Archiv des früheren intakt-Forums (schreibgeschützt, Beiträge bis 2020) · Zum aktuellen Forum: community.intakt.info · www.intakt.info

Betreuung im Alltag

Merisa 10.05.2009, 21:38#1
Hallo zusammen,

in bin alleinerziehende Mutter, eigentlich immer positiv denkend und gut drauf, mit einem 14-jährigen Teenager, Gymnasium, mit ADS, schwerer Form der Legasthenie, weitere Teileistungsstörungen. Trotz aktiver Pubertätsphase verstehen wir uns immer noch recht gut. ;-)

Soweit sogut.

Nun ist es aber so, dass mein Sohn eigentlich nur deshalb so weit gekommen ist, weil ich seit seiner Geburt alles Erdenkliche für ihn gemacht habe, um ihn auf seinem Lebensweg zu helfen (Fortsetzung der Ergotherapie nach Anleitung, Legasthenietraining, ADS-Coach, ...) Dies bedeutet für mich auch heute noch täglich mehrere Stunden Unterstützung.

Da ich selber mit denselben Behinderungen kämpfe, bin ich mittlerweile völlig am Ende meiner Kräfte und mit der weiterhin notwendigen Hilfe überfordert. Wer oder was kann uns helfen?

1.) Zunächst bräuchte ich eine g u t e Anlaufstelle, wo ich mal mit jemandem gemeinsam unsere Familiensituation vertraulich(!) besprechen und Hilfsmöglichkeiten planen kann. Gibt es sowas überhaupt? An wen wende ich mich da am besten?

2.) Seit einiger Zeit denke ich daran, Pflegegeld zu beantragen, weil ich doch die ganze Zeit diese Unterstützung gemacht hatte. Was genau ist Pflegegeld und wer hat ein Recht darauf? Steht uns das Geld zu? Kann man das rückwirkend beantragen?

3.) Und ich wüßte gerne, welche Erfahrungen Ihr mit Schulpsychologen gemacht habt? Kann ich denen vertrauen, ohne dass mein Sohn Nachteile in der Schule erleben muss (eine Beratung also als vertraulich betrachten)?

Habt Ihr vielleicht noch andere Ideen, die mir noch nicht eingefallen sind? Evtl. Behinderten-Beratungsstellen?? Kennt jemand sowas? Was machen die?

Hoffnungsvolle Grüße
Merisa
mama123 11.05.2009, 12:35#2
AW: Betreuung im Alltag

Hallo,
herzlich willkommen hier bei uns.

Ich kann dir auf deine zweite Frage antworten.
Pflegegeld kann man nicht rückwirkend beantragen. Es wird immer, wenn es gezahlt wird, ab dem Datum der Antragstellung bezahlt.
Pflegegeld bekommt man, wenn man Hilfen in der Pflege benötigt, also Körperpflege (Duschen, Waschen, Zähne putzen usw.) Hilfe beim Toilettengang, Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme. Außerdem zählt noch Unterstützung bei der Mobilität, dazu und auch noch die hauswirtschaftliche Versorgung ( besonders aufwändige Zubereitung des Essen, erhöhtes Wäscheaufkommen usw.)
Für die Pflegestufe 1 brauchst du 90 min am Tag Mehraufwand gegenüber einem gleichaltrigen nicht pflegebedürftigen Kind. Von diesen 90 min müssen mindestens 46 auf die reine Grundpflege ( Körperpflege, Anziehen, Hygienische Versorgung usw.) entfallen.

Irgendwo hier auf der Seite (ich finde leider den Link nicht) findest du auch eine ausführliche Pflegefibel, in der alles genau erklärt ist. Gib mal Pflegegeld oder Pflegefibel in der Suche ein, da findest du es sicher.

Ich hoffe, ich konnte dir wenigstens diese eine Frage einigermaßen verständlich erklären.
Zur Frage 1 könntest du mal bei der Caritas oder der Lebenshilfe nachfragen. Vielleicht wissen die jemanden, der dir da weiterhelfen kann.

