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"Inklusion - gemeinsam anders" auf BR-alpha

Volker 29.11.2011, 13:27#1
"Steffi, die im Rollstuhl sitzt, und der geistig zurückgebliebene Paul werden in die neunte Klasse einer Gesamtschule aufgenommen. Die beiden und ihre neuen Mitschüler sollen durch das neue Lernumfeld gefördert und gefordert werden. Diese "Inklusion" ist eine Win-Win-Situation auf dem Papier. Doch was bedeutet sie tatsächlich für die beiden Neuen? Was für ihre Mitschüler? Für die Lehrer und Eltern?"

TV-Film
"Inklusion - gemeinsam anders"
Fr, 02.12.2011 um 20:15 Uhr
Sender: BR-alpha

http://www.br.de/fernsehen/br-alpha/programmkalender/sendung144060.html


[Bild: www.br.de]
Simone Eckenroth 30.11.2011, 09:09#2
AW: "Inklusion - gemeinsam anders" auf BR-alpha

Stolpere doch gleich in der Beschreibung des sicher interessanten Beitrags über das "geistig zurückgeblieben" - wer hat denn da beim Sender den Text geschrieben??

Reg nur ich mich da auf oder geht's Euch auch so ...

Angucken lohnt sich bestimmt trotzdem!
Myriam 30.11.2011, 09:36#3
AW: "Inklusion - gemeinsam anders" auf BR-alpha

Hallo Simone,

geistig zurückgeblieben hört sich für den Verfasser des Satzes vielleicht harmonischer an, als geistig behindert. Zurückgeblieben kann man so auslegen, dass noch mit Förderung, einiges aufzuholen ist. Geistig behindert könnte man auslegen, dass selbst bei Förderung, durch eine geistige Behnderung, nur begrenzt Verbesserung, bzw. Entwicklung möglich ist.

Es ist so eine Sache mit der Begrifflichkeit und wie wir sie persönlich auslegen, bzw. belegen. Negativ oder positiv und schon bekommt der Begriff eine neue Bedeutung zugemessen.

Z.B. habe ich ein Kind mit einer geistigen Behinderung. Es hat nur einen Bruchteil an Gehirnmasse zur Verfügung. Ich bin froh und glücklich, dass er mit diesem minimalen Rest von dieser, "nur" geistig behindert ist und nicht tot.

Hingegen würde ich nicht behaupten, dass er Lernschwierigkeiten hat. Die hat er vielleicht auch, aber selbst wenn ich wollte, diese "Schwierigkeiten" könnte ich nicht ändern, weil er vom Geist ausgesehen, eben behindert ist. Dadurch ist er eigentlich auch, gegenüber Menschen mit einer normalen Hirnfunktion, in der Entwicklung zurückgeblieben.

Wir können neue Begriffe erfinden und alten Wörtern eine neue Bedeutung geben. Es kommt aber nicht auf die Reihenfolge der Buchstaben an, sondern wie wir Menschen diese dann belegen.

Wir würden wir denn einen Menschen im Wachkoma beschreiben? Ist es ein hochintelligenter Mensch, der nicht mehr weiß, dass er lebt? Ist es ein Mensch, dessen Geist nicht mehr in der Lage ist, zu funktionieren? Ist es ein Mensch mit Lernschwierigkeiten, weil er gerade im Koma liegt? Ist er durch das Koma geistig zurückgeblieben?

