Folgender Sachverhalt:
Eltern geschieden, Kinder leben bei der Mutter. Eine Tochter ist schwerstbehindert, sie kann nicht laufen, nicht sprechen, muss gefüttert werden und benötigt Windeln. Sie ist mittlerweile 10 Jahre und wiegt etwa 60 Kilo, ist also auch stark übergewichtig.
Die Tochter wird in der Woche morgens vom Fahrdienst abgeholt und befindet sich bis 17 Uhr in einer Einrichtung. Die Mutter kann mit diesem Kind nie raus, weil sie die Tochter nicht mehr alleine in den Rollstuhl oder ins Auto heben kann.
Der Vater nimmt beide Kinder (die andere Tochter ist Teenager und gesund) im14 tägigen Rythmus am WE zu sich. Er ist selber schwer übergewichtig und schafft es mittlerweile selber kaum, die schwerstbehinderte Tochter in seine Wohnung im Dachgeschoss zu tragen.
Er versorgt beide Kinder, versucht auch bei schönem Wetter mit den Kindern nach draußen zu gehen. Mittlerweile gibt es aber erhebliche Probleme. Die schwerstbehinderte Tochter schreit (weint nicht), ist ihre Art sich zu artikulieren, in einer erheblichen Lautstärke. Das ist so den ganzen Tag auch abends und früh morgens. Dazu haut sie mit Gegenständen auf das Laminat oder gegen die Wand oder die Tür. Man kann es nicht abstellen und sie begreift auch nichts.
Die Situation ist sehr belastend und hat einen hohen Stressfaktor. Wie geht man damit um?
Dazu kommt, dass sie nunmehr ihre Regel bekommen hat.
Daher auch die Frage, wie lange ist es dem Vater zuzumuten die Tochter sauberzumachen und zu wickeln. Sie ist ja mittlerweile entwickelt. Daneben ist die Wohnung nicht groß genug, dass auch die ältere Tochter allein schlafen kann. Das schwerstbehinderte Kind schläft kaum und ist halt wie oben beschrieben sehr laut.
Wo gibt es Hilfe, wenn jedes Elternteil mal Urlaub braucht. Die Mutter arbeitet nicht, der Vater hat nur 20 Tage Urlaub. Auch er braucht im Urlaub Erholung.
Er nimmt die Kinder 14 Tage im Sommer.
Die Mutter will keine Heimunterbringung, weil sie dann keinen mehr Anspruch auf die größere Wohnung hat, keinen Anspruch auf das Auto und das Pflegegeld und arbeiten müsste. Wer prüft, ob eine vernünftige Betreuung überhaupt noch möglich ist.
Hallo Nina,
in Sachen Urlaub und co. kann die Pflegekasse mit Verhinderungs- und Kurzzeiutpflege helfen. Alles andere, ist so wie sich das anhört, ein Fall für eine "FamilienTherapie", ( unterstützung von Caritas, Diakonie und c. ) und Unterstützung durch das Jugendamt.
In Sachen "dem Vater die pflege zuzumuten... " kuck mal in meinen Anhang. Wenn man so eine Frage stellt, dann umgekehrt.... : Wie lange ist es einer Frau zuzumuten, vom ihrem Vater gewindelt zu werden...

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Helmut
Nachtrag... irgendwie mag das Forum meinen Anhang nicht..
Vater von Sonja, 22.J. alt, nach einer schweren Erkrankung im Alter von 2 Wochen aber auf dem Stand von 9 - 15 Monaten. ICP, HC, Epi. gehörlos, kaum Verständigung. Schwerstmehrfachbehindert.

Helmut
Hallo Nina,
Wer prüft, ob eine vernünftige Betreuung überhaupt noch möglich ist.
Wenn eine Person von der Pflegekasse Pflegegeld erhält, ist alle 3 bzw. 6 Monate ein
"Pflegeeinsatz nach § 37 Abs. 3 SGB XI" vorgeschrieben. Dieser erfolgt durch einen Fachdienst (Lebenshilfe, Caritas, Sozialstation...) und muss in der Lage sein, die entsprechenden Hilfen zur Verfügung zu stellen oder zu vermitteln.
Auch die Einrichtung (Schule), in der das Mädchen tagsüber betreut wird, sollte solche Infos haben.
Hallo Nina,
noch eine Ergänzung zu dem Hinweis auf Verhinderungs- und Kurzzeitpflege von Helmut. Nähere Infos was einem da zusteht, findest du auf
dieser Seite. In diesem Rahmen werden von Diensten wie der Offenen Behindertenarbeit, dem Familientlastenden Dienst oder Kurzzeitpflegeeinrichtungen Betreuungszeiten übernommen, z.B. stundenweise oder auch mal ein Wochenende, so dass jeder Zeit zum Ausspannen hat.
