ich bin mutter eines 10jährigen geistig-behinderten sohnes (auf dessen entwicklung ich - nebenbei bemerkt - sehr stolz bin)
im moment jedoch ist bei mir persönlich ziemlich die luft raus. um nicht zu sagen - ich bin am ende meiner psychischen und physischen kraft angekommen. die alltäglichsten dinge, wie essen kochen oder einkaufen gehen - zehren sämtliche kraftreserven auf, bzw. sind einfach nicht zu schaffen.
seit einer woche sind wir im besitz des behindertenausweises. und seit diesem tage ging eigentlich auch dieses ermüdung bis hin zur erschöpfung los.
ich weiß, dass ihr mir jetzt nicht wieder hoch helfen könnt. und ich weiß auch, dass es wieder besser werden wird. aber ich würde gerne wissen, ob es euch auch manchmal so geht. leider habe ich in diesem forum keinen anderen platz gefunden, dieses zu posten. vielleicht könnte man ja auch einmal eine ecke einrichten, wo solche - aber auch andere themen des alltäglichen lebens gepostet werden können.
ich hätte viele fragen an euch! fragen zur nutzung des internets - oder eben wie oben die - wie ihr euch immer wieder aufs neue motiviert alles zu schaffen.
ich bin wie einige von euch auch alleinerziehend. muss also durch meinen alltag durch und kann mich gar nicht hängen lassen. es ist einfach keiner da, der mich auffängt und mir hilft.
also: wie macht ihr das? Und was tut ihr euch gutes an, damit ihr alles schaffen könnt.
Hallo Ute,
Deine Nachricht passt ganz prima in diesen Raum. Wenn Du magst, dann komm' doch mal in den Chat. Dort kann man sich ganz prima über solche Themen unterhalten. Es finden immer Donnerstag und Sonntag abend ab 21 Uhr Treffen statt und auch sonst ist abends meistens was los.
Weiterhin gibt es dann auch noch Mailinglisten.
Auch wenn viele Probleme dadurch nicht verschwinden tut es doch sehr gut, wenn man sich darüber unterhalten kann. Und wer weiß, vielleicht hat ja der eine oder andere eine Idee die weiterhilft.
danke für den tipp mit dem chat wolfgang. aber den hatte ich für mich eh schon entdeckt. und ich werde morgen abend garnatiert online sein (uffe uhr gugg - nö - is ja schon heute abend).
habe gerade kurz reingeschaut - aber leider ist niemand da.
Ich kenn dein Problem nur zu gut !
Alleinerziehend,mit einem fast 10 jährigen und schwierigen Kind.
Mein tipp für dich :FED !!!!!!
Lass deinen Sohn mal betreuen und mach was ganz für dich alleine.
Kino,Sauna oder einfach mal ganz entspannt shoppen gehen.
So mach ich es auch und es geht uns beiden gut damit.
Jasmin hat feste Betreuer,die entweder herkommen oder mit ihr was unternehmen.
Falls du diese Möglichkeit noch nicht genutzt hast,frag doch mal bei eurer Ortsgruppe der Lebenshilfe nach.
danke für den tipp jasbeth. ich bin auch mitglied der lebenshilfe und werde dort auch in den nächsten wochen mal vorstellig werden deshalb.
aber!!!!! das war nicht ganz so meine frage. *malanmerk*
zumindest hatte ich sie so nicht gemeint. es geht mir mehr um die kleinigkeiten im alltag. wie motiviert ihr euch da? wenn man weiß, jetzt gleich geht hier wieder der "krieg" los, weil man etwas vom kind verlangt, was es nicht bereit ist zu tun. wie geht ihr mit den alltäglich wiederkehrenden situationen um?
Hallo Ute,
diese Tiefpunkte des alltäglichen Lebens kenne ich auch nur zu gut. Das schlimme ist, daß man nie ein Ende der Belastung sieht, sei es von außen(Arzttermine, Anträge für irgendwelche Leistungen) oder dieser tägliche Kampf, daß das Leben mit dem besonderen Kind einigermaßen "normal" und nicht zu stressig abläuft. Die guten Tage sind die, wo alles einigermaßen läuft und wo man auch denkt, hey jetzt ist es gerade richtig gut, aber die schlechten Tage, finde ich, überwiegen all zu häufig. Es gibt zwar den FED und auch Freunde mit denen man reden kann, aber die ändern leider nichts an der Tatsache an sich, daß man einfach hoffnungslos überlastet ist und ständig aufpassen muß, daß man als Mensch und Frau nicht auf der Strecke bleibt.
