AW: Müttermanifest
Hallo Sanne,
möglicherweise ist meine Aussage über's Internet missverständlich 'rübergekommen:
Sicher erleben wir immer wieder Diskriminierungen, Unannehmlichkeiten, Ungerechtigkeiten, wir werden falsch eingeschätzt, in irgendwelche Schubladen gesteckt usw....
Das ist lästig!
Ich habe ja auch so meine Erfahrungen gemacht
Damit meine ich, dass ich teilweise auch wirklich üble Erfahrungen gemacht habe und mir phasenweise Unterstützung durch das Jugendamt mit ins Boot geholt habe.
Meiner gesunden Tochter wurde eine geistige Behinderung angedichtet, bei mir wurde "diagnostiziert", dass ich eine komplett überforderte Mutter bin, eine Therapeutin stellte meine Erziehungskompetenz in Frage im Bezug darauf, dass wir ein geistig behindertes Pflegekind aufgenommen haben, als es um die Einschulung unserer Kleinen ging, redete die Konrektorin der Schule mit uns Eltern als hätten wir (Pflege)eltern eine geistige Behinderung ("Oh, was für ein süsses Kindchen - hat denn Ihr Kindchen schon Ostereierchen gesucht????"

) und erklärte uns ernsthaft, dass unsere Pflegetochter seelisch völlig stabil sei,
weil sie mit jedem mitgeht 

(unsere Kleine hatte drei Familien innerhalb eines Jahres durchlaufen und war komplett distanzlos).
Wir haben ganz schön was hinter uns!
Und trotzdem fühle ich mich nicht wie jemand, der "kämpft".
Wir haben uns teilweise sehr energisch gegen die benannten Fachkräfte durchgesetzt und z.B. verhindert, dass unsere Kleine in ebendieser Schule eingeschult wird.
Aber trotz allem sehe ich es nicht so, dass es "uns Eltern von behinderten Kindern" versus "der Gesellschaft" gibt.
Es gibt sicherlich oft ungünstige Wechselspiele und Interaktionen und trotzdem denke ich mir immer: "Geschmeidig bleiben und nicht verhärten."
Meine Bedenken gehen nämlich in die Richtung, dass man auch leicht in eine Opferrolle geraten kann und irgendwann ganz automatisch glaubt, man "kämpft" alleine gegen eine "schlechte Welt".
Ich erlebe teilweise Dinge, die ich mehr als ungerecht empfinde - gerade auch im Bezug auf Menschen mit Behinderung. Da gibt es Geschichten, bei denen mir nur noch der Begriff "Missachtung der Menschenwürde" einfällt.
Und trotzdem passe ich auf, nicht ein "pauschales Negativbild" aufzubauen.
Es ist sehr schwierig, das im Internet zu vermitteln, was ich meine. Aber ich habe Befürchtungen, dass man sich selbst auch in eine "Negativ-Spirale" bringen kann, aus der man dann nicht mehr so schnell herauskommt.
Wie gesagt: ich habe 7 Jahre am Stück erheblichen "Mist" erlebt. Von falschen Diagnosen bis hin zur Infragestellung meiner Erziehungskompetenz als Pflegemutter eines behinderten Kindes.
Das hat mich verletzt und ich blicke auch heute noch mit einem kleinen "Grummeln" zurück.
Vergessen, wie ich mich gefühlt habe, werde ich das nie.