1.
Heut besuch ich Julian und Hans und Tine,
in ihrer Schule ist die Türe fest versperrt.
Dabei haben Julian und Hans und Tine
nie was ausgefressen. Es ist unerhört!
Gleich am Eingang ist ein Tor aus Gitterstäben,
knirschend dreht sich hinter mir der Schlüssel rum.
Ich hab mich in eine neue Welt begeben,
ich fühl mich auf einmal hilflos, klein und dumm.
Ich frag mich, wie Julian und Hans und Tine,
es ertragen, wirklich täglich hier zu sein.
Warum sperrt man Julian und Hans und Tine
hier zum Lernen in der Schule immer ein?
Man erklärt mir, diese Kinder sind „Autisten“
und sie laufen vielleicht weg, wenn man sie lässt.
Alle tun angeblich nur das, was sie müssten,
und so hält man diese Kinder eben fest.
R:
O, Ihr Kleingläubigen, könnt Ihr denn nicht sehn?
O, Ihr Kleingläubigen! Wie Ihr glaubt, so muss es geschehn!
O, Ihr Kleingläubigen, warum glaubt Ihr alles klein?
Hebet die Schranken auf in Euren Gedanken
und lasst das Leben endlich wachsen und gedeihn!
2.
Wenn du nichts von deinen Helfern wissen möchtest,
wenn du trittst uns kratzt und schreist und um dich schlägst,
wenn du ohne sie die schwerste Rechnung rechnest,
wenn du niemals jemand eine Frage frägst,
wenn du stundenlang alleine spielst und trödelst
und Erwachsne einfach unbeachtet lässt,
wenn du nicht so blöd wie sie mit ihnen blödelst,
bist du krank und ein „Autist“ und das steht fest.
Solche Menschen kann angeblich niemand heilen,
sagt die Wissenschaft, und die beherrscht die Welt,
und so sucht ihr Lehrer sich gleich zu beeilen,
dass er mir den ganzen Schrott erzählt.
Gleich am Anfang warnt er mich schon vor dem Mädel,
sie hätt ihm erst neulich das Gesicht zerkratzt.
Angst und Schwäche schleichen sich in meinen Schädel
und ich fühl mich hilflos und total verratzt.
R:
O, Ihr Kleingläubigen, könnt Ihr denn nicht sehn?
O, Ihr Kleingläubigen! Wie Ihr glaubt, so muss es geschehn!
O, Ihr Kleingläubigen, warum glaubt Ihr alles klein?
Hebet die Schranken auf in Euren Gedanken
und lasst das Leben endlich wachsen und gedeihn!
3.
Mein Besuch bei Julian und Hans und Tine
hat natürlich einen ganz bestimmten Grund,
denn für mich sind Julian und Hans und Tine
so wie Du und ich und jedermensch gesund.
Ich will wissen, was geschieht, wenn ich sie alle
einfach mag und als gesunde Menschen nimm.
Für mich ist das Leben niemals eine Falle,
für mich ist Autismus allenfalls Klimbim.
Ja, ich flirt den ganzen Vormittag mit Tine,
das macht kein Autist mit, der was auf sich hält,
und auch Julian macht keine böse Miene,
wenn man sich respektvoll mit ihm unterhält.
Hans kommt her und zupft mich, was soll ich da machen?
In der Pause hängt er sich dann an mich ran
und er drückt mich, dass mir alle Rippen krachen,
und ich frag mich: Was haben sie dir angetan?
R:
O, Ihr Kleingläubigen, könnt Ihr denn nicht sehn?
O, Ihr Kleingläubigen! Wie Ihr glaubt, so muss es geschehn!
O, Ihr Kleingläubigen, warum glaubt Ihr alles klein?
Hebet die Schranken auf in Euren Gedanken
und lasst das Leben endlich wachsen und gedeihn!
4.
Und ich schau den Therapeuten in die Augen,
daraus schaut mich nur Erschöpfung an und Not.
Was sie lernten, scheint zur Lösung nicht zu taugen,
sie erleben von dem Leben nur den Tod.
Und so klammern sie sich, weil sie sonst nichts haben,
ganz verbissen an die neuste Theorie.
Was sie tun, geht regelmäßig in den Graben
und der Lohn von ihrer Arbeit ist die Müh.
Ja, mir schaun „Autisten“ gerne in die Augen,
denn da lesen sie: Du bist ganz wunderbar“!
Welchem Menschen sollte so etwas nicht taugen?
Es ist wichtig und gesund und zutiefst wahr.
Irgendjemand muss die Wahrheit doch mal sagen!
Nur von Krankheit reden macht niemand gesund.
Wenn wir alles nur ein wenig hinterfragen,
dann entdecken wir das Gute auf dem Grund.
R:
O, Ihr Kleingläubigen, könnt Ihr denn nicht sehn?
O, Ihr Kleingläubigen! Wie Ihr glaubt, so muss es geschehn!
O, Ihr Kleingläubigen, warum glaubt Ihr alles klein?
Hebet die Schranken auf in Euren Gedanken
und lasst das Leben endlich wachsen und gedeihn!
Das ist eines meiner Lebens-Lieder; ich habe es aufgrund konkreter Erlebnisse zu Beginn der 1980er Jahre in der Münchner Heckscher Klinik geschrieben; ich machte damals meine Ausbildung zum Sonderschullehrer. Selbstverständlich habe ich seither eine eigene Meinung zum Thema. Wer könnte uns klarer zeigen, wie autistisch wir alle geworden sind, als die Menschen, die wir "Autisten" nennen? Sie führen einen wichtigen göttlichen Auftrag aus - solange bis wir verstanden haben.
Ich grüße herzlich.
