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Brauche mal einen Rat

Christiane 18.04.2007, 12:31#1
Hallo,
ich bin neu hier im Forum. Ich habe einen Adoptivsohn, der seit Geburt bei uns lebt. Unsere Sohn hat eine celebrale Bewegungsstörung, hat eine emotionale Störung und es wird nun frühkindlicher Autismus vermutet. Wir warten auf einen Termin in einem Kinderzentrum. Nils ist jetzt 3 Jahre alt aber erheblich entwicklungsverzögert.
Wir haben im August 2006 eine Antrag auf Pflegestufe 1 gestellt, der jetzt abgelehnt worden ist, mit der Begründung, der Kleine hätte zwar einen erhöhten Betreuungsaufwand, aber keinen erhöhten Pflegeaufwand.
Wir haben vom Landesamt den Schwerbehindertenausweis bekommen Nils wurde mit 70% eingestuft, hat das G,B,und H im Ausweis.
Nun haben wir Einspruch gegen die Ablehnung erhoben und wurden gestern von der Krankenkasse angerufen, damit wir noch mal ein Pflegeprotokoll aufstellen sollen.
Kann mir jemand einen Tipp geben, auf was ich genau achten muss.
Nils kann erst seit kurzem Laufen, kann bis auf wenige Worte nicht sprechen, nicht alleine essen, sich nicht alleine anziehen etc. Man sagte uns bei der Überprüfung, das es schwer sei zu beurteilen, was können andere Kinder in diesem Alter und was kann er nicht.
Ich hasse das Gefühl, welches man vermittelt bekommt,man würde irgendwelche Mittel beantragen, die einem nicht zustehen.
Wer kann mir einen Rat geben?
Daniela35 18.04.2007, 17:05#2
Hallo!
Es gibt zum Thema Pflegetagebuch unendlich viele Fundstellen im Internet. Ich finde diese Aufstellung ganz hilfreich, weil die Unterscheidung in: Anleitung, Beaufsichtigung usw. enthalten ist.

http://www.medizinfo.de/pflege/versicherung/tagebuch.shtml

Gruß
Christiane 18.04.2007, 17:34#3
Danke,
für uns alle noch so neu, da ist man froh, das jemand einem schon mal eine Vorauswahl trifft.
Ich habe so viel gelesen, das ich schon fast nicht mehr weiß wo mir der Kopf steht.
Yvonne 18.04.2007, 18:17#4
Hallo Christine,

ein Herzliches Willkommen hier im Forum.
Lass dich von der Krankenkasse nicht unterkrigen. Sie lehnen gerne bei kleinen Kindern ab. Auch wir haben damals für die Pflegestufe 1 bei unserer Tochter kämpfen dürfen.
An deiner Stelle würde ich mir erst einmal das Gutachten anfordern welches sie erstellt haben um zu schauen, wass sie denn so alles berechnet oder gar nicht berücksichtigt haben.
Des Weiteren schaue mal hier:
http://www.behinderte-kinder.de/pflege/pfleg.htm

Ganz unten findest du eine Pfllegegeldfibel, die ein Vater erstellt hat gerade im Bezug auf Kinder. Vielleicht hilft es dir ja.

Liebe Grüße

Yvonne
Kanners 18.04.2007, 19:06#5
Christiane, ich steh an gleicher Stelle, habe eine Ablehnung bekommen und warte nun auf die Reaktion meines Wiederspruches.

Kanners
Pauline 19.04.2007, 08:52#6
Hallo Christiane,
eigentlich ist die Unterscheidung für pflegerelevante Tätigkeiten ganz einfach:
Alles, was Du zur Unterstützung seines Körpers tust, ist versichert, seelisch-geistige Unterstützung nicht.
Also: Körperhygiene, Fortbewegung, Essensaufnahme, Verdauung.
Die Argumentation, man könne bei so kleinen Kindern erhöhten Pflegebedarf nicht beurteilen, ist haarsträubend. Es gibt hier genau vorgegebene Zeiten, eben damit man es unterscheiden kann.

