Hallo
Habe mich hier angemeldet, um mich mit Eltern von erwachsenen geistig behinderten Kindern auszutauschen.
Ich bin 55 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Töchter. Unsere jüngere Tochter Martina ist 30 Jahre alt und lebt seit mehreren Jahren auf einem antroposophisch geführten Bauernhof.
Martina hat viele autistische Züge, ist aber lt. Ärzte keine Autistin.
Das größte Problem ist ihr massives Verweigerungsverhalten, was soziale Kontakte für sie sehr schwierig macht. Sie steht sich meist selbst im Weg, kann das "Gute" um sich herum nicht annehmen.
Ich hoffe, dass ich hier einige Tipps und Ratschläge bekomme, die Martina das Leben in sozialer Hinsicht ein bißchen erleichtern.
Gruß
Atina
AW: Hallo...möchte mich hier vorstellen
Hallo Atina,
herzlich Willkommen im Forum.
Was du über deine Tochter schreibst, könnte man haargenau auch auf meine Tochter übertragen. Ich versuche meiner Tochter ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen; das bedeutet, ich geh auf ihre Wünsche ein, was aber mein Umfeld oft mißbilligt (z.B. die Tagesförderstätte). Dort versucht man meine Tochter zu "erziehen" und ihren Wünschen nicht stattzugeben. Meine Tochter soll lernen, sich nach den anderen zu richten. Sie kann dies aber definitiv nicht. Ich habe den Eindruck, egal in welche Einrichtung ich schaue, die Betreuer haben am liebsten behinderte Menschen, die sie irgendwo hinschieben können und die sich dann nicht mehr rühren. Ich habe immer Angst, dass es irgendwann mit meiner Tochter soweit sein könnte; dann wird ihr Willen gebrochen sein.
Liebe Grüße
Saraline
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Hallo Atina,
herzlich Willkommen hier bei Intakt. Schön, daß Du hier bist.
Wir haben 2 Kinder: ein 10-jähriges Mädchen und einen 8-jährigen Jungen mit ADHS und frühkindlichem Autismus.
Obwohl wir eine Diagnose von drei unabhängigen KJP`s haben, wird diese von Ämtern bzw. anderen Einrichtungen angezweifelt.
Ich würde mich freuen, mehr von Euch zu erfahren.
LG v. Sanne
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Hallo Atina,
auch von mir ein herzliches Willkommen bei Intakt!
Ich wünsche Dir einen regen Erfahrungsaustausch, viele nette Kontakte und schöne Stunden.
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Hallo
Herzlichen Dank für Eure netten Willkommensgrüße.
Es tut gut zu wissen, dass man mit seinem Problem nicht allein dasteht.
Saraline, wie alt ist Deine Tochter und was ist das für eine Einrichtung?
Wir gehen auch viel auf Martinas Wünsche ein, aber es ist nicht immer möglich. Im Moment versuchen wir, ihr ein paar Pflichten aufzutragen. Wie z.B. Leergut in den Keller bringen, ihre Wäsche vor die Waschmaschine zu legen o.ä. Wenn sie gut drauf ist, klappt es auch. Dann macht sie einiges sogar von alleine. Ihre Laune kann aber von einer Sekunde auf die andere kippen. Es braucht dazu nur eine Kleinigkeit, und sie bekommt einen fürchterlichen Wutanfall. Da knallen die Türen und es fliegen Gegenstände.
Bekommen Eure Kinder auch so Wutausbrüche? Wie geht Ihr damit um? Bei Martina ist Reden sinnlos, sie schaltet dann einfach ab. Am besten abwarten, bis der Anfall vorbei ist.
Martina baut viel Frust übers Malen ab. Malen kann sie richtig gut, damit kann sie sich stundenlang beschäftigen.
Martina kann auch lesen und schreiben, nur mit Zahlen und Zeit kann sie nicht viel anfangen.
Es gibt aber auch gute Tage, da ist sie zugänglich und hat ihren ganz speziellen Humor.
