Archiv des früheren intakt-Forums (schreibgeschützt, Beiträge bis 2020) · Zum aktuellen Forum: community.intakt.info · www.intakt.info

Hilfe bei Entwicklungs- und Sprachverzögerung.

RobiRobi 18.11.2008, 20:19#1
Unser Sohn von 5 ½ Jahren wurde per Kaiserschnitt geboren. Die Nabelschnur war x-mal um seinen Hals gewickelt. Nach Aussage der Ärzte blieb das aber ohne Folgen. Sein leiblicher Papa war wenig interessiert und engagiert mit dem kleinen Baby. Vielmehr nervte ihn das Schreien und deshalb wurde das Kind in der Babyschale auch schon mal zum Schreien in den Keller gestellt, angeschrien oder geschüttelt.
Da der Vater seine Arbeit aufgegeben hattearbeitslos war, sich auch nicht um das Kind kümmern wollte, musste Mama arbeiten gehen und die Betreuung tagsüber einer au-pair übergeben.
Mit 11 Monaten stellte Mami bei der Rückkehr von der Arbeit eine Verletzung am Schädel fest und hinterher erwies sich dies als Schädeltrauma / Schädelriss. Behörden gehen heute von einer Misshandlung aus, da ein Kind in diesem Alter bei solch einer Verletzung normalerweise zur ärztlichen Versorgung gebracht wird und nicht einfach ignoriert wird.
Mama trennte sich vom leiblichen Papa und wir lernten uns kennen. Seitdem kümmere ich mich um den Kleinen.
Mit etwa 1,5 Jahren fingen wir an ihn zu untersuchen, weil er nicht sprach, noch nicht einmal das Wort MAMA und außerdem war essen für ihn genauso eine Stresssituation wie für uns. Er aß nicht, behielt das Essen im Mund und schluckte nicht. Noch heute ist er ein sehr dünnes Kind aber ißt normal, wenn auch selektiv und langsam.
Er wurde auf alle möglichen Arten untersucht. Erst stellte man autistoide Tendenzen fest, verwarf diese Diagnose aber weitestgehend wieder. Auch Deprivationssymptome meinte man zu entdecken. MRTs, EEG etc. ergaben keine Erkenntnisse bezüglich einer möglichen Hirnschädigung. Aber alle erkennen, dass er eine starke Entwicklungsverzögerung hat.
Ergotherapie und Logopädie haben gute Erfolge gezeigt aber sprechen kann er bis heute nicht, nur einzelne Worte. 2 – 3 Wort-Sätze sind das Äußerste.
Er neigt zudem zu einer Art von Echolallie, indem er oft das letzte an ihn gerichtete Wort wiederholt. Ansonsten „kommuniziert“ er oft, indem er ein Wort dutzende Male wiederholt, im situativen Zusammenhang aber ohne weitere Worte.
Er ist im Kindergarten in einer Integrationsstelle und ist sehr beliebt, denn er ist ein liebevolles, lebensfrohes und freundliches Kind. Er gibt unendlich viel Liebe. Er ist aufgeweckt, clever und sehr aktiv und wirkt vollkommen “normal“. Er „arbeitet“ gerne, hilft und packt mit an.
Aber wir fragen uns, was der nächste Schritt sein soll. Eine Einschulung ist derzeit nicht möglich, da ein intellektuelles Arbeiten im Sinne einer Verständigung fast unmöglich ist. Im Kindergarten kann er nicht bleiben, weil er langsam zu alt/zu groß dafür wird.
Wir haben das Gefühl, dass wir einen neuen/nächsten Schritt unternehmen müssen, damit unser Sohn weiter gefördert wird. Aber wir wissen nicht was das sein könnte. Keiner kann uns sagen, warum es ihm so schwer fällt Sprache zu lernen und zu benutzen; keine Diagnose gibt die Antwort.
Wir wären dankbar über Hinweise vergleichbare Erfahrungen, Diagnose- bzw. Therapieerfahrungen oder sonstige Tips.
Wir danken Euch.
Yvonne 18.11.2008, 23:37#2
AW: Hilfe bei Entwicklungs- und Sprachverzögerung.

Hallo du ohne Namen ;-)

erst einmal ein herzliches Willkommen hier.
Meine Tochter ist schwerer behindert und sie srpicht nur Mama, da und wau.
Wenn es mit der Sprache hapert und er aber so gut zurecht kommt sollte man evtl. versuchen noch eine andere Kommunikation zu benutzen. Hat die Logopädin schonmal mit euch über Unterstützte Kommunikation angesprochen?
Dort gibt es sehr verschiedene Möglichkeiten.
Wie wäre es mit lautsprachbegleitende Gebärden z.B.
So hat er die Möglichkeit seine Bedürfnisse mitzuteilen aber sie wird auch mit der Sprache begleitet, so dass auf diese Art und Weise auch die Laitsprache unterstützt wird. Dann gibt es noch elektronische Kommunikationshilfmittel.
Schaut doch mal hier was es so gibt:
www.behinderte-kinder.de/uk/uk.htm
Wurde denn schonmal untersucht ob sein Sprachzentrum gestört ist z.B. durch eine Kernspinntomographie?