Generell die Unterscheidung von Menschen in ihren geistigen Fähigkeiten ist irgendwie bereits ein Aussortieren. Vielleicht sollten wir einfach nur von Begabung sprechen. Es gibt Menschen, die sind hochbegabt und können alles schnell aufnehmen und umsetzen. Es gibt Menschen, die sind hochbegabt, was das Malen betrifft, kommen damit nicht weit, weil sie der Mathematik nicht folgen können. Es gibt blinde, schwerstmehrfachbehinderte Menschen, die das perfekte musikalische Gehör haben und trotzdem lässt man sie nicht an ein Instrument. Wir alle können uns auf eine Art und Weise so entwickeln, wie uns mit der in der Wiege gelegten Begabung vorgegeben ist. Wenn dann eine Behinderung der Umsetzung der Begabung im Wege steht, dann sind wir nun einfach daran "gehindert", "behindert" oder bleiben in der Umsetzung zurück. Manchmal haben wir vielleicht bei der Umsetzung auch nur Schwierigkeiten, die wir hoffen, durch Training abzubauen. Aber z.B. ein blinder Mensch hat keine "Schwierigkeiten", sondern er ist und bleibt meist auch blind. Dadurch entstehen ihm höchstens Schwierigkeiten. Und wenn ich z.B. das Wort Blind nun in das Wort Sehschwierigkeiten umändern würde, würde es keine Veränderung in dem körperlichen Zustand bringen. Es hört sich nur angenehmer an. Sehbehindert lässt immer noch kleine Türchen offen - mehr aber nicht.
minchen 01.12.2011, 11:35#4
AW: "Inklusion - gemeinsam anders" auf BR-alpha

Hallo Myriam,

wenn doch nur ALLE deine Einstellung hätten, dann wäre das Thema "Inklusion" kein Thema mehr. Einfach KLASSE.

Gruß Minchen
Myriam 03.12.2011, 12:20#5
AW: "Inklusion - gemeinsam anders" auf BR-alpha

Hallo zusammen,

das Ende vom Film, was soll uns das sagen?

Ist das Inklusion? Wer darf includieren? Gibt es ein "WIR" Haben da Menschen nicht über andere gedacht?

Mir war das Ende sehr fraglich. Geistig behindert = unter sich bleiben und alle Probleme lösen sich in Luft auf?
nitsrek 04.12.2011, 15:51#6
AW: "Inklusion - gemeinsam anders" auf BR-alpha

An das Filmteam von "Inklusion - gemeinsam anders",
als Mutter eines Sohnes (der aufgrund einer Behinderung mit Schulbegleitung eine Gesamtschule besucht) und als selbst von Geburt an behinderte Frau möchte ich Ihnen eine Rückmeldung zum Film "Inklusion" mailen. Mich hat der Film sehr aufgewühlt, weil ich in den letzten 5 Jahren selten einen Spielfilm gesehen haben, in dem so massiv die Vorurteile gegen Menschen mit Behinderung gepflegt wurden. Die Schülerin wurde als überlauniges, unmotivierte und grenzenlos sexgeiles Wesen dargestellt, welches erst durch den anderen Schüler mit Behinderung geheilt wurde und dann ganz wie in "Heidi" die Klara am Ende auch noch stehen kann. Ja sind wir es denn nur wert, unterstützt zu werden, wenn wir am Ende doch noch eine Heilung anstreben? Ich denke nicht und damit bin ich nicht allein!

Vor 20 Jahren in Zeiten der angestrebten Integration wäre der Film noch zeitgemäß gewesen - wenn auch aus Sicht selbst behinderte Menschen genauso kritikwürdig: Weil wir eben nicht die überlaunigen, sexhungrigen Monster sind, sondern Menschen, die genauso wie alle anderen mal mehr oder weniger von allem haben, was Menschsein ausmacht: unterschiedliche Stimmungen, mehr oder weniger Ehrgeiz, uns und die Welt zu verbessern, Spaß am Zusammensein mit anderen und natürlich an sexuellen Beziehungen mit Gleichaltrigen. Gerade wurde die Studie veröffentlicht, dass Mädchen und Frauen mit Behinderung doppelt so häufig von sexualisierte Gewalt betroffen sind, wie der Durchschnitt der weiblichen Bevölkerung. Sie haben in Ihrem Film Opfer und Täter vertauscht. Hier war vermutlich die Phantasie beim Drehbuchschreiben etwas zu sehr ausschlaggebend. Das ist nicht nur sachlich falsch, es verschlimmert die Situation dieser Mädchen, weil Ihnen weiterhin die Schuld an den Übergriffen zugeschoben wird.

