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MDK-Besuch und überforderter Haushalt

Merisa 13.05.2009, 16:48#1
Hallo zusammen,

ich habe schon in einem anderen Forum geschrieben, aber nun dieses hier entdeckt. Ich glaube meine Fragen sind hier besser aufgehoben. Ich bin alleinerziehende Mutter, eigentlich immer positiv denkend und gut drauf, mit einem 14-jährigen Teenager, Gymnasium, mit ADS, schwerer Form der Legasthenie, weitere Teileistungsstörungen. Trotz aktiver Pubertätsphase verstehen wir uns immer noch recht gut. :-)

Soweit sogut.

Nun ist es aber so, dass mein Sohn eigentlich nur deshalb so weit gekommen ist, weil ich seit seiner Geburt alles Erdenkliche für ihn gemacht habe, um ihn auf seinem Lebensweg zu helfen (Fortsetzung der Ergotherapie nach Anleitung, Legasthenietraining, ADS-Coach, ...) Dies bedeutet für mich auch heute noch täglich mehrere Stunden Unterstützung. Nun bin ich mittlerweile völlig am Ende meiner Kräfte und mit der weiterhin notwendigen Hilfe überfordert und denke seit einiger Zeit daran, Pflegegeld zu beantragen.

Bevor ich nun einen Antrag stelle (an wen?) möchte ich wissen, was das mit dem Besuch des MDK auf sich hat. Weil ich nämlich meine ganze Zeit in die Betreuung meines Sohnes gesteckt habe, ist in meinem Haushalt so einiges liegengeblieben. Es ist zwar sauber (Küche, Bad, Flur), aber es steht alles Mögliche rum. Man fühlt sich nicht wirklich wohl, weder ich noch mein Sohn.

Ich wünsche mir, dass der Besucher sieht, "dass die Mutter wirklich am Ende ihrer Kräfte ist" und genehmigt das Pflegegeld, mit dem ich dann eine Pflegehilfe bezahlen kann. Nun habe ich aber eher Angst vor einem MDK-Besuch, denn eine unordentliche Wohnung kann ja auch bedeuten, dass "die Mutter nichts auf die Reihe kriegt".

Worauf muss ich beim Antrag auf Pflegeld achten?
Welche Voraussetzungen müssen/sollten in unserer Familie erfüllt sein?
**Claudia** 13.05.2009, 18:28#2
AW: MDK-Besuch und überforderter Haushalt

Hallo Merissa,

wir haben uns damals beim Besuch des MdK unseren Mann vom Pflegekinderdienst mit dazugeholt, einfach als Autoritätsperson des Jugendamtes und es hat hervorragend geklappt ;-).

Vielleicht findest Du irgendeinen "Fachmenschen", mit dem Ihr ohnehin zu tun hat, der Euch begleitet?

Ansonsten habe ich die erschütternde Erfahrung gemacht, dass man als Mutter eines behinderten Kindes sehr schnell in der "Überforderten"-Schublade landet.

Wir haben mit der Frühförderung grauenhafte Erfahrungen machen müssen - unserer damals knapp 3jährigen Adoptivtochter aus Afrika (die logischerweise körperlich unterentwickelt war, da sie 18 Monate im afrikanischen Slum gelebt hat) wurde eine geistige Behinderung angedichtet (sie hat einen IQ im VT von 109, VT 129, K-ABC-Test -> wir haben sie nochmal von einem unabhängigen Psychiater testen lassen) und mir mal eben "Überforderung" unterstellt, weil ich mich geweigert habe, mein Kind 4x pro Woche völlig unnötigen Therapien auszusetzen, die es gar nicht gebraucht hat.

Der Gipfel der Unverschämtheit war, als der damalige Lebenshilfe-Psychologe der Frühförderung ins Gutachten schrieb, ich sei völlig überfordert und brauche dringend Hilfe!

Während wir vom Jugendamt im selben Zeitraum als Pflegeeltern für ein schwerbehindertes Kind ausgesucht wurden (sicher nicht, weil ich völlig überfordert bin!)

Ich kann nur sagen: aufpassen, aufpassen, aufpassen....man steht so schnell mit dem Rücken zur Wand.
Merisa 13.05.2009, 23:46#3
AW: MDK-Besuch und überforderter Haushalt

Hallo Claudia,

was ist ein "Mann vom Kinderpflegedienst"?

Deine Hinweise und Erfahrungen entsprechen genau auch meinen bisherigen Erfahrungen, daher auch meine Anfrage an dieses Forum.

Mir ist auch noch nicht so ganz klar, wie das Jugendamt uns helfen könnte. Meine Anfrage an das hiesige JA (wegen Legasthenie-Förderung) ergab eine Absage mit der Bemerkung, dass die Probleme meines Sohnes durch meine Überforderung käme. Er hatte das Gutachten unserer Psychologin vorliegen (Gefahr der seelischen Behinderung lt. §35a), aber das interessierte ihn nicht.

