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Beleidung von Behinderten

TatjanaS 05.07.2007, 15:50#1
Wir sind eine junge Familie mit 2 kindern.Eines hat eine schweren Herzfehler und ein ungeklärtes Syndrom. Drei Herzoperationen und viel Nervenkraft haben wir hinter uns.
Wir sind froh, dass unsere Tochter lebt, glücklich ist und mit ihren dicken Brillengläsern fröhlich durch die Fussgängerzone in Aschaffenburg rennen kann. So wie am Samstag, 30.6.2006 gegen 16 Uhr. Für mich, für uns war es ein schöner Familientag, der um diese uhrzeit gegenüber des Cafes Segafredo endete, als meine "behinderte" Tochter von einem unheimlich blickenden Mann angestarrt wurde, mein Kind stand in Höhe seiner brennenend Zigarette, als der Mann mich ansprach und fragte, ob er mir einen Rat geben dürfe. Die Tatsache, wie mich und meine Tochter ansah, machten mich hellhörig und ich verneinte. NEIN, ich wolle keinen Rat von ihm. Unbeirrt dessen flüsterte er, dass ich eine Chance verpassen werde und fuhr ungefragt, ungebeten, ungewollt fort, dass ich einen ZOMBIE aufziehe.
Mein Mann sagte später zu mir, an meinem Gesichtsausdruck hatte er erkennen können, dass ich etwas Schreckliches gehört haben musste.

Die verletzenden Worte hallten in meinem Kopf und mir wurde schwindlig. Der Mann hörte nicht auf: Wie meine Tochter mit ihren dicken Brillengläsern aussehe! Und weiterhin stellte er fest, dass sie an mich gekettet sei!
"Sie ticken doch nicht richtig!" fiel mir leider nur ein und ich wendete mich ab.
Mein Mann rannte dem braun-grau-haarigem Mann, der eine Zigarette rauchte, einen Drei-Tage-Bart hatte und ein dunkelblauskariertes Hemd trug und sein Fahrrad über die Ampel Richtung Dalberg schob, mit dem Kinderwagen und unserer anderen Tochter hinter her. Stellte ihn zur Rede und erfragte seinen Namen.
Herr Gotthart oder Gottwart, ob er wirklich so heisst, meint wohl dass er auch Gott sei, der er wisse, dass unser Kind von anfang an falsch therapiert worden sei.

Wir mussten auf diese letzte schmerzende Äußerung die Kommunikation abbrechen, denn sonst wären wir handgreiflich geworden.

Unserer Tochter hätte nicht überlebt, wäre sie nicht mehrmals operiert worden.
Wir sind froh, dass unserer Tochter mit Hilfe ihrer Brille sehen kann.
Wir schätzen uns glücklich, dass wir unser Kind jeden Tag erleben können, denn wir wissen nicht für wie lange.

Jeden Tag müssen wir Kraft für uns und unsere Familie aufbringen.

Aber solche Äußerungen von wildfremden hirnlosen Passanten, die uns nicht nur belästigen sondern uns beleidigen, ziehen wie ein Magnet jegliche mühsam erhaltene Kraft aus uns und hinterlässt eine Zusammengesackte Ausgesaugte Leere.


Ich habe nun Strafanzeige gestellt. Leider kenne ich nicht den richtigen Namen.
Unsere Lokalzeitung traut sich nicht, auch ohne Nennung des eventuellen Namens, meinen BEricht zu drucken. ICh verstehe das nicht, wie kann ich die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen, wie kann man solchen Menschen oder was auch immer sie sind, das Handwerk legen??
**Claudia** 05.07.2007, 16:03#2
AW: Beleidigung von Behinderten

Hallo Tatjana,

ich habe den Eindruck, dass der besagte Mann selbst nicht "Herr seiner Sinne" war.
Persönlich gebe ich in so einer Situation entweder eine doofe Antwort zurück oder ich lasse mich gar nicht weiter auf eine Diskussion ein, gerade wenn sich jemand von "Gott gesendet" fühlt, kann irgendetwas nicht ganz stimmen.
HKBKL 05.07.2007, 20:00#3
AW: Beleidigung von Behinderten

Hallo Tatjana

Das kann ja wohl nicht wahr sein was ich da gerade gelesen habe? Da kann ich nur den Kopfschütteln, was sich dieser Mann (kann man ihn Mann nennen) gesagt hat. Wir sind froh über jeden Fortschritt die unsere Kinder machen und dann sag dir so einer das.

