Archiv des früheren intakt-Forums (schreibgeschützt, Beiträge bis 2020) · Zum aktuellen Forum: community.intakt.info · www.intakt.info

Behindertenheim

KAJA53 07.11.2011, 15:36#1
Hallo an Alle,

nun möchte ich mich auch noch vorstellen.

Ich bin Mutter eines 33 jährigen schwerstmehrfach behinderten Sohnes.
>> frühkindlicher, degenerative Hirnschädigung, Epilepsie, körperliche sowie geistige Behinderung<<

Mein Sohn lebt seit 2005 in einem Behindertenheim, er kommt uns 1-2 im Monat über das Wochenende besuchen, die Freude ist dann immer sehr groß.
Wir haben ein sehr enges Verhältnis zueinander, ich besuche meinen Sohn auch regelmäßig in der Wohnstätte und auch in der WfBM.
Mein Sohn hat sich mittlerweile in der Wohnstätte nach anfänglichen Problemen
sehr gut dort eingelebt.
Es war sehr schwer für mich als Mutter loszulassen, es folgte für beide Seiten ein neuer Lebensabschnitt , aber es ist auch wichtig ihn in dieser Lebensphase auch noch begleiten zu können und sehe wie er sich im Alter auch noch weiter entwickelt zB. sich mit einem Gehgerät fortzubewegen, Reittherapie und einiges mehr.
Ich sage mir, es ist gut so wie es ist, denn auch wir Eltern sollten vorausschauend blicken. Ich habe die Entscheidung nicht bereut, im Gegenteil habe ich mich im Nachhinein gefragt : warum ich diese Entscheidung nicht schon füher getroffen habe! Das Loslassen ist ein entscheidender Faktor!!

LG
Karin:winke:
Kirsten 07.11.2011, 21:17#2
AW: Behindertenheim

Liebe Karin,

herzlich Willkommen im Forum. Dein Beitrag ist sicher ein wertvoller Beitrag für Eltern, die die Ablösung ihrer Kinder noch vor sich haben. Sicher wird es aber nicht für jeden gleich sein, da oft die Voraussetzungen stark voneinander abweichen.
Mögen deine Zeilen, dem einen oder anderen Mut geben, neue Wege zu planen und auch zu gehen.

L.G.
Kirsten
Engelskind 08.11.2011, 09:28#3
AW: Behindertenheim

Hallo Karin,

ich habe einen 9 jährigen Sohn mit Down-Syndrom. Wir haben zwar noch ein paar Jahre Zeit, aber für uns steht auch fest, daß er mal auszieht. Ich bin ganz Deiner Meinung. Ich möchte ihn auch gut versorgt und glücklich wissen, wenn wir mal nicht mehr da sind. Lieber suche ich mit ihm gemeinsam ein Wohnheim aus und weiß, daß er dort glücklich ist, als ihn hier bei mir zu Hause zu behalten. Denn dann kommt er, wenn wir mal nicht mehr sind, irgendwohin wo gerade Platz ist, auch wenn es ein Altersheim (wahrscheinlich) ist. Das ist für mich ein unerträglicher Gedanke.

Gruß
Nicole
Atina 08.11.2011, 19:09#4
AW: Behindertenheim

Hallo Karin
Auch von mir ein herzliches Willkommen im Forum.
Ja, das Loslassen ist wirklich schwierig. Es dauert auch eine ganze Zeit, bis man sich an die neue Situation gewöhnt hat. Unsere Tochter ist 30 Jahre alt und ist schon über 10 Jahre in einem Behindertenheim. Es war damals ein sehr schwerer Schritt, aber letztendlich war es das einzig richtige, was wir machen konnten.
Ich kenne einige Eltern, die ihre behinderten Töchter/Söhne noch zu Hause betreuen, obwohl sie mit ca. 70 Jahren damit total überfordert sind. Was ist, wenn die Eltern mal nicht mehr da sind oder schwer krank werden? Das ist für die Betroffenen sehr hart, wenn dann Hals über Kopf eine Lösung gefunden werden muss. So können wir wenigstens beizeiten eine gute Bleibe für unsere Kinder suchen mit der Gewißheit, dass es ihnen dort gutgeht.

