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Ja, mir schaun „Autisten“ gerne in die Augen, ....

Franz Josef Neffe 27.09.2010, 01:06#1
1.
Heut besuch ich Julian und Hans und Tine,
in ihrer Schule ist die Türe fest versperrt.
Dabei haben Julian und Hans und Tine
nie was ausgefressen. Es ist unerhört!
Gleich am Eingang ist ein Tor aus Gitterstäben,
knirschend dreht sich hinter mir der Schlüssel rum.
Ich hab mich in eine neue Welt begeben,
ich fühl mich auf einmal hilflos, klein und dumm.
Ich frag mich, wie Julian und Hans und Tine,
es ertragen, wirklich täglich hier zu sein.
Warum sperrt man Julian und Hans und Tine
hier zum Lernen in der Schule immer ein?
Man erklärt mir, diese Kinder sind „Autisten“
und sie laufen vielleicht weg, wenn man sie lässt.
Alle tun angeblich nur das, was sie müssten,
und so hält man diese Kinder eben fest.
R:
O, Ihr Kleingläubigen, könnt Ihr denn nicht sehn?
O, Ihr Kleingläubigen! Wie Ihr glaubt, so muss es geschehn!
O, Ihr Kleingläubigen, warum glaubt Ihr alles klein?
Hebet die Schranken auf in Euren Gedanken
und lasst das Leben endlich wachsen und gedeihn!
2.
Wenn du nichts von deinen Helfern wissen möchtest,
wenn du trittst uns kratzt und schreist und um dich schlägst,
wenn du ohne sie die schwerste Rechnung rechnest,
wenn du niemals jemand eine Frage frägst,
wenn du stundenlang alleine spielst und trödelst
und Erwachsne einfach unbeachtet lässt,
wenn du nicht so blöd wie sie mit ihnen blödelst,
bist du krank und ein „Autist“ und das steht fest.
Solche Menschen kann angeblich niemand heilen,
sagt die Wissenschaft, und die beherrscht die Welt,
und so sucht ihr Lehrer sich gleich zu beeilen,
dass er mir den ganzen Schrott erzählt.
Gleich am Anfang warnt er mich schon vor dem Mädel,
sie hätt ihm erst neulich das Gesicht zerkratzt.
Angst und Schwäche schleichen sich in meinen Schädel
und ich fühl mich hilflos und total verratzt.
R:
O, Ihr Kleingläubigen, könnt Ihr denn nicht sehn?
O, Ihr Kleingläubigen! Wie Ihr glaubt, so muss es geschehn!
O, Ihr Kleingläubigen, warum glaubt Ihr alles klein?
Hebet die Schranken auf in Euren Gedanken
und lasst das Leben endlich wachsen und gedeihn!
3.
Mein Besuch bei Julian und Hans und Tine
hat natürlich einen ganz bestimmten Grund,
denn für mich sind Julian und Hans und Tine
so wie Du und ich und jedermensch gesund.
Ich will wissen, was geschieht, wenn ich sie alle
einfach mag und als gesunde Menschen nimm.
Für mich ist das Leben niemals eine Falle,
für mich ist Autismus allenfalls Klimbim.
Ja, ich flirt den ganzen Vormittag mit Tine,
das macht kein Autist mit, der was auf sich hält,
und auch Julian macht keine böse Miene,
wenn man sich respektvoll mit ihm unterhält.
Hans kommt her und zupft mich, was soll ich da machen?
In der Pause hängt er sich dann an mich ran
und er drückt mich, dass mir alle Rippen krachen,
und ich frag mich: Was haben sie dir angetan?
R:
O, Ihr Kleingläubigen, könnt Ihr denn nicht sehn?
O, Ihr Kleingläubigen! Wie Ihr glaubt, so muss es geschehn!
O, Ihr Kleingläubigen, warum glaubt Ihr alles klein?
Hebet die Schranken auf in Euren Gedanken
und lasst das Leben endlich wachsen und gedeihn!
4.
Und ich schau den Therapeuten in die Augen,
daraus schaut mich nur Erschöpfung an und Not.
Was sie lernten, scheint zur Lösung nicht zu taugen,
sie erleben von dem Leben nur den Tod.
Und so klammern sie sich, weil sie sonst nichts haben,
ganz verbissen an die neuste Theorie.
Was sie tun, geht regelmäßig in den Graben
und der Lohn von ihrer Arbeit ist die Müh.
Ja, mir schaun „Autisten“ gerne in die Augen,
denn da lesen sie: Du bist ganz wunderbar“!
Welchem Menschen sollte so etwas nicht taugen?
Es ist wichtig und gesund und zutiefst wahr.
Irgendjemand muss die Wahrheit doch mal sagen!
Nur von Krankheit reden macht niemand gesund.
Wenn wir alles nur ein wenig hinterfragen,
dann entdecken wir das Gute auf dem Grund.
R:
O, Ihr Kleingläubigen, könnt Ihr denn nicht sehn?
O, Ihr Kleingläubigen! Wie Ihr glaubt, so muss es geschehn!
O, Ihr Kleingläubigen, warum glaubt Ihr alles klein?
Hebet die Schranken auf in Euren Gedanken
und lasst das Leben endlich wachsen und gedeihn!