Wir brauchen Filme mit guten Lösungen für gemeinsamen Unterricht, im Film "Inklusion - gemeinsam anders" werden dagegen nur die Probleme benannt. Wenn es Lösungen gibt, dann kommen sie von den behinderten Menschen selbst oder durch das Aufopfern des Lehrers, der auch noch die Therapie übernimmt. Das ist völlig unrealistisch, setzt alle Beteiligten unter Druck und macht bei Zweiflern noch mehr Angst. Wenn Sie mit dem Film Letzteres erreichen wollten, ist es Ihnen vermutlich gelungen. Sie haben ja Recht, dass Inklusion von vielen politisch Verantwortlichen gern so wie im Film als Sparmodell umgesetzt werden würde oder gar durch schlechte Bedingungen in den Regelschulen zum Scheitern gebracht werden soll. Aber ich dachte immer, Filmemacher wollen mit ihrer Kreativität zur Verbesserung der Gesellschaft beitragen.

Schade, dass Sie die Chance verpasst haben, Lösungen zu zeigen, damit andere Kinder, Eltern, Lehrer und auch Behörden Mut bekommen. Inklusion geht auch ohne die Heilungsverpflichtung der Menschen mit Behinderung. es geht auch ohne dass der Schüler, der in seiner Verwirrung körperliche Grenzen überschreitet zurück zur Sonderschule muss, wo er vermutlich weiterhin zu sehr zudrückt. Aber dort stört wohl keinen, weil sie dort spielen ja nur Ball? Schade auch um all die Kraft, die fortschrittliche Schulen, engagierte Eltern und mutige Schüler bisher in Problemlösungen investiert haben. Deren Arbeit haben Sie mit dem Film in Frage gestellt. Wenn Sie gezeigt hätten, wie die Arbeit von Schulassistenz und FörderschullehrerInnen im gemeinsamen Unterricht aussehen kann, hätte der Film noch die Kurve bekommen und den diffamierten Beginn etwas abgemildert. Mal ehrlich, mir kam der Film wie ein Werbefilm für den Erhalt von Sonderschulen vor. Sonderschulen für alle Kinder, die sich nicht genügend an die vermeintliche "Normalität" anpassen können. Das ist genau das Gegenteil von dem, was die UN-BRK beabsichtigt.

In der Hoffnung, dass Sie meine Rückmeldung nicht als die einer überlaunigen Frau mit Behinderung abtun, wünsche ich für kommende Projekte in diesem Bereich mehr Weitblick, mehr Realitätsinn und mehr Optimismus und bessere Beratung.

nitsrek
tysar 11.02.2012, 00:01#7
AW: "Inklusion - gemeinsam anders" auf BR-alpha

Hallo,

Ich führe im Rahmen eines Schulprojektes eine Umfrage über Inklusion durch und würde euch gerne bitten an dieser teilzunehmen, da ich die Auswertung für eine Präsentation brauche. Wenn ich für die Fragen nicht die richtige Wortwahl getroffen habe, dann entschuldige ich mich hiermit im voraus, denn das ist meine erst Umfrage.

In meiner Präsentation möchte ich auf die Vorteile und aber auch auf die Schwachstellen des Inklusionskonzeptes eingehen.

Zu dem möchte ich die Ergebnisse meiner Umfrage mit einfließen lassen, um zu zeigen wie das Konzept Positiv oder auch Negativ von Menschen aufgefasst wird.

Daher bitte ich euch etwas Zeit zunehmen, um den Fragebogen auszufüllen:

http://www.fragebogen.tysar.bplaced.de/

Mit freundlichen Grüßen

Matthias

PS: Der Link darf auch gerne an weitergeben werden. (Umfrage läuft bis ca. den 16)
Inge 21.05.2012, 07:34#8
23.05. - 20.15 Uhr - Inklusion - Gemeinsam anders

Mi 23.05.2012 20:15 bis 21:45 (ARD)
Sa 26.05.2012 20:15 bis 21:45 (1festival)
Mi 30.05.2012 18:30 bis 20:00 (1festival)
Do 31.05.2012 07:30 bis 09:00 (1festival)
Do 31.05.2012 12:30 bis 14:00 (1festival)
Im Jahr 2006 verabschiedeten die Vereinten Nationen die „UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen", die Inklusion auf allen Ebenen der Gesellschaft fordert. Deutschland ist seit der Unterzeichnung zu deren Umsetzung verpflichtet.

