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Den eigenen Einfluss neu entdecken

Franz Josef Neffe 04.01.2010, 23:01#1
Wenn wir die Augen aufmachen und exakt beobachten und untersuchen, ist es nicht zu übersehen: Das was wir Erziehung und Bildung nennen (und noch viel mehr) läuft heute exklusiv über FREMDEN Einfluss. Und wenn es damit nicht klappt - was so gut wie immer der Fall ist - wird das immer noch weiter perfektioniert. Als Ich-kann-Schule-Lehrer gehe ich einen anderen Weg: den Erfolgsweg der Neuentdeckung des eigenen Einflusses.
Ich sehe z.B. dass der bewusste Verstand, auf den alle immerzu einreden und dem sie ständig was erklären wollen, bis alle Klarheit vernichtet ist, für fast gar nichts zuständig ist, was wir von ihm wollen. Unsere lebenswichtigen Kräfte und TALENTE werden IM UNBEWUSSTEN gesteuert. Um dieses Unbewusste kümmert man sich aber nicht nur nicht, man misshandelt es und die dort schlummernden Talente oft geradezu durch suggestiv wirksame, abwertende, von der eigenen Entwicklung ablenkende Diagnosen, sonstige Aussagen, "Fördermaßnahmen" und mehr desgleichen.
Wenn ich mich in die Position eines Talents im Unbewussten versetze und erspüre, wie die angewandte Pädagogik sich in dieser Position anfühlt, wird es gut verständlich, dass gerade die feinsten TALENTE des Menschen vor soviel päd. Plumpheit, Arroganz und Lebensfremdheit die Fluchtb ergreifen und sich in Sicherheit bringen. Und die Wissenschaft macht dann ihre "Tests" und verkündigt in kleinkariertem Triumpf, die Intelligenz sei nicht da - das stimmt. Aber dass sie dann interpretiert, es gebe sie nicht, ist nur ein Indiz für IHRE Dummheit und nicht für die der Intelligenz.
Wenn ich diese verprellten, verletzten, entwürdigten TALENTE & Kräfte nicht von oben herab anspreche sondern - wie das in der IKS üblich ist - von unten hinauf, wenn ich sie achte und ihnen ihre Güte bestätige, dann kommen diese angeblich nicht vorhandenen Kräfte nicht nur heraus sondern - und das ist mir ganz besonders wichtig - wir werden Freunde.
Man kann ohne weiteres auch mit den Talenten in den Menschen FREUND werden, die wir von oben herab AUTISTEN nennen. In der ZHEILPÄD 35, 1984, S.200 ff. oder in der neuen Ich-kann-Schule, 2007, S.132 ff habe ich ein konkretes Erfolgserlebnis in der Heckscher Klinik berichtet. Diese "Autisten" habe ich stets als Himmelsboten bezeichnet, die den unabänderlichen Auftrag haben, uns vorzuspiegeln, was für sture Autisten WIR geworden sind. Die betroffenen Kinder dürfen erst aufhören uns als AUTISTEN zu SPIEGELN, wenn wir selbst uns verändert haben.
Sie spiegeln uns - wenn wir nur genau hinschauen - dass und wie wir durch unseren lebensfeindlichen PÄDAGOGIKVOLLZUG AUTISMUS PRODUZIEREN: Wir machen UNS + DIE KINDER zu Autisten: Wir machen stereotyp Irrsinn und führen uns wie die Irren auf, wenn jemand uns davon abzubringen sucht.
Es geht also mitnichten um "isolierte Probleme besonderer Kinder" - es geht um uns alle und letztlich um unsere Existenz.
In der neuen Ich-kann-Schule versuche ich seit 35 Jahren zu zeigen, wie tödlich unsere künstlich konstruierte "Pädagogik" sich entwickelt und wie massiv wir davon betroffen sind. Wenn ich vor 25 Jahren in meinen Vorträgen - begründet -sagte: "Ich wundere mich, dass bei uns so wenig Lehrer ermordet werden.", dann hielt man das für Satire; nach Erfurt, Winnenden & Co. beginnt langsam etwas wie Nachdenklichkeit. Wir machen nach wie vor in den meisten Problemfällen mit den Kräften, auf die es ankommt, alles verkehrt - nur perfekter als früher. Das ist unser Drama: Wir verwechseln die Perfektionierung des Fehlers mit der Lösung.
Für Lösung müssten wir alles anders machen: Sog statt Druck, Umgang mit dem Unbewussten statt Forcierung der bewussten Anstrengungen usw.; statt mit sachlichen und fachlichen Übungen die geschwächte Persönlichkeit noch mehr auszulaugen, müssten wir sie erst einmal STÄRKEN etc. Es ist im Grunde banal, an was wir alle scheitern, und dies besonders krass angesichts der pseudowissenschaftlichen Aufgeblasenheit, mit der alle alles wissen aber gar nichts können. So reden immer mehr Leute über immer mehr Probleme immer noch gescheiter daher - aber keiner kann ein Problem lösen.
Als Ich-kann-Schule-Lehrer akzeptiere ich jemand, der etwas anschaffen will, erst, wenn er konkret und erfolgreich vormacht, wie es geht. Aufgeblasene Nichtkönner in Führungspositionen gibt es genug, aber zum Führen muss man mit mitreißendem Vorbild vorauseilen. Ich fordere dieses Vorbild ein: das Ich-kann-Vorbild. Das brauche ich nämlich zur Entwicklung des eigenen Einflusses und nicht wissenschaftlich verbrämte Einwickelungsversuche.
Ich denke, dass man gerade große und schwere Probleme sehr oft sehr gut lösen kann, ganz einfach deswegen, weil sie REIF für eine Lösung sind. Wer natürlich keine Ahnung von Lösung hat, traut sich an große Probleme nicht heran und hält lieber Vorlesungen in denen er doziert, dass das alles nicht so einfach sei. Als ob jemand vom Paier herunter wüsste, ob etwas einfach ist oder nicht!
Nun, ich möchte ein wenig provozieren.
Ich möchte provozieren, dass Ihr die Wissenschaftler alle auffordert, den eigenen Einfluss = AUTOSUGGESTION zu erforschen, dem, sind sie nämlich merkwürdigerweise ausgewichen. Ich möchte Euch provozieren, den eigenen Einfluss selbst bewusst wahrzunehmen und in Euch zu stärken. Eine einfache Anregung und Lernhilfe von weltweitem Erfolg ist Coués Autosuggestion; auch in der neuen Ich-kann-Schule oder auch schon auf meiner coue.org-Website könnt Ihr weitere Provokationen genießen und ich komme sogar in die Schulen, wo man sich das zutraut: in die Du-musst-Schulen; und der Sinn und das Ziel davon ist, dass es dadurch ALLEN Talenten in ALLEN Beteiligten (auch den Lehrern, die sich ja zu einer der kränksten Berufsgruppen gemacht haben) entscheidend besser geht. Und das ist möglich. Und noch eine frohe Botschaft: Die Problemlösung ist bedeutend einfacher als mit dem Problem weiterzuleben. Wenn es jemand braucht und ihm dieser Hinweis dient, wäre es gut, ihn weiterzugeben. Ich wünsche Euch allen ein wirklich gutes Jahr 2010 und grüße herzlich.
Franz Josef Neffe
miau 05.01.2010, 10:10#2
AW: Den eigenen Einfluss neu entdecken

