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Erziehungsfrage

ChristineB 21.05.2012, 09:49#1
Hallo,

ich habe zwei Kinder, einen 7jährigen Sohn und eine 4jährige Tochter mit
einer Chromosomenstörung.

Die Behinderung hat sich bisher vor allem in körperlichen Baustellen
geäußert, die die ganze Entwicklung etwas verzögert haben.
Inzwischen kann sie Einiges: Laufen, Klettern, Laufrad fahren...
Sprechen tut sie bisher fast nur Vokale.

Momentan habe ich sehr mit ihrer Erziehungsresistenz zu kämpfen.
Nach einer Aufforderung z.B. ihre Schuhe zur Garderobe zu bringen,
folgen ca 2 Minuten lang "Nein"s in allen Tonlagen, woraufhin sie mit
einem lachenden "Jaaaa!" die Schuhe wegbringt.

Wenn sie aber auf dieses Spiel keine Lust hat, gibt es nichts, was sie
dazu bringen kann.
Vor kurzem hatten wir die Situation, daß sie ein Spiel wegräumen sollte.
Sie hat sich partout geweigert, bis ich irgendwann drohte, das Spiel
andernfalls wegzuschmeißen (was eigentlich gar nicht meine
Erziehungsstrategie ist !!!) Nach einer weiteren halben Stunde hab ich
das Spiel dann weggeschmissen woraufhin ich einen völlig aufgelösten,
heulenden Sohn in der Küche sitzen hatte und Lara sich unbeeindrukt und
zufrieden mit der Welt etwas anderem zuwandte.
Schwierig ist auch oft, wenn wir im Beisein anderer Menschen einen
Konflikt austragen. Lara ahmt total gut Körperhaltung und Tonfall des
Gegenübers nach und sieht dabei wirklich entzückend und richtig lustig
aus. Jedesmal hat sie dann alle Lacher auf ihrer Seite, fühlt sich
bestätigt und mir ist aller Wind aus den Segeln genommen.

Außerdem ist sie in Konfliktsituationen und auch manchmal zur
Kontaktaufnahme arg grob. Ich denke, das wird auch durch ihre
weitgehende Sprachlosigkeit noch begünstigt.

Ich würde mich freuen von jemandem zu hören, der/die Ideen für den
Umgang mit solchen Situationen hat.

Viele Grüße und Danke den Machern dieser Seite !!!

die Christine
zippe 22.05.2012, 14:32#2
AW: Erziehungsfrage

Hallo Christine,

die "Erziehungsresistenz" (sehr treffende Bezeichnung :grins: ) , wie Du sie bei Deiner Tochter beschreibst, kennen bestimmt ganz viele Eltern.
Meine Große spricht gar nicht und hat ein sehr eingeschränktes Sprachverständnis, aber ich habe trotzdem das Gefühl, dass sie meine Aussagen versteht, wenn es für sie selbst von positiver Bedeutung ist. Bei vielen anderen Dingen (z.B. "setz Dich mal gerade hin") ist sie irgendwie "mutter-taub" :guck:
rosifi 22.05.2012, 18:02#3
AW: Erziehungsfrage

Hallo Christine,

ich würde mir jetzt nicht so viele Gedanken um die Erziehung Deiner Tochter machen. Sie ist doch erst 4 Jahre alt und wird auch von anderer Seite (Kindergarten, Schule) noch lernen, dass es Grenzen gibt. Oft sind genau die zuhause "Erziehungsresistenten" die, die sich in einem anderen Umfeld sehr angepasst verhalten. Da ist es egal, ob die Kinder behindert oder nicht behindert sind.
ChristineB 22.05.2012, 23:32#4
AW: Erziehungsfrage

Danke
für die Antworten.

Rosemarie, ich glaube schon, daß ich Lara genau wie ein nicht
behindertes Kind von Anfang an erziehen muß - zumal sie sehr viel
versteht und bisher kaum behindert wirkt, sie ist einfach ziemlich
zurück. Ich glaube, ich würde es uns beiden viel schwerer machen, wenn
ich ihr jetzt eine Sonderbehandlung zukommen ließe und irgendwann auf
einmal mit Verhaltensregeln ankäme, die sie bis dahin nicht betroffen
hätten.
Hinzu kommt, daß es da ja in der Familie noch einen Bruder gibt, der
unterschiedliche Behandlung ( über den für ihn verständlichen Alters-
und Entwicklungsunterschied hinaus ) sehr gut wahrnimmt. Er nimmt seine
Schwester auch sehr ernst und behandelt sie ziemlich robust, was auch
ein sehr gesunder Ausgleich für unsere ( biografisch bedingte )
elterliche Überfürsorge ist.