Filminhalt:
Steffi und Paul sind die „Neuen". Beide sind anders als die anderen. Das Mädchen ist intelligent und sitzt im Rollstuhl, der Junge ist geistig zurückgeblieben. Die Neuankömmlinge sollen in die 9. Klasse der Rousseau-Gesamtschule inkludiert werden. Was heißt das, für die Mitschüler, die Lehrer, die Eltern und für die beiden jungen Menschen selbst? [...]
Quelle und kompletter Text: Das Erste
Kirsten 01.06.2012, 13:49#9
AW: 23.05. - 20.15 Uhr - Inklusion - Gemeinsam and

Frisch reingekommen, der Kommentar vom Bundesbehindertenbeauftragten zur obigen Sendung:

.....................Mit Inklusion und inklusiver Beschulung hatte das Gezeigte jedenfalls nichts zu tun, allenfalls mit einem Beispiel schlecht gemachter Umsetzung von Inklusion“, kritisiert der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe. Näheres unter Newsletter vom 01.06.2012
miau 02.06.2012, 10:17#10
AW: 23.05. - 20.15 Uhr - Inklusion - Gemeinsam and

ich weiß jetzt nicht, was ich zu diesem Leserbrief sagen soll. :grantel:

Den Film habe ich angesehen. Dort zeigte sich, dass die Eltern Steffi unterstützten und sie so Kraft hatte die Regelschule zu meistern. Paul dagegen ist mir ein Rätsel wie er es überhaupt an die normale Schule geschafft hat, denn auch zu Hause wurde er alleine gelassen, die Lehrer sollten sich um ihn kümmern. Mich wundert es dann nicht, wenn bei den "gesunden" schülern dann zum Aufstand kommt, wenn Paul bei Probearbeiten geholfen wird und ihnen nicht. Zudem war auch in dem Film klar herausgestellt worden, dass es zwar Schulbegleiter gibt, diese dann in der Realität nicht unbedingt vorhanden sind. Auf mich hat es so gewirkt, dass Paul in der Regelschule falsch war, weil er zu viel Hilfe gebraucht hatte. Das hat sich auch auf sein Selbstbewusstsein ausgewirkt.

Aber wie soll Inklusion gelingen, wenn Behindertenbeauftragte wie Herr Hüppe so einen Film "in den falschen Hals" bekommen???

Ach ja, die Vorurteile sind vorhanden, da braucht er nur mal genau hinzuschauen.

miau
nonplus 05.06.2012, 19:25#11
AW: "Inklusion - gemeinsam anders" auf BR-alpha

Leider haben Sie mit Ihrer Beurteilung des Filmes völlig Recht.

Besonders fatal ist die Darstellung des als etwas "geistig behindert"(meiner Überzeugung nach eine diskrimminierende Bezeichnung. Diese Menschen sind nur vom Intellekt beeinträchtig, nicht aber ihr Gest) Paul in der Schule. Er wird praktisch in bestimmten stressigen und nicht stressigen Situationen als gefährlich dargestellt. Was für eine Botschaft. Wer wird nach diesen Film noch, Menschen, die hilfsbedürftig sind, und die gleichzeitig vom Intellekt beeinträchtig sind, noch in ihrer Mitte haben wollen.
Unglaublich, dass so ein Film produziert wird, um angeblich die Un-Konvention zu unterstützen. Ich bin auch Ihrer Meinung, dass hier wohl Sondereinrichtigungen dahinterastecken bei der Förderung dieses Filmes.