Laß Dir nicht so schnell den Schneid abkaufen.
Grüße
Pauline
Christiane 25.04.2007, 18:16#7
Hallo,
wollt mal berichten. Wir waren mit dem Gutachten auf einer Pflegeberatungsstelle die sich das genau angesehen haben. Die beiden Damen waren sehr bemüht und sind mit mir das Gutachten durchgegangen.
Nun versuche ich das Ganze als Widerspruch zu Papier zu bringen.
Danke für die Tipps mit dem Pflegetagebuch. Ich werde das jetzt mal eine Woche führen und dann mit abgeben.
Was mich sehr ärgert, das die Gutachten und Förderpläne der Frühförderung nicht relevant sind, da keine medizinische Einrichtung.
Grüße aus dem hohen Norden
Christiane
Yvonne 25.04.2007, 21:28#8
(Christiane @ 25. 04 2007, 18:16)
Grüße aus dem hohen Norden
Christiane
Hallo Christiane,

darf ich Fragen von wo du kommst?
Viele Eltern die man hier im Forum oder Chat kennen lernt sind meistens aus dem Süden.
Schön, dass mal wieder ein Nordlicht dazugekommen ist.
Ich komme aus Bremen.

Liebe Grüße

Yvonne
Blautopas 26.04.2007, 11:08#9
Hallo Christiane!

Die meisten frühkindlichen Autisten, die ich kenne, haben Pflegestufe 2, manche auch 3, sogar schon sehr junge im Alter Deines Sohnes.

Zitat von Pauline:
Alles, was Du zur Unterstützung seines Körpers tust, ist versichert, seelisch-geistige Unterstützung nicht.
Also: Körperhygiene, Fortbewegung, Essensaufnahme, Verdauung.

Das stimmt so nicht. Es müssen auch Beaufsichtung, Anleitung und Überwachung mit berücksichtigt werden und gerade bei Kindern mit autistischen Störung ist der Bedarf sehr hoch.
Ebenso müssen Maßnahmen zur Strukturierung des Tagesablaufs und zur geistigen Anregung angerechnet werden.

http://www.rehakids.de/phpBB2/ftopic7006-0-asc-0.html (die aktuelleste Version ist vom 5.3.07)
Die originalen Begutachtungsrichtlinien:
http://www.mds-ev.org/download/Begutachtungsrichtlinien_screen.pdf

Da bei deinem Sohn eine autistische Störung vemutet wird, auch mal hiermit beschäftigen:
http://www.rehakids.de/phpBB2....#217786
http://www.rehakids.de/phpBB2....#218148
http://www.rehakids.de/phpBB2....#217786

Noch eine Frage: Ab wann gilt der Schwerbehindertenausweis? Oft wird erst ab Antragsstellung anerkannt, aber das ist Unsinn. Viele Behinderungen sind angeboren und selbst wenn sie z.B. durch einen Unfall plötzlich entstehen, wird wohl keiner noch am selben Tag einenn Ausweis beantragen. Man kann eine Behinderung rückwirkend anerkennen lassen und dann auch die Freibeträge rückwirkend geltend machen.

Die Eltern können ja auch nichts dafür, wen sie jahrelng nach einer Diagnose suchen müssen und gerade im Bereich Autismus dauert das oft sehr lange, weil die meisten Ärzte nur den frühkindlichen Autismus kennen, aber es gibt noch andere formen, wo ein Außenstehender auf den ersten Blick niemals Autismus vermuten würde.

Dass Dein Sohn H hat, aber kein G ist auch widersprüchlich, einerseits wird er als hhilflos anerkannt, aber im Straßenverkehrr ist er nicht eingeschränkt? Finde ich äußerst seltsam.

Schau Dir mal das hier an: http://www.rehakids.de/phpBB2....#274330 (die PDF-Datei downloaden und aufmerksam lesen, wichtig sind auch die Links.

Ich würde im Fall der Anereknnung ab Antragsstellung noch die rückwirkende Anerkennung beantragen, Musterbrief kannst du von mir haben. Eventuell würde ich die Diagnose abwarten, das dürfte die Sache vereinfachen.