Franz Josef Neffe
Heut besuch ich Julian und Hans und Tine,
in ihrer Schule ist die Türe fest versperrt.
Dabei haben Julian und Hans und Tine
nie was ausgefressen. Es ist unerhört!
Gleich am Eingang ist ein Tor aus Gitterstäben,
knirschend dreht sich hinter mir der Schlüssel rum.
Ich hab mich in eine neue Welt begeben,
ich fühl mich auf einmal hilflos, klein und dumm.
Ich frag mich, wie Julian und Hans und Tine,
es ertragen, wirklich täglich hier zu sein.
Warum sperrt man Julian und Hans und Tine
hier zum Lernen in der Schule immer ein?
Man erklärt mir, diese Kinder sind „Autisten“
und sie laufen vielleicht weg, wenn man sie lässt.
Alle tun angeblich nur das, was sie müssten,
und so hält man diese Kinder eben fest.
R:
O, Ihr Kleingläubigen, könnt Ihr denn nicht sehn?
O, Ihr Kleingläubigen! Wie Ihr glaubt, so muss es geschehn!
O, Ihr Kleingläubigen, warum glaubt Ihr alles klein?
Hebet die Schranken auf in Euren Gedanken
und lasst das Leben endlich wachsen und gedeihn!
2.
Wenn du nichts von deinen Helfern wissen möchtest,
wenn du trittst uns kratzt und schreist und um dich schlägst,
wenn du ohne sie die schwerste Rechnung rechnest,
wenn du niemals jemand eine Frage frägst,
wenn du stundenlang alleine spielst und trödelst
und Erwachsne einfach unbeachtet lässt,
wenn du nicht so blöd wie sie mit ihnen blödelst,
bist du krank und ein „Autist“ und das steht fest.
Solche Menschen kann angeblich niemand heilen,
sagt die Wissenschaft, und die beherrscht die Welt,
und so sucht ihr Lehrer sich gleich zu beeilen,
dass er mir den ganzen Schrott erzählt.
Gleich am Anfang warnt er mich schon vor dem Mädel,
sie hätt ihm erst neulich das Gesicht zerkratzt.
Angst und Schwäche schleichen sich in meinen Schädel
und ich fühl mich hilflos und total verratzt.
R:
O, Ihr Kleingläubigen, könnt Ihr denn nicht sehn?
O, Ihr Kleingläubigen! Wie Ihr glaubt, so muss es geschehn!
O, Ihr Kleingläubigen, warum glaubt Ihr alles klein?
Hebet die Schranken auf in Euren Gedanken
und lasst das Leben endlich wachsen und gedeihn!
3.
Mein Besuch bei Julian und Hans und Tine
hat natürlich einen ganz bestimmten Grund,
denn für mich sind Julian und Hans und Tine
so wie Du und ich und jedermensch gesund.
Ich will wissen, was geschieht, wenn ich sie alle
einfach mag und als gesunde Menschen nimm.
Für mich ist das Leben niemals eine Falle,
für mich ist Autismus allenfalls Klimbim.
Ja, ich flirt den ganzen Vormittag mit Tine,
das macht kein Autist mit, der was auf sich hält,
und auch Julian macht keine böse Miene,
wenn man sich respektvoll mit ihm unterhält.
Hans kommt her und zupft mich, was soll ich da machen?
In der Pause hängt er sich dann an mich ran
und er drückt mich, dass mir alle Rippen krachen,
und ich frag mich: Was haben sie dir angetan?
R:
O, Ihr Kleingläubigen, könnt Ihr denn nicht sehn?
O, Ihr Kleingläubigen! Wie Ihr glaubt, so muss es geschehn!
O, Ihr Kleingläubigen, warum glaubt Ihr alles klein?
Hebet die Schranken auf in Euren Gedanken
und lasst das Leben endlich wachsen und gedeihn!
4.
Und ich schau den Therapeuten in die Augen,
daraus schaut mich nur Erschöpfung an und Not.
Was sie lernten, scheint zur Lösung nicht zu taugen,
sie erleben von dem Leben nur den Tod.
Und so klammern sie sich, weil sie sonst nichts haben,
ganz verbissen an die neuste Theorie.
Was sie tun, geht regelmäßig in den Graben
und der Lohn von ihrer Arbeit ist die Müh.
Ja, mir schaun „Autisten“ gerne in die Augen,
denn da lesen sie: Du bist ganz wunderbar“!
Welchem Menschen sollte so etwas nicht taugen?
Es ist wichtig und gesund und zutiefst wahr.
Irgendjemand muss die Wahrheit doch mal sagen!
Nur von Krankheit reden macht niemand gesund.
Wenn wir alles nur ein wenig hinterfragen,
dann entdecken wir das Gute auf dem Grund.
R:
O, Ihr Kleingläubigen, könnt Ihr denn nicht sehn?
O, Ihr Kleingläubigen! Wie Ihr glaubt, so muss es geschehn!
O, Ihr Kleingläubigen, warum glaubt Ihr alles klein?
Hebet die Schranken auf in Euren Gedanken
und lasst das Leben endlich wachsen und gedeihn!
Das ist eines meiner Lebens-Lieder; ich habe es aufgrund konkreter Erlebnisse zu Beginn der 1980er Jahre in der Münchner Heckscher Klinik geschrieben; ich machte damals meine Ausbildung zum Sonderschullehrer. Selbstverständlich habe ich seither eine eigene Meinung zum Thema. Wer könnte uns klarer zeigen, wie autistisch wir alle geworden sind, als die Menschen, die wir "Autisten" nennen? Sie führen einen wichtigen göttlichen Auftrag aus - solange bis wir verstanden haben.
Ich grüße herzlich.
Franz Josef Neffe