Zitat von nitsrek
An das Filmteam von "Inklusion - gemeinsam anders",
als Mutter eines Sohnes (der aufgrund einer Behinderung mit Schulbegleitung eine Gesamtschule besucht) und als selbst von Geburt an behinderte Frau möchte ich Ihnen eine Rückmeldung zum Film "Inklusion" mailen. Mich hat der Film sehr aufgewühlt, weil ich in den letzten 5 Jahren selten einen Spielfilm gesehen haben, in dem so massiv die Vorurteile gegen Menschen mit Behinderung gepflegt wurden. Die Schülerin wurde als überlauniges, unmotivierte und grenzenlos sexgeiles Wesen dargestellt, welches erst durch den anderen Schüler mit Behinderung geheilt wurde und dann ganz wie in "Heidi" die Klara am Ende auch noch stehen kann. Ja sind wir es denn nur wert, unterstützt zu werden, wenn wir am Ende doch noch eine Heilung anstreben? Ich denke nicht und damit bin ich nicht allein!

Vor 20 Jahren in Zeiten der angestrebten Integration wäre der Film noch zeitgemäß gewesen - wenn auch aus Sicht selbst behinderte Menschen genauso kritikwürdig: Weil wir eben nicht die überlaunigen, sexhungrigen Monster sind, sondern Menschen, die genauso wie alle anderen mal mehr oder weniger von allem haben, was Menschsein ausmacht: unterschiedliche Stimmungen, mehr oder weniger Ehrgeiz, uns und die Welt zu verbessern, Spaß am Zusammensein mit anderen und natürlich an sexuellen Beziehungen mit Gleichaltrigen. Gerade wurde die Studie veröffentlicht, dass Mädchen und Frauen mit Behinderung doppelt so häufig von sexualisierte Gewalt betroffen sind, wie der Durchschnitt der weiblichen Bevölkerung. Sie haben in Ihrem Film Opfer und Täter vertauscht. Hier war vermutlich die Phantasie beim Drehbuchschreiben etwas zu sehr ausschlaggebend. Das ist nicht nur sachlich falsch, es verschlimmert die Situation dieser Mädchen, weil Ihnen weiterhin die Schuld an den Übergriffen zugeschoben wird.

Wir brauchen Filme mit guten Lösungen für gemeinsamen Unterricht, im Film "Inklusion - gemeinsam anders" werden dagegen nur die Probleme benannt. Wenn es Lösungen gibt, dann kommen sie von den behinderten Menschen selbst oder durch das Aufopfern des Lehrers, der auch noch die Therapie übernimmt. Das ist völlig unrealistisch, setzt alle Beteiligten unter Druck und macht bei Zweiflern noch mehr Angst. Wenn Sie mit dem Film Letzteres erreichen wollten, ist es Ihnen vermutlich gelungen. Sie haben ja Recht, dass Inklusion von vielen politisch Verantwortlichen gern so wie im Film als Sparmodell umgesetzt werden würde oder gar durch schlechte Bedingungen in den Regelschulen zum Scheitern gebracht werden soll. Aber ich dachte immer, Filmemacher wollen mit ihrer Kreativität zur Verbesserung der Gesellschaft beitragen.

Schade, dass Sie die Chance verpasst haben, Lösungen zu zeigen, damit andere Kinder, Eltern, Lehrer und auch Behörden Mut bekommen. Inklusion geht auch ohne die Heilungsverpflichtung der Menschen mit Behinderung. es geht auch ohne dass der Schüler, der in seiner Verwirrung körperliche Grenzen überschreitet zurück zur Sonderschule muss, wo er vermutlich weiterhin zu sehr zudrückt. Aber dort stört wohl keinen, weil sie dort spielen ja nur Ball? Schade auch um all die Kraft, die fortschrittliche Schulen, engagierte Eltern und mutige Schüler bisher in Problemlösungen investiert haben. Deren Arbeit haben Sie mit dem Film in Frage gestellt. Wenn Sie gezeigt hätten, wie die Arbeit von Schulassistenz und FörderschullehrerInnen im gemeinsamen Unterricht aussehen kann, hätte der Film noch die Kurve bekommen und den diffamierten Beginn etwas abgemildert. Mal ehrlich, mir kam der Film wie ein Werbefilm für den Erhalt von Sonderschulen vor. Sonderschulen für alle Kinder, die sich nicht genügend an die vermeintliche "Normalität" anpassen können. Das ist genau das Gegenteil von dem, was die UN-BRK beabsichtigt.