Leider habe ich für mich auch noch keine Lösung gefunden, daß ich ruhiger, abgeklärter, besser gelaunt und gelassener mit der ganzen Situation umgehe.
Wir sind nun mal alle in dieser, sag ich mal Extremsituation. Es kommt auch finde ich, sehr auf die eigene Einstellung an, wie man Probleme löst, wie man mit Behinderung ansich umgeht, wie man mit anderen Menschen umgeht. Man ist da viel mehr gefordert und muß sich mehr als andere mit Problemen auseinander setzten. Man muß sehr flexibel, spontan, genau planend sein. Man muß sich und sein Verhalten, gegenüber der Umwelt, dem Kind, evtl. dem Partner ständig neu überdenken. Die geistige Arbeit, die wir dabei leisten ist enorm und auch sehr kräftezehrend. Dein Tiefpunkt kam jetzt, nachdem du den Beh.ausweis erhalten hast. Warum, fragst du. Weil du gerade eine sehr große Leistung vollbracht hast, die anstrengend war, viel Energie, Zeit, persönliches Engagement gefordert hat.
Jetzt bist du erst mal ausgepowert und brauchst eigentlich Urlaub, nur gibt dir keiner gerade den verdienten Urlaub und deswegen kommt jetzt erstmal der Frust darüber.
Weil wir wollen alle gelobt werden, wenn wir eine Leistung, egal welche, erbracht haben.
Vielleicht kannst du dich einfach mit etwas selbst belohnen, was du dir schon lange gewünscht hast und über was du dich sehr freuen kannst. Ich weiß, das Glücksgefühl darüber ist oft nur kurz, aber du hast dir eine Freude gemacht und das ist wichtig.
Wie gesagt, ich habe kein Patentrezept, aber ich verstehe dich sehr gut.
Viele Grüße, Antje
Nachtrag:
wenn es mal ganz zu heftig wird und meine Tochter absolut nicht das tut,was ich will(z.B. Zähne putzen, Essen, aufräumen) schicke ich sie in ihr Zimmer, oder vor die Tür. Da muß sie so lange bleiben, bis sie meint, daß sie wieder in der Lage ist, mir zu folgen.( Anmerkung, sie ist 3 1/2 Jahre, geistig c.a.2 Jahre, komplett wahrnehmungsgestört, Muskelhypotonie und Augenmuskellähmung)
Ich weiß auch von anderen Müttern, die das auch machen, daß die Kinder in der Lage sind, diese Auszeit zu verstehen. Das entkrampft die angespannt Situation und man reagiert nicht mehr über, weil die paar Minuten, die man das Kind aus den Augen hat, reichen oft schon, das man wieder von den 180° runterkommt. Unsere nimmt sich meistens 2 min. Auszeit, von einer Freundin die Tochter ist 5 und braucht meist auch 5 min. bis sie wieder ansprechbar ist. Dein Sohn wird je nach geistigem Alter die entsprechende Zeit brauchen. Wenn ich sie in ihr Zimmer schicke, dann sage ich ganz ruhig und beherrscht, daß sie jetzt gehen soll und wiederkommen darf, wenn sie sich beruhigt hat. Wenn sie dann wieder da ist, wird die angefangene Tätigkeit ohne großen Kommentar einfach zu Ende geführt. Das klappt bis jetzt ganz gut so.
Vielleuicht hilft dir der Tipp. Er schont zumindest etwas die Nerven und bewahrt vor Überreaktionen wie Schreien, Schlagen, böse Worte.
Viele Grüße Antje
ich danke dir für deine worte.
ja - an manchen stellen hast du genau das getroffen, was mir so tag für tag durch den kopf geht.
ich habe mir aber was gegönnt - ich war ein paar tage in urlaub. habe eine liebe freundin in berlin besucht. natürlich mit kind. der läßt sich nunmal nicht in den kleiderschrank stellen *ggg*
aber an manchen stellen musste ich mir doch ein lächeln abringen. das entspricht so gar nciht meiner situation. mein sohn läßt sich nicht in sein zimmer schicken. er geht da einfach nicht hin. basta. er steht neben mir und schreit. schreit. schreit.
