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Problematik schildern an die Behindertenbeauftragt

Yvonne 23.02.2007, 20:31#1
Hallo ihr alle,

ein Mitglied mit einem behindertem Kind aus meinem Verein in dem ich ehrenamtlich tätig bin hat an die Behindertenbeauftragte Silvia Schmidt ( http://www.silviaschmidt.de ) geschrieben und hat nun eine Reaktion und einen Gesprächstermin am 07.03.07 bekommen.
Da sie aber eiegentlich nicht nur über ihre Probleme reden möchte kam ich auf die Idee euch aufzufordern euch einfach alles von der Seele zu schreiben was euch am Herzen liegt und was für uns alles geändert werden müsste, damit wir alles ein bisschen einfacher mit unseren behinderten Kindern haben.
Sie würde alles sammeln und es auf eine CD brennen und es ihr übergeben und sicherlich auch Ansatzweise im persönlichen Gespräch berichten.
Ich habe unten mal die Mail angefügt, die sie an Frau Schmidt geschickt hat. Ihr könnt das was euch auf dem herzen liegt direkt an Simone schicken

Liebe Grüße

Yvonne



----- Original Message -----
From: Simone Ahrens (home)
To:
Sent: Wednesday, January 24, 2007 2:08 PM
Subject: Alleinerziehende Mutter eines schwerstbehinderten Kindes




Sehr geehrte Frau Schmidt,

mein Name ist Simone Ahrens (www.simone-ahrens.de). Ich lebe in Berlin und bin alleinerziehende Mutter eines schwerstbehinderten 16jährigen Sohnes sowie einer 15jährigen Tochter. Ich habe Wirtschaftsmathematik studiert und arbeite in einem kleinen Unternehmen Vollzeit als Data Manager und Statistiker.

Außerdem bin ich ehrenamtlich im Verein Mobil mit Behinderung e.V. als Leiterin des Stiftungsteams tätig und helfe Familien mit behinderten Kindern auf dem Weg zur Finanzierung eines behindertengerecht umgebauten Fahrzeugs, was sich aufgrund der Gesetzeslage als unwahrscheinlich schwierig gestaltet. Ich mußte mir vor 3 Jahren selber helfen und gebe nun meine Erfahrungen weiter.

Ich habe erfahren, dass Sie darum bitten, bestehende Probleme bzgl. Behinderung Ihnen mitzuteilen und möchte davon gerne Gebrauch machen.

Dass es Probleme im Leben mit Behinderung gibt, ist allgemein bekannt. Aber jede Behinderung hat ihre Eigenarten und somit sehen auch die Probleme sehr unterschiedlich aus.

Ich gehöre als Alleinerziehende mit einem behinderten Kind zu einer Gruppe von Müttern/Vätern, die es besonders schwer haben, Ihren Alltag zu managen. Oft wird die Berufstätigkeit aufgegeben wegen der zeitaufwendigen Pflege und Betreuung des Kindes und dem Kampf mit Behörden und Krankenkasse, so dass daraus wieder neue schwerwiegende finanzielle und gesundheitliche Probleme entstehen.
Aber auch die Berufstätigkeit aufrecht zu halten, grenzt oft an Unmöglichkeit und zieht den körperlichen Zusammenbruch nach sich.

Im letzten Jahr habe ich mich völlig verzweifelt an den Behindertenbeauftragten des Stadtbezirks Hellersdorf gewandt, da ich kurz vor einem erneuten Zusammenbruch stand und einfach niemanden fand, der die Betreuung meines Sohnes stundenweise im Rahmen des Familienentlastenden Dienstes übernehmen könnte. Erst als dieser sich einschaltete, kam ein Stein ins Rollen.

Plötzlich fand sich ein kräftiger Mann, der für 2 h einmal in der Woche und alle zwei Wochen am Wochenende für 3 h die Aufsicht übernimmt. Die Bezahlung findet im Rahmen der zusätzlichen Betreuungskosten der Pflegekasse in Höhe von 460 Euro statt. Eine Betreuungsstunde kostet 8 Euro. Daraus folgt, dass wir im Jahr 57,5 h zur Verfügung haben. Benötigen würden wir jedoch ca. 150 h.
Auch ergab sich daraus, dass ich nun für 1 Jahr eine Einzelfallhilfe für 2 mal 3 h pro Woche !ohne Zuzahlung! genehmigt bekommen habe, auch wenn ich erneut mein gesamtes Leben dafür offenbaren mußte.

Hinter mir liegen nun 16 Jahre ständige Pflege und Betreuung meines Sohnes ohne Unterstützung des Vaters, weder persönlich noch finanzielll in Form von Unterhalt, und die Spuren der Überbelastung sind leider mittlerweile täglich offensichtlich. Die Angst, von Berufsunfähigkeit betroffen zu werden, steigt ständig.

Ich möchte hier an dieser Stelle bestimmt nicht mein ganzes Leid klagen, das ist nicht meine Art. Ich weiß, dass dies nicht mein Schicksal alleine ist. Es gibt so viele Frauen, die in ähnlicher Situation leben und an der Grenze Ihrer Möglichkeiten täglich aggieren.

Ich habe mir schon viele Gedanken gemacht, warum es soweit kommen konnte und ich habe nach Lösungsmöglichkeiten gesucht, die es verhindern könnten.

Dies hier niederzuschreiben, würde den Rahmen dieser Email sprengen. Während einer Recherche im Internet bin ich auf eine Diplomarbeit zu genau dieser Problematik gestoßen. Ich möchte Sie bitten, in einer ruhigen Minute einen Blick in diese Diplomarbeit zu werfen, denn sie erläutert sehr genau, was mich schon so lange bedrückt.

http://www.muetter.besondere-kinder.de/ Hier müßten Sie unter Diplomarbeiten folgendes Thema auswählen:

Dorothee Rahab:
Einelternfamilie mit einem behinderten Kind

Neben den Problemen der Einelternfamilie mit behindertem Kind gibt es noch weitaus mehr Themen, die mich dazu bewegt haben, meine ehrenamtliche Tätigkeit aufzunehmen wie z.B. das Problem mit der Mobilität. Wissen Sie, wieviele Familien uns täglich anschreiben und uns um Hilfe bitten, weil sie nicht mehr weiterwissen?

Wußten Sie, dass in diesem Land nur behinderte Menschen finanziell gefördert werden, die ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen können?
Was ist mit den unzähligen behinderten Kindern, deren Familien die überteuerten behindertengerechten Umbauten für ein Fahrzeug nicht bezahlen können und somit aus der Gesellschaft und dem "normalen" Leben ausgegrenzt werden? Selbst die Eingliederungshilfe greift hier nicht.

Ich möchte gerne etwas ändern. Ich möchte, dass es mir, vielen anderen und zukünftig Betroffenen besser geht und ich habe verstanden, dass ich das nur kann, wenn ich mich zu Wort melde.

Ich würde Ihnen gerne meine Gedanken und Verbesserungsvorschläge mitteilen. Doch ich würde dies sehr gerne in einem persönlichen Gespräch tun. Deshalb würde ich mich sehr freuen, wenn Sie eine Möglichkeit dafür fänden.

Ich hoffe, meine Mail war nicht zu lang. Es ist so schwierig, seine Bedürfnisse und Probleme in Worte zu fassen und dabei nicht auszuschweifen.

Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Simone Ahrens