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Pflegeeltern

Klaus Brandl 07.03.2009, 22:34#1
Erwachsener behinderter Pflegesohn zieht zur Lebenshilfe.
Wie geht es in der Familie weiter ? Wie finanzieren sich
die Familiären kontakte ?
Bin über jede Information dankbar.
**Claudia** 08.03.2009, 12:21#2
AW: Pflegeeltern

Hallo Klaus,

ich bin Pflegemama eines behinderten Kindes- aber unsere Kleine ist erst 7 Jahre alt.
Was ich aber definitiv weiss, ist dass sie bei Volljährigkeit überall hinziehen wird nur nicht zur Lebenshilfe ;-).

Wie sieht denn Euer Kontakt zum Jugendamt aus - kann es Euch ratgebend unterstützen bei Eueren Fragen?
Klaus Brandl 08.03.2009, 14:53#3
AW: Pflegeeltern

Hallo Claudia
Besten Dank für deine Nachricht.
Unser Pflegesohn ist mit 9 Monaten zu uns gekommen, da war das Jugendamt zuständig, er hat Down Syndrom mit mehrfach Autistichen zügen. Jugendam konnte nur bedingt mit einem behinderten umgehen, es war dort Neuland, geholfen hat uns unser Beruf, da wir beide in Sozialberufen tätig sind. Unterstützung.... na ja, mangelhaft, bis auf die Forderungen die an uns gestellt wurden.
Als er 18 Jahre alt wurde, Sozialamt ist zuständig, ging das Chaos erst richtig los, hier hat uns eine Politikerin, die wir kannten stark geholfen. Sonnstige Unterstützung gleich Null, bis auf einige Kontroll - Schreibarbeiten.
Nun ist er 25 Jahre alt, Sozialamt will nicht mehr zahlen und setzt uns die Pistole auf die Brust, er muß vom Landeswohlfahrtsverband übernommen werden, sonnst gibt es keine finanzen mehr.
Nun kommt die Lebenshilfe ins Spiel, er arbeitet in der Behindertenwerkstatt, hier haben wir zum ersten mal Unterstützung erfahren,und er wurde in ein neues Wohnhein übernommen, wo er sich auch sichtlich wohl fühlt. Damit hat ihn auch gleichzeitig der LWV übernommen und alle finanzielle Unterstützung an uns wurde auf Eis gelegt, da ja die Lebenshilfe finanziert werden muß.
Da er emotional sehr stark an der Familie hängt, bieten wir ihm weiterhin die Möglichkeit, wann immer er möchte, zu uns zu kommen - Wochenenden, Urlaub, Krankzeiten und Festlichkeiten uvm. Auch das muß finanziert werden, außerden hat er noch eine Wohnung bei uns, die wir ihm auch erhalten wollen, als Zuflucht. Eigendlich wie bei einem eigenen Kind, dass immer nach Hause kommen kann,je nach dem, wie ihm gerade zu Mute ist.
Abschließend noch gesagt, wir haben mit unserem Pflegesohn, sehr viel Spaß - in den 25 Jahren gehabt, was das leid mit den Amtern jedoch nicht aufhebt.
Nochmals dank für deinen Beitrag und wir wünschen euch noch einen schönen Sonntagnachmittag.
Klaus Brandl
amai 08.03.2009, 18:00#4
AW: Pflegeeltern

Hallo Klaus Brandl,
hat der Pflegesohn eine Pflegestufe? Während der Tage, die er daheim verbringt würde dann ein Anspruch auf anteiliges Pflegegeld bestehen. Wenn diese über 14 Stunden die Woche kommt dann auch Anspruch auf Rentenversicherungsbeiträge anteilig.

Dann gibt es noch steuerliche Nachteilsausgleiche, die in Frage kämen unter bestimmten Voraussetzungen z.B. Fahrtkosten, Pflegepauschbetrag, Behindertenpauschbetrag.
Da in Zeitnot , verweise ich für weitere Infos auf das Steuermerkblatt des BVMK:
http://www.bvkm.de/recht/rechtsratgeber/steuermerkblatt.pdf

G, amai
**Claudia** 08.03.2009, 18:38#5
AW: Pflegeeltern

Hallo Klaus,

auch wenn ich jetzt etwas vom Thema abschweife - aber ich bin natürlich als Pflegemama mit einem behinderten Pflegekind sehr neugierig, wenn ich auf andere Pflegeeltern in einer ähnlichen Situation treffe:

wie hat sich denn die Vermittlung Eures Pflegesohnes zu Euch ergeben?
Gab es ein vorbereitendes Bewerberverfahren auf ein behindertes Pflegekind?
Klaus Brandl 09.03.2009, 20:19#6
AW: Pflegeeltern
Zitat von **Claudia**
Hallo Klaus,

auch wenn ich jetzt etwas vom Thema abschweife - aber ich bin natürlich als Pflegemama mit einem behinderten Pflegekind sehr neugierig, wenn ich auf andere Pflegeeltern in einer ähnlichen Situation treffe:

wie hat sich denn die Vermittlung Eures Pflegesohnes zu Euch ergeben?
Gab es ein vorbereitendes Bewerberverfahren auf ein behindertes Pflegekind?
Hallo Claudia
Aber warum, man darf doch auch mal neugierig sein. Aber über meine Antwort wirst du bestimmt schmunzeln.
Im gewissen Sinne haben wir unseren Pflegesohn auf einem Kindergeburtstag in die Wiege gelegt bekommen. In einer sehr interesanten Unterhaltung mit einer äteren Dame, auch Geburtstagsgast, sprachen wir über Pflegekinder. Am Ende vergewisserte sie sich noch einmal, ob wir wirklich bereit wären diesen Scritt zu gehen, was wir mit ja beantwoteten. Einige Wochen später hatten wir einen Brief von besagter Dame in der Post und somit ein Bild unseres Plegesohnes mit einem kleinen Bericht dazu.
Nach ausgiebiger Aussprache, mit dem Rest der Familie, wir hatten eine 4 Jährige eigene Tochter, sind wir dann nach München gefahren, um ihn zu sehen und wie es sich ergeben hat auch gleich mitzunehmen. Eigendlich hat unsere Tochter entschieden, ihn als Bruder haben zu wollen, es war uns außerordendlich wichtig, dass sie ihn akzepiert. Er war damal zwichen 8 und 9 Monate alt und hatte schon 3 Lungenentzündungen hinter sich, allso ein kleines , blasses ETWAS, aber mit einem unheimlichen Charme, mit dem er uns sofort um den Finger gewickelt hat. Wir haben dann noch einige Tage Bobard - Gymnastik gelernt, mit ihm zusammen und ab ging`s nach Hause. Allso Bewerberverfahren, Informationen über Pflegeeltern sein, etc, gleich Null, dass kam alles erst später, als sich das Jugendamt mit uns in verbindung gesetzt hat.
Wie du liest, sind wir unverblümt in unsere Sytuation hineingeschlittert und wir müssen sagen, wir haben es nie bereut, denn er ist ein solcher Sonnyboy von 1 Meter 50, den man nur liebt haben kann.
Nun ja, nun ist er 25 Jahre alt, wir möchten weiterhin mit und für ihn da sein, bis zu unserem Lebensende, doch sollen wir alles weiter komplett selbst tragen, denn heute hat man uns sogar das Kindergeld noch gestichen.
Mal sehen, wie das weitergeht, ohne Unterstützung, wird hart, denn ich bin vor 5 Jahren in frührente geschickt worden ( krank ), werde weiterkämpfen, lasse mir aber das Frohe zusammensein mit unserem Pflegesohn von den Ämtern nicht vermießen. Obwohl diese genau darauf spegulieren, ist denen volkommen egal - Gesetz ist Gesetz -, wir mussen nur ungehäuer aufpassen, dass wir unseren Unmut, ihn nicht spüren lassen, da er sehr große Antennen für solche Begebenheiten, in seinem Leben aufgebaut hat.
Und - wie ist es mit dem Schmunzeln, kommt zu stande was, da siehst du, was du noch alles vor dir hast. Gehe es an, die Kinder werden es dir unglaublich Danken.
Leider fast ein Roman geworden, sorry, aber mir war eben so, den Frust von der Seele schreiben.

Schöne Grüße Klaus
Klaus Brandl 09.03.2009, 20:43#7
AW: Pflegeeltern
Zitat von amai
Hallo Klaus Brandl,
hat der Pflegesohn eine Pflegestufe? Während der Tage, die er daheim verbringt würde dann ein Anspruch auf anteiliges Pflegegeld bestehen. Wenn diese über 14 Stunden die Woche kommt dann auch Anspruch auf Rentenversicherungsbeiträge anteilig.

Dann gibt es noch steuerliche Nachteilsausgleiche, die in Frage kämen unter bestimmten Voraussetzungen z.B. Fahrtkosten, Pflegepauschbetrag, Behindertenpauschbetrag.
Da in Zeitnot , verweise ich für weitere Infos auf das Steuermerkblatt des BVMK:
http://www.bvkm.de/recht/rechtsratgeber/steuermerkblatt.pdf

G, amai

Hallo amai

Danke für die Ausführungen, teilweise ist uns das schon bekannt, wir haben uns das ganz mal ausgerechnet und kamen auf einen Betrag von 5,11 Euro, pro Tag ( Zahl ohne Gewähr ), da fragen wir uns wirklich " wie soll das funktionieren ". Wenn man für eine einfache Pizza, heute schon fast 10 Euro bezahlen muß. Unser Pflegesohn ist 25. und hat auch bestimmte Bedürfnisse, die ich ihm nicht verweigern möchte, solange sie im Rahmen bleiben.
Gerade heute haben wir festgestellt, sogar das Kindergeld, kommt nicht mehr auf`s Konto ( Das ist nun der Dank für 25 Jahre arbeit ).
Frust !!! Aber wir machen weiter, ihm zuliebe.

