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Asperger Autismus - Schule ja oder nein

anubis 13.10.2004, 10:10#1
Hallo Leute,
ich finde dieses Forum wirklich klasse und hab mal eine Frage einfach so an Euch bzw. möchte einfach mal erzählen.
Mein Sohn (Asperger Autist 5 1/2) muß im nächsten Jahr zur Schule. Nun haben wir schon das Schreiben vom Schulamt zur Anmeldung vorliegen, mit unserer Therapeutin von der Autismus-Ambulanz schon darüber gesprochen, mit der Integrationskraft im KiGa auch, Besuch für Hospitation an einer in Frage kommenden Schule (Sonderschule für Kommunikationsstörungen) steht auch an, da kam mir die Idee, von der ich nicht weiß, ob sie gut ist, ob es Sinn macht, die Zurückstellung für 1 Jahr (noch ein weiteres Jahr geschützter KiGa) zu beantragen... *seufz* Ein bißchen habe ich Angst, mein so unselbstständiges Kind in die weite Welt zu schicken, selbst wenn's mit Integrationshelfer in kleinen Klassen etcpp. ist, ist es ja nicht das Gleiche wie im KiGa. Er kann sich nur sehr schlecht konzentrieren und ist furchtbar schwierig zu motivieren, wenn dann nur über seine Spezialinteressen (typisch für Asperger Autismus), meine Frage, wenn sie sicher hier auch nur schwer zu beantworten ist (Ihr kennt uns ja nicht), was haltet Ihr -einfach mal so- von der Idee, die Zurückstellung zu beantragen. Lt. Kindergärtnerin würde es ihm -wenigstens in Bezug auf die Verbesserung seiner sozialen Kompetenzen- weiterhelfen, ansonsten vermute ich, könnte er nicht viel -außer Zeit schinden- hinzugewinnen, in dem Jahr, zudem würde die Grundschule in der Schule unserer Wahl, wenn sie denn bewilligt würde, eh 5 statt 4 Jahre dauern.
Also, was meint Ihr?
Danke fürs Lesen und für Eure unverbindliche Ansicht.
Gruß anubis.
Wolfgang 13.10.2004, 11:01#2
Hallo Anubis,
wie Du bereits schreibst, kann die Antwort auf diese Frage natürlich nur an den Eigenschaften des Kindes selbst festgemacht werden, und das kennst Du selbst am besten.
Dein Sohn ist noch recht jung. Wenn Du selbst das Gefühl hast, dass es das Beste für ihn ist, und auch die Fachleute dem zustimmen, dann lasse ihn doch ein Jahr zurückstellen. Ob er nun mit 6 oder mit 7 Jahren in die Schule kommt ist nicht so wesentlich. Wenn die Hoffnung besteht, dass er in der Zwischenzeit seine sozialen Fähigkeiten verbessert und dann ein Jahr später einen besseren Start in der Schule hat, warum nicht?
Auch völlig normalbegabte Kinder werden z. T. erst mit sieben Jahren eingeschult.

Ciao,
Wolfgang
Nina_AT 13.10.2004, 23:11#3
Hi Anubis,

ich würde auch sagen, dass du mit Hilfe von Fachkräften sicherlich die Rückstellung beantragen kannst und diese deinem Sohn sicher nicht schaden wird.
In dem gewonnenen Jahr kann er seine sozialen Kompetenzen verbessern, ihr könnt mit ihm an Motivation udn Konzentration arbeiten.
Dann ist der Einstieg in die Schule bestimmt leichter. Ausserdem vermeidet ihr so frustrierende Erlebnisse, falls jetzt noch nicht alles klappen sollte. Vielleicht sperrt er sich dann gänzlich gegen die Schule, wenn er schlechte Erfahrungen macht.

Letzendlich ist es natürlich deine/eure Entscheidung. Aber es ist sicher kein "verlorenes" Jahr.

Liebe Grüße, Nina

Natalja 19.10.2004, 13:02#4
Hallo, Anubis!
Du brauchst Dich doch noch nicht jetzt festzulegen, oder? Und bis April-Mai kann sich noch einiges ändern. Einen guten Rat zu geben, ohne Dein Kind zu kennen, ist schwer, wie Du selbst weißt. Deshalb erzähle ich einfach in Kürze unsere Geschichte, in der Hoffnung, dass Du vielleicht einige Schlüsse daraus ziehen kannst.
Unsere Tochter ist in ihrer Sprachentwicklung verzögert, hat einige Verhaltensauffälligkeiten, kleinere Probleme in Fein- und Grobmotorik, pathologisches EEG und keine klare Diagnose, d.h. vermutlich eine milde Form von Asperger Syndrom. Sie wurde im August 7 Jahre alt und geht in die 1. Klasse einer Schule für Sprachbehinderte. Da sie letztes Jahr kein „Musskind“ war, haben wir erst gar nicht versucht sie einzuschulen, obwohl sie schon großes Interesse an Lesen und Schreiben zeigte. Im letzten KiGa-Jahr wurde die Integrationshilfe intensiviert, um sie besser auf die Schule vorzubereiten. Wir hatten große Angst, keine geeignete Schule für sie zu finden. Die Schule für Sprachbehinderte erschien uns als die beste Lösung: kleine Klassen (max. 12 Kinder), zwei Pädagogen, viel individuelle Förderung. Als wir im April diese Schule besuchten und eine Unterrichtsstunde in der ersten Klasse miterleben durften, haben wir uns beide gefragt: „Warum haben wir unsere Tochter nicht schon letztes Jahr hierher geschickt?“ Es wäre jedoch höchstwahrscheinlich nicht gegangen, da die Plätze in dieser Schule immer knapp sind, und alle Kinder, bei denen es nur irgendwie geht, werden zurückgestellt. Unsere Tochter ist jetzt eine der Jüngsten in ihrer Klasse, 6-jährige gibt es da überhaupt nicht. Sie geht sehr gerne in die Schule und macht die Hausaufgaben mit Lings.
Falls Du fragen an mich hast, würde ich mich gerne mit Dir ausführlicher unterhalten. Ich hätte auch einige Fragen an Dich wegen der Schule für Kommunikationsstörungen. Was für Kinder gehen dorthin, wie ist das Programm? Merkwürdigerweise hat uns keiner von so einer Schulform erzählt. Wir (mein Mann und ich) kommen aus Russland und kennen uns daher noch nicht besonders gut aus.
Liebe Grüße,
Natalja