Viele Grüße
Atina
KAJA53 09.11.2011, 18:06#5
AW: Behindertenheim

Hallo Atina,

ja, da gebe ich Dir Recht, jeder wird irgendwann damit konfrontiert.
Man sollte auch dem behinderten Geschwister die Möglichkeit geben sich auch außerhalb der Familie weiter zu entwickeln, Kontakte zu Gleichaltrigen aufzubauen, Leben in einer Gemeinschaft, Kontaktaufnahme zu anderen Bewohnern, welches für die Weiterentwicklung sehr wichtig ist, im Gruppenleben und bei der Freizeitgestaltung integriert zu werden.
Man kann sich schon beizeiten über verschiedene Unterbringungsmöglichkeiten informieren - man wird nicht alleine gelassen, es gibt Ansprechpartner, die dir mit Rat und Tat zur Seite stehen - die Zeiten haben sich enorm weiterentwickelt.
Wir haben sehr viel mit unserem Sohn unternommen, aber irgendwann ist der Zeitpunkt da, wo es nicht mehr geht und das sollte man sich rechtzeitig eingestehen. Man tut auch seinem Sohn/Tochter keinen Gefallen mit den Eltern
" Alten " ;-) ihr ganzes Leben zu verbrigen.

Viele Grüße
Karin :winke:
Inge 10.11.2011, 20:06#6
AW: Behindertenheim

Hallo zusammen,

im Bereich "Wohnen" hatte ich zum Loslassen schon einen Link eingestellt: Wann ist es Zeit loszulassen?.
Nachdem meine Tochter junge Menschen immer stärker bevorzugt, ist das auch für mich ein sehr deutliches Zeichen ;-)
rosifi 11.11.2011, 21:54#7
AW: Behindertenheim
Man tut auch seinem Sohn/Tochter keinen Gefallen mit den Eltern
" Alten " ihr ganzes Leben zu verbrigen.

Hallo,

Du könntest durchaus recht haben. Nur stellt sich mir die Frage, ob es besser ist bei Menschen mit schweren Behinderungen die alten Eltern gegen eine Leben in einem Pflegeheim auszutauschen. :gruebel: Dort fehlt unseren erwachsenen Kindern schon die Möglichkeit, adäquate Zuwendung und Zärtlichkeit zu bekommen. Und Liebe ist zumindest für meine Tochter das allerwichtigste in ihrem Leben. Und sicher gilt das auch für uns alle. Ich jedenfalls bin auch lieber in meiner Familie, in der ich geliebt werde, als in einem Heim, in dem ich versorgt und betreut werde.
Saraline 11.11.2011, 22:17#8
AW: Behindertenheim

Hallo Rosifi,
da muss ich dir recht geben.
Ich denke, es ist leichter bei "weniger" behinderten Kindern loszulassen, die sich leicht integrieren und die leicht zu betreuen sind.

Aber was ist mit unseren sehr verhaltensauffälligen Kindern, die niemand gerne aufnimmt und die immer als "Spielverderber" in der Gruppe angesehen werden, weil ihnen ihre Behinderung im Weg steht und sie nicht so funktionieren, wie es die Betreuer gerne hätten?

Ich bin da sehr zwiespältig.

Ich habe meine Tochter mit 15 Jahren losgelassen und mit 18 Jahren wieder heimgeholt. Die Vorstellung, sie wieder in ein Heim zu geben, löst bei mir Beklemmungen und Ängste aus.

Liebe Grüße
Saraline
rosifi 15.11.2011, 18:45#9
AW: Behindertenheim

Hallo Saraline,

ich glaube, jeder von uns hat das richtige Gefühl dafür, was sein Kind -ob erwachsen oder nicht - wirklich braucht. Und danach sollten wir uns richten.:knuddel: