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Soziale Schicht behinderte Kinder

Gast 27.08.2006, 15:31#1
Hallo, ich habe mich einfach mal im net umgesehen und dieses Forum gefunden.
Ich streite mich gerade mit einen Bekannten herum, der da behauptet, dass behinderte Kinder von ihren Eltern keine oder nur wenig Liebe bekommen und dass behinderte Kinder aus sozial schwachen Schichten stammen. Ich weiß, dass es so nicht ist.
Mich ärgert das so sehr, dass ich gar nicht mehr weiß, womit ich ihm Gegenargumente bringen soll, dass es eben nicht so ist. Ich habe schon so viel mit ihm diskutiert, er geht nicht von seiner Meinung ab! Ich bin so wütend!!!!

Was kann ich ihm noch sagen? Gibt es irgendwelche Studien darüber???

Danke und viele Grüße
Lucie
Andrea-Rita 27.08.2006, 20:47#2
Hallo Lucie

Habe selber ein schwerbehinderten Sohn und ich liebe dieses Kind .Deswegen kann ich das was dein Bekannter für ne Aussagen macht nur als schwachsinn und als unwissenheit beschreiben . Eltern von behinderten Kindern lieben ihre Kinder sehr und diese Liebe bekommen sie 1000 Fach zurück von diesen Kindern . Aussagen wie die deines Bekannten machen mich . Woher nimmt der sich das Recht über Menschen zu urteilen mit denen er nichts zu tun hat . . Sage deinem Bekannten mal das er seine Scheuklappen abnehmen sollte und einfach mal ohne Vorurteile Eltern von behinderten Kindern mal genau ansehn , bevor er darüber urteilt.

LG
Andrea
Gast 27.08.2006, 21:13#3
Hallo Andrea,
danke für deine Antwort. Genau so werde ich es ihm sagen. Du hast mir sehr geholfen.
Ich habe kein behindertes Kind, aber eine Tochter, die Heilerziehungspflegerin lernt und bereits in ihren Praktika mit behinderten Kindern gearbeitet hat. Auch sie kann die Aussage meines Bekannten überhaupt nicht fassen!

Ich wünsche dir und deinem Sohn alles Gute.
Viele Grüße
Lucie
claudia&joachim 28.08.2006, 11:09#4
Hallo Lucie,
schieß deinen Bekannten zum Mond.wenn man keine Ahnung hat, sollte man den Mund halten. Nur als Beispiel : wir sind Lehrer u. Arzthelferin, haben ein Haus, und kommen sehr gut mit dem Geld klar .unsere Kinder waren beides Wunschkinder,kann ich was dafür ,daß der Junge Autist ist? Haben wir uns bestimmt nicht so gewünscht, trotzdem lieben wir ihn so wie er ist.
noch einmal: schie deinen Bekannten zum Mond, da gehört man mit einer solcheneinstellung hin.

gruß Claudia
Gast 30.08.2006, 14:38#5
hallo Lucie
ich habe durch zufall diese seite gefunden .
ich möchte mich meinen vorgängern anschließen
und dir sagen laß diesen menschen links liegen
da ist ja sogar ein kind aus der 4. klasse schlauer

schöne grüße
Thorsten
miau 30.08.2006, 19:04#6
Hallo Lucie und alle anderen,

so ganz pauschal kann ich euch nicht zustimmen. Gerade in den letzten Tagen habe ich mich wieder mit der "Liebe", speziell zu Behinderten, auseinander gesetzt. Meine Tochter bekommt von mir alle Liebe, die man sich vorstellen kann. Ich habe auch dafür gesorgt, dass ihre Schwester sie mag.

Es gibt eine Ebene, sicherlich, da werden die Behinderten von ihren Eltern geliebt. Offensichtlich wird es in erster Linie bei den Müttern. Von Väters habe ich äußerst selten mitbekommen, dass sie sich für ihre behinderten Kinder interessieren (ihre Liebe zeigen?).

Dann gibt es eine andere Seite: Warum ist ein Kind behindert in eine Familie gekommen? Wenn ich mich recht erinnere, habe ich in einem Buch von Benjamin Klein gelesen (kann auch woanders gewesen sein), dass die Familie (Eltern, Geschwister, Großeltern, Onkel, Tanten) erst mal ihre Liebesfähigkeit erlernen muss. Nun haben alle Mitglieder die Aufgabe sich ihrer Liebe zu erinnern und auch anzuwenden.

Wenn behinderte kinder nur aus sozial schwachen Kreisen stammen würden, dann dürfte es keine Stars geben, die welche haben.

Ich bin mir sicher, dass es in jeder Ahnenreihe schon mal einen Behinderten gegeben hat. Und wenn unsere Medizin nicht so weit wäre, dann würde sich manch einer von denen, die sich als ganz "normal und gesund" bezeichnen nicht mehr auf die Straße getrauen. Schon allein die Mund-Kieder-Gaumen-Spalten-OP erspart vielen Menschen ein leidvolles Dasein. Und da gibt es noch zig mehr Krankheiten die heutzutage gleich nach der Geburt behoben werden können. Lieben diese Eltern ihre Kinder mehr, weil sie von der Medizin bevorteilt sind und wir, die geistig behinderte Kinder haben, und denen die aktuelle Medizin nicht helfen kann, weniger? Hier gilt es genauer hinzuschauen.

Liebe Grüße miau

P.S. dein Bekannter muss eine ganz schöne Verachtung mit sich rumtragen, dass er so pauschal urteilt (verurteilt).
Gast 02.09.2006, 23:49#7
Hallo alle miteinander,
ich finde es so toll, wie ihr alle geantwortet habt. Ihr habt mir echt alle vollkommen aus der Sele gesprochen!!! Ich fühle mich in meiner Auffassung zu diesem Thema total bestärkt durch euch!!! Ich bin absolut eurer Meinung und kann alle anderen, die von allem keine Ahnung haben und doch sich einbilden urteilen zu können nur verurteilen!!! Wie gesagt, meine Tochter erlernt den Beruf einer Heilerziehungpflegerin und absolviert gerade ein Praktikum in einer integrativen Kita. Sie kümmert sich dort um die behinderten Kinder. Ich bin absolut stolz auf meine Tochter und war deshalb auch in der Kita, um sie zu besuchen, um zu schauen, wie sie arbeitet. Sie hat so sehr von den "kleinen Süßen" (2-3-jährige) geschwärmt, dass ich einfach mal schauen wollte, wie sie in ihrem Arbeitsumfeld mit den kleinen umgeht und ich wollte die kleinen kennen lernen. Es war echt ein Erlebnis!!!! Sie waren so süß und so lieb!!!! Ich kann es selbst kaum glauben, dass es da so Menschen gibt, die solche Vorurteile haben!!! Ich versuche immer noch meinen Bekannten von seinem "dummen" Glauben abzubringen!!!!
Ich hoffe, es gelingt mir!!!

Ich danke euch für eure Hilfe und für die vielen Antworten. Ich denke an all diejenigen, die es so schwer im Leben haben, die sich für ihr(e) behinderten Kind(er) aufopfern und für sie aus Liebe alles tun!!! Ich habe vor diesen Menschen absolute Hochachtung und bewundere sie!!! Ich habe Gott sei dank zwei gesunde Kinder. Während meiner zweiten Schwangerschaft hatte ich Toxoplasmose, d.h. ich hätte auch ein behindertes Kind zur Welt bringen können. Meine Tochter ist aber gesund und ist inzwischen zwanzig Jahre alt und es geht ihr gut. Ich hatte einfach nur Glück!!!! Dieses Glück ist eben vielen nicht vergönnt.

Viele liebe Grüße

Lucie
miau 03.09.2006, 11:54#8
Hallo Lucie,
Ich hatte einfach nur Glück!!!! Dieses Glück ist eben vielen nicht vergönnt.

Offensichtlich gehörst du zu den wenigen Menschen, die sich schon Gedanken um das Glück gemacht haben. Gesundheit ist nicht selbstverständlich, auch wenn´s manchmal so aussieht.

Liebe Grüße miau
mutti 16.09.2006, 16:23#9
Hallo Lucie, Behinderte sind keine Menschen zweiter Klasse. Jedes behinderte Kind ist auf seine Art liebenswert und etwas ganz besonderes. Sie sind teilw. glücklicher als gesunde Kinder, da sie viel bewußter Leben oder einfach nur in ihrer eigenen glücklichen Welt Leben.Sie wissen viel früher im Leben worauf es ankommt. Jede Behinderung ist einzigartig und macht dieses Kind zu etwas ganz besonderem. Mache deinem Bekannten klar, das er selbst schneller wie er denkt, z.b. durch einen Unfall, eine Behinderung bekommen kann. Es kann jeden treffen und Meschen die so denken vielleicht eher als andere. Da sollte er sich mal Gedanken drüber machen. Gruß Sandra.
Gast 15.10.2006, 18:54#10
Hallo, wisst Ihr was mich stets ärgert,  wenn von Behinderten gesprochen wird! Steht nicht der Mensch im Vordergrund? Kann nicht von MENSCHEN mit Behinderung gesprochen werden?  Ich bin Heilerziehungspflegerin, in der glücklichen Lage mit 38 Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen zu arbeiten und muss sagen, ich mag sie alle.
Eine liebe Freundin hat eine Tochter, die taubstumm und geistig behindert ist, die geliebt wird, verwöhnt wird um die man sich Sorgen macht, mit der man lachen kann usw., genauso wie mit ihren anderen drei Kindern.

Viele Grüße Claudia