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Beratung/Begleitung von Eltern behinderter Kinder

**Claudia** 04.07.2009, 12:00#1
Ihr Lieben,

ich bin mittlerweile gut im Gespräch mit einer Berartungsstelle, die hier auch lokalpolitisch aktiv ist, um Eltern in ihrer Erziehungskompetenz zu unterstützen.

Es ging damit los, dass ich mir ja vor einiger Zeit Gedanken über Fortbildungsangeboten für (Pflege)eltern von behinderten Kindern gemacht habe, konzentriert haben wir uns in einem gemeinsamen Gespräch jetzt aber erst mal auf die "Basis", die auch in Einzelberatungen statt finden kann (unsere Beratungsstelle ist da sehr engagiert):

- Wie stärke ich mein Selbstvertrauen?
- Wie gehe ich selbstbewusst mit der Behinderung meines Kindes um?
- Wie überträgt sich mein Selbstvertrauen auf mein behindertes Kind?
- Wie sehr fühle ich mich abhängig von "guten Menschen"
- Was kann ich selbst in die Hand nehmen`?
- Wie "widerstandsfähig" bin ich, wenn ich falsch verstanden werde oder in eine "falsche Schublade" einsortiert werde?
- Auf wieviel "Hilfe" bin ich wirklich angewiesen?
- Kann ich auch "Nein" sagen, wenn mir Therapien angeboten werden, die ich für überflüssig halte?



Ich fände es prima, wenn Ihr vielleicht Eure Gedanken zu den Fragen oder zu einzelnen Fragen, mal dazu aufschreibt - gerne auch per PN oder Email.

Ich muss gestehen, dass ich mich in einigen Punkten auch nur schwer einfühlen kann, da wir ja eine komplett andere Ausgangssituation haben.

Das "Ideal", das mich motiviert ist insgesamt ein "entspannterer" Umgang beim Thema "Behinderung" und vor Allem die "Hilfe zur Selbsthilfe".
"Ideal" fühlt sich für mich an, wenn Eltern behinderter Kinder ein gutes Selbstwertgefühl haben und sich nicht auf die "Gnade und Güte" von "guten Menschen" angewiesen fühlen müssen - aber sich auch nicht scheuen, fachliche Unterstützung anzunehmen, wenn sie diese Unterstützung brauchen.

Ich stelle immer wieder fest, dass das Thema doch noch mit einem gewissen Schamgefühl behaftet ist, ich hatte neulich ein Gespräch mit einem Lehrer, das mich sehr nachdenklich gemacht hat.
Da ging es darum, dass Schulen z.B. Freizeitangebote machen und die behinderten Kindern nur bei diesen Freizeiten die Chance haben, mal "herauszukommen".

Da fühle ich mich wie ein Alien, wir schleppen unsere Kleine so ziemlich überall mit hin, es sei denn, es geht ihr wirklich schlecht.


Fragen über Fragen.
Ich stehe im Moment am Anfang des Weges und habe mich jetzt erst mal mit anderen Pflegeeltern ausgetauscht, die vieles ähnlich empfinden wie ich.

Es ist für mich auch schwierig, die Frage hier bei "Intakt" zu stellen, weil meine Wahrnehmung hier eine andere ist:
wenn ich etliche Beiträge durchlese (als Beispiel mal Inge, Kirsty, aber auch die vom "kantiken Helmut" :grins:), habe ich nämlich das Gefühl, dass es sich hier um lauter eigenständige Persönlichkeiten handelt, die sich doch bestimmt nicht vom "Gutmenschentum" anderer abhängig machen (lassen)?

Trotzdem beschleicht mich aber IRL immer wieder das Gefühl, dass etliche Eltern von behinderten Kindern etwas "Coaching" gut täte, um sich selbst wieder als vollwertiger Mensch zu fühlen und nicht als "Opfer"....und sich etliches aus der Hand nehmen lassen, dass sie selbst in die Hand nehmen könnten.
Gerade das "selbst in die Hand" nehmen, verstärkt meiner Meinung nach auch den Selbstwert, das Selbstbewusstsein, das Selbstvertrauen.


Ich gehe z.B. automatisch ganz platt davon aus, dass wir so akzeptiert werden wie wir sind - und wer das nicht tut, hat für sich ein Problem...nicht ich.
HHelmutS 11.07.2009, 16:25#2
AW: Beratung/Begleitung von Eltern behinderter Kin

Hi Claudia,

du komms auf Klöpse ;-).

