AW: Mutter- Kind- Gruppen- Eine Diskussion
Danke für Eure ehrichen Antworten. Verurteilt wird hier niemand! Und die Wahrheiten gehören nun mal auf den Tisch gelegt, auch wenn wir im Alltag immer versuchen "schön zu reden", weil man sich einbildet, dass jeder Mensch an der Gesellschaft teilhaben kann! Aber wir müssen natürlich auch darüber nachdenken, ob die Gesellschaft überhaupt bereit dazu ist?! und in dem Falle müssen wir unsere Kinder auch ein Stück weit beschützen, auch wenn sie natürlich im Leben ihre eigenen (manchmal auch harten) Erfahrungen machen müssen...
Hallo Katharina,
meine Tochter ist jetzt 25 und wir haben nie an Mutter-Kind-Gruppen teilgenommen. Ich hatte selbst drei Kinder und die wiederum hatten Freunde, die unser Haus so bevölkerten, dass ich das nicht für notwendig erachtet habe. Mein Mädchen wuchs also in einem ganz normalen Umfeld auf und nach anfänglichen Berührungsängsten gab es nie Probleme mit den Kindern und schon gar keine mit deren Eltern. Ich denke die Gesellschaft ist durchaus bereit, behinderte Kinder "teilhaben" zu lassen, nur muss diese Teilhabe auch natürlich "wachsen".
Ehrlich gesagt, finde ich sowohl geschützte Einrichtungen für Menschen mit Behinderung als auch irgendwelche Mutter-Kind-Gruppen als künstliche Gebilde, die nicht sein müßten, wenn wir uns im Alltag bemühen würden, Kontakte zu unseren Mitmenschen zu knüpfen.
Jeder Mensch (und auch jedes Kind) wird wohl von irgendeinem anderen abgelehnt, egal ob der nun behindert ist oder nicht. Damit müssen wir leben und unsere behinderten sowie unsere nichtbehinderten Kinder leider auch.
Und Eltern sind dafür da, für ihre Kinder einzustehen und wenn es sein muss, sie auch selbstbewußt zu verteidigen. Dieser Schutz ist natürlich wichtig, aber wie gesagt, unabhängig ob es nun ein behindertes oder ein nichtbehindertes Kind ist.
Das macht uns und unsere Kinder auch stark.
Ich bin mir sicher, dass es auch in Kindergarten und Schule keine Probleme mit den Eltern und Kindern gegeben hätte. Nur gab es damals überhaupt keine Möglichkeit, mein Kind außerhalb einer Sondereinrichtung unterzubringen. Und diese Angebote habe ich nur sehr spärlich bzw. auch gar nicht genutzt, wenn es nicht gesetzlich angeordnet war, wie der Schulbesuch. Es war für mich wesentlich belastender, die ständigen Bedenken und Probleme der Fachkräfte (wo ich gar keine sah und wo es auch gar keine gab) anzuhören, als einen Platz für meine doch sehr schwer behinderte Tochter im ganz normalen Leben zu suchen und zu finden. Und ich kann nicht sagen, dass ich es mit der Inklusion meiner Tochter jemals besonders schwer hatte. Ich habe mich jedenfalls für mein Kind nie "aufgeopfert" und ich hatte immer Hilfe von vielen Seiten, seien es Freunde, Verwandte oder Nachbarn. Je früher diese Helfer mit einem behinderten Menschen vertraut gemacht werden, um so leichter fällt das. Und je früher nichtbehinderte Kinder mit behinderten Kindern ganz natürliche Kontakte (dazu gehört auch sich zu streiten und mal richtig ungerecht und gemein zu sein) haben, desto leichter wird Inklusion lebbar werden.