Meine Frage ist immer noch: Wie geht das mit dem Pflegegeld?
Wo und wie beantragt man das?
Wo und Wie kann ich mich vorher informieren, was alles auf uns zukommt?
**Claudia** 14.05.2009, 06:49#4
AW: MDK-Besuch und überforderter Haushalt

Hallo Merissa,

den Pflegekinderdienst gibt es im Jugendamt, um Pflegeeltern zu unterstützen.

Beim Jugendamt könntest Du aber als Alleinerziehende eines behinderten Kindes die sog. "Familienhilfe" beantragen (das geht über den Sozialdienst).

Das Pflegegeld musst Du bei der Krankenkasse beantragen, erst dann meldet sich der MdK zum Besuch an.

Ansonsten würde ich auf jeden Fall das mit der "Überforderung" nochmal mit einem Arzt besprechen und mich unbedingt auf die Hinterbeine stellen, wenn das angedichtet ist.

Ich habe hier Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt!
Andreas 14.05.2009, 08:58#5
AW: MDK-Besuch und überforderter Haushalt

Hallo Merisa,

auch INTAKT haben wir einen Informationsbereich, in dem wir die Pflegeversicherung erklären.

Du findest dort
Außerdem kann ich dir unsere Liste "Welche Hilfen gibt es?" empfehlen, um die richtige Anlaufstelle zu finden.

Außerdem kannst du auch noch mal in unserem Forum suchen, wie es mit ADHS und Pflegestufe aussieht. Ich habe dir hier mal eine Suche gespeichert.

Liebe Grüße
Andreas
Merisa 14.05.2009, 17:08#6
AW: MDK-Besuch und überforderter Haushalt

Lieber Andreas,

Deine Hilfe ist großartig. Ich hatte als neue zwar schon überall in Euren Infos rumgesucht, konnte aber nicht erkenne, was genau für uns wichtig ist. Danke.

Liebe Claudia,

meine Überforderung ist tatsächlich da: ich schaff das alles nicht mehr. Mir ist der gesamte Alltag zu viel und genau deshalb will ich ja Hilfe haben. Um die Legasthenie-Förderung hatte ich mich bisher immer selber gekümmert (tägliches Training), aber nun sollte das eine Fachkraft übernehmen. Die Legasthenie meines Sohnes hat nichts(!) mit meiner jetzigen Überforderung zu tun! Ich glaube, ich muss beim JA einfach die Klappe halten und bloß nichts über unsere jetzige Familiensituation sagen. So lange die meinen, dass bei uns alles in Ordnung ist, können die ja gar nicht von einer Überforderung ausgehen! Eigentlich eine doofe Situation (die Überforderung zu verschweigen = lügen).

Wenn ich nun die Überforderung verscheige, na wo krieg ich dann Hilfe her? Dein Tipp mit der Familienhilfe ist vielleicht nicht schlecht. Aber dort muss ich dann doch sagen, dass ich keine Kraft mehr habe. Da berücksichtige ich dann doch Deinen Hinweis Deines ersten postings: v o r s i c h t i g s e i n !!

Wie leicht kann einem dann das Kind aus der Familie rausgenommen werden !! Eine Horror-Vorstellung! Oder wie siehst Du das?

Grüße
Merisa
**Claudia** 14.05.2009, 17:17#7
AW: MDK-Besuch und überforderter Haushalt

Hallo Merissa,

so schnell wird kein Kind aus der Familie genommen, ganz sicher.

Ich habe Dein Ausgangsposting so verstanden, dass Du Angst hast, dass Dir der MdK Überforderung andichtet.

Wenn Du Dich überfordert fühlst, denke ich, wäre die Familienhilfe wirklich eine gute Idee!
Ich habe neulich eine junge Mama unterstützt, Familienhilfe zu beantragen.
Der Antrag geht zwar auch über das JA - aber hab' da mal keine Angst:
als Pflegemama kann ich Dir sicher sagen, dass Kinder (schon aufgrund der Gesetzeslage) nicht mal "eben so" wegen einer Überforderung herausgenommen werden dürfen.

Da muss so richtig "Gefahr in Verzug sein" (Gefahr für Leib und Leben).

Ich habe sehr viel mit Jugendämtern zu tun und die meisten sind nicht so schlimm wie ihr Ruf.
Wobei das mit der Legasthenie natürlich sehr unglücklich gelaufen ist.
Meine Grosse ist auch Legasthenikerin und hat die Therapie auch bewilligt bekommen.

Ich weiss jetzt nicht, ob die Familienhilfe an derselben Stelle bei Euch am JA beantragt werden muss, wie die Legastheniker-Therapie?
I.d.R. läuft die FH über die Sozialen Dienste (ASD).