Schöne Grüße Klaus
**Claudia** 09.03.2009, 21:09#8
AW: Pflegeeltern

Hallo Klaus,

glücklicherweise ist es bei uns bisher anders gelaufen, was die Vorbereitung auf unser Pflegekind und die aktive Unterstützung von uns als Pflegefamilie betrifft.
Wir "arbeiten" seit nun mehr als 10 Jahren mit unserem Jugendamt Hand in Hand zusammen.
Es hat schon die Eignungsprüfung im Adoptivbewerberverfahren bei uns durchgeführt (unsere Adoptivtochter hatte in den ersten Lebensmonaten übrigens auch Lungenentzündungen, sie kam zu uns mit einem Atemvolumen von 30% und ist mittlerweile gesund wie ein Fisch im Wasser).


Als eine entsprechend stabile Familie für unser schwerbehindertes Pflegekind gesucht wurde, trat unser JA an uns heran und bereitete uns mehrere Monate auf diese herausfordernde Aufgabe vor.

Wir hatten bis zum Schluss die Wahl, uns dieser Aufgabe zu stellen oder zurückzutreten.
Wir haben uns gestellt :-), unser Pflegekind lebt jetzt seit 6 Jahren bei uns.

In all den Jahren wurden wir als Pflegefamilie nicht hängen gelassen, die wirklich üblen Erfahrungen haben wir mit der Lebenshilfe gemacht.

Ich leite seit mehreren Jahren auch eine Adoptiv- und Pflegegruppe und bin auch ehrenamtlich seit etlichen Jahren auf dem Gebiet unterwegs. Unter Anderem unterstütze ich im Rahmen meiner Möglichkeiten Eltern bei der Kommunikation mit den Behörden, begleite sie teilweise mit zu Beratungsgesprächen, koordiniere Termine bei entsprechenden Stellen etc.

Es tut mir sehr Leid zu hören, dass Ihr keine entsprechende Unterstützung von Eurem JA bekommen habt und soviel Ärger mit den Behörden habt :-( und ich wünsche Euch sehr, dass es für Euere jetzige Situation eine angemessene Lösung gibt.

Von Herzen alles Gute, Klaus!
amai 09.03.2009, 21:29#9
AW: Pflegeeltern

Hallo Klaus,
ist die Kindergeldzahlung ganz eingestellt worden oder wird das Geld nun an den LWL übergeleitet?

Wenn ihr regelmässig Kontakt habt und ihm von dem Geld auch Wünsche und notwendige Dinge finanziert ist das eigentlich nicht so einfach rechtens.
Hat euer Pflegesohn vielleicht einen rechtlichen Betreuer, der das in die Wege geleitet haben könnte, ohne euch informiert zu haben?

Lese dir bitte hierzu auch noch einmal die Informationen auf dieser Seite durch:
http://www.intakt.info/80-0-kindergeld-fuer-volljaehrige-kinder.html

ich finde es schön und wichtig, dass ihr den Kontakt zu eurem Sohn nicht einfach abreissen lassen wollt. Leistungen zur Teilhabe nach SGB IX beinhalten auch Leistungen für Freizeitgestaltung und soziale Kontakte, ich würde das auch noch mal beim Sozialamt ansprechen.

LG, amai
Klaus Brandl 09.03.2009, 22:05#10
AW: Pflegeeltern
Zitat von amai
Hallo Klaus,
ist die Kindergeldzahlung ganz eingestellt worden oder wird das Geld nun an den LWL übergeleitet?

Wenn ihr regelmässig Kontakt habt und ihm von dem Geld auch Wünsche und notwendige Dinge finanziert ist das eigentlich nicht so einfach rechtens.
Hat euer Pflegesohn vielleicht einen rechtlichen Betreuer, der das in die Wege geleitet haben könnte, ohne euch informiert zu haben?

Lese dir bitte hierzu auch noch einmal die Informationen auf dieser Seite durch:
http://www.intakt.info/80-0-kindergeld-fuer-volljaehrige-kinder.html

ich finde es schön und wichtig, dass ihr den Kontakt zu eurem Sohn nicht einfach abreissen lassen wollt. Leistungen zur Teilhabe nach SGB IX beinhalten auch Leistungen für Freizeitgestaltung und soziale Kontakte, ich würde das auch noch mal beim Sozialamt ansprechen.

LG, amai

Hallo amai
Kindergeld : Wir haben noch keinen Bescheid der Familienkasse, kann allso nicht sagen, wohin es gezahlt wird.
Rechtliche Beträuer, sind wir, allso müßten wir es wissen. Schriftverkehr seit Lebenshilfe recht spärlich, aber es muß in den nächsten Tagen etwas kommen, damit wir wenigstens die Möglichkeit zum Widerspruch haben.

L. G. Klaus