Archiv des früheren intakt-Forums (schreibgeschützt, Beiträge bis 2020) · Zum aktuellen Forum: community.intakt.info · www.intakt.info

williams beuren syndrom + andere behinderungen

maria_st 14.11.2006, 20:12#1
hallo eltern und bekannte von kindern mit einer behinderung, besonders mit dem wbs!

auch ich schreibe bei meinem studium eine arbeit über behinderung, und zwar über die INTEGRATION von kindern mit wbs.
mein dozent hat aber eine sehr eigenwillige meinung und es ist schwierig eine arbeit zu schreiben, wenn ich schon vorher weiß, dass er sie nur gut finden wird wenn sie seine meinung widerspiegelt!!!
seine meinung wäre nun folgende: man sollte alle kinder zusammen in normale kindergärten und schulen schicken. er findet organisationen nur für behinderte, z.B. schulen, sportgruppen... sinnlos! Diese meinung hat mich sehr schockiert, da er uns immer wieder von seiner jahrelangen erfahrung in der arbeit mit behinderten menschen erzählt!
so wollte ich mal euch, die ihr ja direkt betroffen seid, um eure meinung fragen!
Auch wenn ihr kein wbs Kind habt, es geht bei diesem heiklen thema um alle kinder mit behinderung.
Liebe Grüße,
Maria
Gast 15.11.2006, 08:51#2
Ich war auf einer Schule, an der auch Behinderte "integriert" waren. Das sah so aus, dass sie zwar mit im Unterricht waren, aber mehr auch nicht. Keiner hat sie zum Geburtstag eingeladen, oder sich nachmittgas mit ihnen verabredet. Sie waren immer die Außenseiter und immer alleine mit ihrer Behinderung.

An Schulen speziell für Behinderte haben alle ihre Behinderung, da haben sie Kinder, die wie sie sind und sind keine einsamen Außenseiter mehr.

Ich denke, Intergration an Regelschulen ist nicht für jedes Kind hilfreich und förderlich.
claudia&joachim 15.11.2006, 11:11#3
Hallo Maria,
ich denke ,man muß sehr genau differenzieren. Nicht alle Behinderungen sind überall integrationsfähig. Es macht schon sinn einige handicaps in besonderen schulen zu betreuen, da die voraussetzungen und möglichkeiten( ausstattung/ Spezielförderungen ) hier besser gegeben sind z.b. schwer körperbehinderte kinder sind an normalen schulen nur im einzelfall zubetreuen. Generell sollten behinderte kinder aber nicht " ausgelagert " werden. Nur wenn in jeder Schule auch " andere " kinder beschult werden, kann sich auf dauer in der bevölkerung eine andere meinung über behinderung bilden. mein sohn ( autist )geht in ein normales gymnasium. in den ersten 2j ahren hatte er überall einen schweren stand, trotz integrationshelfer.in den letzten wochen wird es aber besser. die klasse wurde anders strukturiert und hat einen neuen klassenlehrer bekommen. auch der gu-lehrer setzt sich besser in szene.betroffene eltern müssen sich sehr einsetzen und nicht locker lassen, sonst ist alle integration vergebens. nach dem "versuch" mit unserem sohn, wurden in unserer schule nun ein rollstuhlkind und ein weiterer autist aufgenommen.
allerdings muß ich auch sabine recht geben, mein sohn (7.Klasse) wurde bisher zu keinerlei
freizeitaktionen oder geburtstagen eingeladen und ist immer noch ein außenseiter.nur zum hausaufgaben abschreiben ist er gut
wenn schulen für behinderte, dann sehr differenziert und mit allumfassender beratung, was
für das kind das beste ist ( für autisten gibt es keine förderschulen ! )
claudia&joachim 15.11.2006, 11:13#4
P.S.
wie wäre es mit einer " Behindertenquote " für jede regelschule ??
claudia
maria_st 15.11.2006, 14:36#5
dankeschön für die antworten!

trotzdem möchte ich noch meine meinung los werden: ich finde es super, behinderte kinder in eine normale schule zu integrieren, wenn die möglichkeit besteht. aber ich glaube das kann nicht für alle kinder in frage kommen, entweder wegen dem "grad" der behinderung und auch wegen dem finanziellen; vor allem aber deshalb, weil die menschen zu wenig sensibilisiert sind!!!

