Hallo!
Habe lange nichts mehr von mir hören lassen. Habe Untersuchungs-Marathon hinter mir... bzw. meine beiden Söhne 6,5 und 2,5 Jahre.
Beide sind Autisten. Momentan bin ich am umstrukturieren meines Lebens: Wohnungswechsel (alles Gefahrenreduziert), Hilfen beantragen was es nur geht etc. etc.
Habe es bei meinem Großen schon seit 3 Jahren gewußt, aber keiner hat mich ernst genommen... Bei meinem Kleinen vermute ich es schon seit 1 Jahr. Jetzt haben sich meine Befürchtungen bestätigt.
Ich bin eigentlich ein positiver Mensch, deshalb schau ich jetzt nach vorne.

Dass gleich alle zwei meiner Kinder Vollautisten sind, hat mich natürlich vom Hocker gehaun, aber es nützt nichts: Das was man nicht ändern kann muß man hinnehmen. Ich liebe sie über alles, deshalb werde ich das beste daraus machen und ihnen so viel beibringen wie es nur geht, damit sie einigermaßen im Leben zurechtkommen werden. Ich habe auch schon viele Freundschaften mit betroffenen Müttern aus unserer Gegend geschlossen und wir helfen uns gegenseitig.
Viele Grüße!
Birgit
AW: Ich habe endlich Diagnose!
Hallo Birgit,
schön mal wieder von dir zu lesen und gut, dass du jetzt ein wenig mehr Klarheit hast! Auch wenn du es natürlich nicht sehr leicht hast, aber nun hast du wenigstens ein wenig Ahnung, worauf du dich einstellen kannst und musst. Und dass du das Ganze positiv auffasst, ist doch eine super Basis!
Ich wünsche dir viel Energie für alle Umstellungen, die du jetzt gerade durch machst und gerade auch für die ganzen Antrags-Geschichten!
Liebe Grüße,
Holger
Viel wichtiger: Du hast EINFLUSS.
Ich erlaube mir mal eine (etwas unbequeme) alternative Diagnose und erkläre Deine Kinder wieder zu Menschen. Das wirft zum Beispiel die Frage auf: Liebe ich das Kind als Mensch oder liebe ich es als Autist. Das sind ja, wie man im Experiment gut nachweisen kann, zwei ganz unterschiedliche Möglichkeiten, zu lieben, mit entsprechend unterschiedlichen Ergebnissen. Wenn ich z.B. Dich in einen Raum mit 50 Versuchspersonen setzen würde und die denken 5 Minuten lang, dass Du ein Autist bist, dann können wir bei dir andere Vitalfunktionen messen als in den 5 Minuten, wo die 50 leute denken, dass Du ein Mensch bist. Erst heute hat eine meiner Schülerinnen mir berichtet, wie 50 Leute gedacht haben, die Versuchsperson falle um, und sie konnte sich nicht aufrecht halten und fiel.
Wenn Du Dir an solch simplem Experiment die MACHT DER GEDANKEN bewusst machst, dann sollte Dein Respekt vor "Autismus" doch ein wenig schrumpfen können. Ich würde Dir z.B. Coués Autosuggestion ans Herz legen, darin ist ein sehr probates Kapitel über Schlafsuggestion; da kann man ungehindert mit dem Unbewussten sprechen - der Instanz, die die Lebensfunktionen steuert. Man kann sie stärken, ihr neue Wege vorzeichnen, ihr klare und eindeutige Entwicklungsaufträge geben usw. Das alles kann bei etwas Einfühlungsvermögen hoch effektiv sein und Lösungen deutlich jenseits der eingefahrenen Standards ermöglichen. Ich erforsche Suggestion schon über 30 Jahre und weiß, wovon ich rede. Ich würde Dir und Deinen Kindern wünschen, dass Du Dich ein wenig damit beschäftigst. Guten Erfolg!
Franz Josef Neffe
AW: Ich habe endlich Diagnose!
Hallo!
Vielen Dank für Deinen Beitrag!
Ich habe ihn mit Interesse gelesen und kann Gott sei Dank sagen, dass ich meine Kinder als Menschen liebe. Ich habe auch keine Angst vor der Diagnose Autismus, ich bilde mich ständig weiter und weiß wie meine Kinder fühlen und denken. Ich habe einige Mütter mit autistischen Kindern kennengelernt und muß leider sagen, dass viele überfordert sind und überhaupt nicht wissen, was in ihren Kindern vorgeht. Diesen Kindern merkt man aber auch an, dass sie sich ausgegrenzt fühlen. Beispiel: Mein großer Sohn hat schon seit 3 Wochen Alpträume, weil sein geliebter Luftballon davongeflogen ist. Das Umfeld würde jetzt sagen: "na was solls, ist blos ein Luftballon." Ich aber weiß, dass das für ihn ein schreckliches Erlebnis war und er sehr lange braucht um dies zu verkraften. Ich stehe ihm mit Trost und Einfühlungsvermögen bei. Er denkt ja anders. Ich schimpfe auch ganz selten, weil es nichts bringt. Ablenken und viel loben bringt viel mehr. Ich habe auch schon Mütter kennengelernt, die mit ihren autistischen Kindern ständig schimpfen und schreien und ganz ausser sich werden, wenn diese nicht hören. Ist ja klar, Autisten haben eine ganz andere Wahrnehmung von allem.
Dass ich so viel Hilfe beantrage wie nur möglich ist echt notwendig, weil ich muß ja schließlich immer fit bleiben und auch gesund.
Jetzt nochmal zu Deinem Beitrag: Meine Kinder haben zuhause nie das Gefühl irgendwie anders zu sein. Aber wenn wir das Haus verlassen, dann ist es ja offensichtlich, dass sie anders sind und werden auch dementsprechend behandelt. Ich stehe da drüber, aber die Kinder werden immer merken, dass sie anders sind. Dem glaub ich kann ich kaum entgegenwirken.
Viele Grüße!
Birgit

