Archiv des früheren intakt-Forums (schreibgeschützt, Beiträge bis 2020) · Zum aktuellen Forum: community.intakt.info · www.intakt.info

Bastian hat immer Wutanfälle

marionandreas 13.06.2010, 12:14#1
Hallo an Alle,

Wer kann mir helfen ????

bin total genervt.....

Unser Sohn ist jetzt seid 2 jahren im Wohnheim in würzburg.
(War vorher schon 12 Jahre in marburg)

Er ist jetzt 21 Jahre alt.
Sitzt im Rollstuhl, kann nicht sprechen, aber er versteht "fast" alles.
Er ist rechts spastisch.

Er ist jetzt in der Pubertät und hat regelmäßig Wutanfälle, wenn er seinen Willen
nicht bekommt. Er geht sehr gerne raus: in die Stadt, in die Disco ect. und
wenn es zurück geht, macht er Theater.
Das Wohnheim ist nur am Meckern, als wenn ich (mutter) etwas dagegen machen
könnte.
Wir holen ihn alle 3 Wochen für 4 Tage nach Hause. Mehr geht einfach nicht, weil wir ja noch beide Arbeiten müssen.

Er wir mit : "risperin"
Ruhiggestellt, was wir natürlich auch nicht gut finden.

Hat vielleicht irgendjemand eine Idee???

Ganz liebe Grüße
Marion
Kirsten 13.06.2010, 22:53#2
AW: Bastian hat immer Wutanfälle

Hallo liebe Marion,

herzlich Willkommen im Forum. Bestimmt findest du hier die eine oder auch andere Antwort, nach der du deiner Zeilen nach, sehr "bedrückt" suchst.

Wutanfälle sind doch meist ein Zeichen für Hilflosigkeit. Unser Sohn (19 Jahre) hat auch oft mal solch einen "Anfall". Auch treten diese öfters dann auf, wenn etwas nicht so läuft, wie er es erwartet. Wir versuchen uns auf ihn einzustellen und vorab Situationen auch mal zu vermeiden, mit denen er dann am Ende nicht klar kommen würde.
Dein Júnge hat ja auch schon einiges an Veränderungen erlebt. Wenn er nicht sprechen kann, stelle ich mir das sehr bedrückend für ihn vor. Welche anderen Möglichkeiten hätte er denn, wenn ihn einfach jemand wieder nach Hause bringt, er aber gerne wie ein Gleichaltriger seinem Vergnügen nach gehen würde? So versuche ich mich oft in meinen Sohn hineinzuversetzen und überlege, was ich tun würde, oder wie es mir gehen würde, wenn ich "nein" sage und ich trotzdem alles machen muss, was andere mir vorgeben.
Unsere Kinder haben es nicht leicht und ich finde, auch das Personal sollte viel mehr in dieser Richtung geschult werden. Immer wieder werden Eltern für das Verhalten der betroffenen Kinder verantwortlich gemacht. Viel mehr sollte doch einfach das Personal sich der Individualität besser widmen können. Da kommt dann oft der "Kostenfaktor" ins Spiel. Diese Zustände, dass ein behinderter Mensch auch eigene Bedürfnisse hat, haben bei der Finanzierung keinen Platz.
Schaut man sich aber mal unter den jungen Menschen von heute um, finde ich unsere Kinder dagegen manchmal fast zu freundlich, höflich, zurückhaltend, weil sie es so gelernt haben. Sie mussten es lernen, damit sie in der Gesellschaft nur positiv auffallen und ja keinen Grund zum Wegsperren bieten. Leider nimmt sich in der Gesellschaft kaum jemand Zeit, dieses auch mal postiv und bewußt mit offenen Augen anzusehen. Würde man betroffene Kinder nicht beizeiten aussortieren, sie in der Gesellschaft lassen, dann würden alle voneinander profitieren. Mit Medikamenten ruhig stellen, gefügig machen, sollte der allerletzte Vorgang sein, um einen Menschen mit Behinderung gesellschaftsfähig zu machen. Leider scheinen immer mehr Schulen und Einrichtungen diese Vorgehensweise zu fordern.
Ich wünsche deinem Sohn erst einmal alles Gute und dir viel Erfolg bei der Suche nach Hilfe für euch.
L.G.
Kirsten
**Claudia** 14.06.2010, 08:10#3
AW: Bastian hat immer Wutanfälle

Hallo Marion,

Euer Sohn wird mit Risperin ruhiggestellt - ist das dasselbe wie "Risperdal"?

Wir machen mit "Risperdal" sehr, sehr gute Erfahrungen, da auch unsere Kleine extreme "Austicker" hatte.

Seitdem sie mit Risperdal medikamentiert wird, ist sie viel mehr "bei sich", viel aufnahmefähiger.
Seit sie dieses Medi nimmt, kann sie sich auf einmal viel klarer artikulieren und neulich hat sie ihren Namen geschrieben!

Risperdal ist nichts weiteres als ein sog. "Dopaminhemmer".
Sagt Dir das Wort "Dope" etwas?
Man hat im Radsport oft davon gesprochen, dass die Sportler "gedopt" sind - zuviel Dopamin ist wie ein Aufputschmittel.
Die Betroffenen sind ständig wie aufgedreht, schlaflos, können wahnsinnig aggressiv werden ("aggressiv bis in den Wahnsinn").

