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Intelligenztest

Gast 20.07.2006, 21:06#1
Hallo zusammen,
kann mir hier jemand sagen wo man am besten einen Intelligenztest machen läßt? Im SPZ hab ich nachgefragt die meinten das könne man bei einem niedergelassenen Arzt machen oder dort, sie hätten aber erst in einen halben Jahr wieder Termine frei. Adressen hab ich keine bekommen.
Mein Sohn ist 6 Jahre alt und entwicklungsverzögert, für dieses Jahr wurde er von der Schule zurückgestellt aber das Gesundheitsamt meinte wir sollten einen Test machen lassen, inwieweit er "geistig beeinträchtigt" ist. Der Kinderarzt meinte am besten wäre ein Test gleich und einer kurz vor der Einschulung, damit man einen Vergleich hat, außer SPZ wußte er aber keine Möglichkeit. Alle raten zu einem Test aber keiner kann sagen wo ?!?  
Ich hoffe, hier kann mir jemand helfen  
Danke
Anne
Kapitänin 20.07.2006, 22:42#2
Hallo Anne,
habt ihr mal beim Schulpsychologischen Dienst nachgefragt? Die müssten zumindest eine Adresse wissen.

Bei uns macht die Frühförderstelle der Lebenshilfe auch solche Tests.


Tschööö,
Kapitänin
Holger 21.07.2006, 08:06#3
Hallo Anne,

ist dein Sohn in einem Regelkindergarten? Anscheinend hast du keinen Kontakt zu den üblichen Sondereinrichtungen, in denen auch jeweils Psychologen oder Sonderpädagogen arbeiten, die Intelligenztests machen, oder? Die hätten dann sicher schon mal einen angesetzt, wenn es nötig wäre. Die Frage ist doch aber, was der Intelligenztest aussagen soll. Die Zeiten, in denen man nach IQ z.B. einer Schule zugeteilt wurde, sind nämlich eigentlich vorbei...

Wenn du Bedenken hast, dass dein Sohn geistig beeinträchtigt ist, dann sollte man das Jahr, dass er ja jetzt noch bis zur Einschulung hat nutzen. Gibt es bei euch eine Vorschule oder so etwas? In Bayern gibt es "Schulvorbereitende Einrichtungen", in die entwicklungsverzögerte Kinder gehen können und speziell gefördert werden. Dort arbeiten auch Sonderpädagogen, die ggf. einen Intelligenztest machen könnten. Letztlich ist aber viel wichtiger als einen IQ zu haben die Frage danach, in welchem Bereich man deinen Sohn fördern müsste. Und dafür gibt es eine Menge andere und bessere Diagnostik.

Schreib mal, wie's weitergegangen ist, ja?

LG
Holger
Gast 21.07.2006, 11:44#4
Hallo,
danke für die Antworten.
Mein Sohn ist in einem heilpädagogischen Waldorfkindergarten, die machen keine Intelligenztests oder ähnliches. Das ist ein wunderbarer KiGa, aber Hilfe in der Schulfrage erhalte ich dort nicht, für diese Einrichtung gilt anschließend, entweder ganz "normale" Waldorfschule oder eben für Geistig Behinderte. Den Anforderungen für die "normale" entspricht er wohl eher nicht...

Wenn man nicht mehr nach IQ einer Schule zugeteilt wird, nach was dann?

Die Förderung im KiGa hält sich in Grenzen, 1x pro Jahr 8 Wochen lang Musiktherapie, wöchtentlich Gruppen-Eurythmie und 1x pro Jahr 8 Wochen lang Einzelförderung bei einer Waldorf-Sonderpädagogin, da wird dann aber auch nur gemalt, gebastelt und gesungen. Aber dort geht es ihm sehr gut und ich will ihm das Jahr einfach noch gönnen, ein Wechsel wäre für ihn auch nicht zumutbar. Privat macht er Ergotherapie, Logo und KG, immer nur 2 Sachen gleichzeitig und eins pausiert 3 - 6 Monate.

Die Schulfrage hält uns auf Trab, irgendwie weiß bei uns keiner Bescheid, nicht mal das Gesundheitsamt! Da hieß es nur ich könnte mir ja mal verschiedene Schulen anschauen. Und eben die Geschichte mit dem Ingelligenztest, die wollen halt hören ob er geistig behindert ist oder nicht. Und wie soll man das feststellen, wenn nicht mit Intelliegenztest? Was meinst Du für andere und bessere Diagnostik?
Sind für jede Hilfe dankbar und es ist schön auch mal auf offene Ohren zu treffen!
LG Anne
Holger 21.07.2006, 12:57#5
Hallo Anne,

gut, dass du ein bisschen mehr geschrieben hast, so ist es leichter zu antworten. Dass dein Sohn in einen Waldorfkindergarten geht, erklärt deine Schwierigkeiten. Nicht, dass Waldorfkindergärten "schlecht" sind, aber wie du eben sagst, gibt es bei euch nur den Tipp Waldorfschule für geistig Behinderte oder für nicht Behinderte im Anschluss.