Gruß
Atina
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Liebe Atina,
das ist unglaublich! In deiner Beschreibung finde ich 100%ig meine Tochter wieder. Es tut total gut, zu lesen, dass es noch andere Menschen gibt, die so gestrickt sind wie meine Tochter, denn mir wird immer nur aufgezeigt, wie "furchtbar" sie ist und dass sie mit ihrem Verhalten den Alltag der Betreuer und angeblich der anderen Besucher in der Gruppe stört und stark beeinträchtigt.
Meine Tochter ist 19. Ihre Stimmung kann auch jederzeit kippen. Und wenn es soweit ist, dann kommt niemand mehr an sie ran. Sie macht dann total zu und es ist dann am besten zu warten bis sie wieder ansprechbar ist. Sie wird dann total wütend, wirft mit Gegenständen um sich, schreit, spuckt, weint und hat dann auch überhaupt kein Schmerzempfinden, wenn sie sich in diesem Augenblick verletzt. Das kommt dann später wieder, wenn sie wieder aus dem Loch rauskommt; dann ist aber das Geschrei groß wegen der Schmerzen.
Sie geht in eine ganz normale Tagesförderstätte in die nächst größere Stadt. Da es für alle Beteiligten sehr stressig ist, wenn meine Tochter in diese Phase kommt, versuche ich immer vorausschauend alles zu meiden, was sie in dieses Loch hinein bringen könnte. An ihrem Blick sehe ich, wenn irgendwas sie irritiert und ich versuche sie dann abzulenken, damit sie erst gar nicht soweit kommt. Das ist natürlich sehr, sehr anstrengend. Aber je weniger ihr Umfeld auf sie eingeht, desto mehr lege ich mich noch ins Zeug. Ich versuche mich in die Lage meiner Tochter reinzuversetzen und habe den Eindruck, dass sie genau genommen wenig einfordert. Sie ist immer auf Hilfe anderer angewiesen. Wie furchtbar muss es jedoch sein, den ganzen Tag diktiert zu bekommen, was man wann und wo und wie zu tun hat. Sprachlich kann sie sich nicht äußern, so bleibt doch nur diese Möglichkeit, den Körper und die Wut einzusetzen und sei es darüber, so machtlos zu sein.
Wenn es meiner Tochter gut geht, dann ist sie sehr schelmisch, charmant und humorvoll und wir lachen sehr viel. Sie liebt Späße über alles. Ich weiß, dass meine Tochter nicht böswillig ausflippt. Sie ist ja selbst nicht glücklich dabei. Diese Momente sind so anstrengend, dass sie hinterher ganz geschafft ist. Wäre sie so, wie es die Betreuer von ihr erwarten, dann wäre sie bestimmt nicht in einer Tagesförderstätte für Geistigbehinderte, sondern könnte selbst welche betreuen. Liebe Atina, wünsche dir weiterhin viel Kraft und Durchhaltevermögen!
Schade, dass du soweit weg wohnst, sonst hätten wir eine kleine alternative Wohnform gründen können... ;o))
Liebe Grüße
Saraline
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Hallo
Saraline, kann Deine Tochter gar nicht sprechen? Das stell ich mir schrecklich vor, seine Wünsche nicht äußern zu können. Habe hier im Forum jetzt einiges gelesen und bin erschüttert über die vielen Schicksale und bewundere alle, die für ihre Kinder kämpfen und niemals aufgeben. Da bin ich wirklich dankbar, dass Martina sprechen kann, unter Anleitung ihre Körperpflege ausführen kann und auch in anderen Bereichen einigermaßen selbständig ist. Trotzdem wäre sie niemals in der Lage, allein zu leben. Martina träumt davon, den Führerschein zu machen, einen Mann und ein Baby zu haben. Es ist ihr nicht bewußt, dass das nicht möglich ist. Sie selbst sieht sich noch als Kind und meint, wenn sie älter ist, wird das schon alles möglich sein. Da hatten wir, vor allem wegen ihres Babywunsches schon viele Diskussionen mit ihr. Seid Ihr mit der Tagesförderstätte zufrieden?