und dafür hat er auch kraft für so sagen wir mal zwei bis vier stunden. nur damit er nicht das machen muß, was ich von ihm fordere. und da geht es auch um so sachen wie händewaschen, zähneputzen oder tisch abräumen.
es ist ein "spiel" das mittlerweile zwischen uns abläuft. er weiß genau, dass er mich damit in die knie zwingt. ich nach einer solchen attacke vollkommen fertig bin - und er danach seine ruhe vor mir hat.
ich bin jetzt dabei, eine psychotherapie für mich aufzusuchen. in der ich erlernen kann, solche situationen zu beherrschen.
für meinen sohn habe ich eine reha-maßnahme beantragt mit dem schwerpunkt der verhaltenstherapie.
mal schauen, was dabei herauskommt.
grundsätzlich gebe ich dir recht. wir müssen die tage genießen, die super laufen. wie es morgen aussieht können wir heute leider noch nicht absehen.
Hallo Ute,
habe heute diese Internetseite entdeckt, weil ich selbst mal wieder am Ende meiner Kräfte bin und nicht weiß, wie es mit meiner Tochter, 11 J, geistig behindert, weitergehen soll. Wollte mich einfach mal informieren, welche Möglichkeiten es gibt, als ich auch auf deine Zeilen gestoßen bin.
Viele haben dieselben Probleme, doch ist man immer irgendwie alleine gelassen.
aus deinen zeilen klingt ziemliche mutlosigkeit. das tut mir sehr leid für dich. ich kenne diesen zustand nur zu gut. am abend nicht zu wissen, woher man die kraft für den nächsten tag nehmen soll, am morgen nur den wunsch zu haben, dass der tag ohne größere katastrophen vergehen mag.
am nachdenklichsten macht mich dein letzter satz. du sagst wir wären doch immer allein. in der konkreten situation sind wir das tatsächlich auch. wir müssen sie aushalten - und wieder mal über unsere eigenen kräfte hinaus gehen.
aber so ganz allein sind wir alle nicht. das ist meine erfahrung aus ganz vielen jahren frauenarbeit. und arbeit mit familien mit behinderten kindern. bloß wir müssen auch signalisieren, dass wir der hilfe anderer bedürfen. wir dürfen nicht immer nach außen signalisieren, dass wir immer die starken sind, die alles in den griff kriegen.
gerri ich kenn dich nicht. aber kenne sehr wohl das zusammenleben mit geistig behinderten. ich weiß welche kraft und welcher einsatz tag für tag von uns gefordert werden.
ich wünsche dir diese kraft immer wieder aufs neue
Hallo Gerrie, hallo Ute,
habt Ihr Euch schon einmal nach Selbsthilfegruppen umgesehen? Das kann in der konkreten Situation sehr viel Kraft geben, weil dort Menschen sind, denen es genauso geht. Schaut Euch mal diesen Eintrag an: http://www.intakt.info/cgi-bin....=3;t=15
Leider konnte damals keine Gruppe gefunden werden.
hallo wolfgang,
der tipp mit den selbsthilfegruppen ist sehr gut. den link habe ich mir bereits auch angesehen. aber auch selbsthilfegruppen können nur einen kleinen ausschnitt an hilfe bieten.
@gerrie
du warst am sonntag abend im chat. super! leider konnte ich nicht mehr mit dir reden, da ich rausflog und als ich wieder rein konnte, warst du nicht mehr da. ich würde es begrüßen, dich dort am donnerstag abend zu treffen. vielleicht mit etwas zeit - um mal ein gespräch zu führen. deine tochter ist etwa gleichalt wie mein sohn. von daher haben wir beide schon einige jahre erziehung und leben mit einem geistig behinderten kind hinter uns. ich denke es wird ein interessantes gespräch *schmunzel*
selbsthilfegruppen sind erst mal sehr statisch. sie sind wichtig. aber eben nicht immer vorhanden. ich für meine person kann ein solches forum oder auch eben den chat für mich nutzen. ich habe hier die möglichkeit, meine erlebnisse und meine emotionen niederzuschreiben. und zwar zu einem zeitpunkt, der für mich ganz wichtig ist.