Zu deiner anderen Frage kann ich dir leider nichts sagen.

Liebe Grüße

Dagmar
Simone Eckenroth 12.05.2009, 08:32#3
AW: Betreuung im Alltag

Hallo,

weil's mir gerade spontan zu 1) einfällt:
eigentlich müsste es in Mainz eine/n Behindertenbeauftragten und/oder eine städtische Beratungsstelle für Menschen mit Behinderung geben. Vielleicht auch ein Selbsthilfebüro oder ähnliches?
Im Zweifelsfall "oben" anfangen und beim Büro des Behindertenbeauftragten für RP nachfragen (Dienstsitz Mainz).

Schönen Tag noch,
viele Grüße
Simone
reha4kids 19.06.2009, 09:20#4
AW: Betreuung im Alltag

Hey :)

Es gibt doch noch die Leistungen aus der ehem. "Pflegeleistungsergänzung" - seit Juni 2009 nennt sich das Betreuungsgeld bei eingeschränkter Alltagskompetenz.

Es ist dabei auch keine Pflicht, in eine Pflegestufe eingestuft zu sein. Es gibt durchaus Fälle, wo die eingeschränkte Alltagskompetenz festgestellt wird, jedoch aber keine Pflegeeinstufung statt gefunden hat.

Je nach Grad der Einschränkung gibt es zwischen 100 und 200 Euro im Monat. Dieses Geld wird jedoch NICHT ausgezahlt oder erstattet, sondern muss direkt mit der KK abgerechnet werden. Das können Dienste, die eine Anerkennung eines "niedrigschwelligen Betreuungsangebotes" haben z.B. VdaK Zulassung. Ein FuD hat das in der Regel.

Vielleicht einfach mal bei der Pflegekasse beantragen.

Liebe Grüße
schokomaus 10 23.06.2009, 20:02#5
AW: Betreuung im Alltag

Hallo Merisa,
ich versuche, mal alles zusammen zu fassen:

Einen Pflegegeldantrag mußt Du bei Deiner KK (zuständig dabei die Pflegekasse der KK-ist die gleich Anlaufstelle) stellen-der Medizinische Dienst (MDK) wird dann bei einem vorher angekündigten Hausbesuch den Grad der Behinderung und einen eventuellen Mehrbedarf an Betreuung ermitteln, der Dir dann von der KK mitgeteilt wird. Es unterscheiden sich mittlerweile 4 Pflegestufen(PS)-von 0-3 staffelt sich das. Die PS 1-3 richtet sich nach der Pflegezeit-das hat Dagmar schon alles erklärt. Ganz neu ist die PS 0, die demenzerkrankte und in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkter Menschen genommen wird. Hier kommt die niederschwellige Betreuung zum Zuge, die bei der Sozialstation Deines Wohnortes meist durch geschultes Personal geleistet wird, damit Du mal ausspannen oder Termin wahrnehmen kannst, die mit zu Betreuenden nicht machbar wären. Der Mehrbedarf an Betreuung muß aber vom MDK befürwortet sein! Die Kosten dafür übernimmt die KK dann!
Anlaufstellen für ein Gespräch zur Alltagsbewältigung und allgemeine Fragen bei Behinderungen sind die Gleichstellungs-oder Frauenbeauftragten, die es in den meisten Gemeindeverwaltungen und Städten gibt-einfach mal im Rathaus nachfragen!
Was noch wichtig wäre: Beim Versorgungsamt einen Schwerbehindertenausweis (SBA) beantragen-damit hast Du (je nach Grad der Behinderung) noch einige Begünstigungen im öffentlich Leben!
Ich wünsch Dir viel Glück bei Deinem Vorhaben...ist meist viel Schreibkram, aber das sollte Dich nicht abhalten!