme, weil ich da die Möglichkeit sehe, daß die denken, er bräuchte überhaupt keine Hilfe mehr bei den alltäglichen Dingen. Sonst nichts.
Ich warte ab und berichte dann, wie ich mich entschieden habe.