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Abtreibung wegen Down Syndrom

BW_chris 09.01.2009, 14:20#1
Hallo alle zusammen,
mal kurz was über mich.Ich bin in der 10. Woche schwanger, und wurde gestern bei meinem Gyn über Möglichkeiten der Frühdiagnostik von Down Syndrom und Offenem Rücken informiert. Dadurch ist bei mir und meinem Partner das Thema aufgekommen, was wäre wenn? Ich war schockiert als von ihm nur kam, wenn es behindert ist, muß es weg. Und ich habe ihm gesagt, dass er mir in der Entscheidung, in sachen Abbruch eh nicht rein reden kann. Es ist mein Körper. Er ist da anderer Meinung, er könnte das mit bestimmen. Für mich steht fest, selbst wenn unser Kind behindert sein sollte werde ich mich ganz bewußt dafür entscheiden. Ich bin Ergotherapeutin, und heute können auch "solche" Kinder ein erfülltes Leben haben.
Lasst mich einfach Eure Meinung hören. Das interessiert mich wirklich sehr.
lg Christine
Carmen62 09.01.2009, 17:47#2
AW: Abtreibung wegen Down Syndrom
[Bild: dl3.glitter-graphics.net]Hallo Christine
Darauf zu antworten ist schwer,dein Partner möchte kein behindertes Kind,
wenn du dich dafür entscheidest,ist er ja gezwungen,sich damit
auseinander zu setzen.Das könnte die Beziehung gefährden,macht dir aber klar,
dass er nicht der Partner ist ,der dir entspricht.
Wir hatten die Situation 2 mal,bei unser herzkranken Tochter,man sprach
immer von einem Abbruch,die Ärzte meinten ,es wäre genug Zeit zu überlegen.
Mein Mann hatte eine Zeitlang sich gegen das Kind entschieden.
Nach langen Gesprächen,haben wir uns gemeinsam für unsere Tochter entschieden.
Ich habe es respektiert,dass mein Mann Angst hatte vor solch einer Verantwortung.
Gott nahm uns nach einer 40 wöchigen SS ,die Entscheidung ab,sie wurde nur
9 Tage alt,wir waren dankbar für diese Zeit.
Dann kam die SS mit Noah,zuerst alles in Ordnung,dann waren Zweifel,
dann die Vermutung wieder eine Behinderung.
Wir haben auch Noah bekommen,wir sind uns sicher,wir haben richtig
entschieden.
Solltest du mal in der Situation sein,lasst euch Zeit,entscheide nie alleine.
Es braucht alles seine Zeit,jetzt ist es nur ein Gedanke,wenn der Ernstfall
eintritt,spricht das Herz
lg Carmen

[Bild: dl3.glitter-graphics.net]
Ecki 09.01.2009, 19:23#3
AW: Abtreibung wegen Down Syndrom

Hallo Chris,

ja, das ist ein Problem für uns Männer.
Ich bin jetzt 51 Jahre alt und meine Frau ist 40.
Als meine Frau im Jahre 2003 schwanger war, haben wir uns auch über dieses Thema unterhalten, da ich zu diesem Zeitpunkt 46 und sie 35 war. Da war alles möglich.
Wir waren uns im Klaren, dass wir ein behindertes Kind damals nicht wollten - wir waren und sind beide selbständig und wollten vom Leben noch was haben. Zudem habe ich bereits einen Sohn, der heute 25 ist und meine Frau einen Sohn, der heute 20 ist aus unseren ersten Ehen. Beide sind nicht behindert sondern völlig gesund.

Wir haben dann einen Fruchtwassertest wg. Trisomie 21 vornehmen lassen (inkl. FISH - Test). Beide waren negativ, also ok.

Dann wurde 2004 unser Sohn Paul geboren. Bereits kurze Zeit nach der Geburt merkten wir, dass irgend etwas nicht so ist, wie bei unseren anderen Kindern und nach ca. 6-8 Monaten war es uns klar:

Paul ist Autist - tendiert heute zu Asperger Autismus.

Die eindeutige Diagnose wurde 2005 gestellt.

Wir wollten uns auch gegen ein behindertes Kind entscheiden - und heute haben wir eines und das würden wir niemals wieder hergeben wollen.

Paul ist zwar sehr, sehr anstrengend und ich selbst habe meine berufliche Tätigkeit fast völlig eingestellt, da eine Fremdbetreuung nicht möglich war/ist.
Heute arbeitet nur meine Frau (zumindest erwerbsmässig) und ich kümmere mich um Paul und den Haushalt.

Ich habe zwar vieles an Lebensqualität eingebüsst - zumindest das, was ich damals als solche angesehen habe - aber wir haben umso mehr zurückbekommen. Und das möchte ich für keine Sekunde mehr missen.

So, die Entscheidung kann euch beiden keiner abnehmen - eine einsame Entscheidung Deinerseits halte ich allerdings auch nicht für den richtigen Weg.
Ein Kind braucht seinen Vater!!!!! Und zwar ganz und gar und auch zuhause - nicht in der Ferne als Wochenend-Papa oder dergleichen.

Wenn Dein Mann will, kann er sich ja gerne mal an mich wenden:

bitte kurz PN an mich mit einer eMail-Adresse, an die ich meine eMailadresse senden kann.