Wenn ich schreibe, dass heute nicht mehr nach IQ eingeschult wird, stimmt das natürlich insofern, als dass man nicht sagt "IQ von ... bis ..." = Lernbehindertenschule. Bei der Einschulung wird bei Verdacht ein sog. sonderpädagogisches Gutachten erstellt, d.h. jemand beschäftigt sich mit deinem Kind eine Zeit lang, beobachtet es und macht u.a. auch einen IQ-Test. Ziel dieses Gutachten ist natürlich auch die Empfehlung für einen bestimmten SChultyp, beschreibt aber v.a. den Förderbedarf, d.h. in welchen Bereichen sollte dein Kind gefördert werden. Darüber kann man mit dem IQ nur bedingt Aussagen treffen. Deshalb rede ich von "besserer Diagnostik", mit der man wirklich genauer Bereiche ausmachen kann, in denen man deinen Sohn gezielt fördert. Dabei wird z.B. auch die Konzentrationsfähigkeit gemessen, ob er Probleme mit der Wahrnehmung hat usw...

Ich weiß nicht, in welchem Bundesland du wohnst, aber das Gesundheitsamt ist - soweit ich weiß - in der Regel nicht der Ansprechpartner für die Einschulung, sondern allenfalls das Schulamt bzw. die entsprechende Schule, die in Frage käme. Die Frage ist, ob du bei einer Waldorfschule bleiben möchtest, dann ist die Sache ja so wie du schreibst, wohl mehr oder weniger entschieden. Wenn du aber deinen Sohn in eine reguläre Schule geben möchtest, dann würde ich dir empfehlen direkt eine Sonderschule in deiner Nähe anzusprechen, die für ihn in Frage käme, also z.B. eine Lern- oder Geistigbehindertenschule bzw. eine Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen oder geistige Entwicklung. Vielleicht auch ein Sonderpädagogisches Förderzentrum, wenn es so etwas bei euch gibt. Die Namen sind ein wenig unterschiedlich in den Bundesländern... Lass dir dort einen Termin geben mit dem Lehrer, der für die Aufnahme zuständig ist und spreche mit ihm über eure Situation. Derjenige würde dann ein Bild von deinem Kind machen und dir sicherlich einen Rat geben. Das heißt nicht, dass du deinen Sohn an dieser Schule anmelden musst. Wenn das z.B. eine Schule für Geistigbehinderte ist, dann sagt dir der Lehrer auch "Nein, der gehört nicht zu uns ... ich würde eher eine Lernbehindertenschule empfehlen" z. B. .

Probier das mal, die helfen dir sicher weiter!

Bis bald und LG
Holger
Gast 21.07.2006, 19:36#6
Hallo Holger,
vielen Dank für Deine Antwort.
Wir wohnen in Baden-Württemberg. Und ob mein Sohn bei der Waldorfpädagogik bleibt, wissen wir auch noch nicht.
Hier gibt es halt Förderschulen an denen sind dann vorwiegend normal entwickelte Schüler aus sozial schwachem Umfeld denen es nicht an Förderung fehlt sondern eigentlich an "Familie". Klingt vielleicht hart, aber so seh ich das. Und dann halt Körperbehindertenschule oder Schule für Geistig Behinderte, da passt mein Sohn weder in die eine noch in die andere Schule rein. Außer er ist tatsächlich geistig behindert, was ich als Mutter vielleicht schlecht einschätzen kann. "Sonderpäd. Förderzentrum" hab ich noch nie gehört. Aber ich werd es wohl so machen wie du sagst und mich mal an die nächste Sonderschule wenden. Machen die dieses sonderpädagogische Gutachten von dem du schreibst?
LG Anne
Holger 22.07.2006, 09:44#7
Hallo Anne,

das Sonderpäd. Förderzentrum (eine bayerische Besonderheit) ist eine Förderschule, in die Schüler mit Lernschwierigkeiten, Sprachschwierigkeiten und/oder Verhaltensauffälligkeiten gehen. Entspricht häufig z.T. auch der Schülerschaft, die du wohl mit deiner Beschreibung meinst, aber eben nicht nur. Das heißt, wenn dein Sohn "zu fit" für eine Geistigbehindertenschule ist, dann würde man ihn wahrscheinlich an eine solche von dir beschriebene Förderschule für Schüler mit Lernschwierigkeiten verweisen.
Wie gesagt, am besten einschätzen können das die Lehrer der jeweiligen Sonderschule, die - du hast Recht - dieses Gutachten erstellen. Also probier's einfach mal bei der Geistigbehindertenschule oder der anderen Förderschule und lass dir einen Termin geben. So kommst du sicher weiter.

