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Eine ironische Geschichte

rosifi 16.05.2011, 12:08#1
Die Schreiberin dieser Geschichte konnte auf ihre Lage wohl nur noch mit Galgenhumor reagieren.

Ich habe ein ähnlich gelagertes Problem, wie der heimliche Mehrfach-Millionär vor mir.
Ich bekenne hiermit: ich führe ein heimliches Leben als Sambatänzerin. Und damit nicht genug – Salsa, Limbo, Tango, das sind ebenfalls meine Leidenschaften. Ich tanze ausgesprochen gerne und gut. Aber davon kann man nicht leben und deshalb friste ich in meinem Alltag ein Leben als Rollstuhlfahrerin. Darin finde ich mein Auskommen, meine Herausforderung und meine Altersabsicherung.
Aber wenn Sie jetzt denken: na, die macht sichs aber einfach – so kann ich Ihnen versichern, das ist es ganz und gar nicht.
Solange jemand um mich herum ist – und so wie ich meinen Fall konstruiert habe, ist das bei mir ein Dauerzustand, denn ich habe mir eine fortschreitende Behinderung zugelegt – solange also sitze ich – stur und ausharrend. Ich lasse mich bedienen, füttern, waschen. Nun sagen Sie vielleicht: was für ein Luxusleben und dann auch noch Personal für sich ganz allein, herrlich! Aber ich kann Ihnen versichern, es würde Ihnen schnell unangenehm werden. Da ist Durchhaltevermögen und Konsequenz gefragt. Versuchen Sie es doch selbst einmal!
Dieser sitzende Zustand ruiniert den Stoffwechsel, den Po, die Haltung und die Figur.
Manchmal bin ich versucht aufzuspringen, um den Kreislauf richtig in Schwung zu bringen. Ein anderes mal gelingt es mir gerade noch mich zurück zu halten, um nicht versehentlich etwas aufzufangen.
Es tut mir ausgesprochen leid um meine Assistentinnen, die sich so sehr an mir abmühen müssen. Alle so zu hintergehen ist wirklich nicht leicht, moralisch, meine ich.
Dafür versuch ich sie besser zu entlohnen, wenn ich ein Gastspiel habe und ihre Dienste entfallen dadurch. Ich behaupte dann, ich sei auf Kur.
Ich habe es im Simulieren zu großer Könnerschaft gebracht. Und das muss ich auch, denn mein Status als Behinderte wird ständig überprüft. In zermürbender Regelmäßigkeit verlangen diverse Behörden von mir Nachweise über meine Behinderung. Auch wenn Sie diese schon über mehrere Jahre angesammelt haben.
Werden Sie wohl doch allmählich argwöhnisch, weil ich noch nicht das Zeitliche gesegnet habe und mich stattdessen guter Gesundheit erfreue? Habe ich zuviel Humor gezeigt für jemanden mit einer progressiven Behinderung?
Obwohl ich mich inzwischen entschieden habe, alle eigenständigen Handlungen sein zu lassen (außer dem Denken), werde ich gefragt, ob ich mir selbst die Haare waschen oder kochen kann. Dabei bestätigen doch alle Atteste eine völlige Einschränkung des Bewegungsapparates.
Steht eine ärztliche Prüfung an, übe ich schon lange vorher und lass es mir besonders schlecht ergehen. Ich verbiege meine Wirbelsäule, pferche mich sogar in ein deformierendes Korsett.
Kaum hat der Medizinische Dienst die Untersuchungen abgeschlossen und meine Wohnung verlassen, vollführe ich schon einen kleinen Freudentanz auf und unter dem Tisch.

Bin ich noch zu retten?
Habe ich bereits eine Behindertenpersönlichkeit angenommen?