Liebe Grüße und alles Gute für euch
Ecki
Line 10.01.2009, 13:07#4
AW: Abtreibung wegen Down Syndrom

Ich habe diesen Test gar nicht machen lassen. Denn diese Tests sind gar nicht so zuverlässig und man macht sich nur unnötig verrückt. Wenn für dich ein Abbruch sowieso nicht in Frage kommt, würde ich diesen einfach nciht machen.
FALLS man betroffen ist, dann setzt man sich mit der Situation auseinander und ich kenne einige Down-Kinder und finde, es gibt viel schlimmere Behinderungen..es sind fröhliche, lebenslustige Menschen, die meist sehr selbstständig sind.
**Claudia** 10.01.2009, 13:51#5
AW: Abtreibung wegen Down Syndrom

Hallo Christine,

ein schwieriges, aber wichtiges und auch immer präsentes Thema!
Mein Mann und ich haben uns bewusst für ein "Risikokind" entschieden, als es um die Vermittlung unserer Pflegetochter ging.
Allerdings wurden wir lange und gut auf ihre Aufnahme vorbereitet, wurden also nicht unvorbereitet ins "kalte Wasser" geworfen und vor Allem mussten wir nicht über Leben und Tod entscheiden und mein Mann und ich waren sich einig.

Ich stelle mir Deine Situation ungleich schwieriger vor, wenn sich Dein Mann nicht mit einer Behinderung Eures Kindes abfinden könnte.

In dem Fall wäre es angebracht, eine Beratungsstelle aufzusuchen und einen gemeinsam gangbaren Weg zu erarbeiten und das kann vermutlich sehr schwer werden.

Von meinem Standpunkt und meiner Erfahrung mit einem schwerbehindertem Pflegekind kann ich nach 6.5 Jahren sagen, dass die Pflege unserer Kleinen nur durch uns beide gewährleistet ist und für einen alleinerziehenden eine möglicherweise fast untragbare Herausforderung wäre.
Auf der anderen Seite muss man sich natürlich Gedanken machen, wie man mit einer vorgeburtlichen Tötung des Kindes im Mutterleib selbst fertig wird und was sich im Extremfall "schlimmer" anfühlt:

- die Trennung des Partners oder
- der Schwangerschaftsabbruch?
HHelmutS 12.01.2009, 08:05#6
AW: Abtreibung wegen Down Syndrom

Hallo Christine,

ich würde sagen, das jeder der so konsequent gegen ein behindertes Kind ist, das er "bei Verdacht auf DS" abtreiben lassen würde..... sich Fragen sollte, ob er das wohl für sich selbst... wenn ihm nach einem Unfall oder durch Krankheit eine Behinderung droht, auch festlegen würde. = Per notariell beglaubigter Patientenverfügung festlegen, das man keine lebenserhaltenden Maßnahmen wünscht, wenn im Falle des überlebens die Möglichkeit einer Behinderung besteht.... . Es ist doch so.. das wer selbst keine behinderten Menschen versorgen will, sich selbst auch niemanden in so einem Zustand an die Backe nageln... wollen sollte.

:-) Helmut
BW_chris 12.01.2009, 13:33#7
AW: Abtreibung wegen Down Syndrom

Hallo,
danke für die Antworten.
Für mich persönlich könnte ich keinen Abbruch vornehmen lassen. Das könnte ich einfach nicht. Schließlich ist es schon jetzt ein fast fertiger kleiner Mensch. Nur eben ganz klein.:lieb:
Ich habe mich intensiv mit diesen Themen Beschäftigt, als ich das Erste mal in einer Werkstatt für behinderte Menschen gearbeitet habe. Dadurch habe ich auch inteniven Kontakt mit den Eltern gehabt. Da hat mich schon beschäftigt, ob man selber das könnte. Diese große Kraft und Liebe aufbringen zu können. Ich habe größten Respekt vor der Arbeit und großen Liebe der Eltern.
Und wenn ein Mensch sich noch nie in seinem Leben mit einem solchen Thema auseinandersetzen mußte, entstehen ganz leicht große Vorurteile.
lg Christine
Papa85 27.02.2009, 17:46#8
AW: Abtreibung wegen Down Syndrom

Hallo, ich bin vor nem halben Jahr selber Vater geworden, mein Sohn hat die Trisomie21, (Down Syndrom). Ich hätte es mir vorher nie vorstellen können und jetzt bin ich der glücklichste mensch der Welt. Ich finde es einfach nur schade überhaupt über so etwas nachzudenken. Ein Mensch, egal ob Behindert oder nicht hat ein recht darauf zu leben.

MFG: Thomas
Volker 24.10.2010, 22:10#9
AW: Abtreibung wegen Down Syndrom

Hallo ihr Lieben,

beim näheren Hinsehen ist mir aufgefallen, dass Christine in Ihrer Vorstellung im Jan. 2009 in der 10. Woche schwanger war. ;-)
Die Vorstellungsrunde soll der Vorstellung neuer Forumsmitglieder dienen.

Da ich die Diskussion jedoch nicht abbrechen möchte habe ich sie hierhin verschoben:
"Schwanger und Angst vor behindertem Kind"

http://www.intakt.info/forum/showthread.php?t=5042