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Beitrag zur Umsetzung der Inklusion

zippe 17.06.2013, 19:54#1
Anspruch auf Chancengleichheit
Konferenz zum Thema Inklusion


Behinderte Kinder haben das Recht, in eine ganz normale Schule zu gehen, Inklusion ist ein Menschenrecht. Deutschland hat dieser UN-Konvention 2009 zugestimmt und sich damit verpflichtet, die meisten Sonderschulen so schnell wie möglich abzuschaffen. Doch die Inklusion verkommt oft zum Sparmodell. [...]

Einen kleinen Filmbeitrag gibt es bei DasErste
chripri 19.06.2013, 10:12#2
AW: Beitrag zur Umsetzung der Inklusion

Lieber Zippe,

man muss bei alle den Presseberichten immer sehr genau hinschauen. Natürlich laufen gerade viele Lehrerlobbygruppen Sturm gegen die Inklusion und reden vieles schlecht, die Eltern werden natürlich davon auch sehr verunsichert.

Es ist eine Illussion zu glauben, in der Inklusion werden die Kinder mit Handikaps die gesamte Unterrichtszeit von Sonderpädagogen begleitet, das ist auch überhaupt nicht nötig. Ein Zweilehrersystem ist bei den in Deutschland europaweit mit höchsten Lehrergehälter völlig unrealistisch. Realistisch ist dagegen und diese Forderung wird inzwischen zum Beispiel bereits von dem Bayerischen Elternverband, von der bayerischen SPD und anderen gestellt, dass in alle Klassen ein zusätzlicher pädagogischer Mitarbeiter kommt, der unterschiedliche berufliche Qualifikationen haben kann: Heilpädagoge, Heilerziehungspfleger, Erzieher, Sozialpädagoge...Das Lehrerkollegium vor Ort sucht sich eine geeignete Person aus und entscheidet, welche berufliche Qualifikationen als Ergänzung für das Lehrerkollegium am dringensten notwendig ist. Auch Stimmen in der CSU sind für ein solches Modell, trauen es sich aber noch nicht laut zu sagen.

Wenn wir Eltern uns auf ein solches Modell verständigen könnten, natürlich unter der Voraussetzung, dass zukünftig jeder Lehrer in seinem Studium auch "sonderpädagogische" oder besser noch inklusive Kompetenzen mitbekommen muss, können wir verhindern, dass an unseren Kindern gespart wird. Gespart wird nur solange, solange beide Systeme (Separieren und Inkludieren) nebeneinenander bestehen und gegeneinander konkurrieren. Wenn dagegen die Zielrichtung klar ist, erst dann kann die Politik planen.

Und noch was zum Thema Sonderpädagogen: Kein Mensch kann jedes Behinderungsbild studieren! Es ist immer nötig und das wird in Italien seit 30 Jahren so praktiziert, dass ein Lehrer, wenn er ein behindertes Kind in die Klasse bekommt und das hat er ja dann min. 2, wenn nicht 3 Jahre oder länger, sich speziell in diesem Behinderungsbild fortbildet! Darüberhinaus ist es auch oft sehr heilsam, wenn Lehrer erstmal unbedarft vor einem Kind stehen und dadurch gezwungen sind, das Kind als Individuum wahrzunehmen. Wenn der Lehrer das Kind dagegen gleich in eine Schublade steckt, besteht die große Gefahr, dass seine Wahrnehmung durch viele Vorurteile getrübt wird. Dabei wissen wir Eltern doch am allerbesten, dass z.B. kein Down-Syndrom-Kind wie das andere ist, kein herzkrankens Kind wie das andere usw....wir haben es immer mit ganz individuellen Persönlichkeiten zu tun!

