AW: Der Ludwig lacht
Nochmal hierzu eine Beobachtung/Bemerkung:
Darin sehe ich ein grosses Problem, denn ich sehe die Denkweise "Wer freiwillig ein behindertes Kind bekommt, ist selbst Schuld und soll schauen wo er bleibt." bereits in den Köpfen verankert, die Eltern, die sich willentlich und wissentlich für ihr behindertes Kind entscheiden ins Abseits gedrängt.
Ja Claudia, dieses Gefühl der Denkweise hat mich auch schon manches beschlichen im "Kampf" mit den Behörden.....und manch "unsensiblen" Zeitgenossen (auch in der Familie/Verwandschaft)..
Erschreckend finde ich zudem auch die "schwarz-weisse" Denkweise:
trete ich als Mutter eines behinderten Kindes auf, die sich bewusst dafür entschieden hat, diesem Kind das Leben zu schenken und zu gebären, trifft man auf Aussagen, wie:
"Ja, hätte man das nicht vorher wegmachen können? Warum tun Sie sich und dem Kind sowas an? Denken Sie doch mal an die Gesellschaft, die das alles zahlen soll.....das ist doch kein lebenswertes Leben..." - usw. usw.:
Trete ich als Pflegemutter eines behinderten Kindes auf, die sich bewusst für die Aufnahme des Kindes entschieden hat, höre ich Kommentare wie:
"Menschen wie Sie braucht die Welt, ach, was Sie alles leisten! Ich finde das ja so toll..." usw. usw.
Ich empfinde das so sagenhaft ungerecht!
Manche versuchen mich dann noch in ihr Boot zu holen, mit "Stammtischparolen", wie:
"Sagen Sie doch mal im Vertrauen? Wer ist denn da Schuld? Ich meine, hätte man die Mutter nicht sterlisieren können - dann wäre
sowas doch gar nicht passiert..."
Auch "biologischen" Müttern gebührt die Anerkennung, die sich bewusst für ihr behindertes Kind entscheiden - oder ihnen erst Recht!
- Sie müssen den Trauerprozess durchleben,
- sie werden nicht in Seminaren und Einzelgesprächen auf ihr behindertes Kind vorbereitet,
- sie bekommen kein Pflegegeld dafür, dass sie ein behindertes Kind erziehen (Pflegestufe mal ausgenommen),
- sie hatten nicht die Wahl, die ich hatte,
- sie können nur zwischen "Leben und Tod" entscheiden (mein Pflegekind war schon da....)
- sie quälen sich oft mit unnötigen Schuldfragen usw. usw.
Als Pflegemama sitze ich hier noch vergleichsmässig paradiesich gebettet - ich habe hier ein hochkompetentes Jugendamt, an das ich mich wenden kann.
Dort kann ich mich beraten lassen, dort bekomme ich Supervision, dort kann ich mich mal ausk**** --- ich fühle mich anerkannt, angenommen....es geht mir gut mit meinem behinderten Pflegekind.
Ich muss keine Angst haben, soziale Kontakte zu verlieren - ich bin so gesellschaftlich eingebunden, schon alleine weil "mein" JA nicht nur Pflegekinder vermittelt, sondern sich auch drum bemüht, soziale Kontakte zu vermitteln...usw. usw.
Wo bleibt denn aber die Anerkennung für all die Mütter, die ihr Kind nicht vorgeburtlich "einschlafen" (....
....) haben lassen, sondern die sich dem stellen, dass sie ein behindertes Kind zur Welt bringen???