Oft ist es für die Betreuer sehr anstrengend mit Martina, da sie ständig verweigert, und es ist auch nicht immer die Zeit dafür, um sich intensiv zu kümmern. Zurzeit macht sie nur noch dicht, beteiligt sich kaum an irgendwelche Unternehmungen. Sitzt die meiste Zeit in ihrem Zimmer. Wenn sie einmal im Monat am Wochenende zu Hause ist, ist sie allerdings sehr unternehmungslustig. Ich hoffe, sie kommt bald aus ihrem Tiefpunkt heraus, denn so kann es nicht weitergehen. Da werden wir uns was einfallen lassen müssen.
Sanne, geht Dein Sohn auf eine spezielle Schule? Wie äußert sich bei ihm der Autismus? Diese Erkrankung hat ja viele Facetten. Martina war vor vielen Jahren in einer Klinik zur Beobachtung, aber Autismus wurde nicht bestätigt. Nur, dass ihre Wutanfälle im weitesten Sinn etwas mit Epilepsie zu tun haben. Seitdem nimmt sie Tabletten, und es ist auch wesentlich besser geworden.
Liebe Grüße
Atina
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Zitat von Atina
Hallo
Sanne, geht Dein Sohn auf eine spezielle Schule? Wie äußert sich bei ihm der Autismus? Diese Erkrankung hat ja viele Facetten. Martina war vor vielen Jahren in einer Klinik zur Beobachtung, aber Autismus wurde nicht bestätigt. Nur, dass ihre Wutanfälle im weitesten Sinn etwas mit Epilepsie zu tun haben. Seitdem nimmt sie Tabletten, und es ist auch wesentlich besser geworden.
Liebe Grüße
Atina
Hallo Atina,
unser Kleiner besucht nun das zweite Jahr die Klasse einer Förder- und Diagnoseklasse. Allerdings ist die Lehrerin mit dieser Klasse total überfordert und sagt selbst, daß sie noch nie so eine laute und aggressive Klasse hatte. Zudem fühlen sich die Lehrer durch die Schulbegleiterin beobachtet und bewertet. Wir sind momentan auf der Suche nach einer Alternativlösung.
Wie sich Autismus bemerkbar macht, läßt sich nicht in zwei Sätzen erklären. K.`s größtes Problem ist auf sozialer Ebene. Er versteht z.B. beim Fangen gewisse Regeln nicht und schlägt wahllos Kinder ab, was dann zu Unmut und Unverständnis bei den anderen Kindern führt. Er hat auch große Weglauftendenzen, d.h. wir müssen ihn ständig beobachten und mit dabei sein. Das ist auf die Dauer wirklich kräfteraubend.
LG v. Sanne
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Hallo und ein Herzliches Willkommen auch von mir......ich wünsche Euch regen Austausch und viel Information zu Euren Fragen.
Vlg. mara
AW: Hallo...möchte mich hier vorstellen
Hallo Atina,
ich heiße Dich auch herzlich willkommen.
AW: Hallo...möchte mich hier vorstellen
Danke auch an Rosmarie und Mara für die lieben Willkommensgrüße!
Freue mich auf regen Austausch mit Euch.
Sanne, es ist wirklich schwer, die richtige Schule zu finden. Da haben wir mit Martina auch mehrmals wechseln müssen, haben dann aber eine wirklich gute Behindertenschule in unserer Nähe gefunden. Dort waren sehr kleine Klassen mit reichlich Lehrkräften.
Gebt nicht auf, Ihr werdet sicher noch die richtige Schule finden. Man braucht halt Geduld, und die müssen wir Mamas mit unseren besonderen Kindern sowieso haben.
Bitte wundert Euch nicht, wenn Ihr in der nächsten Zeit nichts von mir hört, wir fahren nämlich in Urlaub.
Wünsche Euch allen noch einen schönen Sonntag abend.
Atina
AW: Hallo...möchte mich hier vorstellen
Hallo Atina,
dann wünsche ich Euch einen wunderschönen Urlaub, daß Ihr Euch gut erholt und gut wieder nach Hause kommt!

LG v. Sanne