Dopamin kann der Auslöser für Psychosen sein usw. und ein Dopaminhemmer wie Risperdal ein wahrer Segen für die Betroffenen, die sich auf einmal viel mehr selbst unter Kontrolle haben.

Sicher muss man mit der Dosierung sehr gut aufpassen.
Hast Du mal gefragt, wie Dein Sohn eingestellt ist?

Bei uns hat das Risperdal jedenfalls den weiteren Verbleib unserer Kleinen in unserer Familie gesichert, nachdem sie mehrmals versucht hat, Feuer zu legen, anderen an die "Gurgel gegangen" ist, völlig unkontollierbar auf die Straße gerannt ist, um "Autos zu fangen" usw. usw.
Ganz abgesehen von ihrem selbstverletzendem Verhalten (wir hatten anfangs täglich ein Kind, das sich blutig aufgekratzt hat).

Sie ist alles andere als "ruhig gestellt". Ganz im Gegenteil hat sie durch das Medikament endlich eine Chance auf noch mehr Integration. Sie merkt selbst wie gut ihr das tut, sie ist viel "wacher", viel präsenter und was noch nie da war: sie fängt auf einmal an, strategisch zu denken - mit einem Kind, das eine Gefahr für sich und andere auf der Straße darstellt, hätten wir die Pflege kaum noch weiter tragen können.
marionandreas 15.06.2010, 16:25#4
AW: Bastian hat immer Wutanfälle

Danke, danke!!!

Die 2 Antworten auf meinen Artikel von Bastian fand ich sehr interessant und informativ!!!!!!!!!!!

Das Medikamt heißt Risperdal....sorry....

Ich mache mir Sorgen, ob es das richtige Medikament ist...weil er doch anders war, als Sonst. Er ist irgendwie ist so aufmerksam und ihm rutscht einfach der Fuß vom Rolli, das war sonst nicht sooo....auch ist der Speichelfluß vermehrt....

Ich wunder mich etwas, das "claudi" so gute Erfahrungen gemacht hat...vielleicht wird es ja etwas besser wieder.

Bastian ist am Freitag bis Montag bei uns und werde genau darauf achten.

@ Kirsten: ja du hast Recht, dass auch das Personal geschult werden müßte.!!

ich muß mir andauernd anhören, Bastian macht dieses oder jenes und es fehlt das Personal ( wie überall!!!)
Dabei haben wir privat jemanden, der mit ihm 1 bis 2 mal die Woche nachmittags rausgeht, wir holen ihn regelmäßig...ja was soll man denn noch tun????

Es ist ein Heim!!! und ich dachte , die wüßten, wie man mit Kindern / Jungendlichen umgeht!!! Wenn er soooo einfach wäre, hätten wir ihn bestimmt nicht "abgegeben"...und das war keine!!! leichte Entscheidung!!!

Danke

Gruß marion
**Claudia** 15.06.2010, 16:43#5
AW: Bastian hat immer Wutanfälle
Ich mache mir Sorgen, ob es das richtige Medikament ist...weil er doch anders war, als Sonst. Er ist irgendwie ist so aufmerksam und ihm rutscht einfach der Fuß vom Rolli, das war sonst nicht sooo....auch ist der Speichelfluß vermehrt....

Ich wunder mich etwas, das "claudi" so gute Erfahrungen gemacht hat...vielleicht wird es ja etwas besser wieder.


Ich denke, es kommt mit auf die Dosierung an.
Wenn Euer Sohn überdosiert wird, kann die Wirkung komplett anders sein als bei unserer Kleinen.
Redet da nochmal mit einem Arzt drüber!

Wir hatten gestern passenderweise übrigens ein sehr intensives Gespräch mit dem Kinderpsychiater unserer Kleinen und der sagte auch, dass nicht "jedes Medikament für jeden geeignet ist" und dass bei einer so positiven Wirkung wie bei unserer Kleinen mehrere Faktoren eine Rolle spielen.

Dass Euer Sohn "aufmerksamer" ist als sonst klingt für mich aber positiv - das mit dem Fuß würde ich aber auch unbedingt ansprechen.

Was mir am Herzen liegt ist, dass man Psychopharmaka (im Fall Risperdal handelt es sich um ein Neuroleptikum: http://de.wikipedia.org/wiki/Neuroleptikum) nicht unbedingt immer verteufeln sollte.
Für uns bzw. unsere Kleine hat es definitiv den Verbleib in unserer Familie gesichert - da stehe ich auch ganz offen dazu.
Im Dezember letzten Jahres war ich soweit, dass ich gesagt habe: "Das Kind oder ich!"

Da hätten keine "Kügelchen" geholfen und auch kein "positives Denken" (und ich bin ein Mensch, der eine positive Grundeinstellung hat und nicht gleich mit "Kanonen auf Spatzen" schiesst) - in manchen Fällen gibt es glücklicherweise noch die "gute, alte, konventionelle Chemie" ;-).