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Heimunterbringen bei einer behinderten Erwachsenen

Gast 21.11.2004, 12:37#1
Letzte Woche waren wir auf einen Informationsabend der Lebenshilfe. Fast direkt von unserer Haustür wird ein neues Wohnhaus für behinderte Erwachsene gebaut. Unsere Tochter steht bereits seit 5 Jahren auf der Warteliste, sie ist in diesem Jahr 18 geworden und möchte gerne in dieses Haus ziehen. Eigentlich haben wir uns gute Chancen ausgerechnet, gerade auch weil sie ein umgängliches Mädchen ist und ansich mit allen gut zurecht kommt. Nun haben wir an dem Abend Elternpaare im Alter zwischen 50 und 70 gesehen, deren "Kinder" zwischen 30 und 40 sind. Jetzt glauben diese Eltern, da sie nicht mehr in der Lage sind, sich um ihre "Kinder" zu kümmern, sie hätten ein Vorrecht. Dabei haben sie sich zu früheren Zeit nie um einen Heimplatz bemüht, sondern erst abgewartet bis alles zu spät ist. Wir sehen allerdings nicht ein, warum wir nun auf einen Platz zu deren Gunsten verzichten sollten. Auch wenn sich das egoistisch anhört, unsere Tür ist immer für unsere Tochter offen, aber bis 30 oder 40 J. wollte ich sie nicht zu Hause behalten, da habe ich mir das Leben schon anders vorgestellt. Es entscheidet sich nächstes Jahr, wer einen Platz bekommt. Leider kommen auf 12 Plätze 49 Bewerber. Was haltet Ihr davon? Sollte man wirklich seine Kinder zuhause behalten, bis nichts mehr geht???
bubblegum 21.11.2004, 13:39#2
Hallo Ute,
bis wir soweit sind, das Nicole ausziehen kann oder vielleicht auch will ist ja noch lange hin. Aber ich bin auch eher dafür die Kinder rechtzeitig ausziehen zu lassen. Wenn es dann nämlich aus irgendweinem Grund nicht klappt mit der Selbstständigkeit können sie ja wieder zurückkommen. Außerdem hat man selber ja auch mal ein Recht auf ein "freies" Leben.
Gast 22.11.2004, 10:49#3
Hallo,

du hast völlig Recht, man hat auch Anspruch auf ein eigenes Leben, zumal deine Tochter ja auch den Umzug möchte.
Wie ist das denn mit den Kosten für das Heim, wer zahlt das denn und wie teuer ist so ein Platz?

Gruß, Susanne
Gast 26.02.2005, 20:09#4
Sorry, war lange nicht im Forum, hatte viel zu tun.

Also wir haben einen Antrag beim zuständigen Landschaftsverband Rheinland gestellt. Wir müssen unsere finanziellen Verhältnisse offen legen, aber max. pro Monat 46 EUR dazubezahlen. Alles andere wird über die Eingliederungshilfe, Grundsicherung finanziert. Allerdings bleiben unserer Tochter max. 250 EUR Taschengeld pro Monat. Das klingt im ersten Moment viel, aber sie muss davon Kleidung, Kosmetik, Hygienemittel, Arznei, Arztkosten (10,-EUR pro Quartal) sowie Urlaub bezahlen. Sie darf nicht mehr als 2.000 EUR gespart haben. Zur Zeit verwalten wir auf unserem Namen ihr Geld, um ihr später bröckchenweise etwas zurückgeben zu können.

