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Pubertät oder was???

Kirsten 05.03.2007, 15:48#1
Hallo guten Tag.

Mein Sohn ist 16 Jahre, geisitig behindert, blind und hat Epilepsie. Er gilt zwar als therapieresistent, wir haben es aber geschafft, daß er relativ gut eingestellt werden konnte. (Lamictal- billig-Ausführung von Hexal) und Luminal.(War früher das Billigste, jetzt auch kräftig im Preis gestiegen) Mit seinen 16 Jahren ist er schon fest in der Pubertät. Wir haben schon oft sehr belastende "Bock"-Zeiten hinter uns. Im Münchner Kinderzentrum wurde uns da sehr geholfen. Bis jetzt sind wir auch gut zurechtgekommen. JE mehr aber Stefan jetzt auch durch das Mobilitätstraining selbständiger wird, umso bockiger wird er. Morgens bekommen wir seine Schuhe nicht angezogen. Die Frau vom Fahrdienst muß reinkommen und schwupp, wie von selbst können wir die Schuhe anziehen. Auch in der Schule klappt alles und Stefan ist ganz gut ausgeglichen. Zuhause markiert er dann wieder den starken Mann. Stefan versteht viel, spricht viel, aber nur begrenzt sinnvoll. Seine Finger der rechten Hand sind schon ganz deformiert. Er schlägt ja mit großer Kraft gegen den Helm. (zum Schutz bei Anfällen) Wenn er den Helm nicht auf hat, dann haut er sich auch so an den Kopf, oder Stirn. Den Finger stößt er voller Wucht kerzengerade in den Boden. Mir wird manchmal schlecht vor Angst, meinem Kind könnte etwas dabei passieren. Wenn ich ihn vor ihm selbst dann schützen will, wird er ganz rebellisch. Bei Oma kann er auch wieder der liebste "kleine" sein. Bestimmt liegt es auch an uns, vor allem an mir. Man verwöhnt sie am Anfang doch zu sehr. Das habe ich im Kinderzentrum gelernt. Ich bin nur froh, daß er in der Gruppe zufrieden und sehr umgänglich ist. Stefan lässt sich auch auf alles gutmütig ein. Ich denke meine Ausführung kommt vielen bekannt vor und doch hat der eine oder andere von euch einen Tipp, wie ich dieses "blöde" Muster wieder durchbrechen kann und unser Alltag wieder etwas stressfreier und harmonischer werden kann.
Viele Grüße
kirsty
katrinchen 05.03.2007, 18:43#2
Hallo Kirsty!
Ich habe ja selbst keine Kinder, sondern studiere noch, aber für mich hört sich das sehr danach an, dass dein "Kleiner" selbstständig werden will. Natürlich muss er dann sein Verhalten besonders seiner Mutter deutlich machen- ist ja bei Jungs ohne Behinderung auch so
Für mich hört sich das so an, als würde Stefan im Rahmen seiner Möglichkeiten versuchen, seinen Kopf durchzusetzen. Daher würde ich versuchen, ihn "erwachsener" zu behandeln, ihm mit anderen Worten mehr zutrauen. Vielleicht geht das, indem du ihn mehr selbst entscheiden lässt- eben so wie es seinen Möglichkeiten entsprechend geht. Beispiel Schuhe anziehen: Vielleicht kann er die Schuhe für den Tag aussuchen oder entscheiden, ob erst Jacke oder Schuhe angezogen werden. Wenn du seine Meinung berücksichtigst, müsste er sich eigentlich verstanden fühlen und bräuchte sich nicht mehr selbst zu verletzen. Aber wie gesagt, dass ist nur eine Theorie von mir...
Liebe Grüße
Inge 05.03.2007, 19:39#3
Hallo Kirsty,

wenn Annika ihren 'Koller' kriegt, anfängt zu schreien und sich immer wieder in die Hand beißt, dann sag ich ihr, dass sie selbst wissen muss, was sie macht, mir das Schreien und Beißen aber auf den Wecker geht, und dass ich erst mal rausgehe. Ich muss natürlich in Hörweite bleiben, aber ich gehe aus ihrem Blickfeld raus. Ich habe festgestellt, dass dieses Verhalten bei ihr größtenteils Provokation ist, mit der sich mich nerven will (na ja, sie schafft es immer noch oft genug).
Wichtig war für mich, dass ich mich nicht für das Schreien und Beißen verantwortlich fühlte. Seitdem kann ich wesentlich entspannter mit Annikas Aggressionen umgehen.
Was Katrinchen schreibt, ist natürlich auch eine Möglichkeit: auch bei Annika war es immer eine gute Ablenkung, wenn ich ihr die Auswahl für irgendetwas überließ (die Schuhe mit den Bändern oder die mit Klett; beim Essen: Käse oder Wurst).
Vielleicht hilft es ja, wenn Du Stefan zwei Sweat-Shirts zum Fühlen gibst und fragst dann, welches er anziehen will, oder - wie Katrinchen vorgeschlagen hat - zuerst Jacke oder Schuhe.