Bevor Ihr zur Diagnostik geht, würde ich mich auch mal gründlich über die verschiedene Autismusformen und ihre Merkmale informieren.

http://www.rehakids.de/phpBB2/viewtopic.php?t=22231&highlight=
http://www.kjp.uni-marburg.de/aut
Die offiziellen Diagnosekriterien. http://www.autismus-online.de/icd-10.htm
http://www.rehakids.de/phpBB2....#282655

Du kannst auch einfach mal in der Rubrik http://www.rehakids.de/phpBB2/forum48.html stöbern.

Liebe Grüße

Annette
slt.mama 26.04.2007, 12:01#10
Noch eine Frage: Ab wann gilt der Schwerbehindertenausweis? Oft wird erst ab Antragsstellung anerkannt, aber das ist Unsinn. Viele Behinderungen sind angeboren und selbst wenn sie z.B. durch einen Unfall plötzlich entstehen, wird wohl keiner noch am selben Tag einenn Ausweis beantragen. Man kann eine Behinderung rückwirkend anerkennen lassen und dann auch die Freibeträge rückwirkend geltend machen.
Ich würde im Fall der Anereknnung ab Antragsstellung noch die rückwirkende Anerkennung beantragen,

@Blautopas:
Rückwirkend die Freibeträge (Steuer) zu bekommen, hat sich für uns als relativ einfach herausgestellt. Und ging auch sehr schnell. Sollte man unbedingt einreichen !

ABER: weißt Du vielleicht, ob - und wenn ja, wie - man rückwirkend an Erziehungsgeld kommt ? Wir haben nur die ersten sechs Monate bekommen: mit dem Behindertenpauschbetrag (100% + H) hätte uns das Erziehungsgeld länger zugestanden.
Der Landkreis lehnt alles ab, was mehr als sechs Monate zurückliegt !
Kennst Du ein Urteil ? Irgend eine Quelle im Netz ? Oder jemanden, der das schon einmal versucht hat ?

Ich habe da einen anderen Thread in diesem Forum aufgemacht. Vielleicht magst Du mir da antworten ?

Viele Grüße !
Christiane 26.04.2007, 14:11#11
Hallo Yvonne,

darf ich Fragen von wo du kommst?
Viele Eltern die man hier im Forum oder Chat kennen lernt sind meistens aus dem Süden.
Schön, dass mal wieder ein Nordlicht dazugekommen ist.
Ich komme aus Bremen.


wir kommen aus der Nähe von Kappeln an der Schlei.

@ Annette

Ich würde im Fall der Anereknnung ab Antragsstellung noch die rückwirkende Anerkennung beantragen, Musterbrief kannst du von mir haben.

Danke noch mal für die ausführlichen Infos.
Würdest du mir den Musterbrief zukommen lassen?
Wir haben eine G im Ausweis. Und hast du eine Idee, wie man es am besten formuliert, das die pädagogischen Dinge mit in die Beurteilung mit einfliest ( Anleitung, Begleitung etc.) denn die Dame vom MD hat gesagt, das diese Dinge nicht gelevant sind.

Ich muss hier mal sagen das ich es supergut finde das es so ein Forum gibt. Ich hatte das Gefühl ich stehe vor einer Wand. So langsam bröckelt sie, denn hier bei uns auf dem platten Land ist es ein wenig schwierig an vernüftige Infos zu kommen.

Grüße aus dem hohen Norden
Blautopas 26.04.2007, 14:58#12
Zitat von Christiane,26. 04 2007, 14:11
Hallo Christiane!
Würdest du mir den Musterbrief zukommen lassen?

Dafür benötige ich Deine Mailadresse im genauen wortlaut, schreibe sie mir bitte per Pn.
Wir haben eine G im Ausweis.


Das G ist steuerrechtlich nur bei der KFZ-Steuer relevant, wenn das Auto aufs Kind zugelassen ist. dann darf man damit aber nur Fahrten machen, die wegend es kindes erforderlich sind.
Und hast du eine Idee, wie man es am besten formuliert, das die pädagogischen Dinge mit in die Beurteilung mit einfliest ( Anleitung, Begleitung etc.) denn die Dame vom MD hat gesagt, das diese Dinge nicht gelevant sind.