weitere hilfen in meinem leben sind meine freunde geworden. seit der entbindung und auch erkrankung meines sohnes hat sich mein freundeskreis total geändert. menschen, mit denen ich früher tagtäglich zusammen war - existieren in meinem heutigen leben nicht mehr (ist nicht als vorwurf zu verstehen). dafür sind völlig neue menschen in mein leben getreten. aber gerri - man muss sich auch die mühe machen, diese menschen zu finden. ihnen zu zeigen, dass man sie braucht. wieder einmal fehlen mir sämtliche kenntnisse über deine lebensumstände, um mir auch nur das allerkleinste bild von dir zu machen. ich hoffe sehr, dass sich das in der allernächsten zeit ändern wird.
hier gerri - mein hand für dich. greif nach - komm donnerstag in den chat. und ein ganz kleiner anfang ist gemacht.
gerrie - vielleicht könntest du dich hier ja auch registrieren. dann wäre schon mal deine e-mail addi vorhanden. dann hätte ich auch ein sichereres gefühl, dich zu erreichen.
ach ja - und noch was. der chat ist IMMMER offen. wir können uns auch zu einer anderen zeit dort treffen. wenn dir die donnerstage oder sonntage nicht passen.
ich hoffe, dass ich mit dieser aussage nicht meine kompetenzen hier auf dem board überschritten habe. wenn ja, dann entschuldige ich mich gleich dafür. das wollte ich wirklich nicht. ich bin einfach nur froh eine solche plattform wie hier gefunden zu haben. und möchte sie möglichst breit nutzen
An Ute
Mensch Ute, nett, daß du dich so rührend um mich bemühst; ich war echt neulich am Ende, nachdem meine Tochter 2 Wo in Verhinderungspflege war und ich erst nicht richtig loslassen konnte und danach, als ich davon überzeugt war, dass es ihr gut geht, wieder Schwierigkeiten hatte, mich an den Alltag zu gewöhnen. Dazu kam, dass auch ich Urlaub hatte und Zeit für meine anderen 3 und für meinen Mann. Du siehst, ich bin nicht ganz allein, aber mir ist trotzdem ab und zu die Luft raus. Donnerstag habe ich total verschwitzt für den Chat. Würde mir gut gefallen, wenn wir uns mal außerhalb der offiziellen Zeit austauschen könnten. Ich fühlte mich etwas verloren in diesem Chat weil ich niemanden kannte und auch nicht deren Vorgeschichte.
Wie geht das mit dem Registrieren?
das Registrieren ist ziemlich einfach. weiter oben am bildschirm siehst du zwei möglichkeiten [einloggen : : Registrieren]
du klickst auf registrieren und folgst den anweisungen.
mit der registrierung erkennt dich das board dann immer wieder, wenn du es betrittst und dich dann einloggst. vielleicht kannst du ja morgen abend in den chat kommen.
Hallo Ute,
da ich in letzter Zeit öfters hier mal reinschaue, ist mir aufgefallen wie sehr du dich doch hier engagierst und ich frage mich, woher du und auch die vielen anderen die Kraft nehmen, um weiterzumachen. Leider habe ich bei den Chatabenden entweder das Pech, ihn einfach zu vergessen (ist meist donnerstags der Fall) oder er fällt mir zu spät ein (ist meist sonntags der Fall), und ich kann nicht mehr rein, weil ich mich erst zu spät daran erinnert habe. Also bei den Chats habe ich schon bemerkt, dass dir die Probleme anderer sehr am Herzen liegen und du versuchst zu helfen wo du kannst, obwohl du selbst oft Hilfe nötig hättest. Ich stelle es mir ganz furchtbar schrecklich vor, ganz allein mit einem behinderten Kind dazustehen. Ich habe meine Familie, die mir die nötige Kraft nicht zu kapitulieren....
Was ich dir eigentlich sagen wollte ist, dass ich mich immer sehr freue, wenn ich dich im Chat antreffe. Irgendwie habe ich das Gefühl, dich am besten zu kennen. Vielleicht weil du schon soviele Beiträge geschrieben hast.
Ich denke, du bist ein wunderbarer Mensch! Mach einfach weiter so!!!!
Tschüs bis zu unserem nächsten Treffen im Chatroom!
Gerrie
knuddel dich mal ganz dolle. im moment gehts mir ganz gut, da kann ich dann auch so handeln. viel kraft schöpfe ich wirklich in der auseinandersetzung mit anderen betroffenen - also hier auf dem board und auch im chat. eigentlich macht ein forum mir persönlich mehr spass und es wäre schön, wenn sich auch andere beteiligen würden. denn zu erzählen haben wir eine ganze menge.