Bezüglich Schule könntet ihr ja versuchen ihn noch ein jahr zurückstellen zu lassen und dann gäbe es doch die Möglichkeit einer Sprachheilschule.

Liebe Grüße

Yvonne
Carmen62 19.11.2008, 02:03#3
AW: Hilfe bei Entwicklungs- und Sprachverzögerung.

Hi
Willkommen hier,mein Sohn ist fast 4,5 Jahre alt und spricht gar kein Wort.
Es gibt auch keine Silbenbildung,wenn wir seine Stimme wahrnehmen,nur durch
Weinen Schreien oder Lachen;aber immerhin.
Wir haben seit dem 2.Lebensjahr logopädische begleitende Theraphie:
Logopädie im eigentlichen Sinne,konnten wir noch nicht anwenden.
Gebärdensprache haben wir versucht,sein Sprachverständnis wäre
ausreichend dafür,aber Noah hat sich anders entschieden:kopfkratz:
Seit 1 Jahr warten wir auf sein Talker,Bewilligung ist durch,nun warten wir,
dass der Talker bald hier Zuhause ist:pfeif:
Dann können wir mit Logopädie ganz durchstarten.Das Essen ist seit Geburt
ein Stressfaktor,liegt aber auch an der angeborenen schwachen Rachen-und Mundmuskulatur.Zur Zeit bekommt Noah nur Flüssignahrung.
Die Castillo-Moralis Theraphie wurde abgelehnt,mit den Worten,sie sei für Noah ungeeignet:grantel:
Hast du deinen Sohn schon im SPZ vorgestellt,die wären sicherlich eine
grosse Unterstützung.
Viel Spass noch hier,lg Carmen

[Bild: www.animaatjes.de]
Bild anklicken,dann siehst du den Sprachcomputer mit Gebärdensprache,ist am Fernseher anzuschliessen
habe ich für 60 Euro gekauft,mit auswechselbaren Kassetten.
Noah hat schnell das Interresse verloren
Anhang
SD531125.JPG
Sibo 19.11.2008, 21:20#4
AW: Hilfe bei Entwicklungs- und Sprachverzögerung.

Hallo RobiRobi,

erst mal herzlich Willkommen hier im Forum,ich bin auch noch nicht so lange hier, kann aber zu deinem Beitrag mal meine/unsere Geschichte erzählen, vielleicht hilft es dir ja weiter:

Unser kleinster Flo hatte mit 4 Wochen eine Hirnhautentzündung. Wir vermuten von daher seine Entwicklungsverzögerung und Sprachbehinderung.
Seine Sprache, soweit man das früher als Sprache bezeichnen konnte ( nur einzelne Worte und Laute) war sehr nach hinten verlagert, so als hätte er die Zunge fast verschluckt. Auch mit dem Essen tat und tut er sich heute noch sehr schwer. Erst mal wollten uns die Ärzte lange nicht glauben, dass er in irgend einer Weise eine Beeinträchtigung hat. Egal wo wir waren bekamen wir nur zu hören: Machen Sie sich nicht verrückt, Kinder entwickeln sich unterschiedlich.:unsicher:
Über das SPZ erhielten wir schließlich Logopädie ( angefangen mit ca. 3 Jahren). Als unser Schatz dann fast 5 Jahre alt war stellen wir ihn im Sprachheilzentrum in Meisenheim ( bei Bad Sobernheim) vor. Kann man sich als eine Art Internat vorstellen, ist aber eine stationäre Sprachheilbehandlung.
Das war die Schwerste, aber zugleich auch Beste Entscheidung, die wir für unseren Zwerg trafen.Mit 6 Jahren war er für 9 Monate dort zur Behandlung. Seit dem spricht er alles so gut, dass ihn jeder verstehen kann. Seine Behinderung ist eigentlich nur noch, dass er sehr langsam spricht. Seine Muskulatur im Rachenbereich hat sich aber so gut entwickelt, dass es auch mit dem Essen viel besser geworden ist.Er wagt sich, wenn es ihm schmeckt sogar an Sachen, die man richtig kauen muss.
Langer Rede kurzer Sinn - Ich kann euch nur raten,Hilfe in einem Sprachheilzentrum zu suchen. Dort sind die Mitarbeiter so toll geschult, dass sie euch sagen können, ob sie eurem Schatz helfen können oder welche Möglichkeiten es sonst gibt.
Ich hoffe, dass ihr den für euch richtigen Weg findet.
LG
Simone:-D
RobiRobi 20.11.2008, 23:41#5
AW: Hilfe bei Entwicklungs- und Sprachverzögerung.
Zitat von Sibo
Hallo RobiRobi,

erst mal herzlich Willkommen hier im Forum,ich bin auch noch nicht so lange hier, kann aber zu deinem Beitrag mal meine/unsere Geschichte erzählen, vielleicht hilft es dir ja weiter:

Unser kleinster Flo hatte mit 4 Wochen eine Hirnhautentzündung. Wir vermuten von daher seine Entwicklungsverzögerung und Sprachbehinderung.
Seine Sprache, soweit man das früher als Sprache bezeichnen konnte ( nur einzelne Worte und Laute) war sehr nach hinten verlagert, so als hätte er die Zunge fast verschluckt. Auch mit dem Essen tat und tut er sich heute noch sehr schwer. Erst mal wollten uns die Ärzte lange nicht glauben, dass er in irgend einer Weise eine Beeinträchtigung hat. Egal wo wir waren bekamen wir nur zu hören: Machen Sie sich nicht verrückt, Kinder entwickeln sich unterschiedlich.:unsicher:
Über das SPZ erhielten wir schließlich Logopädie ( angefangen mit ca. 3 Jahren). Als unser Schatz dann fast 5 Jahre alt war stellen wir ihn im Sprachheilzentrum in Meisenheim ( bei Bad Sobernheim) vor. Kann man sich als eine Art Internat vorstellen, ist aber eine stationäre Sprachheilbehandlung.
Das war die Schwerste, aber zugleich auch Beste Entscheidung, die wir für unseren Zwerg trafen.Mit 6 Jahren war er für 9 Monate dort zur Behandlung. Seit dem spricht er alles so gut, dass ihn jeder verstehen kann. Seine Behinderung ist eigentlich nur noch, dass er sehr langsam spricht. Seine Muskulatur im Rachenbereich hat sich aber so gut entwickelt, dass es auch mit dem Essen viel besser geworden ist.Er wagt sich, wenn es ihm schmeckt sogar an Sachen, die man richtig kauen muss.
Langer Rede kurzer Sinn - Ich kann euch nur raten,Hilfe in einem Sprachheilzentrum zu suchen. Dort sind die Mitarbeiter so toll geschult, dass sie euch sagen können, ob sie eurem Schatz helfen können oder welche Möglichkeiten es sonst gibt.
Ich hoffe, dass ihr den für euch richtigen Weg findet.
LG
Simone:-D
Simone, ich danke Dir vielmals für den Hinweis. Dein Erfolg macht uns viel Mut. Wir werden uns ein Sprachheilzentrum suchen. Nach dem was Du schreibst hatte/hat Euer Kleiner auch Essstörungen? Die gehen also anscheinend immer mit Problemen in der Sprachentwicklung einher? Jürgen
RobiRobi 20.11.2008, 23:53#6
AW: Hilfe bei Entwicklungs- und Sprachverzögerung.

Carmen, vielen Dank auch an Dich für Deine Antwort. Es tut wirklich gut von Leidensgenossen z uhören, wenn es auch um traurige Anlässe geht, so weiß man doch, dass man verstanden wird. Auch Noah leidet unter dem Problem von SPrech- und Essstörungen. Eigenartig, wie das symptomatisch zu sein scheint, wenn auch das Krankheitsbild bisher für uns ohne Namen blieb. Das SPZ/VAE war die erste Anlaufstelle. Die haben uns beraten und Wach-/Schlaf-EEGs gemacht, MRTs angeleiert etc. Am Anfang hat uns die ERGO-Therapie sehr geholfen. Dort hat Robi viel über sich, seinen Körper, Bewegung etc. gelernt. Heute ist die Logopädie und intensive Arbeit von seiner ganzen Familie mit ihm sehr wichtig. Hast Du schon mal Ergo-Therapie versucht? Man sagte uns, dass die körperliche Erfahrung für die (sprachliche) Entwicklung des Kidnes sehr wichtig sei.
RobiRobi 21.11.2008, 00:01#7
AW: Hilfe bei Entwicklungs- und Sprachverzögerung.

Hi Yvonne, danke für Deine Antwort. Robi lernt eigentlich immer wieder Worte und er brabbelt manchmal einfach drauf los. Aber es fällt ihm sehr schwer Worte zu lernen und die Aussprache zu verbessern. Aber er versteht immer besser. Mittlerweile auch gelegentlich beiläufig Gesagtes. MRTs hatte er bereits zwei. Wir dachten auch, dass sein Sprachzentrum durch eine Schädelverletzung vielleicht beeinträchtigt worden wäre. Aber bisher kein Ergebnis. Ich frage mich, ob es nicht noch eine andere Art gibt das Sprachzentrum neurologisch zu untersuchen und seine Kapazitäten / Engpässe zu erkennen. Jürgen