Das ist eines meiner Lebens-Lieder; ich habe es aufgrund konkreter Erlebnisse zu Beginn der 1980er Jahre in der Münchner Heckscher Klinik geschrieben; ich machte damals meine Ausbildung zum Sonderschullehrer. Selbstverständlich habe ich seither eine eigene Meinung zum Thema. Wer könnte uns klarer zeigen, wie autistisch wir alle geworden sind, als die Menschen, die wir "Autisten" nennen? Sie führen einen wichtigen göttlichen Auftrag aus - solange bis wir verstanden haben.
Ich grüße herzlich.
Franz Josef Neffe
Sanne40 27.09.2010, 09:22#2
AW: Ja, mir schaun „Autisten“ gerne in die Augen,

Ein wunderschönes Gedicht...........und so wahr.
Für mich ist Autismus auch die Antwort auf unsere hektische und laute Welt. Keiner hat mehr Zeit für den anderen und übersieht das schöne und einzig wichtige im Leben.
Durch unseren autistischen Sohn haben wir wieder sehr viel gelernt. Mittlerweile habe ich sehr viele Bücher über Autismus gelesen und eines bleibt mir immer noch im Kopf, irgendwo stand, daß die Autisten auf die Erde gekommen sind, um wieder Liebe unter die Menschen zu bringen.
LG v. Sanne
Franz Josef Neffe 28.09.2010, 13:01#3
AW: Ja, mir schaun „Autisten“ gerne in die Augen,

Es freut mich, wenn meine Botschaft wahrgenommen wird, liebe Sanne. Ich meine, wenn wir die Botschaft der von uns so genannten Autisten verstehen, dürfen sie sich ändern, früher nicht.
Wir müssen also UNS verändern, wenn wir eine andere Wirkung auf sie haben wollen.
Was mich bei der Begegnung mit Julian und Hans und Tine faszinierte war,
wie verfallen alle dem äußeren Schein sind und wie wenig Beziehung wir alle zu unserem realen SEIN pflegen. Ich erlebte, wie wir uns an theoretische Vorgaben klammern und die direkte Berührung mit den wunden Punkten in uns und allen anderen vermeiden.
Als Ich-kann-Schule-Lehrer ist für mich das Problem mit allen Symptomen, Syndromen, Defiziten, Fehlern, Schwächen nichts weiter als ein Hinweisgeber, dass es den zuständigen STÄRKEN schlecht geht. Statt des üblichen Tanzes um das Goldene Kalb Schwächen wende ich mich den Stärken zu, um ihre Not zu lindern, sie aufzurichten, zu stärken und neuzuorientieren. Mich beeindruckt Autismus nicht. Schon gar nicht, wenn er wie ein Götze gefürchtet wird und man mich drängt, ihn als solchen anzuerkennen und ihm zu opfern. Ich begegne ihm durchaus als BOTE mit Respekt, aber eben nur als Bote. Er sagt mir: "Ihr macht es immer noch verkehrt. Seid anders zu mir, damit ich anders zu Euch sein kann! Ich zeige Euch doch ständig, ob Ihr auf dem Erfolgs- oder auf dem Holzweg seid. Wenn Ihr mit noch mehr Aufwand noch weniger erreicht, habt Ihr Eure Fehler noch gesteigert. Wenn ES anders werden soll, dann müsst IHR anders werden. Hört auf, mich zwingen zu wollen, Ihr bezwingt nur Euch selbst damit."
Was du beherrschen willst, musst du bedienen lernen.
Die Entscheidungen über unser Leben fallen auf der höchsten Ebene mit den feinsten Kräften. Das bedeutet praktisch: Solange wir unsere Energie verschleißen, haben wir das Wesentliche noch gar nicht verstanden. Problemlösung ist feine geistige Prozisionsarbeit. Damit meine ich keineswegs, dass jemand 5 Jahre studiert haben muss, nein, sensibel müssen wir mit den entscheidenden Kräften unseres Lebens umgehen lernen. Nicht nur etwas mit ihnen machen, nein, sondern achtsam mit ihnen wirklich kommunizieren. Dann wird sehr, sehr viel möglich.
Der Umgang mit GEIST ist uns in Schule & Pädagogik noch so ungewohnt, dass wir nicht einmal zu wissen scheinen, dass GEIST auch Antworten gibt. Ständig. Wir vergeben uns sehr, sehr viel, wenn wir mit den wichtigsten Lebenskräfte nicht als PARTNER umgehen lernen. Mit einem feineren Lebensverständnis könnte uns viel in den Schoß fallen, was wir uns sonst nicht zu erarbeiten vermögen.
Ich grüße herzlich.
Franz Josef Neffe
elfriede 28.09.2010, 19:08#4
AW: Ja, mir schaun „Autisten“ gerne in die Augen,