Diese Menschen die so was sagen, wissen sie eigentlich was sie da sagen. Glaube nicht.
Sag mal gibt es bei euch eigentlich nicht eine Zeitung die bei jeden Haushalt ins Haus kostenlos kommt?
Bei uns gibt es die Drei mal ine Woche.
Da würde ich mal eine Anzeige rein setzen und auf solche Menschen aufmerksam machen. Die Zeitung die Freitags bei uns kommt, da kann man so was kostenlos reinsetzen.Wenn Ihr sowas habt.dann frag da doch mal nach ob man dort eine Anzeige rein setzen kann.

Heike
Nicki 11.07.2007, 14:23#4
AW: Beleidigung von Behinderten

Hallo!
Das ist ja echt frech. Aber ich kann mich nur anschließen, dieser Typ scheint nicht alle auf dem Kasten zu haben.
Mir passiert es auch schon mal , das man mich blöd anquatscht, da Lukas aufgrund seiner Behinderung sehr unruhig, laut ist. "Schlecht erzogen" und so was höre ich dann schonmal. Das hat mich vor 2 Jahren noch echt getroffen, aber nun lache ich die Leute einfach nur blöd an. Das hat aber echt lange gedauert, bis ich das geschafft habe.
Kirsten 11.07.2007, 14:54#5
AW: Beleidigung von Behinderten

Hallo Tatjana,

eigentlich kann ich mich Nicki nur anschließen. Hebt eure Kraft für andere wichtige Dinge auf. Menschen die einen dumm anquatschen, wird es immer wieder einmal geben. Die ersten Jahre ist man sehr empfindlich. Wir wurden immer nur angestarrt. Irgendwann habe ich zurückgestarrt und als einmal eine Frau unseren Sohn anstarrte und dabei gegen eine Glastür stieß, wurde mir bewußt, wie arm doch diese Menschen dran sind. Heute entgegne ich solchem Personenkreis: wenn ein paar Minuten Zeit drin sind, kann ich Aufklärung bieten. Wir kommen ja auch aus Aschaffenburg und ich arbeite in Selbsthilfeorganisationen, die eben Aufklärung anbieten. Gerade in Aschaffenburg ist die Integration von Menschen mit Behinderung ganz gut in Gange. Es war bei euch vielleicht ein unglückliches Zusammentreffen an einem unglücklichen Ort. Vergesst die Angelegenheit, selbst eine Strafanzeige kann das Geschehen nicht rückgängig machen. Die Schmach, die ihr erlitten habt, sitzt tief und ich kann euch gut nachfühlen. Nach meiner heutigen fast 17-jährigen Entwicklung mit meinem Kind, hätte ich eher Mitleid als Wut auf diesen, von euch beschriebenen "Herrn". Lasst euch ein dickes Fell wachsen und lasst nicht alles an euch herankommen. Man wächst hinein und wird stark - sehr stark. Letztlich möchte ich noch etwas zur Lokalzeitung loswerden. Es wurden schon oft Versuche gestartet, auf Situationen im Umgang mit Menschen mit Behinderung hinzuweisen. Egal in welche Richtung. Es bedarf schon einer "großen" Tragödie, die noch dazu breites Interesse der Leser wecken wird, möchte man damit an die Öffentlichkeit gehen. Das tut weh, für uns unverständlich, aber so ist das wirkliche Leben. Auch das habe ich in den letzten Jahren lernen müssen. Es gibt aber die Sonntags Zeitung, die geht , denke ich, eher auf solche Themen ein.
Ich wünsche euch weiterhin viel Freude mit euren Kindern und eine gute Zeit. Kopf hoch, ihr habt keinen Grund euch bzw. euer Kind zu verstecken. Ihr könnt stolz auf euch und eure Tochter sein, was ihr und sie bis jetzt erreicht habt und hat.
Liebe Grüße
kirsty