Christine
zippe 19.06.2013, 14:27#3
AW: Beitrag zur Umsetzung der Inklusion

Hallo Christine,
Zitat von chripri
Natürlich laufen gerade viele Lehrerlobbygruppen Sturm gegen die Inklusion und reden vieles schlecht, die Eltern werden natürlich davon auch sehr verunsichert.
warum unterstellst Du den Eltern, dass sie sich verunsichern lassen? Die meisten Eltern sind sich sehr sicher, dass die Art und Weise dieser Inklusion (die eigentlich gar keine ist) für ihre Kinder nicht geeignet ist. Und zwar aus dem Grund, dass ihre Kinder einfach nicht berücksichtigt werden. Da hilft auch Schönrednerei nichts.
Zitat von chripri
Es ist immer nötig und das wird in Italien seit 30 Jahren so praktiziert, dass . . .
lies Dir mal den Beitrag von gero (08.04.2013, 08:18 Uhr)durch. Dann weißt Du, was in Italien praktiziert wird: nämlich "mehrfach schwerbehinderte Kinder vom Unterricht auszuschließen".

Ich bin so was von froh, dass meine Große nicht mehr zur Schule geht, denn sie würde ziemlich sicher zu genau diesem Personenkreis gehören.
chripri 20.06.2013, 04:52#4
AW: Beitrag zur Umsetzung der Inklusion

Hallo Zippe,

man muss immer unterscheiden, was die Ursachen in den jeweiligen Einzelfällen sind. Ich habe auch von einzelnen negativen Fällen in Italien gehört, das kann an menschlichem Versagen vor Ort liegen (genauso wie in in deutschen Regelschulen und Förderschulen schon vor den Zeiten der Inklusion immer wieder schlimme Geschichten gab). Du tust so, als ob bei uns in Deutschland schwer mehrfachbehinderte nicht vom Unterricht ausgeschlossen werden. Ich kenne mehrere Eltern, die erlebt haben, dass in der Förderschule kaum Unterricht stattfindet und die berichten, dass die behinderten Menschen, wenn sie in einer derart unnatürlichen Weise in einem Raum konzentriert sind, sich gegenseitig massiv stören.

In jedem Land dieser Welt, nicht nur in Italien gibt es Fälle, wo die Recht von Menschen verletzt werden, das stellt aber nirgends die Inklusion insgesamt in Frage. Nur mal zur Erinnerung: Inklusion ist ein Menschenrecht, auch wenn es für uns Eltern anstrengend sein mag: Unsere Kinder haben ein Recht darauf und wir Eltern haben kein Recht, unseren Kindern die Inklusion vorzuenthalten! Im übrigen bin ich gerade im Sekundarstufenbereich mittelfristig durchaus für den Erhalt von Schwerpunktschulen, zumindest solange in Deutschland noch ein mehrgliedriges Schulsystem besteht. In diesen Schwerpunktschulen sind dann mehrere behinderte Kinder in einer Klasse (ca. 3 bis max. 5), so dass das Fachpersonal und die betroffenen Eltern gegenüber den anderen eine starke Position haben.

Ich hoffe wie Du, dass es in Zukunft immer mehr selbstbewusste Eltern geben wird, die die Rechte ihrer Kinder wahrnehmen und durchsetzen. Aber was Du schreibst, ist leider Wunschdenken. Ich habe selbst zum Beispiel von Eltern von Lernbehindertenschulen berichtet bekommen, dass diese von ihrem Schulleiter fast möchte man schon sagen "aufgehetzt" wurden, dass ihre Kinder in die Geistigbehin-dertenschule müssen, wenn die Lernbehindertenschulen geschlossen werden. Auch der mobile sonderpädagogische Dienst und die Förderschulen machen den Eltern nach wie vor massiv Angst vor der Inklusion in der Regelschule. Leider ist es auch an der Tagesordnung, dass die Eltern sogar belogen werden, indem z.B. behauptet wird, dass ihr Kind keinen Werkstättenarbeitsplatz bekommen würde, wenn es in die Regelschule geht. Das sind die Gründe, warum sich viele Eltern den inklusiven Weg nicht trauen neben den bürokratischen Erschwernissen!