Pädagogische Dinge sind das nicht, das hat nichts mit Erziehung zu tun, sondern der Mehrbedarf an Beaufsichtigung etc. ergibt sich aus der Behinderung selber. Habt Ihr irgendwas Schriftliche, wo vom Verdacht auf Autismus die Rede ist? Mit einer konkreten Diagnose wäre es viel einfacher, obwohl nicht diagnosebezogen, sondern nach dem ermittelteten Pflegebedarf beurteilt wird. Aber gerade bei autismus kann man den erheblichen Mehrbedarf schon anhand von Informationsmaterial darühber und die Auswirkungen deutlich machen.

Wie man das formuliert, kann ich nicht konkret auf Euch bezogen sagen, ich kenne Dein Kind und seine Probleme ja nicht, zudem habe ich leider nicht die Zeit etwas individuell zu formulieren, ich verbringe ohnehin schon fast meine gesamte Freizeit in Foren wie diesem hier, mehr ist nicht drin.

Ich kann Dich nur nochmal auf meine obigen Links verweisen, lies Dir das durch, schau auch in die Links in den Beiträgen rein, überlege, wie es bei Deinem Kind ist und schreibe alles auf, was Dir auffällt. Das verlinkte Thema http://www.rehakids.de/phpBB2....#217786 bitte bis zum Ende lesen, da habe ich noch was zum Pfegeleistungsergänzungsgesetz geschrieben.

Und ich würde darauf bestehen, dass ein andererGutachter kommt, der sich mit den Problemen Deines Sohnes auskennt!
denn hier bei uns auf dem platten Land ist es ein wenig schwierig an vernüftige Infos zu kommen.

Naja die Infos selber kann man sich aus dem Internet besorgen, aber das Hauptproblem ist oft, dass man auf dem Land keine vernünfiten Ärzte fidnet, die sich mit der jeweiligen Behinderung auskennen.

Liebe Grüße

Annette
Holger 26.04.2007, 15:02#13
Hallo Christiane
wir kommen aus der Nähe von Kappeln an der Schlei.

Da wohnen, wo andere Urlaub machen Hab schon etwa 3mal in eurer Gegend Urlaub gemacht, zwei Mal im Frühjahr und einmal im Sommer. Glaube Nieby hieß das, wo wir mal ne FeWo hatten. Das nur mal so nebenbei.
Ich muss hier mal sagen das ich es supergut finde das es so ein Forum gibt. Ich hatte das Gefühl ich stehe vor einer Wand. So langsam bröckelt sie, denn hier bei uns auf dem platten Land ist es ein wenig schwierig an vernüftige Infos zu kommen.

Das freut mich sehr, dass dir hier weiter geholfen wird!
An dieser Stelle möchte ich mal allen danken, die hier anderen weiter helfen und eben dazu helfen, dass bei anderen "die Wand bröckelt" und sie "freie Sicht" bekommen!! VIELEN DANK im Namen aller, denen hier geholfen wird!!

Und sorry, dass ich gerade selbst nicht so viel schreiben kann, doch in ca. 2 Wochen geht unser neues Forum online und da gibt es einiges zu tun Dafür wird dann alles besser!!

Liebe Grüße,

Holger
Christiane 28.04.2007, 13:46#14
Hallo Holger!

Da wohnen, wo andere Urlaub machen  

ja das ist so, wir merken jetzt schon wieder die vielen Touristen, die es bei diesem tollen Wetter an die See treibt. Nieby...mhhh da haben unsere Freunde mal auf einem Gut Urlaub gemacht. Ist nicht so weit von uns weg, ich glaube so ne halbe Stunde.


Und nun das wesentliche, dank eurer Hilfe habe ich ein neues Pflegetagebuch angelegt. Und es ist mir mit dem Hintergrundwissen, welches ich mir nun angelesen haben wesentlich leichter gefallen. Man lernt eben nie aus.

Euch ein schönes Wochenende
Grüße aus dem sonnigen Norden
Christiane