In der Hoffnung, dass Sie meine Rückmeldung nicht als die einer überlaunigen Frau mit Behinderung abtun, wünsche ich für kommende Projekte in diesem Bereich mehr Weitblick, mehr Realitätsinn und mehr Optimismus und bessere Beratung.

nitsrek
Myriam 05.06.2012, 22:22#12
AW: "Inklusion - gemeinsam anders" auf BR-alpha

Hallo nonplus,

Die Aussage, dass Förderschulen dahinterstecken, halte ich an den Haaren beigezogen. Diese kämpfen händeringend um mehr Personal, um gerade diesem Personenkreis (verhaltensauffällig) überhaupt eine Heimat bieten zu können. Eher Nichtbetroffene können sich solche Lösungen, also die Betroffenen alle unter sich, als die perfekte Lösung vorstellen.
miau 06.06.2012, 09:51#13
AW: "Inklusion - gemeinsam anders" auf BR-alpha

Hallo,

diesen Thread mit zu berücksichtigen, ist hilfreich:
http://www.intakt.info/forum/showthread.php?t=10328

So sehe ich, dass die Ansichten so eines Films ganz schön auseinander gehen.

Micha
Kirsten 06.06.2012, 10:05#14
AW: "Inklusion - gemeinsam anders" auf BR-alpha

Hallo Michaela,

vielen Dank für deinen Hinweis und ich habe mal die beiden Threads zusammengelegt, da ja die beiden Diskussionen zum selben Film und damit verbundenem Inhalt gehören.
nonplus 06.06.2012, 10:23#15
AW: "Inklusion - gemeinsam anders" auf BR-alpha

Hallo Myriam,
Nach meinen Kentnissen(u.a. auch) ist der Geist nicht von der Masse des Gehirns abhängig.
Nehmen wir Mal ein Beispiel: Der Massen-Amokäufer/Mörder von Norwegen wurde für "geistig normal" erklärt. Warum ist jemand geistig normal, der so eine unglaublich bösartige Tat vollbracht hat, während Down Syndrom Menschen als "geistig behindert", erklärt(praktisch per Gesetz), obwohl sie uns in so vielen wichtigen Eigenschaften wie Demut und Freundlichkeit voraus sind. Ist es gerecht und menschenwürdig, Menschen die nicht abstrakt denken können und somit z.B. im Rechnen oder ausdrücken mit Worten nicht so gut sind , als "gesitig behindert" bezeichnet zu werden.
Schauen Sie sich doch die Welt an, wer ist denn eigentlich "normal". also nicht "geistig"behindert". Sind es denn nicht die sogenannten "Normalen"?

Grüsse
Nonplus
Zitat von Myriam
Hallo Simone,

geistig zurückgeblieben hört sich für den Verfasser des Satzes vielleicht harmonischer an, als geistig behindert. Zurückgeblieben kann man so auslegen, dass noch mit Förderung, einiges aufzuholen ist. Geistig behindert könnte man auslegen, dass selbst bei Förderung, durch eine geistige Behnderung, nur begrenzt Verbesserung, bzw. Entwicklung möglich ist.

Es ist so eine Sache mit der Begrifflichkeit und wie wir sie persönlich auslegen, bzw. belegen. Negativ oder positiv und schon bekommt der Begriff eine neue Bedeutung zugemessen.

Z.B. habe ich ein Kind mit einer geistigen Behinderung. Es hat nur einen Bruchteil an Gehirnmasse zur Verfügung. Ich bin froh und glücklich, dass er mit diesem minimalen Rest von dieser, "nur" geistig behindert ist und nicht tot.

Hingegen würde ich nicht behaupten, dass er Lernschwierigkeiten hat. Die hat er vielleicht auch, aber selbst wenn ich wollte, diese "Schwierigkeiten" könnte ich nicht ändern, weil er vom Geist ausgesehen, eben behindert ist. Dadurch ist er eigentlich auch, gegenüber Menschen mit einer normalen Hirnfunktion, in der Entwicklung zurückgeblieben.

Wir können neue Begriffe erfinden und alten Wörtern eine neue Bedeutung geben. Es kommt aber nicht auf die Reihenfolge der Buchstaben an, sondern wie wir Menschen diese dann belegen.

Wir würden wir denn einen Menschen im Wachkoma beschreiben? Ist es ein hochintelligenter Mensch, der nicht mehr weiß, dass er lebt? Ist es ein Mensch, dessen Geist nicht mehr in der Lage ist, zu funktionieren? Ist es ein Mensch mit Lernschwierigkeiten, weil er gerade im Koma liegt? Ist er durch das Koma geistig zurückgeblieben?

Generell die Unterscheidung von Menschen in ihren geistigen Fähigkeiten ist irgendwie bereits ein Aussortieren. Vielleicht sollten wir einfach nur von Begabung sprechen. Es gibt Menschen, die sind hochbegabt und können alles schnell aufnehmen und umsetzen. Es gibt Menschen, die sind hochbegabt, was das Malen betrifft, kommen damit nicht weit, weil sie der Mathematik nicht folgen können. Es gibt blinde, schwerstmehrfachbehinderte Menschen, die das perfekte musikalische Gehör haben und trotzdem lässt man sie nicht an ein Instrument. Wir alle können uns auf eine Art und Weise so entwickeln, wie uns mit der in der Wiege gelegten Begabung vorgegeben ist. Wenn dann eine Behinderung der Umsetzung der Begabung im Wege steht, dann sind wir nun einfach daran "gehindert", "behindert" oder bleiben in der Umsetzung zurück. Manchmal haben wir vielleicht bei der Umsetzung auch nur Schwierigkeiten, die wir hoffen, durch Training abzubauen. Aber z.B. ein blinder Mensch hat keine "Schwierigkeiten", sondern er ist und bleibt meist auch blind. Dadurch entstehen ihm höchstens Schwierigkeiten. Und wenn ich z.B. das Wort Blind nun in das Wort Sehschwierigkeiten umändern würde, würde es keine Veränderung in dem körperlichen Zustand bringen. Es hört sich nur angenehmer an. Sehbehindert lässt immer noch kleine Türchen offen - mehr aber nicht.
Myriam 06.06.2012, 10:30#16
AW: "Inklusion - gemeinsam anders" auf BR-alpha

Kann es sein, dass Menschen mit einer geistigen Behinderung gerne von der Gesellschaft aus der Normalität herausgenommen werden, weil ihnen von der Gesellschaft meist die Eigenschaft "sozialschwach" zugeordnet wird? Und hat man nicht auch im Film wieder eine "passende" Familiensituation dem Paul angehängt? Da fängt für mich schon eine Art Aus- bzw. Abgrenzung, unabhängig der eigentlichen Behinderung, an.
nonplus 06.06.2012, 10:32#17
AW: "Inklusion - gemeinsam anders" auf BR-alpha

Hallo,
wenn Sie sich meine Aussage(andere übrigens kommen auch zu dieser Erkenntnis) nicht vorstellen können, dann erklären Sie mir bitte, welche Motive den der Hersteller des Films hatte, was wollte er unter Berücksichtiung der Handlung(Paul stellte den "als geistig zurückgebliebenen erklärten" dar und wurde als gefährlich gebracht und musste am Ende deshalb in eine Sondereinrichtung). Welche Nutzen hat dieser Film frü wen. Wem bringt er Etwas?
Wie soll nach diesem Film die Umsetzung der UN-Konvention zur Inklusion erfolgreich verlaufen können?

Wie kann eine Sondereinrichtung ein Heimat für Betroffene sein?
Ihren letzten Satz verstehe aber wieder anders, als wenn auch Sie gegen Sondereinrichtungen sind, weil es keine sinnvolle Lösung ist, Menschen die hilfsbedürftig sind unter Gleichen unterzubringen.

