AW: Inklusion
Hallo Rosmarie,
du hast mir in keinster Weise ein schlechtes Gewissen gemacht, ich finde
deinen Beitrag und deine Meinung sogar super gut und absolut
nachvollziehbar.
Ich denke wir können auch nur etwas verändern, wenn wir diese Themen
ins Gespräch bringen. Und besten Falls mehrere Betroffene gemeinsam.
Unser Sohn hatte bzw. hat noch bis Ende Juli2011 sehr viel Therapiestunden
in der SVE. Am allermeißten hat ihm dabei meiner Meinung nach die Mototherapie
(2 Einzelstunden die Woche) geholfen, er hatte auch noch Ergotherapie
(1 Einzelstunde die Woche) und beide Therapeutinnen haben dann noch
1 Stunde in der Woche gemeinsam mit einer Kleingruppe von 4 Kindern
intensiv gearbeitet(was gerade bei Autismus sehr gut ist, etwas intensiv
miteinander zu erarbeiten und den Anderen wahrzunehmen und das
Miteinander zu lernen.
Alleine schon die kleine Gruppe hatte für sein lernen eine positive
Bedeutung. Heißt ca. 5 Kinder mit ca. 3 Betreuerinnen. Gerade das
Miteinander, der Tagesablauf und das Leben eben überhaupt, die
Kommunikation untereinander wurde hier ganz groß geschrieben.
Alle Beteiligten (Therapeuten, Erzieherinnen...) haben in eine Richtung
gearbeitet und sich immer wieder abgesprochen.
Im zweiten Jahr war er jetzt Vorschulkind und hatte auch noch intensive
Einzelbetreuung durch die Gruppenleitung,eine Heilpädagogische Erzieherin.
Hier hat er auch noch mal intensiv Schulleben, lernen näher gebracht bekommen,
aber eben auf seine Bedürfnisse abgestimmt.
Alles in allem war er hier in sehr guten Händen.
Allerdings kann ich deinen Einwand auch nachvollziehen, es war ihm
auch teilweise langweilig, hatte ich das Gefühl, eben durch die wenigen
Kinder, der Spaß ist dadurch zumindestens aus meiner Sicht etwas zu
kurz gekommen. Aber fürs Leben weitergeholfen hat es ihm hundertprozentig!
Die Behörden wollten uns am Anfang schon die Kosten nicht übernehmen und
jetzt haben wir doch eigentlich bewiesen, daß es ihm dort gut geht und
er riesen Fortschritte macht und trotzdem stehen wir jetzt mit der Einschulung
wieder vor der gleichen Mauer.
Trotzdem stehe ich auch der Regelschule nicht abgeneigt gegenüber.
Alleine schon um nicht diese "andere Welt" für behinderte Menschen zu fördern,
sondern sie richtig in unsere Gesellschaft einzuschließen.
Befürchte aber es ist noch ein langer und schwieriger Weg bis dorthin.
Bin aber jederzeit bereit daran mitzuarbeiten.
Die Entlastung außerhalb der Schulzeit finde ich auch ein sehr wichtiges und
großes Thema. Auch wie kann man hier gerade Autisten, denen das
Miteinander sehr schwer fällt, die wie ich an meinem Sohn sehe, es aber um so
mehr brauchen, integrieren. Kein leichtes Thema, wie ich festgestellt habe!
Freue mich wieder von Dir zu lesen,
LG Goldstück