Außerdem beobachte ich, daß Lara anfängt, mit uns zu spielen.
Sie klagt z. B. über Schmerzen, es ist erstmal nichts zu erkennen, ohne
Sprechen auch schwer zu beschreiben, die besorgten Eltern versuchen den
Schmerz zu lokaliesieren, fordern auf zu zeigen...bitteres Jammern und
Weinen. "Was tut Dir weh, bist Du hingefallen ?..." Irgendwann zeigt
sie auf ihr Knie, "au, au !"mein Mann geht Salbe holen und Lara guckt
ihm hinterher, das kullernde Tränchen noch auf der Backe, mit
vorgeschobener Schmolllippe, die sich langsam in ein zufriedenes Grinsen
wandelt.

Das sind so Situationen, wo ich sie ziemlich normal finde, wenn es dann
aber zu Auseinandersetzungen kommt, finde ich keinen Ansatz wo ich sie
packen kann. Da merke ich einfach, daß ich meinen Sohn in seinem
Empfinden und Verhalten viel besser verstehe als unseren Rumpelwicht.

Sie ist natürlich trotzdem die Entzückendste von Allen !!!

Viele Grüße

die Christine
rosifi 23.05.2012, 10:16#5
AW: Erziehungsfrage

Hallo Christine,

natürlich solltest Du sie erziehen, aber Du solltest Dir deshalb keinen Stress machen.
Hinzu kommt, daß es da ja in der Familie noch einen Bruder gibt, der
unterschiedliche Behandlung ( über den für ihn verständlichen Alters-
und Entwicklungsunterschied hinaus ) sehr gut wahrnimmt. Er nimmt seine
Schwester auch sehr ernst und behandelt sie ziemlich robust, was auch
ein sehr gesunder Ausgleich für unsere ( biografisch bedingte )
elterliche Überfürsorge ist.

Brüder sind ein Segen für kleine, zickige Schwestern. ;-) Unser besonderes Mädchen ist mit zwei großen Brüdern aufgewachsen, von denen sie auch abgöttisch geliebt, aber nie verhätschelt wurde. Da gab es schon mal einen "Zimmerverweis" wenn sie es zu bunt getrieben hat.

Die Geschwisterkinder bremsen auch öfter unser "Fürsorgedrang" und das ist gut so.
Moni R 24.05.2012, 08:43#6
AW: Erziehungsfrage

Kann dich gut verstehen die Gradwanderung ist sehr schwer jeder sollte sein Kind egal ob Behindert oder nicht seine Erziehungawerte beibrigen jedeoch ist es wie gesagt eine gradwaderung die mit sehr viel Nervlicher belastung verbunden ist. Ist bei uns auch so meine zwei sind 14 und fast 9 der kleine hat einiges hinter sich haben viel geschaft jetzt muss ich als Mama lernen ihn nicht zu sehr zu unterstützen damit er selbständiger wird er soll ja sein Leben selbsändig leben dürfen wenn er groß ist und da bringt es nichts wen ich ihn mit meiner führsorge erdrücke immer wieder mal etwas neues versuchen kleine Schritte und dan geht es schon. Eine Freundin von mir macht das sehr toll ihr Sohn ist geistig behindert mitlerweile 10 Jahre alt er braucht immer aufsicht dennoch hat sie ihm ihre Erziehungswerte gut vermittelt mal geht die umsetzung besser mal schlechter denn er kennt keine gafahr . Das unmittelbare Umfeld ist sehr wichtig klare regeln geordnetete Tagesabläufe und für gute Erfolge Belohnen dennoch bei schlechten Tagen ruhig und bei den Regeln bleiben. Wünsch dir viel Kraft und Mut schau nur vorwärts nicht zuviel zurück und geniest die Zeit.