Ansonsten ist das natürlich eine sehr schwierige Situation. Wenn ich das richtig herauslese, klingt da der Vorwurf an die Mutter an, dass sie die Situation für alle belastend hält, weil sie sich gegen eine Wohnheimunterbringung wehrt,
weil sie dann keinen mehr Anspruch auf die größere Wohnung hat, keinen Anspruch auf das Auto und das Pflegegeld und arbeiten müsste.
Empfindet sie denn selbst die Situation als so belastend, wie du sie schilderst? Hast du den Eindruck, dass die behinderte Tochter unter der Situation leidet? Oder ist eher so, dass du denkst, so etwas "dürfte nicht so sein"... Aus deiner Schilderung gewinnt man den Eindruck, dass Sie - finanziell gesehen - von ihrer behinderten Tochter lebt. Könnte es nicht auch sein, dass sie einfach ganz normale "Muttergefühle" für ihre Tochter hat und sie deswegen nicht in ein Heim geben möchte? Wer macht so etwas schon gerne? Das kann man als Außenstehender immer schnell fordern, aber trotzdem geht es um eine Mutter und ihre 10(!)-jährige Tochter...
Ich denke auch, dass eine Beratung von Außenstehenden, z.B. einer Familienberatungsstelle oder psychosozialen Beratungsstelle der Familie helfen könnte, etwas zu ihrem Vorteil zu verändern. Das bringt aber natürlich nur etwas, wenn diese das auch will.
Viele Grüße,
Holger
(Holger @ 30. 11 2006, 09:03)
Empfindet sie denn selbst die Situation als so belastend, wie du sie schilderst? Hast du den Eindruck, dass die behinderte Tochter unter der Situation leidet? Oder ist eher so, dass du denkst, so etwas "dürfte nicht so sein"... Aus deiner Schilderung gewinnt man den Eindruck, dass Sie - finanziell gesehen - von ihrer behinderten Tochter lebt. Könnte es nicht auch sein, dass sie einfach ganz normale "Muttergefühle" für ihre Tochter hat und sie deswegen nicht in ein Heim geben möchte?
Vielleicht noch eine Ergänzung:
Ich glaube schon, dass die Mutter Muttergefühle hat, aber ich sehe auch wie die Erziehung insgesamt-also auch bei der älteren Tochter abläuft. Diese sitzt nach der Schule den ganzen Tag am Computer, es gibt nichts anderes. Die Mutter ebenso, sie telefoniert aber auch sehr viel. Die ältere Tochter beschwert sich, dass die Mutter nicht mal einkaufen geht, sogar Essen bei Ebay bestellt. Meiner Meinung nach ist die Frau sehr bequem und in meinen Augen nutzt sie diese-wenn auch wirklich schwierige -Situation um nicht arbeiten zu müssen. Sie lebt vom Pflege-Kinder-und Unterhaltsgeld sowie Sozialhilfe. Ich kenne diese Familie jetzt bald 10 Jahre.
Die Kinder verwahrlosen emotional. Die Große bekommt alle materiellen Wünsche stattdessen erfüllt. Die schwerstbehinderte Tochter bekommt nicht mal das, sie trägt die schäbigsten Lumpen (sie merkt es ja nicht und kann sich nicht wehren...). Ich kenne den Vater und er hat ein massives Problem, aber er kommt gegen die Exfrau nicht an. Alle beide sind nicht bereit sich beraten zu lassen. Sie gehen mit der schwerstbehinderten Tochter nicht mal zum Arzt. Gar nichts. Kommentar: Da kann man eh nichts mehr machen...Ich finde, dass hat nicht viel mit Liebe zu tun. Micht entsetzt das eher. Beide Elternteile bejammern nur ihre Situation, wollen aber aus finanziellen Gründen nichts ändern.
Daher verstehe ich nicht, wenn bezüglich Pflegegeld wirklich die Bedürftigkeit geprüft wird, weshalb es niemand auffällt, dass die Mutter die Tochter gar nicht mehr tragen oder heben kann. Genauso wie der Vater. Da war noch nie jemand!
Ich glaube, dass die behinderte Tochter die Siutuation als belastend erlebt, auch wenn sie nicht reden kann.
Sie ist in ihrer Art sehr agressiv geworden, ich glaube sie langweilt sicht. Keiner macht was mit ihr, und allein spielen kann sie nicht. Sie sitzt nur auf dem Boden....
