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Erfahrungen mit anthroposophischen Einrichtungen?

Riesenschecke77 08.05.2008, 23:29#1
Hallo, ich habe einen 10 1/2 jährigen Sohn mit einer leichten geistigen Behinderung, einer Verhaltensstörung sowie dem Tourette-Syndrom. Habe mir vor kurzem ein sehr schönes anthroposophisches "Internat" für behinderte Kinder angeschaut mit Landwirtschaft, viel Natur und endlich einem guten Gefühl! Meine Frage ist nun, ist hier jemand, der Erfahrungen mit so einer Einrichtung gemacht hat? Und wenn ja, wie sieht es mit der Finanzierung aus? Mir wurde jetzt gesagt, dass es zu Problemen kommen könnte, da mein Sohn noch eine Zusatzbetreuungsperson benötigen wird. Es gibt wohl zwei Stufen der Finanzierung (vom Sozialamt), er würde in die zweite "rutschen". Also, wäre es teurer als ohne diese Person. Ich muss dazu sagen, dass mein Sohn sowohl eine geistige als auch eine seelische Beh. hat. Dh, Jugendamt und Sozialamt "zanken" nun schon seit Jahren, wer nun zahlen soll (fing schon bei der ambulanten Hilfe an; entnervt hatte ich aufgegeben, aber zum Glück meine Eltern gehabt, die mir sehr mit ihm geholfen haben. Auch hat es dann endlich mit der Pflegestufe I geklappt, so dass man wenigstens etwas Entlastung hatte!). Auch habe ich gehört, dass es zu Problemen mit dem Kindsvater (habe keinen Kontakt mehr zu dem Erzeuger meines Sohnes, aber auch das alleinige Sorge- und Aufenthaltsbestimmungsrecht; mittlerweile bin ich mit einem anderen Mann verheiratet und habe auch noch ein Kind bekommen) kommen kann, wenn ich mein Kind in so eine Einrichtung geben will?? Bin nun etwas verunsichert und warte auch auf das "OK" dieser Einrichtung, ob sie meinen Filius nun nehmen können oder nicht. Wie gesagt, bin grad etwas verwirrt und weiß nicht, wie es weitergehen wird. Nun endlich habe ich eine so schöne Einrichtung gefunden und dann solche "Aussichten":-(! Der Kindsvater hat insgesamt über 8 Jahre einen Prozess nach dem anderen geführt bzw. "führen lassen", alles möglich dank Prozesskostenhilfe!!:grantel: Kann über sovieles nur noch mit dem Kopf schütteln und bin sehr enttäuscht, wie sehr man doch hängengelassen wird in so einer Situation, wo man wirklich alles gebrauchen kann, nur kein Unverständnis und noch mehr Steine im Weg...
Hoffe sehr, hier so die eine oder den anderen zu finden, der ähnliches erlebt hat!:-)

Vielen Dank im voraus!

Liebe Grüße

Sina
Tänchen 24.07.2008, 00:42#2
AW: Erfahrungen mit anthroposophischen Einrichtung

Liebe Sina! Meine Tochter ist ebenfalls in einer anthroposophischen Einrichtung. Die Empfehlung kam damals vom sozialpädriatrischen Zentrum unserer hiesigen Universitätsklinik. Die Berichte habe ich bei der Schule eingereicht und alles weitere war dann kein Problem mehr, alles nahm seinen automatischen Lauf: Schulamt - Sozialamt etc.
**Claudia** 07.09.2008, 13:24#3
AW: Erfahrungen mit anthroposophischen Einrichtung

Hallo Sina,

ich weiss nicht, ob das Thema bei Dir noch aktuell ist?
Unsere Pflegetochter besucht eine anthroposophische Schule für geistig behinderte Kinder.
Wir sind absolut zufrieden mit dieser Einrichtung. Lehrer und Eltern arbeiten dort Hand in Hand zusammen, unsere Pflegetochter blüht dort richtig auf.

Bei uns gab es alternativ nur die "Lebenshilfe"-Schule. Wir haben aber derartige miserable Erfahrungen mit der "Lebenshilfe" gemacht, dass wir mit vereinten Kräften daran gearbeitet haben, unsere Pflegetochter dort nicht in die Schule zu geben.

Das Drama, das wir mit der LH durchgemacht haben, hat unser JA hautnah miterlebt und uns dann auch ermutigt, die Waldorf-Schule für unsere Kleine zu wählen.
Die Kosten übernimmt das Sozialamt.

Vielleicht magst Du ja mal berichten, was sich bei Euch mittlerweile entwickelt hat.
Riesenschecke77 23.11.2008, 22:33#4
AW: Erfahrungen mit anthroposophischen Einrichtung

Hallo, vielen Dank für Eure Antworten, die ich leider jetzt erst gelesen habe.
Nach monatelangem "Kampf" mit Behörden, hat nun die Finanzierung Gott sei Dank doch noch geklappt! Mein Sohn ist mittlerweile seit September 08 in dieser anthroposophischen Einrichtung (in einer Intensivgruppe dort, die sogar noch teurer ist als "Stufe zwei" des Sozialamtes) und fühlt sich dort superwohl!! Ich kann gar nicht sagen, wie glücklich ich bin und wie gut es uns allen tut, endlich Entlastung bekommen zu haben und auch ihn glücklich zu sehen!

Wie läuft es mittlerweile mit Euren Kindern?

Würde mich über weitere Kontakte sehr freuen!

Liebe Grüße
Sina
**Claudia** 24.11.2008, 07:19#5
AW: Erfahrungen mit anthroposophischen Einrichtung

Hallo Sina,

ich freue mich für Euch, dass es geklappt hat :-).
Der Entwicklungsschub, der sich bei unserer Pflegetochter abzeichnet, seitdem sie eine Waldorfschule besucht, hält kontinuierlich an.
Wenn man bedenkt, dass sie vor 2,5 Jahren erst zu sprechen begonnen hat (mittlerweile ist sie 7.5 Jahre alt), quasselt sie inzwischen fast "Romane" ;-).
Sie kann die Selbstlaute in Grobuchstaben erkennen und benennen und im Großen und Ganzen macht sie auch immer wieder kleinere Fortschritte in ihrem Sozialverhalten.

Was mir als (Pflege)mutter wichtig ist, ist die Kommunikation auf selber Augenhöhe mit den Lehrkräften und dass man mich 100%ig Ernst nimmt (meinen Mann natürlich auch).

Uns gefällt auch sehr gut, dass die Lehrkräfte einmal pro Jahr nach Hause kommen, um das Umfeld der ihnen anvertrauten Kinder kennenzulernen.
Das ist eine komplett andere Atmosphäre, wenn man sich gemütlich zusammensetzen kann in vertrauter Umgebung.

Anfang des Schuljahres ist es unserer Pflegetochter nicht gerade gut gegangen, sie hatte einen ziemlich schlimmen Schub.
Da war es z.B. für den Klassenlehrer selbstverständlich, dass wir auch noch spätabends telefonieren konnten, um einen Plan für den nächsten Tag gemeinsam zu entwickeln, wie wir "am selben Strang ziehend" damit umgehen können usw.

Bisher hat noch keiner diese Entscheidung je bereut!