Trotzdem glaube ich, dass kinder mit bestimmten behinderungen in eigenen schulen besser gefördert werden können und würde diese institutionen nicht als schlecht ansehen. auch z.b. in einer behindertengruppe finden sie kontakt zu gleichaltrigen kindern, da es in einer normalen sportgruppe natürlich schwierig ist, sie zu integrieren.
deshalb habe ich ich auch so über die aussage meines dozenten geärgert; ich verstehe durchaus dass integration ein MUSS ist, doch manchen kindern können z.b. in behindertenschulen viel beser gefördert werden!

oder seht ihr das anders?
Inge 15.11.2006, 19:25#6
Hallo Maria,
vollständige Integration wäre für mich sehr wünschenswert, wird meines Erachtens aber schwer zu verwirklichen sein, weil das Leistungsdenken und Schubladendenken vieler Eltern, Pädagogen und Behörden zu stark ist. In manchen Förderschulen werden sogar Klassen mit ausschließlich schwerstbehinderten Menschen gebildet, um diese "besser zu fördern".
Es gibt aber kaum eine bessere Förderung als das ständige Zusammensein mit "leistungsstärkeren" Menschen. Und es gibt kaum eine bessere Förderung des Sozialverhaltens als das ständige Zusammensein mit "schwächeren" Menschen.
Es wäre schon sehr viel in Bezug auf Integration gewonnen, wenn alle Schüler unter einem Dach unterrichtet werden würden. Schließlich könnten viele Schulstunden und die Pausen gemeinsam gestaltet werden, und dann auch noch verschiedene Kurse besucht werden. Die Behinderung dürfte hier aber nicht der Wegweiser sein, sondern einzig und allein die Neigungen und Möglichkeiten des einzelnen Schülers.
Holger 16.11.2006, 11:48#7
Hallo Maria,

es kommt ja auch immer darauf an, was man für Bedingungen für Integration hat. Deshalb kann man meines Erachtens nie sagen "Integration ja oder Integration nein". Und die Bedingungen sind ja leider überall anders. Woher kommst du denn bzw. wo hat dein Dozent gearbeitet? Das ist ja schon entscheidend, wenn man darüber redet, wie weit Integration gehen soll. Bringt ja nichts, wenn man nun alle Sondereinrichtungen zu macht und dann aber auch in den Regeleinrichtungen keine entsprechenden Angebote schafft...

Grüße,
Holger
Gast 16.11.2006, 17:27#8
hallo holger,

ich weiß nur dass mein dozent aus deutschland kommt; ich studiere in italien. ich weiß aber dass er in heimen und wohngemeinschaften mit behinderten, vor allem mit kindern, gearbeitet hat. trotzdem macht er immer wieder witze auf einem niveau, das nicht einmal jemandem entsprechen würde, der behinderte beleidigen wollte!!!
Gast 16.11.2006, 18:32#9
Zum Thema Integration weiß ich leider nichts, wollte dir aber mal eben diesen Link schicken. Da sind wiederum Links und ich glaube, es gibt für am Thema WBS Interessierte eine deutschsprachige Mailingliste. Dein Professor wird sich damit abzufinden haben, dass seine Meinung nicht die von allen anderen Menschen ist und wenn du Statements von Eltern in deine Arbeit mit einbaust, wird er ihnen kaum wiedersprechen können. Schließlich sind Eltern immer die Experten in eigener Sachen bzw. in Sachen ihres Kindes ;-)

http://de.wikipedia.org/wiki/Williams-Beuren-Syndrom

Viele Grüße und alles Gute für deine Arbeit!
Silke
Gast 17.11.2006, 08:56#10
Liebe Maria,

Italien, du hast's gut...
warum wendest Du Dich nicht einfach an die
Associazione Italiana Sindrome Di Williams Onlus?
Und sag doch auch Deinem Dozenten, dass das
Syndrom in Italien nicht nach Beuren benannt ist. In den nächsten Tagen hörst Du auf jeden Fall noch einmal von mir.