Hallo Nina,
was für Möglichkeiten es zur Entlastung bei Überforderung gibt (Verhinderungs- u. Kurzzeitpflege) wurde ja schon angesprochen.
Wenn man Pflegegeld bekommt, wird regelmässig geschaut, ob die Pflege auch gewährleistet ist, bei Pflegestufe I einmal im Jahr, bei Pflegestufe II u. III einmal je Halbjahr.
Da müssten Zeichen von fehlender Pflege und Verwahrlosung eigentlich auch auffallen.
Es gibt auch die Möglichkeit kostenlose Pflegekurse zu belegen, bei Bedarf können diese auch im Haushalt des zu Pflegenden stattfinden , um konkret die individuelle Pflegesituation zu berücksichtigen.
Zudem gibt es Hilfsmittel wie mobile Lifter oder höhenverstellbare Pflegebetten.
Ich kenne diese Familie und die Situation nicht, ein schwerbehindertes Kind zu haben und zu pflegen ist nun mal auch sehr schwer und man kommt leicht an seine Grenzen und in Überforderungssituationen. Sind die beiden denn über die Möglichkeiten einer Entlastung überhaupt informiert? Also Verhinderungs-oder Kurzzeitpflege, FED etc.?
Man darf es sich nicht zu einfach machen, wenn man als Aussenstehender selber nie in einer solchen Situation war.
(Nebenbei, ich finde nichts verwerfliches daran wenn man Möglichkeiten nutzt sich das Leben einfacher zu machen, ich kann und darf momentan nicht schwer heben und wenn ich niemand finde, der mich beim Einkauf unterstützen kann, dann nutze ich die Möglichkeit des Lieferdienstes eines Supermarktes in der Nähe oder die Onlinebestellmöglichkeit mit Versand einer Drogeriekette, um nicht Wasch- u. Putzmittel etc. schleppen zu müssen.)
Du sprichst sehr direkt von Vorsatz und Unfähigkeit sowie fehlendem Willen etwas an der Situation zu ändern und von Vernachlässigung und Verwahrlosung.
Wenn du dir da sicher bist und Versuche von Gesprächs- u. Hilfangeboten deinerseits auch nichts bringen (du scheinst ja näheren Kontakt zu haben, um dies zu versuchen, Informationen hast du hier ja bekommen und um dir solch ein Urteil zu bilden zu können) dann hast du allerdings auch die Verpflichtung in meinen Augen aktiv zu werden und die entsprechenden Stellen, also das Jugendamt einzuschalten.
LG, amai
Das Jugendamt hat sich in der Vergangenheit bereits an mich gewandt, weil beide Elternteile sich eher bekämpft als konstruktiv mitgearbeitet haben. Ich bin die Freundin des Mannes und bekomme die Situation hautnah mit. Ich selber kenne die Überforderungssituationen durch diverse Wochenenden und Urlaube. Bin selber Mutter einer 10 Jahre alten Tochter, daher wirke ich sehr wohl unterstützend mit, aber ich habe auch eine chron. Erkrankung und bin trotzdem voll berufstätig, habe noch eine eigene Wohnung, daher ist es nicht leistbar, 2 Wohnungen und drei Kinder zu versorgen, weil beide Elternteile die Betreuungsfunktion am liebsten abgeben würden...
Ich zeige Hilfsmöglichkeiten auf bzw. mache Lösungsvorschläge, aber es scheitert daran, dass die Mutter möchte, dass sich der Vater allein kümmert bzw. verantwortlich fühlt. Sobald er nicht so funktioniert, geht sie zum Anwalt oder entzieht ihm die Kinder. Ich wollte in diesem Forum einfach mal erfahren, ob es anderweitige Hilfe gibt. So gilt er als Rabenvater, wenn er zugibt, er schaffe es nicht mehr.
Die Verwahrlosung ist eher emotional, weil die Eltern durch die Situation überfordert sind. Das Familienleben-unseres- leidet ebenfalls, weil Unternehmungen sich schwierig gestalten. Mit Rollstuhl kann man nicht überall hin. So neigen der Vater und die Große Tochter drinnen zu bleiben und den ganzen Tag zu fernsehen oder am Computer zu sitzen. Ich mag das nicht und gehe lieber mit meiner Tochter raus und unternehme was. Das gibt aber jedesmal Ärger, weil der Vater frustriert ist...Ich und meine Tochter brauchen aber auch diese Auszeiten, denn uns macht die Behinderung seiner Tochter auch zu schaffen (keine Ruhe, kein Schlaf, der Gestank der Windeln). Sorry, aber wie geht man damit um, wenn es einem zuviel wird. Es kann ja keiner was dafür.