Das Thema gehört eigentlich eher in den Bereich Sozialkunde in der Schule/Oberstufe. Da werden oft schon die Grundsteine dafür gelegt, das Eltern mehr Probleme mit einem behinderten Kind haben, als es bei besserer "Vorbereitung" u. Aufklärung nötig wäre.

Um Eltern jetzt noch zu helfen, ist es in vielen Fällen fast schon zu spät ;-).

Hat eine Mutter Probleme mit Therapien oder Ärzten, und fragt im Internet nach Hilfe, lauten die meisten Antworten oft : Du kennst dein Kind am besten... entscheide du selbst. Nach vielen Jahren Internet u. persönlicher Erfahrung mit dem Thema, brauchen Menschen die solche Antworten geben, mehr Hilfe als Eltern die solche Fragen stellen.

Viele Probleme fallen unter den Oberbegriff "Konfliktbewältigung". Zu dem Thema wurden "zu meiner Zeit" immer wieder Bildungsurlaube u. Wochenenden von verschiedenen Trägern angeboten, die einem ein Stück auf einen besseren Weg helfen können.

:-) Helmut
**Claudia** 11.07.2009, 20:53#3
AW: Beratung/Begleitung von Eltern behinderter Kin
Zu dem Thema wurden "zu meiner Zeit" immer wieder Bildungsurlaube u. Wochenenden von verschiedenen Trägern angeboten, die einem ein Stück auf einen besseren Weg helfen können.

Na, wie uralt biste denn, Helmut?:-P

Aber genau solche Bildungsurlaube klingen nach einer prima Sache. Welche Träger waren das denn (nur Behindertenverbände oder auch andere....)?

Es gibt Stellen, mit denen ich derzeit aktiv im Dialog stehe und die sich der Thematik ernsthaft annehmen.
HHelmutS 11.07.2009, 21:40#4
AW: Beratung/Begleitung von Eltern behinderter Kin

Hi Claudia,

alt genug um das so sagen zu können, tu ich da mal sagen... ;-)

Als die Probleme in unserer Familie damals... so vor 20 J. immer größer wurden, bekam ich vom Jugendamt, dem Verein für Industrie u. Sozialarbeit.. oder wie er heute heißt : Verein für Kirche u. Gesellschaft, ( ein Abl. von der Ev. Kirche ) solche Angebote. Sowas gabs aber auch vom Bundesverband für Körper u. Mehrfachbehinderte, ( oder war´s der andere Verein der so ähnlich heißt ?) wo ich 2 mal als "einziger Elternvertreter" unter Fachkräften landete... was zeigt wie es um das Interesse von Eltern an solchen Themen bestellt war, und wohl auch noch ist.

:-) Helmut
**Claudia** 11.07.2009, 21:43#5
AW: Beratung/Begleitung von Eltern behinderter Kin
wo ich 2 mal als "einziger Elternvertreter" unter Fachkräften landete... was zeigt wie es um das Interesse von Eltern an solchen Themen bestellt war

Hallo Helmut,

ich würde gerne mal an der Aussage dran bleiben - weil ich mir überlege: woran liegt das Desinteresse bei den benannten Eltern?
HHelmutS 11.07.2009, 21:57#6
AW: Beratung/Begleitung von Eltern behinderter Kin

Das ist nach meinen Erfahrungen im Internet und bei solchen Seminaren leicht zu beantworten : Weil viele Eltern, obwohl sie wissen das sie zu wenig wissen, zu sehr von sich überzeugt sind, als das sie sich von Menschen, die ihrer Meinung nach in völlig anderen Situationen Leben, etwas sagen lassen, oder deren unbequeme Ratschläge einfach annehmen können.

:-) Helmut
**Claudia** 11.07.2009, 22:04#7
AW: Beratung/Begleitung von Eltern behinderter Kin

....traurig dann aber für die Eltern, die sich weiterbilden wollen (da sind wir wieder beim Ursprungsthema) :-(.
HHelmutS 11.07.2009, 22:14#8
AW: Beratung/Begleitung von Eltern behinderter Kin

Ja... aber so ist das Leben nunmal. Gehst du zu oft auf Seminare, auf denen Fachkräfte überwiegen, wirst du hinterher von anderen Eltern wegen deiner Meinung schnell gesteinigt... muß ich auch meiner Erfanrung damit sagen.