Heidrun
Elfenkind 18.11.2006, 22:47#11
Hallo Maria
Mein Sohn Christos ist 2 Jahre alt und hat das WBS. Seit 3 Tagen geht mein kleiner in einen Behindertenkiga, vorraussichtlich bis er 3 J. ist. Ab da bekommen wir eine Integrationskraft und einen
regelkindergartenplatz. Vorraus geplannt haben wir schon, mal sehen wie er sich so entwickelt. Sorry,
aber dein Dozent hat wohl noch nie mit Kinder die das WBS haben zu tun gehabt! Es gibt so viele verschiedene WBS Kinder, bei einigen merkt man fast nichts an, andere wiederum können mit 8 Jahren kaum alleine Treppen steigen. Wie soll denn das Kind nach seiner Meinung die Treppen zur schulu oder in der Schule meistern?
Manche Kinder sind in einem Regelkindergarten so überfordert das die sich die Ohren zu halten und
sich in eine Ecke verstecken. Wenn das meiner tun würde wäre er den letzten Tag da gewesen.
klar wäre das toll wenn Behinderte Kinder in normale schulen oder Kigas gehen könnten. Aber sie sind nun mal Behindert der eine mehr der andere weniger.
Mein Sohn ist zu 80% Schwerstbehindert eingestuft und das mit 2 Jahren!!!!!!
wenn du weitere Eltern infos möchtest schau doch mal da nach www.wbs-bayern.de

LG Elfenkind
maria_st 20.11.2006, 12:38#12
danke heidrun für deinen tipp!!!

liebes elfenkind, ich finde es super dass es bei euch mit dem kindergarten so gut klappt und dass christos eine integrationskraft bekommt!

könntest du mir sagen was die besonderen schwierigkeiten bei der integration von christos sind oder vorraussichtlich sein werden?
Elfenkind 24.11.2006, 22:15#13
Hallo Maria
genau das ist das Problem es gibt so viel verschiedene WBS Kinder. Einige sind in ihrem Geistigen und Körperlichen kaum eingeschrenkt, besuchen dann dann halt "Nur" Sonderschulen.
bei Christos wissen wir es noch nicht genau wie sich das Syndrom auswirkt.
mein kleiner war erst 8 Monate alt, als er sich zum ersten mal auf die Seite drehen konnte. dann kam ein langer stillstand mit 16 Monate konnte er frei sitzen. Wieder stillstand. Dann mit 20 Monate klappte es dann schlagartig mit alleine hinsitzen, robben und auf Mama, essen, trinken zu reagieren.
Er ist jetzt 23 Monate alt und kann nicht krabbeln, sprechen, gehen und alles nur pürriert essen.
Es lässt sich absolut nicht einschätzen wenn es den nä. ruck gibt und er wieder Fortschritte macht.
genauso schwierig ist es zu sagen ob er bist Januar 2008 so weit sein wird um in einen Regelkiga zu gehen. bevor er nicht laufen kann werd ich ihn da nicht hin bringen, nur der Gedanke daran das alle Kinder um Ihn herum springen und er nur am Boden kriecht ist ganz und garnicht schön.
wenn du noch fragen hast! stehe dir gerne zur verfügung.
LG Elfenkind
Felicitasks 25.11.2006, 22:01#14
Mein Lukas (8) ist geistig auf dem Stand eines 5-jährigen, aber nicht in jeder Linie, in Allgemeinbildung, Heimat und Natur weiss er mehr als manches "gesunde" Kind, seine Probleme sind Konzentration, Sprache und (Fein-) Motorik. Er geht nun das 2. Jahr auf eine super Förderschule (G), obwohl er als "Grenzkind" erst mal in FS (L) sollte. Ich war beide Schulen vorher besuchen und habe mich denke ich mal für ihn richtig entschieden. Er möchte auch gern mehr erreichen und schafft es nicht, in einer anderen Schule integriert würde er erst recht die Lust verlieren und absacken finde ich.
Welche Bildung, das muss für jedes "besondere" Kind einzeln entschieden werden, wenn möglich mit dem Kind zusammen und manchmal auch gegen die Entscheidung von Ärzten und Psychologen, als Mutter hat man ja das sogenannte "Bauchgefühl".
Viele Grüße

Karo