Hallo,
ich studiere Sozialpädagogik und mir ist schon häufig eine Sache aufgefallen. Es gibt ein paar Eltern, die wollen nicht akzeptieren, dass ihr Kind eine Behinderung hat und streiten dies immer ab. Infolgedessen bekommen die betroffenen Kinder nicht die Hilfen, die sie benötigen. Wie kann man diesen Kindern helfen, damit sie entsprechende Hilfen bekommen? Habt ihr Ideen und könnt mir Ratschläge geben?
AW: Behinderung akzeptieren
Hi Len,
wenn Eltern ein behindertes Kind nicht so fördern, wie es die Mehrheit der behandelnden Ärzte und Therapeuten für nötig halten, helfen dem Kind wohl nur "entspr. offene, aber auch deutliche Gespräche" mit den Eltern. Auch Gespräche der Eltern mit Eltern anderer behinderter Kinder können helfen. Wenn sowas nicht hilft, hilft wohl nur der Gang zum Jugendamt... wenn man es denn für das Kind, gegen die Eltern für nötig hält.
Wobei die Grenzen da sehr weit gesteckt sind. Ich hab, als Sonja die ersten 3 Jahre im KH lag, Eltern kennen gelernt, deren Kind die gleichen Zukunftsaussichten hatte wie Sonja. : Wenn es überhaupt überlebt, wird es den Rest seines Lebens ein Pflegefall sein, immer auf Hilfe angewiesen, nie laufen oder sprechen können. Während ich mir bei den Aussichten gedacht habe.... wenn sie überlebt, werden wir alles mögliche tun, damit sie sich so gut wie möglich entwickeln kann.... dann sehen wir weiter... sagten sich die anderen Eltern.... Wenn er sowieso nie selbstständig, immer ein Pflegefall sein wird, und seine Überlebensaussichten schlecht sind, werden wir ihn den Rest seines Lebens nicht auch noch mit Therapien schwer machen. Sie machten mit ihrem Kind "nur" sanfte Therapien...ich machte mit Sonja "alles" was die Therapeuten anboten. Sie fuhren 2 mal im Jahr zur "sanften" Delphintherapie, wir machten zuhause Therapien nach Vojta, Doman, und was den Therapeuten sonst noch so für Gemeinheiten eingefallen sind.
Heute kann Sonja mit Hilfe kurze Strecken laufen, krabbelt viel herum wenn sie will.... der Junge kann nichts von all dem. Er kann nur kurze Zeit sitzen, muß viel liegen. .. wirkt jedoch ebenso zufrieden wie Sonja. Ob er sich mit anderen Therapien anders entwickelt hätte kann niemand sicher sagen.
Wie weit würdest du zum wohl des Kindes gehen ?

Helmut
AW: Behinderung akzeptieren
Zitat von Len
Hallo,
ich studiere Sozialpädagogik und mir ist schon häufig eine Sache aufgefallen. Es gibt ein paar Eltern, die wollen nicht akzeptieren, dass ihr Kind eine Behinderung hat und streiten dies immer ab. Infolgedessen bekommen die betroffenen Kinder nicht die Hilfen, die sie benötigen. Wie kann man diesen Kindern helfen, damit sie entsprechende Hilfen bekommen? Habt ihr Ideen und könnt mir Ratschläge geben?
Hallo Lena,
man muss aber auch sicher sein können, dass das Kind wirklich behindert ist!
Wir haben ein geistig behindertes Pflegekind (das haben wir bewusst aufgenommen und somit gab es nichts, was wir akzeptieren mussten, sondern es gleich "behindert" aufgenommen haben), wir haben aber auch ein kerngesundes Adoptivkind.
Bei unserem Adoptivkind habe ich den blanken Horror mit "Fachleuten" der "Lebenshilfe" hinter mir.
Es kam mit 18 Monaten aus Afrika zu uns, war entsprechend körperlich verzögert und konnte logischerweise auch nicht gleich perfekt Deutsch.
Im Alter von 3 Jahren wurde es von einem Psychologen der Frühförderung/Lebenshilfe getestet und war laut diesem "Fachmann" geistig behindert und sprachbehindert.
Als ich gesagt habe: "Moment mal - das Kind hat im Alter von 18 Monaten zum ersten Mal die deutsche Sprache gehört..." meinte er, er wüsste schon, was er sage, ich wolle nur nicht die schwere Behinderung meines Kindes wahr haben.
Da ich angeblich die Behinderung negierte und lt. "Lebenshilfe" dringend Hilfe gebräucht hätte, hätte mein kerngesundes und quietschfideles Kind pro Woche 4 Therapien bekommen sollen (die natürlich alle von der "Lebenshilfe" angeboten wurden).
Ich habe mein Kind selbstverständlich sofort aus der Frühförderung herausgenommen, weil ich das starke
Gefühl hatte, man will mich für dumm verkaufen und leere Kassen mit der angedichteten Behinderung meines Kindes füllen.
Ein IQ-Test (K-ABC), den ein unabhängiger Kinderpsychiater dann durchgeführt hatte, ergab einen
Durchschnitts-IQ von 109 (nicht gerade geistig behindert), im VT sogar 129 (und das bei einer angeblich schweren Sprachbehinderung!).
Es kann also durchaus passieren, dass Mütter eine Behinderung "nicht wahr haben wollen", wenn diese gar nicht vorhanden ist.
Meine angeblich so schwer geistig behinderte Adoptivtochter besucht mittlerweile die 5. Klasse einer Hauptschule, redet ohne Punkt und Komma und hat neulich in einem Referat eine 1+ geschrieben - die sicher nicht davon kommt, weil sie sprachlich schwerbehindert ist.
Was wäre aus meinem Kind geworden, wenn die "Lebenshilfe" etwas gegen mich unternommen hätte??? (Gut, die hatten eh keine Chance, weil wir engstens als Adoptiv- und Pflegeeltern mit dem Jugendamt zusammenarbeiten)
Eher hätte ich gute Lust, gegen angedichtete Behinderungen etwas zu unternehmen, denn nicht jede Mutter eines angeblich behinderten Kindes hat das Durchsetzungsvermögen das ich habe.AW: Behinderung akzeptieren
Hey Claudia,
es ist wirklich schlimm das Kinder als behindert eingestuft werden und es nicht sind. Mir war bislang nicht bewusst das es auch solche Fälle gibt. Ich finde es toll, dass du so für dein Kind gekämpft hast. Das können bestimmt nicht alle. Ich weiß auch nicht was schlimmer ist, ob so oder so herum. Ich hatte jetzt an Kinder gedacht wo es wirklich eindeutig ist das eine Behinderun vorliegt. Ich denke da zum Beispiel an ein Mädchen das nicht laufen kann, aber keinen Rollstuhl bekommt, weil es dadurch offensichtlich (Geh-)behindert wäre.
Viele Grüße
AW: Behinderung akzeptieren
Hallo Len,
ich bin leider kein Einzelfall

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Aber wenn es sich um eine offensichtliche Behinderung handelt (so wie Du es beschreibst, ist es ja eine offensichtliche), würde ich mit dem Allgemeinen Sozialdienst des entsprechenden Jugendamtes in Kontakt treten und meine Sorgen um das Kind schildern.