Wobei ich wiederum bedenken muß : Wie oft haben Otto Normalverbraucher Kontakt zu Ärzten und Therapeuten ? Ich hatte seit meinem 11. Lj. selbst üder 30 Operationen, bin aufgrund einer blöden Krankheit, meist 4 mal öfter beim Arzt als andere.... dazu die Arzt u. Therapeutenkontakte die durch Sonja, meine Frau, und meine Betreuten dazu kommen..... Da bleibt nicht aus das man eine andere Meinung zu sowas hat.

:-) Helmut
**Claudia** 12.07.2009, 09:12#9
AW: Beratung/Begleitung von Eltern behinderter Kin

Hallo Helmut,
Da bleibt nicht aus das man eine andere Meinung zu sowas hat.

da habe ich mal einen schönen Spruch gelesen:
"...auf seine Mitmenschen antwortet jeder mit seiner eigenen Biographie."
elfriede 12.07.2009, 10:28#10
AW: Beratung/Begleitung von Eltern behinderter Kin

Ich gehe z.B. automatisch ganz platt davon aus, dass wir so akzeptiert werden wie wir sind - und wer das nicht tut, hat für sich ein Problem...nicht ich.
__________________

hallo claudia.

das stimmt genau,für mich auf jeden fall.
HHelmutS 12.07.2009, 11:18#11
AW: Beratung/Begleitung von Eltern behinderter Kin

Hallo Claudia, Hallo Elfriede,

genau darin wird das Problem liegen... denn woher soll jemand wissen "wie man ist und warum man so ist" , wie man ist..... ?

:-) Helmut
elfriede 12.07.2009, 12:48#12
AW: Beratung/Begleitung von Eltern behinderter Kin
Zitat von HHelmutS
Hallo Claudia, Hallo Elfriede,

genau darin wird das Problem liegen... denn woher soll jemand wissen "wie man ist und warum man so ist" , wie man ist..... ?

:-) Helmut


hallo helmut.:-)
das stimmt.
aber es hat ja jeder sein paket zu tragen,und wir werden verstanden von menschen die mit uns im gleichen boot sitzen.und mir reicht das vollkommen aus.
ich muss ja nicht den anderen,mein persönliches paket öffnen.
hab ich auch schon gemacht,doch bringen tut es mir nichts.
**Claudia** 12.07.2009, 13:17#13
AW: Beratung/Begleitung von Eltern behinderter Kin

Ich schlage mal eine Brücke zwischen der "eigenen Biographie" und dem "sich öffnen" und beziehe mich bei Zweiterem auf das Thema "Beratung".

Was ich in den letzten Jahren mehr oder weniger intensiv erlebt/erfahren habe ist, dass auch (im Sinne von "sowohl/als auch") in der Berater-Klienten-Beziehung sehr achtsam mit der eigenen Biographie umgegangen werden muss: seitens der Berater!

"Wir Klienten" leben oft in der Vorstellung, dass unsere Berater "gottgleich" sein müssen oder sind und über allen Dingen stehen.
Seitdem ich aber intensiver auch als "Vermittler" mit Beratungsstellen zu tun habe (ich begleite ja gelegentlich auch ratsuchende Eltern zu einem Erstgespräch oder vermittle den Erstkontakt) und inzwischen auch erlebt habe, dass ein Therapeut einer borderlinekranken Frau ein Kind gemacht hat, empfehle ich Ratsuchenden auch gut hinzugucken.

Für den Ratsuchenden kann es in einer Katastrophe enden, wenn der Berater seine persönlichen Gefühle auf ihn überträgt oder eine Erwartungshaltung in den Klienten projeziert, die der Klient nicht erfüllen kann - oder sein Klientel gleich mal in eine Schublade steckt, weil man "seit Jahren diese Erfahrung macht".

Ich nehme mich da als Gruppenleiterin übrigens nicht aus - mir passiert es auch immer wieder mal, dass ich jahrelang gemachte Erfahrungen auf Mitglieder übertrage, die dann aber nicht passen.

Auch ich habe gelernt, sehr gut darauf zu achten, mit welcher Fachkraft ich über was rede.

Es ist manchmal ganz schwierig, den Klarblick zu behalten oder zu bekommen.