Hallo,

ich kann in die Schule gehen hat eine ganz andere Wirkung auf den Schüler, als wenn er sagt, ich muss in die Schule gehen. Woher kommt das? wohl von den Eltern und dann später von den Mitschülern, vor allem älteren. Auch die Medien beteiligen sich an diesem Horrorszenarium Schule mit. Eine veränderte Einstellung zur Schule und zum Lernen macht hier viel aus. Lehrer können viel dazu beitragen, indem sie den Schülern konstruktiv vorleben, was in bzw. mit der Schule alles möglich ist, oder gerade erst durch sie möglich wird.

Unsere Talente sind deswegen ins Unterbewusstsein gekommen, weil der Zugang vor allem durch Angst verwehrt bleibt. Angst verhindert den Zugriff auf die höheren Bereiche des Gehirns. Angst lässt uns reagieren und erst danach schaltet sich das Denkhirn ein.

Wenn ich heute sehe, wie kleine Kinder aufgezogen werden, da schüttele ich schon manchmal mit dem Kopf. Schon mit gesunden Kindern wird in einer vernachlässigenden Weise umgegangen, wobei ich hier nur äußeres meine, wie z.b. fehlende Handschuhe bei dieser Kälte. Wie ergeht es erst den Eltern mit einem behinderten Kind? Sie müssen noch hilfloser sein.