Viel wichtiger: Du hast EINFLUSS.
Liebe Birgitt,
hoch erfreut habe ich gelesen, wie sensibel Du Deinen Chancen und denen Deiner Kinder auf der Spur bist. Nicht dem Unerwünschten entgegenwirken sondern mit den Kräften für das Erwünschte optimal kommunizieren, das ist meine Idee vom Leben. Und da ist uns allen die Kraft des Geistes immer nur in den üblichen Grenzen bewusst - Geist kennt aber keine Grenzen, was heißt, dass immer mehr möglich ist. Ich weiß es oft auch nicht, wiewohl ich es seit über 30 Jahren erforsche, aber ich gehe grundsätzlich (zu meinem Nutzen) davon aus.
Ich meine, die Dramatik nachempfinden zu können, wenn einem etwas entschwindet (wie ein Luftballon), an dem das Herz hängt. Das stellt doch das gesamte Welt- und Lebensbild in Frage. Frage! Es verlangt im Grunde nach einer Antwort, nach mehr als Trost, dass die alte Welt unvollkommen ist; es verlangt nach einer neuen Erklärung der neuen, größeren, lebendigeren Welt. Dein Sohn ist schließlich mit diesem Ereignis in eine neue Dimension vorgestoßen - scheints weiter als alle um ihn herum. In der neuen Ich-kann-Schule würde ich das als große Chance ansehen und nach Kräften seine Wahrnehmungs- und Verständnis-, aber auch alle Persönlichkeitskräfte stärken und ihre Aufgabe als wichtig un anerkennenswert würdigen.
Mit diesen - nun bewusst wichtigen - Talenten können und sollten wir jetzt unzählige Ballons über Grenzen hinaus schicken und wirken lassen. Wenn ich z.B. jemand, der mich nicht versteht, im (Geistes-)Luftballon Verständnis schicke, versteht er mich besser. Eine meiner Schülerinnen hat mir gestern ein Experiment berichtet: Sie hat eine Frau vorne hinstellen lassen und die anderen 50 mussten denken, dass sie umfällt. Die Frau konnte sich nicht aufrecht halten, sie fiel um. Diese Geisteskraft steht uns allen zur Verfügung, damit wir sie konstruktiv nutzen. Und nun überlege einmal, welchen Vorsprung Dein Sohn dadurch haben kann, dass ihm durch einen entschwundenen Luftballon gezeigt wurde, dass es "höhere Dimensionen" gibt, in die und über die man wirken kann. Ich habe stets hoch genossen, wenn auf diese Weise z.B. ein 7jähriges Kind mehr Einfluss auf seine Lehrerin bekam als diese selbst. Es hatte ihr nur all das GUTE geschickt, was ihr fehlte, und die Frau wandelte sich; vor allem aber bekam das Kind ein ganz neue, dynamisches, lebendiges Selbstbewusstsein. Es fühlte sich nicht nur irgendwie stärker sondern es konnte mit dieser Stärke auch ganz konkret umgehen. Das sollte Deinem Sohn (und Dir) doch auch Freude bereiten.
Natürlich ist es sinnvoll, Hilfe zu beantragen, aber noch sinnvoller scheint es mir, auf der geistigen Ebene, zu bestimmen, in welcher Qualität geholfen wird - das müssen wir nicht dem Zufall überlassen. Und zum Schluss: Überlege einmal, was es für einen "Autisten" bedeutet, wenn er das erste Mal mit den Talenten eines Mitmenschen besser umgegangen ist als dieser selbst! Kann man dann noch Autist SEIN? Ich grüße herzlich.
Franz Josef Neffe
AW: Ich habe endlich Diagnose!
Hallo Birgit,
ich finde den von dir eingeschlagenen Weg und dein Einfühlungsvermögegen gegenüber deinen Kindern und ihrer Sicht auf die Dinge toll.
Ich glaube, wenn wir dieser Denkweise gegenüber offen sind, kann jeder von uns von diesen Kindern lernen.
Natürlich ist es legitim, dass du dich umschaust, wo Hilfestellungen und Entlastungen möglich sind und diese auch in Anspruch nimmst.
Ich bekräftige dich, deinen Weg so weiter zu gehen und wünsche dir dass du auch immer Zeit und Möglichkeiten findest, durchzuatmen.
Gruß
Andreas

AW: Ich habe endlich Diagnose!
Hallo Birgit,
Hallo Franz Josef Neffe, ich schätze sie sehr, nur mal nebenbei gesagt
Birgit, ich finde es gut dass du genau so denkst wie hier beschrieben. Hast du schonmal hier vorbeigeschaut?:
http://autismus.ra.unen.de/index.php?
Sehr empfehlenswert. Ich bin selber Mutter eines atypischen Autisten.
LG Bianka