hallo franz josef.
ja, die menschen die mit dem herzen sehn,werden in unserer gesellschaft beschimpft und absolut nicht verstanden.
es herrscht die gewalt und nicht das herz und das gefühl.
meine tochter fühlt mit dem herz,und das tut ihr weh,sie ist ein mensch die in ihrer welt lebt.und das ist ok.
ich gebe ihr liebe und gute pflege,und sie kann sich in ruhe frei entwikeln.ohne gewalt ohne chemie,
ich stehe zu ihr.ich fühle auch ,mit dem herz,und bin zuhause auf dem spirituellen weg.
aber auch mir wird übel mitgespielt ,weil ich für machtspiele nicht zu haben bin,und aus dem herzen heraus lebe.
ja es ist nicht leicht,für menschen,die nicht mit den wölfen heulen.
mal schaun.wo wir in ruhe und frieden auf der erde leben können,bin nochmal auf wohnungsuche,wegen meiner tochter,und wegen mir,weil ich ganz genau der kapitän auf meinem schiff bin.

lieben gruss.
Franz Josef Neffe 28.09.2010, 21:55#5
AW: Ja, mir schaun „Autisten“ gerne in die Augen,

Naja, die Kehrseite der Medaille sagt uns durch die Reaktion, dass wir die Menschen zutiefst im Herzen berührt haben, die uns ihre größten Schwächen offenbaren.
Wir sind so weit vorgedrungen, wie noch nicht einmal sie selbst. Da ist es doch verständlich dass jemand in panische Kurzschlussreaktionen verfällt. Von denen müssen wir uns nicht irrtieren lassen. Wenn wir seinen Kräften mit ihrer traumatischen Vorgeschichte mit Güte begegnen, werden sie sie annehmen, ganz einfach weil sie danach ausgehungert sind. Dass sich die verletzte Eitelkeit zuvor noch etwas aufbläst und wichtigzumachen sucht, lassen wir verpuffen und stärken einfach weiter die GÜTE. Je stärker sie wird, umso besser für alle.
Die einem übel mitspielen, zeigen einem, dass sie selbst das Spiel ihres Lebens nicht verstehen und Hilfe brauchen. Anderen Schwierigkeiten zu machen, ist ein deutlicher Weg für jemand, der sich nicht auskennt, zu zeigen, dass er selber Schwierigkeiten hat und damit nicht fertig wird. Leider lassen wir uns durch das Aufblasen zu oft vom Wesentlichen ablenken.
Wir können aus der Konfrontation herausgehen, dann wird gute geistige Kommunikation möglich. Die macht dann der, der weiß, wie´s geht.
Ich freue mich, wenn das Leben durch Dich Einfluss gewinnt.
Mit herzlichem Gruß
Franz Josef Neffe