Als drittes möchte ich noch auf die Erzieher und Pädagogen hinweisen, die sich bei den Kindern beweisen müssen, dass nur durch sie dieses oder jenes erst möglich wurde. Das sind Menschen, die nicht mit anderen Kollegen zusammenarbeiten und gemeinsam etwas bewirken wollen. Sie sind Einzelkämpfer und sie wollen genannt werden, wenn es um Fortschritte geht. Dieses Verhalten ist bei behinderten Schülern noch mehr verbreitet als bei gesunden.

lg Micha
Fine 05.01.2010, 11:24#3
AW: Den eigenen Einfluss neu entdecken

Angst verhindert den Zugriff auf die höheren Bereiche des Gehirns

Hallo,
das kann natürlich stimmen. Aaaaaaaaaaber, wir hatten die die Diskussion mit der Suggestion schon mal. Und leider, Herr Neffe, wird mit Autosuggestion nun mal ein geschädigtes Gehirn, in welcher Form auch immer nicht geheilt. Es wäre schön, wenn sie hier nicht immer eine Suggestion so beschreiben würden, als könne sie wahre WUNDER bewirken. Entgegen Ihren Verbreitungen, behaupte ich nämlich, das dies UNMÖGLICH ist. Man versucht je nachdem, was ein Kind für ein Krankheitsbild hat, das Gehrin zu trainieren und wenn man Glück hat, übernehmen andere Bahnen Aufgaben der geschädigten. Das leider meist nicht in vollen Umfang. Es wäre schön, Herr Neffe, wenn sie sich auf dem Boden der Tatsachen bewegen würden. Schwere Behinderungen können NICHT mit Autosuggestion behoben werden!!!
Franz Josef Neffe 05.01.2010, 12:08#4
AW: Den eigenen Einfluss neu entdecken

Nun, jeder hat so seine begrenzten Erkenntnisse - auch ich. Da ich mir dessen bewusst bin, kämpfe ich nicht für die Grenzen sondern ich versuche einfach den nächsten Schritt. Wenn er da nicht gehen sollte, versuche ich es woanders. Ich fühle mich weder für geschädigte Hirne zuständig noch für Unmöglichkeiten noch für die Behebung von Behinderungen. Ich sammle Erfahrungen mit dem Umgang von Kräften und gebe sie weiter - als Anregung. Man kann es natürlich auch als Aufregung nehmen - jeder ist seines Glückes Schmied.
Mein Beitrag ist überschrieben: "Den eigenen Einfluss neu entdecken" und er soll einfach anregen, darauf zu achten, dass immer ein bisschen mehr möglich sein kann als wir jetzt schon eraknnt haben. Es geht mir überhaupt nicht darum, um das zu streiten, was jeder - so oder so bereits erkannt hat oder nicht. Möge jeder mit sich glücklich werden - ich gönne es allen gerne.
Franz Josef Neffe
miau 05.01.2010, 18:27#5
AW: Den eigenen Einfluss neu entdecken
Zitat von Franz Josef Neffe
er soll einfach anregen, darauf zu achten, dass immer ein bisschen mehr möglich sein kann als wir jetzt schon eraknnt haben.
Franz Josef Neffe

Auf den ersten blick kann ich dieser Aussage zustimmen. Es gab einmal Zeiten, da ging ich davon aus, dass meine Tochter nie mehr etwas dazu lernen könnte. Ich dachte, sie sei nach der Pubertät für immer auf ihren damaligen geistigen Zustand festgelegt. Bis ich dann irgendwann den Irrtum in meinem Denken feststellte. Ich bin mehr als doppelt so alt als meine Tochter und lerne ständig hinzu. Wieso enthalte ich ihr das vor? Nur weil sie behindert ist? Ganz schön festgelegt war ich.

Auf den zweiten Blick sehe ich diese Aussage zwiespältig. Gerade wir Eltern von geistig Behinderten haben schon viele Misserfolge erlitten, weil unsere Hoffnungen mit uns durchgegangen sind. Mit Schönrednerein lässt sich nur das Tal der Depressionen erweitern, aber nicht der kranke Zustand in einen gesunden unwandeln. Hinzu kommt, dass Fortschritte viel viel länger dauern, als bei gesunden Menschen. Und irgendwann ist halt die Geduld am Ende.

lg Micha

P.S. Wenn man die User in einem Forum nicht persönlich anschreiben kann, spricht das eher gegen denjenigen, der "Weisheiten" an den Mann bringen will!
Franz Josef Neffe 06.01.2010, 12:29#6
Sorgfalt