Was sind wir froh, nicht gebaut zu haben und keine eigenen Immobilien zu haben. Das Erbrecht ist nämlich auch nicht zu verachten!!!!!
Gast 30.04.2005, 10:02#5
Es ist ein bissel spät für diesen Kommentar, immerhin liegt der Eintrag schon ein paar Monate zurück. Aber ich muss mal ein paar Anmerkungen zu den sogenannten älteren Herrschaften machen, die jetzt einen Heimplatz für ihre behinderten Kinder suchen. Als deren Kinder vor 30-40 Jahren geboren sind, da gab es keine guten Einrichtungen, in die man gerne seine Angehörigen gab. Diese "alten Eltern" haben mit dazu beigetragen, das es jetzt überhaupt möglich ist, Lebenshilfe und andere Institutionen in Anspruch nehmen zu können. Für jüngere Eltern ist es selbstverständlich auf Frühförderung, Therapien, schulische Unterstützung oder auch Heimunterbringung zurück greifen zu können. Diese Angebote sind da, die sich die Eltern früher mühsam erkämpfen mussten. Und wenn ich sehe, das mein Kind "relativ" fit, es keine besonderen körperlichen Ansprüche an mich stellt, dann wäre ich gerne bereit noch ein Jahr auf einen Heimplatz zu warten um den gerade freien Platz einem älteren Elternpaar zukommen zu lassen. Früher wurden diese Eltern auch informativ nicht so gut begleitet wie heute, so dass sich sicherlich niemand vorstellen konnte, sein Kind irgenwann einmal hergeben zu müssen. Es ist wohl eher die Ausnahme, sich bei einem ca. 10 jährigen Kind schon mal um einen Heimplatz zu bemühen. Und das vor 30 Jahren, mit total anderen Vorstellungen von Heimunterbringung wie in der heutigen Zeit. Leider neigen wir alle dazu, unsere eigenen Vorstellungen und Wünsche als allgemein richtig anzusehen. Ich wünsche jedem, das er seine Vorstellungen bzgl. seines behinderten Kindes realisieren kann....aber ich weiß, dass es eigentlich nie klappt.
Liebe Grüße von Hanne
Gast 10.07.2005, 13:43#6
Hallo Hanne, später Kommentar noch spätere Antwort. Ich weiß, dass jeder der ein behindertes Kind hat, ganz egal wie alt es ist, es schwer hat.

Dennoch kann ich jedem wirklich raten, sich rechtzeitig um alles zu kümmern. Als Elternteil hat man immer ein "schlechtes Gewissen", wenn es darum geht, sein Kind ziehen zu lassen. Wir sehen unsere Kinder immer kleiner und hilfloser, als sie eigentlich sind. (Wer ehrlich in sich hineinhorcht, stimmt mir zu)...

Nadine war jetzt für knapp 3 Wochen in einer Einrichtung zum Probewohnen. Was soll ich Euch sagen, es kam genauso, wie ich es dachte. Als sie am Donnerstag vergangener Woche nach Hause kam, war sie traurig, dass die Zeit so schnell umgegangen ist. Sie wäre gerne länger geblieben. Sie macht uns nun Druck und möchte ganz dort hin...und wir? Wir fühlen uns hin und her gerissen...

Aber sie hat ein Recht auf ein eigenes Leben, ohne unsere Regeln. Sie ist nun 19 Jahre alt, hätte sie keine Behinderung, würde sie uns vermutlich schon längst gezeigt haben, wo es lang geht.

Das Problem ist nur hier in Deutschland, dass auch solche Einrichtungen mit Kürzungen der Regierung zu kämpfen haben. Leider.... wir stehen nach wie vor auf der Warteliste...Das Haus, was bei uns in der Nachbarschaft gebaut werden sollte, steht immer noch nicht. Sie haben mit dem Bau noch nicht einmal begonnen. Die Gelder hängen irgendwo im System fest...

In der Einrichtung, in der unsere Tochter zu Probe war, gibt es hauptsichlich nur Doppelzimmer, das finden wir nicht gut. Alternativen zu finden, gestaltet sich als schwierig. Da nicht alle Häuser die Werkstatt anfahren in der Nadine seit einem Jahr arbeitet...Wir bemühen uns seit Jahren und stehen genauso lange auf den Wartelisten. Eigentlich haben wir uns das im Traum nicht so schwer vorgestellt....daher unsere Bemühungen... aber die Realität sieht anders aus - leider.


Wir haben am kommenden Freitag einen weiteren Termin im Wohnheim, vielleicht erfahren wir dann mehr....wir hoffen es so sehr für unsere Tochter...

Wir können nur jedem den Rat geben, nicht bis zuletzt zu warten. Denn eines ist klar, die Zeiten werden nicht besser...