Hallo Leute,
Vielen Dank Anna und Amai für Eure netten Antworten. Natürlich feue ich mich auch über die fleißigen Leser.
Liebe Anna, ich habe auch noch keine gehörlosen Freunde. Meine Schwester hat mit mir nur ein paar Mal die gehörlose Mutter ihres Freundes besucht. Die Sigrid kann ganz gut die Lautsprache und ich habe sie meistens verstanden. Ich weiß nur nicht, ob Sigrid mich immer verstanden hat, weil ich oft schnell spreche.
Meine Schwester war ja auch noch da zum Übersetzen. Die kann zwar keine Gebährdensprache, aber sie hat immer deutlich geflüstert, weil sie ja mit einem Gehörlosen nicht laut sprechen muss und es ja nur auf die Lippenbewegungen ankommt. Lernt man eigentlich die Lautsprache und das Ablesen von den Lippen in der Gehörlosenschule? Ich stelle mir vor, dass sich die gehörlosen Schüler, die einem Lehrer nicht zuhören wollen, dann einfach mit dem Rücken zum Lehrer drehen, stimmt das? Kannst Du eigentlich gar nichts hören?
Ist schon lustig, dass wir uns hier so einfach unterhalten können. Im normalen Alltag geht das bestimmt nicht so leicht. Ich sehe nämlich gar nichts. Das blendet höchstens irgendwie, wenn ich in die Sonne gucke oder mir eine starke Taschenlampe direkt an die Augen halte. Aber dafür kann ich draußen mit geschlossenen Augen gehen. Das mache ich manchmal, wenn es Hagelt oder bei Schneesturm. Ein kleines Kind hat mich auch mal morgens, als ich gerade zu meiner damaligen Arbeit in der Ausstellung "Dialog im Dunkeln" gegangen bin, mit Augen zu erwischt. Da war ich wohl noch ganz schön müde. In dieser Ausstellung ist es ganz Dunkel, sodass man wirklich gar nichts sehen kann, dafür kriegen die Besucher einen Blindenstock.. In diesen dunklen Räumen sind verschiedene Umgebungen dargestellt. Es gibt dort zum Beispiel einen Wald, wo man Vögel zwitschern hört und Pflanzen anfassen kann und dann gibt es eine Stadt, wo man Straßenverkehr hört und auch mal ein Auto anfassen kann. Natürlich liegtt im Wald auch weicher Boden aus Moos und Holzstückchen und in der Stadt liegen Gehwegplatten und es riecht auch überall anders. Die Blinden und stark Sehbehinderten, die die Besucher durch die Ausstellung führen, erklären dann beispielsweise, wo es Stufen oder andere Hindernisse gibt. Wir hatten auch schon mal gehörlose Besucher. Die wurden dann natürlich an die Hand genommem. Ich hatte auch mal eine Frau geführt, die fast nichts hören konnte, die hatte ich auch an der Hand und ich habe die Hand von ihr immer an die Gegenstände geführt, die ich ihr zeigen wollte. Das waren zum Glück nur drei Leute in dieser Gruppe, meistens sind das acht und manchmal sogar neuen oder zehn. Und die Besucher sind ja auch nicht immer leise. Wenn in einer größeren Gruppe einer schlecht hört und mir das nicht sagt, das gab es nämlich auch schon, dann muss er sich an seinem Vordermann festhalten. Da hatte ich mal eine Gruppe mit lauten Schülern und der Lehrer von denen kam und kam nicht hinterher. Ich hatte mich schon richtig gewundert und ich musste echt aufpassen, dass die Schüler nicht schon in den nächsten Raum gehen. Als wir dann im letzen Raum, einer Bar im Dunkeln, waren, da hat mir der Lehrer gesagt, dass er nur auf einem Ohr hören kann. Der Lehrer hat gemeit, dass doch alles gutgegangen ist, aber ich hatte bloß immer aufpassen müssen, dass er nicht verlorengeht. Wenn er mir vorher Bescheid gesagt hätte, dann hätte ich auch mehr darauf geachtet.
Ach ja, als ich auf den Bus gewartet hatte, da hatte ich auch mal jemanden getroffen, der hat mir erzählt, dass er taub ist. Das habe ich seiner Stimme gar nichtangehört. Der hat mich auch verstanden, ich musste nur manchmal etwas nochmal sagen. Wenn ich weiß, dass einer gehörlos ist, dann versuche ich auch langsamer zu sprechen. ansonsten würde ich, wenn ich mich mal mit Dir irgendwo treffen sollte, immer meinen Laptop mitbringen. Da kannst du sehen, was ich schreibe und der Computer kann mir vorlesen, was Du schreibst.
Liebe Amai, zum Glück hattest Du im Deinem Profil weiblich stehen, sonst hätte ich das gar nicht gewusst. Mit den Links kann ich umgehen, die sind wirklich sehr informativ. Bezieht sich da eigentlich alles auf Bayern? Bei den Nachteilsausgleichen sind ja auch manche Dinge von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Das weiß ich vom Blindengeld und das ist bestimmt bei anderen Sachen auch so. Das mit der Eingliederungshilfe kommt mir schon bekannt vor und die Erfahrung mit der Krankenkasse habe ich natürlich auch schon selber gemacht. Ich musste zum Beispiel bei meiner privaten Computerausstattung einen Eigenanteil bezahlen, weil ich das System nehmen wollte, was ich auch von der Schule und später vom Arbeitsplatz her kannte. Die wollten mir ein System andrehen von einem Hersteller, den die unter Vertrag hatten. Für meinen neuen Blindenstock werden die wohl die Kosten übernehmen und wenn nicht, dann habe ich keinen Bock auf einen Rechtsstreit sondern zahle den stock selber. Ich habe ja jetzt auch mehr Geld als damals, wo ich meine Ausbildung gemacht habe. Der Stock ist auch nicht ganz so teuer und hat auch eine gute Qualität. Bei so normalen hilfsmittelchen, die keine Krankenkasse bezahlt und für welche es ja auch Blindengeld gibt, da sieht die Sache ganz anders aus. Es gibt meines Wissens nach, und ich habe auch einen Urmacher gefragt, keine qualitativ gut verarbeiteten sprechenden armbanduhren. Manche dieser Uhren gibt es ja auch in ganz normalen Warenhäusern, wo sie viel günstiger zu haben sind, als bei Blindenspezialversandhäusern. Ich hatte mir aber mal eine schöne, kleine Damenarmbanduhr gekauft. Die hat sich auch toll angefühlt, so ein kleines rundes elegantes Metallgehäuse und nicht nur so'ne olle, große Plastikuhr. Dann ist mir das gute Stück einmal in der küche auf den Fußboden gefallen und seitdem spricht die Uhr nicht mehr mit mir. Als der Urmacher da reingeguckt hat, da hat er mir erzählt, dass er gar nicht sehen konnte, wo was kaputtgegangen ist, weil das nur so verschweißte kleine Bauteile sind. Toll, die schöne Uhr und über 50 € im Eimer und für die schöne Uhr hatte ich mir extra noch ein schönes Lederarmband gekauft, heul. Am liebsten würde ich von meiner neuen, viel billigeren, aber auch viel klobigeren Uhr, den Chip nehmen und in das kleine Damenuhrengehäuse der alten uhr einbauen.
Wenn Ihr noch mehr Alltagsgeschichten von Blinden lesen wollt, dann geht mal auf die Seite
www.anderssehen.at
Das konnte ich jetz leider nicht so professionell als link posten. Ich kriege es auch nicht hin, ein Bild hier anzuhängen. Irgendwie streikt dann meine Sprachausgabe und weil ich hier kein Punktschriftdisplay habe, kann ich ohne Sprachausgabe nicht viel machen. Vielleicht kann mir ja jemand eine Tipp geben.
Einen schönen Gruß Euch allen