Christine
zippe 20.06.2013, 13:53#5
AW: Beitrag zur Umsetzung der Inklusion
Schwerpunkt: Die Schattenseiten der Inklusion Robert Rollinger erklärt die Inklusion / Nur das Beste fürs Kind? – Elternerfahrungen mit der Inklusion / "Wenn's nur so einfach wäre!" – Bayerische Schulen kämpfen mit der Inklusion / Ein Schritt zurück: Wie das Vorzeigeland Italien bei der Inklusion spart /
Quelle: BR-Notizbuch: Schattenseiten der Inklusion

Viele unterschiedliche Beiträge gibt es auch noch hier: Alles inklusive?
zippe 20.06.2013, 14:42#6
AW: Beitrag zur Umsetzung der Inklusion
Zitat von chripri
Du tust so, als ob bei uns in Deutschland schwer mehrfachbehinderte nicht vom Unterricht ausgeschlossen werden.
Das habe ich nirgends geschrieben. Woraus schließt Du das?
In jedem Land dieser Welt, nicht nur in Italien gibt es Fälle, wo die Recht von Menschen verletzt werden, das stellt aber nirgends die Inklusion insgesamt in Frage.
ich habe nie die Inklusion in Frage gestellt, ich kritisiere "nur" die mangelhafte Umsetzung, durch die Kinder mit schwersten geistigen Behinderungen und mit sehr hohem Betreuungsbedarf durch alle Raster fallen.
Nur mal zur Erinnerung: Inklusion ist ein Menschenrecht, auch wenn es für uns Eltern anstrengend sein mag: Unsere Kinder haben ein Recht darauf und wir Eltern haben kein Recht, unseren Kindern die Inklusion vorzuenthalten!
daran brauchst Du mich gewiss nicht zu erinnern, denn nicht ich enthalte meiner Tochter die Teilhabe in der Gesellschaft vor. Die Ausgrenzung erfolgt (derzeit?!?) durch die mangelhaften Bedingungen, die von Seiten der Politik und Verwaltung vorgegeben werden.
Und der gemeinsame Unterricht ist dabei doch nur ein marginaler Teil der Inklusion, denn Inklusion bedeutet ein gemeinsames Leben in der Gesellschaft. Und es braucht mir niemand zu erzählen, dass einfach nur mit der schulischen Inklusion ein Beginn gemacht werden muss und dann läuft das automatisch.
Ich kämpfe seit Jahren darum, dass meine Große endlich in ein möglichst normales Leben ausziehen darf. Unterstützung? Fehlanzeige!
Gerade die Eltern von erwachsenen Kindern mit weniger Hilfebedarf grenzen sich rigoros von den Menschen mit schwersten Behinderungen ab. Ganz so, als ob diese Sand im Getriebe des Inklusionszuges wären.
Auch der mobile sonderpädagogische Dienst und die Förderschulen machen den Eltern nach wie vor massiv Angst vor der Inklusion in der Regelschule. Leider ist es auch an der Tagesordnung, dass die Eltern sogar belogen werden, indem z.B. behauptet wird, dass ihr Kind keinen Werkstättenarbeitsplatz bekommen würde, wenn es in die Regelschule geht. Das sind die Gründe, warum sich viele Eltern den inklusiven Weg nicht trauen neben den bürokratischen Erschwernissen!
Die SonderpädagogInnen, mit denen ich bisher zu tun hatte, waren und sind da glücklicherweise auf einem völlig anderen Weg.

Allerdings höre ich ähnliche Behauptungen und erlebe ähnliche Verhaltensweisen bei der Forderung nach alternativen Wohnformen. Aber auch hier "merkwürdigerweise" wieder nur in Richtung der Menschen mit schwersten geistigen Behinderungen bzw. sehr hohem Hilfe- und Betreuungsbedarf.

Es geht schlicht und einfach immer nur ums Geld! Und genau das ist das Hindernis!