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Wie geht ihr damit um

Manfred H 30.05.2006, 01:38#1
Ich weiss nicht ob ich hier in der richtigen Rubrik schreibe.
Aber ich möchte mir mal etwas vom der Seele schreiben.

Ich bin der Vater von Christian. Christian ist Epileptiker und geistig Behindert. Er wird bald 14 Jahre alt uns hat den Entwicklungsstand eines 6 jährigen.

Ich komme in letzter Zeit mit einigen Dingen einfach nicht mehr zurecht.
Z.b. spielt Christian sehr gerne Fussball. Ein Verein für ihn zu finden ist ausgeschlossen ,da niemad diese Verantwortung auf sich nehmen möchte.
Nun spielt er oft mit eingen Kindern aus unserer Gegend vor unserem Haus. Da er einen Helm trägt wird er leider immer noch komisch behandelt und angeschaut.

Ich stehe dann oft am Fenster und sehe das er irgendwie merkt ,das er halt etwas anders ist.

Ich muss dann sehr oft einfach weinen obwohl ich ja stark sein muss.
Er ist ein aufgeweckter Junge und ich liebe ihn über alles. Gerade deshalb tut es mir immer mehr verdammt weh.

Es kommt immer häufiger vor das ich Nachts einfach da sitze und mir Gedanken mache.
zb wird von der Rodaschule(für geistig Behinderte) das Thema betreutes Wohnen immer häufiger angesprochen.

Der Gedanke das er irgendwann mal vielleicht sowas möchte stimmt mich traurig.
Ich weiss das ich loslassen muss wenn er soweit ist.
Aber wie soll ich damit umgehen und vor allem damit fertig werden?
Der Gedanke das ich ihn nur noch am Wochenende sehe ist im moment grausam.

Das wollte ich mir einfach mal von der Seele schreiben


Wie geht ihr oder seit ihr damit umgegangen,falls ihr ähnliches erlebt habt?
Yvonne 30.05.2006, 08:35#2
Hallo Manfred,

unser Kind heisst Sarah ist Heute 12 geworden und ist Entwicklungsverzögert und auf dem Stand eines ca. 3jährigen Kindes. Sie kann nicht mit Kindern draussen spielen so wie du es schreibst, von daher kann ich zu dieser Themaik nichts sagen, obwohl es mich manchmal auch traurig stimmt wenn sich ihre Geschwister verabreden, Freunde haben und Sarah eingeschränkt ist. Sie ist aber ein sehr glückliches und zufriedenes Kind und sie hat es nie anders kennen gelernt.

Auch wir haben uns schon darüber Gedanken gemacht wie es sein wird, wenn sie mal auszieht.

Wir werden wenn sie so um die 18 jahre alt ist gucken, welche Wohnheime es so gibt und werden in aller Ruhe ein schönes aussuchen, wo wir wissen, dass es das richtige für sie ist und wenn es Jahre dauern sollte, dann ist es so.
Mein Mann und ich sind uns sehr einig drüber, dass wir sie nicht so lange zu Hause behalten werden bis wir nicht mehr in der Lage sind sie zu pflegen.
STell dir vor, das Kind ist dann z.B. 40 und muss dann in ein Wohnheim! Ich denke, dass ist das verkerteste was man machen kann.
Ich denke auch unsere behinderten Kinder haben ein Recht da drauf von zu Hause auszuziehen wie die gesunden Kinder.

Uns würde auch nie der Gedanke kommen den Geschwistern von Sarah zu sagen, dass wir nun zu alt zum pflegen sind und nun müssen sie ihre Schwester aufnhemen.

Unser Wunsch ist es, dass sie wenn wir mal nicht mehr sind, dass sie immer ein Auge auf ihre Schwester werfen, dass es ihr im Wohnheim gut geht und sie sie vielleicht dann mal am Wochenende oder Feiern etc. abholen.

Der Tag an dem Sarah irgendwann mal ausziehen wird, wird für uns alle ein harter Schritt werden und ich mag im Moment auch nocht nicht daran denken, aber diesen harten Schritt werden wir auch sicherlich haben, wenn unsere gesunden Kinder ausziehen.

Liebe Grüße

Yvonne
itsy 02.06.2006, 07:29#3
Hallo,

ich habe zwar "nur" behinderte Pflegekinder, dennoch kann ich deine Gedanken gut verstehen. Unsere behinderten Kinder könnten draussen garnicht spielen, unser einer Junge merkt dies sehr, das er ander ist.
Zum einen möchte ich dir raten das wenn dir danach ist und das ist ja absolut normal du einfach auch mal weinen solltest.
Zu deiner Angst wenn das Kind einmal in ein Wohnheim soll.
Das sind auch natürliche Wege das ein Kind auszieht.
Aus Erfahrung weiss ich , auch wenn ein nicht behindertes Kind auszieht , hinterlässt es eine Leere,
Ich kam mir ganz schön komisch vor als mein Ältester auszog. Acch das war schwierig. Klar ist ein Wohnheim eine andere Sache, dennoch musst du dich mit dem Gedanken beschäftigen in einiger Zeit.
Dein Sohn ist erst 14 da hast du sicher noch in paar Jahre Zeit.

Sei lieb gegrüsst und ich nehm dich mal in den Arm .

lg
ines
Kapitänin 08.06.2006, 15:28#4
Hallo Manfred,
meine Kleine hat  Down-Syndrom und ist érst 16 Monate alt.

Dein Schreiben hat mich sehr berührt. Ich finde es in Ordnung zu weinen, das hat ja nichts damit zu tun, dass man nicht stark ist.

Bist Du denn mit anderen Eltern im Kontakt? Z.B. ein Elternstammtisch oder ähnliches? Das hilft uns sehr. Wir erzählen uns zwar über Schwierigkeiten und Kümmernisse, aber wir lachen auch viel und Gewinnen viel Kraft.

Tschöö,
Kapitänin
Gast 16.06.2006, 18:12#5
Hallo Manfred,

was Du durchmachst ist für verantwortungsvolle Eltern völlig normal denke ich. Wir alle die so ganz besondere Kinder haben, möchten am liebsten nie los lassen und die lieben Kleinen immer an der Hand halten, damit wir sie vor der Welt da draußen immer beschützen können. Doch so traurig es auch klingt...das können wir nicht...und vor allem...das dürfen wir nicht. Was ich mir in so einer Situation immer wieder sage : "Es ist nicht fair dem Kind das Leben zu verbauen nur weil ich nicht bereit bin los zu lassen" Meist bin ich dann wieder etwas klar im Kopf und kann weiter machen.

Grüße, Tanja
Gast 17.06.2006, 14:08#6
Hallo Manfred,

unser Kleiner hat einen Hydrocephalus und kann nicht sprechen, dafür aber auch nicht laufen oder krabbeln. Die Gedanken mit Wohngruppe etc. machen wir uns auch. Allerdings hoffen wir, daß er später überhaupt mal in einer solchen ein klein wenig eigenständig leben kann.

Für uns ist wichtig, daß er Spaß am und im Leben hat, und das hat er. Aber es wird sicherlich die Zeit der Ablehnung anderer Kinder kommen, das tut sicherlich allen Eltern weh.
Alles Gute für Deinen Sohn

der Martin