Autosuggestion ist einfach ein WERKZEUG, so wie z.B. ein Messer. Mit dem kann ich mir die Butter aufs Brot streichen oder mich in den Finger schneiden. Es liegt an mir, wie ich dieses Werkzeug gebrauche. Mit Autosuggestion ist es nicht anders. Selbstverständlich kann ich mir damit alles schönzureden versuchen, da lade ich mir das Gerede auf und es drückt mich nieder. Du hast sehr gut beobachtet, dass und wie sich dadurch "das Tal der Depression (Niederdrückung) erweitert".
Im Gegensatz zum Messer kann ich aber die Begabung der Autosuggestion nicht weglegen. Sie wirkt - wie Coué (ebenso anschaulich wie Du) zeigte, vom ersten bis zum letzten Atemzug. Es geht für uns überhaupt nicht um die Frage, OB wir uns damit beschäftigen wollen, sondern lediglich um die Frage, WIE. Du siehst ja selbst, wieviel Kostbares Du schon über Dich und den Umgang mit Dir und Deinen Talenten dazugelernt hast.
Könnte es nicht sein, dass "die Hoffnungen, die mit einem durchgegangen sind" "ein Pferd, das man noch nicht lenken gelernt hat" sind? Coué hat einmal sehr plastisch beschrieben, was da zuerst unbewusst geschieht und wie man die Situation bewusst meistern kann. Und "Fortschritte" dauern auch bei "gesunden" Menschen ihre Zeit. Oft schreiten sie fort und sind selbst gar nicht dabei.
Zu einer Frage der Geduld wird ErZIEHung nach meinen Beobachtungen, wenn man einen Lehrplan mit Vorgesetztem im Genick hat und man die Kinder mit erst sanftem und dann immer gesteigerterem DRUCK dazu bewegen will, zum vorgegebenen Ziel zu ZIEHEN. Wir merken gar nicht, wie PARADOX wir oft handeln. In der Ich-kann-Schule habe ich ein anderes Bild. Da ist jeder Mensch ein Lebewesen, und LEBEwesen LEBEN schon einmal von selbst. Seine Nöte und Schwierigkeiten sind mir Wegweiser zu den Kräften, die Hilfe gebrauchen können. Es sind FEINE Kräfte des Geistes und der Seele, die am meisten missachtet sind und darben, und sie brauchen keine Kraftanstrengung von mir sondern FEINEs Verständnis und FEINE Hilfe. Sie haben HUNGER und brauchen was zu essen, damit sie wachsen und ihre Lebensaufgaben erfüllen können. An der Reaktion merke ich dass sie nach Achtung und Anerkennung, Bestätigung ihrer Güte, Solidarität, Interesse an ihrer guten Entwicklung und mehr desgleichen ganz ausgehungert sind. Wenn ich ihnen dieses aus vollem Herzen gebe kannst Du eine Verbesserung aller Lebensfunktionen nicht nur sehen sondern ggf. auch messen. Nun, so gebe ich ihnen, was sie stärkt und aufrichtet. Dadurch entsteht und wächst eine BeZIEHung zwischen den Talenten und mir - wir werden Freunde. Und mit Freunden kann man manchmal sehr viel sehr schnell, was man mit Menschen oder Kräften, die man immer nur missachtet hat, nicht erreicht. Da ist wirklich sehr viel "drin". Und das ist ganz reel und nachprüfbar und reproduzierbar und hat überhaupt nichts mit Selbsttäuschung zu tun, im Gegenteil.
Wenn wir exakt beobachten, dann treffen wir sehr viel öfter Misstrauen gegenüber möglichen Erfolgsbeispielen, während Behauptungen, dass etwas schwer oder gar nicht geht sehr viel öfter glatt übernommen werden. Damit setzt sich jeder selbst die Grenzen, an denen er zu lernen hat. Jeder kommt auch immer wieder ein Stück über seine Grenzen hinaus, einer mühesam und wenig, der andere leichter und weiter. Ich habe Coué deswegen immer wieder erwähnt, weil der nicht durch die Autosuggestion weltberühmt geworden wäre, wenn er nicht so sorgfältig - viel sorgfältiger als andere - damit umgegangen wäre.
Der Mensch ist ein geniales Geschöpf, und wenn er mit sich was erreichen will, sollte er genial mit dem Genius umgehen lernen. Ich grüße herzlich.
Franz Josef Neffe