Grüsse
Nonplus
Zitat von Myriam
Hallo nonplus,

Die Aussage, dass Förderschulen dahinterstecken, halte ich an den Haaren beigezogen. Diese kämpfen händeringend um mehr Personal, um gerade diesem Personenkreis (verhaltensauffällig) überhaupt eine Heimat bieten zu können. Eher Nichtbetroffene können sich solche Lösungen, also die Betroffenen alle unter sich, als die perfekte Lösung vorstellen.
Myriam 06.06.2012, 10:40#18
AW: "Inklusion - gemeinsam anders" auf BR-alpha

Und wenn ich manchmal mitbekomme, dass man Eltern von Menschen mit einer geistigen Behinderung noch nicht einmal zutraut, intellektuelle Schriftstücke lesen zu können, geschweige denn Schriftstücke mit ihren eigenen Worten verfasst zu haben, dann nenne ich das Ausgrenzung der feinsten Art. Und warum in aller Welt wird alleinerziehenden Müttern von Kindern mit einer geistigen Behinderung immer ein lotteres Sexualleben zugeordnet?
Myriam 06.06.2012, 10:51#19
AW: "Inklusion - gemeinsam anders" auf BR-alpha
Zitat von nonplus
Hallo,
wenn Sie sich meine Aussage(andere übrigens kommen auch zu dieser Erkenntnis) nicht vorstellen können, dann erklären Sie mir bitte, welche Motive den der Hersteller des Films hatte, was wollte er unter Berücksichtiung der Handlung(Paul stellte den "als geistig zurückgebliebenen erklärten" dar und wurde als gefährlich gebracht und musste am Ende deshalb in eine Sondereinrichtung). Welche Nutzen hat dieser Film frü wen. Wem bringt er Etwas?
Wie soll nach diesem Film die Umsetzung der UN-Konvention zur Inklusion erfolgreich verlaufen können?

Wie kann eine Sondereinrichtung ein Heimat für Betroffene sein?
Ihren letzten Satz verstehe aber wieder anders, als wenn auch Sie gegen Sondereinrichtungen sind, weil es keine sinnvolle Lösung ist, Menschen die hilfsbedürftig sind unter Gleichen unterzubringen.

Grüsse
Nonplus

Hallo nonplus,

Im Film fand ich es mehr als frustrierend, dass man die gelungene Unterbringung unter "Seinesgleichen" hervor ob und als einen Schlag ins Gesicht, dass im Gegenzug das Màdchen an der Welt draussen teilhaben durfte. Das heißt aber nicht, dass ich für die Abschaffung der Fördereinrichtungen bin. Denn ich maße mir nicht an, für alle Betroffenen zu wissen, was für sie und ihr Empfinden gut ist. Mir geht es hier nur um die öffentliche Pauschalisierung.
tine86 06.06.2012, 11:26#20
AW: "Inklusion - gemeinsam anders" auf BR-alpha

Hallo zusammen,:winke:

ich habe die Meinungen zum Thema Inklusion und auch zu diesem Film "Inklusion - gemeinsam anders" mit großem Interesse gelesen.

Meine Frage wäre nun: Wie könnte denn die gesellschaftliche Teilhabe für Eure Kinder konkret aussehen? Welche Wünsche und Ideen hättet Ihr? Hat sich für den/die ein oder andere(n) seit der Ratifizierung der UN-Konvention bereits etwas zum Positiven verändert? Oder gibt es auch jemanden, der diesbezüglich schlechte Erfahrungen gemacht hat?
miau 06.06.2012, 20:21#21
AW: "Inklusion - gemeinsam anders" auf BR-alpha
Zitat von Myriam
Und wenn ich manchmal mitbekomme, dass man Eltern von Menschen mit einer geistigen Behinderung noch nicht einmal zutraut, intellektuelle Schriftstücke lesen zu können, geschweige denn Schriftstücke mit ihren eigenen Worten verfasst zu haben, dann nenne ich das Ausgrenzung der feinsten Art. Und warum in aller Welt wird alleinerziehenden Müttern von Kindern mit einer geistigen Behinderung immer ein lotteres Sexualleben zugeordnet?

geht es dir auch so?
Bisher hatte ich mich geweigert, dies als wahr anzuerkennen. :unsicher:
Drum fällt auch gar keinen auf, wenn ich davon rede, dass ich keine Ahnung habe. Weil sie (manch andere) davon ausgehen, dass dem so ist.

micha