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Autismus deutlich häufiger als angenommen

Wolfgang 01.11.2006, 09:27#1
Hallo,
eine neue epidemiologische Untersuchung schätzt die Häufigkeit von Autismus und verwandten Störungen auf ca. 1 %. Bislang ging man von 0,04 bis 0,08 Prozent aus. Viele Betroffene würden demnach fälschlich als lernschwach diagnostiziert, ohne dass ihr Problem korrekt erkannt würde.

Weitere Infos: Deutsches Ärzteblatt, 14.07.2006



Viele Grüße,
Wolfgang
miau 01.11.2006, 10:29#2
Hallo Wolfgang,

was nützt es, wenn Forscher feststellen, das Autismus weiter verbreitet ist, als bisher angenommen, wenn die behandelnden Ärzte niemals diese Diagnose stellen würden? Und selbst wenn die Eltern durch eigene Recherchen oder sogar Erzieher diese Diagnose gemacht hätten, aber das Kind weiterhin als schwerstbehinderter behandelt wird und nicht wie ein Autist?

Warum diese Ironie?
Weil meine Tochter nur kurze Zeit gemäß ihrem Krankheitsbild gefördert wurde. Und zwar solange sie in einem Heim war. Zurück in der alten Schule wurde sie den ganzen Tag über mehr oder weniger betreut. Dass es dann Rückschritte gab, ist für mich aus heutiger Sicht selbstverständlich gewesen.

Dann kommt noch hinzu, dass ich erst vor ein paar Tagen in einem Buch gelesen habe, dass das, was an gestützter Kommunikation heute gelehrt wird und angewandt wird, nicht den Erfolg hat, weil es mehr um technische Fertigkeiten ginge. In dem Artikel hat eine Betreuerin einen Weg gefunden (den sie allerdings nicht näher beschreibt wie), bei dem sie festgestellt hat, dass weit mehr Behinderte Menschen kommunizieren könnten, als derzeit üblich.

Liebe Grüße miau

(das Buch ist von Bert Helllinger und heißt: Liebes-Geschichten. zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern, uns und der Welt )
claudia&joachim 02.11.2006, 11:12#3
Hallo,
vielfach versteckt sich der Autismus hinter anderen Krankheiten und Störungen. Es ist für viele Ärzte einfacher Symthome und " Wahrnehmungsstörungen " zu behandeln, als eine schwierige Diagnostik vorzunehemen.
Mein Sohn wurde 5 Jahre lang therapiert ohne großen Erfolg. Keiner ist auf die Idee gekommen , mal genauer nach den Ursachen zu forschen. Man hatte eine Diagnose : ADHS. Das war einfach. Man hat sich nur gewundert,warum soviele Versuche ohne Erfolg waren.Bester Rat eines Beraters: er will nur nicht, versohlen sie ihn mal. Vor Verzweifelung haben wir ihn dann in eine Kinderpsychiatrie gegeben,dort wurde endlich die Diagnose Aspergerautismus gestellt.Sofort setzte eine gezielte Therapie ein, mit großen Fortschritten und Erfolgen.Ich kannnur jedem raten, sich mit schwammigen Erklärungen nicht zufrieden zugeben und selber bei unzufriedenen Ergebnissen und Therapien nachzuhaken.Auch wenn es schwerfällt,sein Kind in die Hände von Psychiatern zugeben, in unserem Fall war es das Beste. Der Aha-Effekt war riesig. Endlich hatten wir eine Erklärung für sein seltsames Verhalten. Ohne eigenesständiges Nachfragen und Bohren ( wir sind sehr vielen Beratern auf die Nerven gegangen ! ) währe unserSohn auf einer Schule für Erziehungsschwere gelandet,heute besucht er ein normales Gymnasium.
Gruß Claudia
Gast 12.11.2006, 17:33#4
Es ist schade, dass Forscher immer mehr in der Lage sind, Statistiken zu erstellen und daraufhin zu weisen, welche Quote sich höht bzw. prozentual nach oben oder unten ändert, anstatt für diese Menschen mal eine Lanze zu brechen.

Unsere Tochter ist ebenfalls autistisch. Jeder Autist ist anders und nur wenig mit anderen vergleichbar. Dennoch ist mir aufgefallen, dass für gehandycapte Menschen (ich mag das Wort behindert nicht), so wenig getan wird. In ländlicheren Gegenden gibt es kaum Möglichkeiten sich außerhalb von Werkstatt oder Schule zu treffen.

Jeder meint immer noch, dass man als Elternteil doch dankbar sein müsste, wenn überhaupt etwas getan wird. Ich finde es wirklich beschämend, für ein ganz "normalen" Treffpunkt für Jugendliche müssen sich die Eltern auch nicht bedanken, warum sollten wir das tun???

Unsere Kinder haben die selben Rechte...
miau 12.11.2006, 19:11#5
Hallo Ute,

<div id="CODEHEAD">CODE<div id="CODE">Jeder meint immer noch, dass man als Elternteil doch dankbar sein müsste, wenn überhaupt etwas getan wird.

Ist das auch bei euch so? Irgendwie ist das ein Trost für mich, andererseits lässt dies mich laut aufschreien. In den vielen Jahren, als meine Tochter noch betreut wurde, gab es leider viel zu viele Eltern, die auch wirklich dankbar waren, dass sich ihres Kindes einer "erbarmte".

Ich mag auch nicht das Wort behindert. Das heißt für mich: es ist nichts mehr zu machen, nichts kann mehr helfen. Meistens sage ich, dass meine Tochter schwerkrank ist.

Forscher können nicht anders, als das publik zu machen, was gelesen wird. Über den Tellerrand hinausschauen tun dann nur noch sehr wenige. Und diese will man möglichst schnell los werden.
Unsere Kinder haben die selben Rechte...

Auch die Eltern können sich als normale Eltern betrachten. Die Scham ist sehr hoch angesiedelt, als ob man während der Schwangerschaft etwas falsch gemacht hätte und das dürfe bloß keiner merken.Mit solch einem sinnlosen Schuldbewusstsein ist auch dem kranken Kind nicht gedient.

Liebe Grüße miau
Gast 18.11.2006, 00:46#6
Hallo! Ich brauch bitte Euren Rat. Was? Mein jüngerer Sohn ist unter anderem Asperger-Autist. Ich bin seine Mutter, aber gleichzeitig ebenfalls Asperger-Autistin. Von mir wird immer erwartet, dass ich "LAIE" bin (demzufolge muss ich sämtliche "helfenden Fachkräfte" in einem fort regelrecht ausbilden und-oder auf diplomatische Art miteinander vernetzen). Das kennt Ihr ja bestimmt auch von Euren Situationen. Aber: Von mir wird ebenfalls erwartet, dass ich mich wie "eine normale Mutter" benehme. Das kann ich aber nicht. Es fällt mir unwahrscheinlich schwer, zu definieren was ich brauche in der Kommunikation und auch sonst. Die Bedürfnisse eines autistischen Kindes bzw Jugendlichen zu sehen, ist das Eine. Aber so Elternteile wie ich es bin - müssten zumindest erstmal als existent wahrgenommen werden. Welche Ideen habt Ihr dazu? Ich würde gern ne Art Flyer entwickeln, damit selbst-Betroffene autistische Elternteile auf sich mit ihren Bedürfnissen aufmerksam machen können. Danke und liebe Grüsse von biene63