AW: Alltagsbewältigung
Hallo Stephanie, daß sind sehr schöne, aber auch anstrengende Berufe. Meine Nichte erlernt den Beruf der Krankenschwester, hat aber auch schon ein einjähriges Praktikum in einem Altenheim hinter sich. Sie meinte, daß es ihr mehr Spaß gemacht hätte, als ihre heutige Tätigkeit und daß sie wohl später weiter in Richtung Altenpflege gehen will. Diese Art von Berufe sind meines Erachtens nur zu ergreifen, wenn man sich wirklich berufen dazu fühlt. Es macht z.B. keinen Sinn, wenn man "Angst" vor Menschen mit Behinderungen hat und will Heilpädagoge werden o.ä. Aber da wirst Du Dich ja sicher auch schon mit auseinander gesetzt haben.
Nun zu Deinen Fragen:
Wie schon gesagt, wurde Markus sehr wütend und aufbrausend. Er hatte ein Bild in der Zeitung gesehen mit einem tollen Flitzer. Nachmittags gab es einen Bericht über Führerscheinneulinge ect. Er kam zu mir und zeigte mir das Bild mit der Ankündigung:" In 2 Jahren kann ich auch Führerschein machen. Dann kaufe ich das Auto!" Zuerst versuchte ich auf sanfte Art in davon zu überzeugen, daß die Kosten eines solchen Gefährtes doch weit über unser Bugget hinausragen würden. Damit gab er sich zufrieden, drehte sich um, und murmelte:"Dann kauf ich Schrottkarre!" Das Thema war also noch nicht vom Tisch und mußte meinen Sohn vorsichtig die Tatsache über seine eingeschränkte Lebenssituation unterbreiten. Er fing an zu weinen und sagte nur:"Nicht mehr Dau Son haben, will nicht mehr. Du gemein! Nimm das weg. Warst Du das? Mama, ich bin traurig!" Mir verschlug es die Sprache! Wir weinten zusammen, aber ich glaube, daß Führerschein-Thema ist noch lange nicht abgeschlossen.
Zu Deiner zweiten Frage: Die Person, die das zu mir sagte, war ein jüngerer Mann mit sehr, sehr kurzem Haar, Springerstiefel und Bierflasche in der Hand (möchte mir hier kein Urteil über die private Einstellung dieses Wichtes erlauben

). Ich war also in eine Stadt in unserer Umgebung gefahren, um mir einige Kleidungsstücke für Markus anzuschauen. Dieser junge Mann trat mir direkt vor den Kindersportwagen und pöbelte mich an, was mir denn einfallen würde, mit dieser Mißgeburt in "Seiner" Stadt herumzulatschen(seine Worte!). In der ersten Zeit mit Markus habe ich gelernt, mein Selbstbewußtsein zu schulen. Das kam mir hier zugute: Ich baute meine 163 cm vor seiner 1,90 m Figur auf und lächelte in an. Das verdatterte Gesicht von ihm werde ich nie vergessen, als ich zu ihm sagte:" Hier dürfen ja alle laufen, bei eventuellen Gesichtskontrollen wären Sie ja bestimmt auch durchgefallen. Und nun Mund zu, Arsch wird kalt!" Stephanie, bitte glaube mir, wenn ich sage, es ist mir schwer gefallen mich verbal so herabzulassen, aber diese Reaktion hatte er wohl nicht erwartet, er zog ab-ich hatte "seine"Sprache gesprochen

. Situationen wie diese gab es noch ein paar mal, aber mit der entsprechenden Reaktion bin ich immer gut durch gekommen. Ich habe nur Angst vor dem Tag, an dem Markus alleine vor einem solchen Typen steht, aber daran darf ich nicht denken!
Ich hoffe, Dir wieder ein wenig geholfen zu haben!
lg Heidi