Wünsche dir, dass ihr die richtige Schule für deinen Kleinen bald findet und er sich dort auch wohl fühlt!

Schreib wieder, wenn du mehr weißt, ok?

LG
Holger
Gast 22.07.2006, 23:17#8
Hallo Holger,
ich werde nächste Woche mal in der Förderschule anrufen. Schule ist halt immer eine schwierige Sache, auch für "normale" Eltern!
Aber wir haben ja auch noch Zeit bis nächstes Jahr.

Auf jeden Fall nochmal vielen Dank für Deine Hilfe!
Noch ein Lob an Alle: das ist hier echt ein nettes Forum, hab mal ein wenig gestöbert und interessante Sachen gelesen. Ihr seid alle sehr hilfsbereit und ich werde sicher noch öfter vorbeischaun!
Also bis bald
Anne
kleinwuchstochter 08.09.2008, 10:42#9
AW: Intelligenztest

hallo anne, habe deinen beitrag jetzt erst gelesen und sicher habt ihr deinen sohn schon testen lassen. ansonsten machen aber auch alle ortsansässigen erziehungsberatungsstellen diesen test. wir haben im abstand von 2 jahren beides gemacht erst spz dann beratungsstelle. aber vorsicht! die ergebnisse waren komplett unterschiedlich (1. Test durchschnittlich bis überdurchschnittlich, 2. Test lernbehindert) das war vor 9 jahren, sie geht jetzt in die 10. kl. realschule, zwar mit hängen und würgen aber das auch wegen faulheit. also lass dich durch so ein ergebnis nicht verunsichern und manchmal ist es besser, alles auf sich zukommen zu lassen. ich habe mich durch die diagnose lernbehindert total beeinflusst gefühlt und bei jedem nichtkönnen sofort die alarmglocken gehört.wenn man sich als mutter schon so sehr beeinflussen lässt, wieviel mehr noch die lehrer ( schubladendenken) und dies habe ich schon von mehreren gehört
**Claudia** 08.09.2008, 11:16#10
AW: Intelligenztest

Hallo Anne,

ich würde einen IQ-Test auf jeden Fall ausschliesslich bei einem unabhängigen Psychiater oder Psychologen machen (vielleicht an einer Erziehungsberatungsstelle).

Bei unserer Adoptivtochter wurde im Alter von 3.5 Jahren einer von der "Lebenshilfe" vorgenommen. Sie hatte 18 Monate nur Englisch und Suaheli gehört, da sie aus Kenia stammt.
Das Ergebnis war eine geistige Behinderung und eine Sprachentwicklungsstörung, obwohl ich mehrmals sagte, dass das Kind logischerweise noch kein so gutes Deutsch "können kann", aufgrund ihrer Herkunft.

Das Ganze wurde dann damit abgetan, dass ich die "schwere Behinderung" meiner Tochter nicht wahrhaben möchte.
Sie hätte in einen Lebenshilfe-KiGa gehen sollen und Schule für geistig behinderte Kinder wurde auch schon angesprochen.

Wir haben dann bei einem unabhängigen Psychiater einen IQ-Test im Schulalter machen lassen, der überdurchschittlich (123!) ausfiel.

Die "Lebenshilfe" hat sich bis heute noch nicht entschuldigt, ich hatte das alarmierende Gefühl, dass es da eher um wirtschaftliche Interessen als um die Interessen unserer Tochter ging.

Von daher mein dringender Rat:
niemals an einer Institution testen lassen, die Klientel "braucht", um Kosten abdecken zu können.
Lieber an einer unabhängigen Stelle, die wirklich neutral testet und die Eltern auch ernst genug nimmt!
**Claudia** 08.09.2008, 11:18#11
AW: Intelligenztest

(Ich habe sämtliche Dokumente nachweislich hier bei mir, das ist nicht aus den Fingern gesaugt - mein letztes Gespräch mit der "Lebenshilfe" in dieser Angelegenheit war erst im August, nachdem ich hier sogar den Bürgermeister eingeschaltet habe. Diesmal wurde zugehört, aber eine Entschuldigung für diese Fehldiagnosen gab es bis heute nicht).